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[Fessler, Ignaz Aurelius]: Eleusinien des neunzehnten Jahrhunderts. Bd. 2. Berlin, 1803.

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Dreizehnter Brief.


Ehe ich nun noch hinzu füge, Konstant! was ich
Dir in der Reihe dieser Briefe noch sagen will,
laß uns mit wenig Worten den ganzen Weg über-
schauen, den wir zurückgelegt haben.

Die Frei-Maurerei ist, nach unsern Forschun-
gen, eine Anstalt, die das Einseitige der Bildung,
welche der Mensch in der größeren Gesellschaft
erhält, zu verwischen und jene nur halbe Bildung
zur allgemeinen und reinmenschlichen zu erheben
hat. Wir fragten: welches sind die Theile und
Gegenstände der menschlichen Bildung, die in die-
ser Gesellschaft zu erhalten sind? und antworteten:
die Bildung zur Religion, als Bürger einer
unsichtbaren Welt, die für den Staat, als Bür-
ger irgend eines Theils der sichtbaren Welt, end-
lich die für Fertigkeit und Geschicklichkeit, als ver-
nünftiges Wesen, der vernunftlosen Natur
zu gebieten
. Wir fragten wieder: Welches
sind die Mittel der Gesellschaft, diese Bildung
an ihre Mitglieder zu bringen? und antworteten:
Unterricht und Beispiel. Und nunmehr erst
war die Frage zu beantworten: Was kann es ei-
gentlich seyn, das der maurerische Unterricht und
das maurerische Beispeil beendzweckt?

Wir antworteten: In der Religion, Abson-
derung alles Zufälligen, was Zeit- und Ortbedin-
gungen in die religiöse Ansicht der Gesellschaft
gebracht haben, wonach die Religion einseitig entwe-

Dreizehnter Brief.


Ehe ich nun noch hinzu fuͤge, Konſtant! was ich
Dir in der Reihe dieſer Briefe noch ſagen will,
laß uns mit wenig Worten den ganzen Weg uͤber-
ſchauen, den wir zuruͤckgelegt haben.

Die Frei-Maurerei iſt, nach unſern Forſchun-
gen, eine Anſtalt, die das Einſeitige der Bildung,
welche der Menſch in der groͤßeren Geſellſchaft
erhaͤlt, zu verwiſchen und jene nur halbe Bildung
zur allgemeinen und reinmenſchlichen zu erheben
hat. Wir fragten: welches ſind die Theile und
Gegenſtaͤnde der menſchlichen Bildung, die in die-
ſer Geſellſchaft zu erhalten ſind? und antworteten:
die Bildung zur Religion, als Buͤrger einer
unſichtbaren Welt, die fuͤr den Staat, als Buͤr-
ger irgend eines Theils der ſichtbaren Welt, end-
lich die fuͤr Fertigkeit und Geſchicklichkeit, als ver-
nuͤnftiges Weſen, der vernunftloſen Natur
zu gebieten
. Wir fragten wieder: Welches
ſind die Mittel der Geſellſchaft, dieſe Bildung
an ihre Mitglieder zu bringen? und antworteten:
Unterricht und Beiſpiel. Und nunmehr erſt
war die Frage zu beantworten: Was kann es ei-
gentlich ſeyn, das der maureriſche Unterricht und
das maureriſche Beiſpeil beendzweckt?

Wir antworteten: In der Religion, Abſon-
derung alles Zufaͤlligen, was Zeit- und Ortbedin-
gungen in die religioͤſe Anſicht der Geſellſchaft
gebracht haben, wonach die Religion einſeitig entwe-

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[41/0063] Dreizehnter Brief. Ehe ich nun noch hinzu fuͤge, Konſtant! was ich Dir in der Reihe dieſer Briefe noch ſagen will, laß uns mit wenig Worten den ganzen Weg uͤber- ſchauen, den wir zuruͤckgelegt haben. Die Frei-Maurerei iſt, nach unſern Forſchun- gen, eine Anſtalt, die das Einſeitige der Bildung, welche der Menſch in der groͤßeren Geſellſchaft erhaͤlt, zu verwiſchen und jene nur halbe Bildung zur allgemeinen und reinmenſchlichen zu erheben hat. Wir fragten: welches ſind die Theile und Gegenſtaͤnde der menſchlichen Bildung, die in die- ſer Geſellſchaft zu erhalten ſind? und antworteten: die Bildung zur Religion, als Buͤrger einer unſichtbaren Welt, die fuͤr den Staat, als Buͤr- ger irgend eines Theils der ſichtbaren Welt, end- lich die fuͤr Fertigkeit und Geſchicklichkeit, als ver- nuͤnftiges Weſen, der vernunftloſen Natur zu gebieten. Wir fragten wieder: Welches ſind die Mittel der Geſellſchaft, dieſe Bildung an ihre Mitglieder zu bringen? und antworteten: Unterricht und Beiſpiel. Und nunmehr erſt war die Frage zu beantworten: Was kann es ei- gentlich ſeyn, das der maureriſche Unterricht und das maureriſche Beiſpeil beendzweckt? Wir antworteten: In der Religion, Abſon- derung alles Zufaͤlligen, was Zeit- und Ortbedin- gungen in die religioͤſe Anſicht der Geſellſchaft gebracht haben, wonach die Religion einſeitig entwe-

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Zitationshilfe: [Fessler, Ignaz Aurelius]: Eleusinien des neunzehnten Jahrhunderts. Bd. 2. Berlin, 1803, S. 41. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fessler_eleusinien02_1803/63>, abgerufen am 21.04.2019.