Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Fessler, Ignaz Aurelius]: Eleusinien des neunzehnten Jahrhunderts. Bd. 1. Berlin, 1802

Bild:
<< vorherige Seite
II.
Noch eine Stimme über die h. Gr.


Niederreißen ist leicht, neu bauen lohnend; in
medio virtus.
Wer aus allem, was mit Fug
und Recht gegen die sogenannten h. Gr. gesagt
und erwiesen werden kann und jedem erleuchteten
Bruder, dem Wahrheit ehrwürdiger ist, als Täu-
schung, bekannt ist, schließen wollte: Wenn die
sogenannten h. Gr. nicht in dem Wesen und in
der Tendenz der Frei-Maurerei liegen, so bedarf
es auch keiner höheren Erkenntniß-Stufen,
der wäre überall mit sich noch nicht einig, war-
um er Frei-Maurer geworden ist und wozu er
es bleibt.

Wer da glaubt: da dieser oder jener unterrich-
tete Bruder, seinen Mitgenossen einige Resul-
tate seines Forschens und Nachdenkens, eine
oder die andre
Ansicht, die er für sich von
der Fr--Mri aufgefaßt hat, freundschaftlich und
brüderlich mittheilt, so hat dieser oder jener erleuch-
tete Bruder alles gesagt, was man überhaupt,
von dem Innern der Fr.-Mri zu wissen braucht,
oder wissen kann; es ist daher nicht nöthig, sich
um höhere Erkenntnißstufen, welche in diesem
oder jenem Logenbunde aufgestellt sind, zu bewer-
ben: der beweist nur seine Vorliebe für die Ar-
muth des Geistes, und sucht ein Mäntelchen, um
seine Denk-Lern- und Arbeitscheue zu bedecken.


II.
Noch eine Stimme uͤber die h. Gr.


Niederreißen iſt leicht, neu bauen lohnend; in
medio virtus.
Wer aus allem, was mit Fug
und Recht gegen die ſogenannten h. Gr. geſagt
und erwieſen werden kann und jedem erleuchteten
Bruder, dem Wahrheit ehrwuͤrdiger iſt, als Taͤu-
ſchung, bekannt iſt, ſchließen wollte: Wenn die
ſogenannten h. Gr. nicht in dem Weſen und in
der Tendenz der Frei-Maurerei liegen, ſo bedarf
es auch keiner hoͤheren Erkenntniß-Stufen,
der waͤre uͤberall mit ſich noch nicht einig, war-
um er Frei-Maurer geworden iſt und wozu er
es bleibt.

