Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767.

Bild:
<< vorherige Seite
vom besize, und mitbesize.
Vom mitbesize.
§ 1888

Der mitbesiz ist etwas teutsches, gleichwie das
possessorium summarlissimum eine teutsche erfin-
dung ist, und den Römern ganz unbekannt gewe-
sen. Den mitbesiz hat man, rechtlicher art nach
(§ 1891 des 1ten th.), auf gleiche weise, wie den be-
siz, oder nach dem wechsel, der wandelung (§ 1713).
Bei den Teutschen war der saz: körperliche dinge
werden nur besessen, und die unkörperliche waren
darunter mit begriffen (§ 1875). Wenn einer
eine sache erlanget hatte; so gewärete der gebüren-
de richter den besiz (§ 1856). Den rechtlichen
mitbesiz erlanget man allso ebenfalls durch den
richter; wie auch die handhabungs-decrete (ma-
nutenenz); obschon desselben ergreiffung, vermittels
eines notariens, und der zeugen geschehen kan (§
1881). Besize ich etwas von regalien, u. d. gl.;
so hat die handhabung des besizes wider den regen-
ten, und oberen nicht anders statt, als wenn ich den
titel meines besizes gezimend anzugeben vermag (§
1886 des 1ten th.). Ein mitbesizer kan, one des
andern gehelung, nichts veräussern (§ 1870 des
1ten th.).

§ 1892

Man hat nicht allein in den teutschen Reichs-vom streitigen
mitbesize.

gesäzen den streitigen besiz (§ 1878), Hofmann
in der teutschen Reichspraxis 2ten bande s. 359 fg.
§ 1460, und 3ten bande s. 333 fgg. § 2519 --
2521; sondern es ist auch öfters der mitbesiz strei-
tig. Wenn dises leztere sich äussert, und der besi-
zer den anmaßlichen mitbesizer, welcher des besizers
besiz selbst einräumet, und gestehet; zur aufrecht-
erhaltung seines rechtes, pfändet, darf der vermeint-

liche
F f f 2
vom beſize, und mitbeſize.
Vom mitbeſize.
§ 1888

Der mitbeſiz iſt etwas teutſches, gleichwie das
poſſeſſorium ſummarliſſimum eine teutſche erfin-
dung iſt, und den Roͤmern ganz unbekannt gewe-
ſen. Den mitbeſiz hat man, rechtlicher art nach
(§ 1891 des 1ten th.), auf gleiche weiſe, wie den be-
ſiz, oder nach dem wechſel, der wandelung (§ 1713).
Bei den Teutſchen war der ſaz: koͤrperliche dinge
werden nur beſeſſen, und die unkoͤrperliche waren
darunter mit begriffen (§ 1875). Wenn einer
eine ſache erlanget hatte; ſo gewaͤrete der gebuͤren-
de richter den beſiz (§ 1856). Den rechtlichen
mitbeſiz erlanget man allſo ebenfalls durch den
richter; wie auch die handhabungs-decrete (ma-
nutenenz); obſchon deſſelben ergreiffung, vermittels
eines notariens, und der zeugen geſchehen kan (§
1881). Beſize ich etwas von regalien, u. d. gl.;
ſo hat die handhabung des beſizes wider den regen-
ten, und oberen nicht anders ſtatt, als wenn ich den
titel meines beſizes gezimend anzugeben vermag (§
1886 des 1ten th.). Ein mitbeſizer kan, one des
andern gehelung, nichts veraͤuſſern (§ 1870 des
1ten th.).

§ 1892

Man hat nicht allein in den teutſchen Reichs-vom ſtreitigen
mitbeſize.

geſaͤzen den ſtreitigen beſiz (§ 1878), Hofmann
in der teutſchen Reichspraxis 2ten bande ſ. 359 fg.
§ 1460, und 3ten bande ſ. 333 fgg. § 2519 —
2521; ſondern es iſt auch oͤfters der mitbeſiz ſtrei-
tig. Wenn diſes leztere ſich aͤuſſert, und der beſi-
zer den anmaßlichen mitbeſizer, welcher des beſizers
beſiz ſelbſt einraͤumet, und geſtehet; zur aufrecht-
erhaltung ſeines rechtes, pfaͤndet, darf der vermeint-

