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Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

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I. Buch. II. Theil. II. Titel. II. Abschnitt.
§. 126.

Eine Rechtsverletzung des Staats ist dem-
nach strafbarer, als eine Verletzung desselben
Rechts
in einer Privatperson *). Allein die
Verletzung eines durch Polizeygesetze erwor-
benen Rechts steht jeder eigentlichen Ver-
letzung einer Privatperson nach, weil der
Schutz der Rechte des Einzelnen unmittelbar
Staatszweck, ein Polizeygesetz und das daraus
entspringende Recht des Staats nur ein ent-
ferntes Mittel zu jenem Zwecke, ein Mittel
aber an Wichtigkeit seinem Zwecke unterge-
ordnet ist. Privatrechte des Regenten, als Staats-
repräsentanten, stehen mit den Privatrechten
der Unterthanen auf derselben Stufe und eine
Verletzung des Regenten, in so ferne er Pri-
vatperson ist, kann nicht strafbarer seyn, als
die Verletzung desselben Rechts in jedem Un-
terthan **).

B.
Subjective Gründe der Strafbarkeit.
a) Höchste Principien dieser Lehre.
§. 127.

Der subjective Grund aller Rechtsver-
letzungen liegt in illegalen Triebfedern der

Sinn-
*) z. B. Verletzung des Staatseigenthums ist strafbarer, als
Verletzung des Privateigenthums, Angriff auf das
Daseyn des Staats strafbarer, als auf das Leben
einer Privatperson etc.
**) z. B. Diebstahl an den Schattull - Geldern des Lan-
desherrn. -- Bey Privatrechten des Staats selbst
wer-
I. Buch. II. Theil. II. Titel. II. Abſchnitt.
§. 126.

Eine Rechtsverletzung des Staats iſt dem-
nach ſtrafbarer, als eine Verletzung deſſelben
Rechts
in einer Privatperſon *). Allein die
Verletzung eines durch Polizeygeſetze erwor-
benen Rechts ſteht jeder eigentlichen Ver-
letzung einer Privatperſon nach, weil der
Schutz der Rechte des Einzelnen unmittelbar
Staatszweck, ein Polizeygeſetz und das daraus
entſpringende Recht des Staats nur ein ent-
ferntes Mittel zu jenem Zwecke, ein Mittel
aber an Wichtigkeit ſeinem Zwecke unterge-
ordnet iſt. Privatrechte des Regenten, als Staats-
repräſentanten, ſtehen mit den Privatrechten
der Unterthanen auf derſelben Stufe und eine
Verletzung des Regenten, in ſo ferne er Pri-
vatperſon iſt, kann nicht ſtrafbarer ſeyn, als
die Verletzung deſſelben Rechts in jedem Un-
terthan **).

B.
Subjective Gründe der Strafbarkeit.
a) Höchſte Principien dieſer Lehre.
§. 127.

Der ſubjective Grund aller Rechtsver-
letzungen liegt in illegalen Triebfedern der

Sinn-
*) z. B. Verletzung des Staatseigenthums iſt ſtrafbarer, als
Verletzung des Privateigenthums, Angriff auf das
Daſeyn des Staats ſtrafbarer, als auf das Leben
einer Privatperſon etc.
**) z. B. Diebſtahl an den Schattull ‒ Geldern des Lan-
desherrn. — Bey Privatrechten des Staats ſelbſt
wer-
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[102/0130] I. Buch. II. Theil. II. Titel. II. Abſchnitt. §. 126. Eine Rechtsverletzung des Staats iſt dem- nach ſtrafbarer, als eine Verletzung deſſelben Rechts in einer Privatperſon *). Allein die Verletzung eines durch Polizeygeſetze erwor- benen Rechts ſteht jeder eigentlichen Ver- letzung einer Privatperſon nach, weil der Schutz der Rechte des Einzelnen unmittelbar Staatszweck, ein Polizeygeſetz und das daraus entſpringende Recht des Staats nur ein ent- ferntes Mittel zu jenem Zwecke, ein Mittel aber an Wichtigkeit ſeinem Zwecke unterge- ordnet iſt. Privatrechte des Regenten, als Staats- repräſentanten, ſtehen mit den Privatrechten der Unterthanen auf derſelben Stufe und eine Verletzung des Regenten, in ſo ferne er Pri- vatperſon iſt, kann nicht ſtrafbarer ſeyn, als die Verletzung deſſelben Rechts in jedem Un- terthan **). B. Subjective Gründe der Strafbarkeit. a) Höchſte Principien dieſer Lehre. §. 127. Der ſubjective Grund aller Rechtsver- letzungen liegt in illegalen Triebfedern der Sinn- *) z. B. Verletzung des Staatseigenthums iſt ſtrafbarer, als Verletzung des Privateigenthums, Angriff auf das Daſeyn des Staats ſtrafbarer, als auf das Leben einer Privatperſon etc. **) z. B. Diebſtahl an den Schattull ‒ Geldern des Lan- desherrn. — Bey Privatrechten des Staats ſelbſt wer-

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Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 102. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/130>, abgerufen am 25.03.2019.