Wer da glaubt: da dieſer oder jener unterrich-
tete Bruder, ſeinen Mitgenoſſen einige Reſul-
tate ſeines Forſchens und Nachdenkens, eine
oder die andre
Anſicht, die er fuͤr ſich von
der Fr--Mri aufgefaßt hat, freundſchaftlich und
bruͤderlich mittheilt, ſo hat dieſer oder jener erleuch-
tete Bruder alles geſagt, was man uͤberhaupt,
von dem Innern der Fr.-Mri zu wiſſen braucht,
oder wiſſen kann; es iſt daher nicht noͤthig, ſich
um hoͤhere Erkenntnißſtufen, welche in dieſem
oder jenem Logenbunde aufgeſtellt ſind, zu bewer-
ben: der beweiſt nur ſeine Vorliebe fuͤr die Ar-
muth des Geiſtes, und ſucht ein Maͤntelchen, um
ſeine Denk-Lern- und Arbeitſcheue zu bedecken.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0190" n="172"/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">II.</hi><lb/>
Noch eine Stimme u&#x0364;ber die h. Gr.</hi> </head><lb/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          <p><hi rendition="#in">N</hi>iederreißen i&#x017F;t leicht, neu bauen lohnend; <hi rendition="#aq">in<lb/>
medio virtus.</hi> Wer aus allem, was mit Fug<lb/>
und Recht gegen die &#x017F;ogenannten h. Gr. ge&#x017F;agt<lb/>
und erwie&#x017F;en werden kann und jedem erleuchteten<lb/>
Bruder, dem Wahrheit ehrwu&#x0364;rdiger i&#x017F;t, als Ta&#x0364;u-<lb/>
&#x017F;chung, bekannt i&#x017F;t, &#x017F;chließen wollte: Wenn die<lb/>
&#x017F;ogenannten h. <hi rendition="#g">Gr</hi>. nicht in dem We&#x017F;en und in<lb/>
der Tendenz der Frei-Maurerei liegen, &#x017F;o bedarf<lb/>
es auch keiner ho&#x0364;heren <hi rendition="#g">Erkenntniß-Stufen</hi>,<lb/>
der wa&#x0364;re u&#x0364;berall mit &#x017F;ich noch nicht einig, war-<lb/>
um er Frei-Maurer geworden i&#x017F;t und wozu er<lb/>
es bleibt.</p><lb/>
          <p>Wer da glaubt: da die&#x017F;er oder jener unterrich-<lb/>
tete Bruder, &#x017F;einen Mitgeno&#x017F;&#x017F;en <hi rendition="#g">einige</hi> Re&#x017F;ul-<lb/>
tate <hi rendition="#g">&#x017F;eines</hi> For&#x017F;chens und Nachdenkens, <hi rendition="#g">eine<lb/>
oder die andre</hi> An&#x017F;icht, die er fu&#x0364;r &#x017F;ich von<lb/>
der Fr--Mri aufgefaßt hat, freund&#x017F;chaftlich und<lb/>
bru&#x0364;derlich mittheilt, &#x017F;o hat die&#x017F;er oder jener erleuch-<lb/>
tete Bruder <hi rendition="#g">alles</hi> ge&#x017F;agt, was man <hi rendition="#g">u&#x0364;berhaupt</hi>,<lb/>
von dem Innern der Fr.-Mri zu wi&#x017F;&#x017F;en braucht,<lb/>
oder wi&#x017F;&#x017F;en kann; es i&#x017F;t daher nicht no&#x0364;thig, &#x017F;ich<lb/>
um ho&#x0364;here Erkenntniß&#x017F;tufen, welche in die&#x017F;em<lb/>
oder jenem Logenbunde aufge&#x017F;tellt &#x017F;ind, zu bewer-<lb/>
ben: der bewei&#x017F;t nur &#x017F;eine Vorliebe fu&#x0364;r die Ar-<lb/>
muth des Gei&#x017F;tes, und &#x017F;ucht ein Ma&#x0364;ntelchen, um<lb/>
&#x017F;eine Denk-Lern- und Arbeit&#x017F;cheue zu bedecken.</p><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[172/0190] II. Noch eine Stimme uͤber die h. Gr. Niederreißen iſt leicht, neu bauen lohnend; in medio virtus. Wer aus allem, was mit Fug und Recht gegen die ſogenannten h. Gr. geſagt und erwieſen werden kann und jedem erleuchteten Bruder, dem Wahrheit ehrwuͤrdiger iſt, als Taͤu- ſchung, bekannt iſt, ſchließen wollte: Wenn die ſogenannten h. Gr. nicht in dem Weſen und in der Tendenz der Frei-Maurerei liegen, ſo bedarf es auch keiner hoͤheren Erkenntniß-Stufen, der waͤre uͤberall mit ſich noch nicht einig, war- um er Frei-Maurer geworden iſt und wozu er es bleibt. Wer da glaubt: da dieſer oder jener unterrich- tete Bruder, ſeinen Mitgenoſſen einige Reſul- tate ſeines Forſchens und Nachdenkens, eine oder die andre Anſicht, die er fuͤr ſich von der Fr--Mri aufgefaßt hat, freundſchaftlich und bruͤderlich mittheilt, ſo hat dieſer oder jener erleuch- tete Bruder alles geſagt, was man uͤberhaupt, von dem Innern der Fr.-Mri zu wiſſen braucht, oder wiſſen kann; es iſt daher nicht noͤthig, ſich um hoͤhere Erkenntnißſtufen, welche in dieſem oder jenem Logenbunde aufgeſtellt ſind, zu bewer- ben: der beweiſt nur ſeine Vorliebe fuͤr die Ar- muth des Geiſtes, und ſucht ein Maͤntelchen, um ſeine Denk-Lern- und Arbeitſcheue zu bedecken.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/fessler_eleusinien01_1802
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/fessler_eleusinien01_1802/190
Zitationshilfe: [Fessler, Ignaz Aurelius]: Eleusinien des neunzehnten Jahrhunderts. Bd. 1. Berlin, 1802, S. 172. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fessler_eleusinien01_1802/190>, abgerufen am 21.09.2019.