liche
F f f 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0843" n="819"/>
      <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">vom be&#x017F;ize, und mitbe&#x017F;ize.</hi> </fw><lb/>
      <div n="1">
        <head><hi rendition="#b">Vom mitbe&#x017F;ize.</hi><lb/>
§ 1888</head><lb/>
        <p>Der mitbe&#x017F;iz i&#x017F;t etwas teut&#x017F;ches, gleichwie das<lb/>
po&#x017F;&#x017F;e&#x017F;&#x017F;orium &#x017F;ummarli&#x017F;&#x017F;imum eine teut&#x017F;che erfin-<lb/>
dung i&#x017F;t, und den Ro&#x0364;mern ganz unbekannt gewe-<lb/>
&#x017F;en. Den mitbe&#x017F;iz hat man, rechtlicher art nach<lb/>
(§ 1891 des 1ten th.), auf gleiche wei&#x017F;e, wie den be-<lb/>
&#x017F;iz, oder nach dem wech&#x017F;el, der wandelung (§ 1713).<lb/>
Bei den Teut&#x017F;chen war der &#x017F;az: ko&#x0364;rperliche dinge<lb/>
werden nur be&#x017F;e&#x017F;&#x017F;en, und die unko&#x0364;rperliche waren<lb/>
darunter mit begriffen (§ 1875). Wenn einer<lb/>
eine &#x017F;ache erlanget hatte; &#x017F;o gewa&#x0364;rete der gebu&#x0364;ren-<lb/>
de richter den be&#x017F;iz (§ 1856). Den rechtlichen<lb/>
mitbe&#x017F;iz erlanget man all&#x017F;o ebenfalls durch den<lb/>
richter; wie auch die handhabungs-decrete (ma-<lb/>
nutenenz); ob&#x017F;chon de&#x017F;&#x017F;elben ergreiffung, vermittels<lb/>
eines notariens, und der zeugen ge&#x017F;chehen kan (§<lb/>
1881). Be&#x017F;ize ich etwas von regalien, u. d. gl.;<lb/>
&#x017F;o hat die handhabung des be&#x017F;izes wider den regen-<lb/>
ten, und oberen nicht anders &#x017F;tatt, als wenn ich den<lb/>
titel meines be&#x017F;izes gezimend anzugeben vermag (§<lb/>
1886 des 1ten th.). Ein mitbe&#x017F;izer kan, one des<lb/>
andern gehelung, nichts vera&#x0364;u&#x017F;&#x017F;ern (§ 1870 des<lb/>
1ten th.).</p><lb/>
        <div n="2">
          <head>§ 1892</head><lb/>
          <p>Man hat nicht allein in den teut&#x017F;chen Reichs-<note place="right">vom &#x017F;treitigen<lb/>
mitbe&#x017F;ize.</note><lb/>
ge&#x017F;a&#x0364;zen den &#x017F;treitigen be&#x017F;iz (§ 1878), <hi rendition="#fr">Hofmann</hi><lb/>
in der teut&#x017F;chen Reichspraxis 2ten bande &#x017F;. 359 fg.<lb/>
§ 1460, und 3ten bande &#x017F;. 333 fgg. § 2519 &#x2014;<lb/>
2521; &#x017F;ondern es i&#x017F;t auch o&#x0364;fters der mitbe&#x017F;iz &#x017F;trei-<lb/>
tig. Wenn di&#x017F;es leztere &#x017F;ich a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;ert, und der be&#x017F;i-<lb/>
zer den anmaßlichen mitbe&#x017F;izer, welcher des be&#x017F;izers<lb/>
be&#x017F;iz &#x017F;elb&#x017F;t einra&#x0364;umet, und ge&#x017F;tehet; zur aufrecht-<lb/>
erhaltung &#x017F;eines rechtes, pfa&#x0364;ndet, darf der vermeint-<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">F f f 2</fw><fw place="bottom" type="catch">liche</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[819/0843] vom beſize, und mitbeſize. Vom mitbeſize. § 1888 Der mitbeſiz iſt etwas teutſches, gleichwie das poſſeſſorium ſummarliſſimum eine teutſche erfin- dung iſt, und den Roͤmern ganz unbekannt gewe- ſen. Den mitbeſiz hat man, rechtlicher art nach (§ 1891 des 1ten th.), auf gleiche weiſe, wie den be- ſiz, oder nach dem wechſel, der wandelung (§ 1713). Bei den Teutſchen war der ſaz: koͤrperliche dinge werden nur beſeſſen, und die unkoͤrperliche waren darunter mit begriffen (§ 1875). Wenn einer eine ſache erlanget hatte; ſo gewaͤrete der gebuͤren- de richter den beſiz (§ 1856). Den rechtlichen mitbeſiz erlanget man allſo ebenfalls durch den richter; wie auch die handhabungs-decrete (ma- nutenenz); obſchon deſſelben ergreiffung, vermittels eines notariens, und der zeugen geſchehen kan (§ 1881). Beſize ich etwas von regalien, u. d. gl.; ſo hat die handhabung des beſizes wider den regen- ten, und oberen nicht anders ſtatt, als wenn ich den titel meines beſizes gezimend anzugeben vermag (§ 1886 des 1ten th.). Ein mitbeſizer kan, one des andern gehelung, nichts veraͤuſſern (§ 1870 des 1ten th.). § 1892 Man hat nicht allein in den teutſchen Reichs- geſaͤzen den ſtreitigen beſiz (§ 1878), Hofmann in der teutſchen Reichspraxis 2ten bande ſ. 359 fg. § 1460, und 3ten bande ſ. 333 fgg. § 2519 — 2521; ſondern es iſt auch oͤfters der mitbeſiz ſtrei- tig. Wenn diſes leztere ſich aͤuſſert, und der beſi- zer den anmaßlichen mitbeſizer, welcher des beſizers beſiz ſelbſt einraͤumet, und geſtehet; zur aufrecht- erhaltung ſeines rechtes, pfaͤndet, darf der vermeint- liche vom ſtreitigen mitbeſize. F f f 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/843
Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 819. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/843>, abgerufen am 22.02.2019.