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Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767.

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CXXII h. von den vormunden,
in: daß die bestellung des vormundes in Teutsch-
lande nicht bei einem jeden richter geschehen könne;
sondern bei dem gebürenden (competente judice) des
unmündigen erfolgen müsse, wo nämlich das kind
seinen wonungsstand hat, auch unter was für obrig-
keit dessen vater gestanden hat (§ 69), Boehmer
T. III P. II cons. 175 n. 1 fg.; die güter mögen li-
gen, wo sie wollen; wenn sie nicht allzuweit ent-
fernet sind; in disem falle bestellet wohl die obrig-
keit der gelegenen sache einen pfleger. Von der be-
stätigung der vormundschaft bei den höchsten
Reichs-auch der stände gerichten ist in meinen an-
fangsgründen des gemeinen, und Reichsprocesses
tit. 305 s. 902 fg. des 1ten th. gehandelt, von
Neumann
s. 288 fg. Ayrer in diff. I. R. et G. cum
primis Lubec. in confirmandis tutor.,
Paull
Magn. Volkamers
collatio iur. comm. et Norici
in materia de tutela et cura,
Altd. 1754 § 7 fgg.
s. 11 fg. Derjenige oberherr, und dijenige obrig-
keit, auch gerichtbarkeit, welche die vormunden be-
stellet, hat auch das recht, von selbigen die rech-
nung, wenn sie solche ablegen müssen, zu fodern;
und falls sie untreu oder farlässig befunden wer-
den, abzusezen, auch abzuschaffen, und andere an
ire stellen zu verordnen. Jst der vormund einer
andern gerichtbarkeit unterworfen; so muß er seinem
gerichtsstande, so vil die vormundschaft, und rech-
nungs-ablegung betrift, entsagen, Ernst Coth-
mann
vol. VI resp. 13 n. 2, Andr. Gaill lib. II
obs. CVII.

§ 960
was vor, bei,
und nach bestä-
tigung, auch
autretung der
vormundschaft
im Reiche ge-
schehen soll?

Vor der bestätigung ist 1) auf die sicherheit
des unmündigen zu sehen (§ 958). Zu disem ende
sollen die vormunden vorstand machen, das ist,
sicherheit stellen: daß man wissen könne, woran

sich

CXXII h. von den vormunden,
in: daß die beſtellung des vormundes in Teutſch-
lande nicht bei einem jeden richter geſchehen koͤnne;
ſondern bei dem gebuͤrenden (competente judice) des
unmuͤndigen erfolgen muͤſſe, wo naͤmlich das kind
ſeinen wonungsſtand hat, auch unter was fuͤr obrig-
keit deſſen vater geſtanden hat (§ 69), Boehmer
T. III P. II conſ. 175 n. 1 fg.; die guͤter moͤgen li-
gen, wo ſie wollen; wenn ſie nicht allzuweit ent-
fernet ſind; in diſem falle beſtellet wohl die obrig-
keit der gelegenen ſache einen pfleger. Von der be-
ſtaͤtigung der vormundſchaft bei den hoͤchſten
Reichs-auch der ſtaͤnde gerichten iſt in meinen an-
fangsgruͤnden des gemeinen, und Reichsproceſſes
tit. 305 ſ. 902 fg. des 1ten th. gehandelt, von
Neumann
ſ. 288 fg. Ayrer in diff. I. R. et G. cum
primis Lubec. in confirmandis tutor.,
Paull
Magn. Volkamers
collatio iur. comm. et Norici
in materia de tutela et cura,
Altd. 1754 § 7 fgg.
ſ. 11 fg. Derjenige oberherr, und dijenige obrig-
keit, auch gerichtbarkeit, welche die vormunden be-
ſtellet, hat auch das recht, von ſelbigen die rech-
nung, wenn ſie ſolche ablegen muͤſſen, zu fodern;
und falls ſie untreu oder farlaͤſſig befunden wer-
den, abzuſezen, auch abzuſchaffen, und andere an
ire ſtellen zu verordnen. Jſt der vormund einer
andern gerichtbarkeit unterworfen; ſo muß er ſeinem
gerichtsſtande, ſo vil die vormundſchaft, und rech-
nungs-ablegung betrift, entſagen, Ernſt Coth-
mann
vol. VI reſp. 13 n. 2, Andr. Gaill lib. II
obſ. CVII.

§ 960
was vor, bei,
und nach beſtaͤ-
tigung, auch
autretung der
vormundſchaft
im Reiche ge-
ſchehen ſoll?

Vor der beſtaͤtigung iſt 1) auf die ſicherheit
des unmuͤndigen zu ſehen (§ 958). Zu diſem ende
ſollen die vormunden vorſtand machen, das iſt,
ſicherheit ſtellen: daß man wiſſen koͤnne, woran

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[560/0584] CXXII h. von den vormunden, in: daß die beſtellung des vormundes in Teutſch- lande nicht bei einem jeden richter geſchehen koͤnne; ſondern bei dem gebuͤrenden (competente judice) des unmuͤndigen erfolgen muͤſſe, wo naͤmlich das kind ſeinen wonungsſtand hat, auch unter was fuͤr obrig- keit deſſen vater geſtanden hat (§ 69), Boehmer T. III P. II conſ. 175 n. 1 fg.; die guͤter moͤgen li- gen, wo ſie wollen; wenn ſie nicht allzuweit ent- fernet ſind; in diſem falle beſtellet wohl die obrig- keit der gelegenen ſache einen pfleger. Von der be- ſtaͤtigung der vormundſchaft bei den hoͤchſten Reichs-auch der ſtaͤnde gerichten iſt in meinen an- fangsgruͤnden des gemeinen, und Reichsproceſſes tit. 305 ſ. 902 fg. des 1ten th. gehandelt, von Neumann ſ. 288 fg. Ayrer in diff. I. R. et G. cum primis Lubec. in confirmandis tutor., Paull Magn. Volkamers collatio iur. comm. et Norici in materia de tutela et cura, Altd. 1754 § 7 fgg. ſ. 11 fg. Derjenige oberherr, und dijenige obrig- keit, auch gerichtbarkeit, welche die vormunden be- ſtellet, hat auch das recht, von ſelbigen die rech- nung, wenn ſie ſolche ablegen muͤſſen, zu fodern; und falls ſie untreu oder farlaͤſſig befunden wer- den, abzuſezen, auch abzuſchaffen, und andere an ire ſtellen zu verordnen. Jſt der vormund einer andern gerichtbarkeit unterworfen; ſo muß er ſeinem gerichtsſtande, ſo vil die vormundſchaft, und rech- nungs-ablegung betrift, entſagen, Ernſt Coth- mann vol. VI reſp. 13 n. 2, Andr. Gaill lib. II obſ. CVII. § 960 Vor der beſtaͤtigung iſt 1) auf die ſicherheit des unmuͤndigen zu ſehen (§ 958). Zu diſem ende ſollen die vormunden vorſtand machen, das iſt, ſicherheit ſtellen: daß man wiſſen koͤnne, woran ſich

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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 560. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/584>, abgerufen am 22.02.2019.