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Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

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I. Buch. II. Theil. III. Titel. I. Abschnitt.
§. 158.

Die Strafe ist öffentliche Genugthuung,
so wie das Recht, ihre Zufügung zu verlangen,
ein öffentliches Recht ist. Durch die Zufü-
gung der Strafe werden daher die aus dem
Verbrechen entstandenen Privatrechte nicht
aufgehoben. Strafe schliesst Schadenersatz
nicht aus *).

§. 159.

Die Strafe geht aus dem Strafgesetz hervor.
Die Verschiedenheit in den Bestimmungen
eines Strafgesetzes verändert daher auch die
Bestimmungen der Strafe. -- Eine Strafe
heisst absolutlegal (poena absolute legitima
s. legalis)
, wenn das Gesetz absolut bestimmt;
relativ-legal oder relativ-willkührlich (p. sec.
quid. legitima s. arbitraria)
, wenn es ein rela-
tiv-bestimmtes Gesetz ist; schlechthin willkühr-
lich (p arbitraria)
, wenn es ein schlechthin un-
bestimmtes Gesetz ist (§. 84.)

Poena ordinaria -- extraordinaria. -- Extraordinaria
durior -- extraordinaria mitior.

§. 160.

Nach gemeinem Recht gehört die Zuerken-
nung öffentlicher Strafe blos für die Compe-

tenz
*) G. A. Kleinschrod Doctrina de reparatione damni
delicto dati etc.
Spec. I. Wirceb. 1798. Mündlich
von der Parömie: Mit dem Halse bezahlt man alles. --
Mit dem Tode wettet man dem Richter und büsser dem
Kläger. S.
Eisenhart's deutsches Recht in Sprüch-
wörtern.
n. Ausg. S. 499.
I. Buch. II. Theil. III. Titel. I. Abſchnitt.
§. 158.

Die Strafe iſt öffentliche Genugthuung,
ſo wie das Recht, ihre Zufügung zu verlangen,
ein öffentliches Recht iſt. Durch die Zufü-
gung der Strafe werden daher die aus dem
Verbrechen entſtandenen Privatrechte nicht
aufgehoben. Strafe ſchlieſst Schadenerſatz
nicht aus *).

§. 159.

Die Strafe geht aus dem Strafgeſetz hervor.
Die Verſchiedenheit in den Beſtimmungen
eines Strafgeſetzes verändert daher auch die
Beſtimmungen der Strafe. — Eine Strafe
heiſst abſolutlegal (poena abſolute legitima
ſ. legalis)
, wenn das Geſetz abſolut beſtimmt;
relativ-legal oder relativ-willkührlich (p. ſec.
quid. legitima ſ. arbitraria)
, wenn es ein rela-
tiv-beſtimmtes Geſetz iſt; ſchlechthin willkühr-
lich (p arbitraria)
, wenn es ein ſchlechthin un-
beſtimmtes Geſetz iſt (§. 84.)

Poena ordinaria — extraordinaria. — Extraordinaria
durior — extraordinaria mitior.

§. 160.

Nach gemeinem Recht gehört die Zuerken-
nung öffentlicher Strafe blos für die Compe-

tenz
*) G. A. Kleinſchrod Doctrina de reparatione damni
delicto dati etc.
Spec. I. Wirceb. 1798. Mündlich
von der Parömie: Mit dem Halſe bezahlt man alles. —
Mit dem Tode wettet man dem Richter und büſser dem
Kläger. S.
Eiſenhart’s deutſches Recht in Sprüch-
wörtern.
n. Ausg. S. 499.
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[122/0150] I. Buch. II. Theil. III. Titel. I. Abſchnitt. §. 158. Die Strafe iſt öffentliche Genugthuung, ſo wie das Recht, ihre Zufügung zu verlangen, ein öffentliches Recht iſt. Durch die Zufü- gung der Strafe werden daher die aus dem Verbrechen entſtandenen Privatrechte nicht aufgehoben. Strafe ſchlieſst Schadenerſatz nicht aus *). §. 159. Die Strafe geht aus dem Strafgeſetz hervor. Die Verſchiedenheit in den Beſtimmungen eines Strafgeſetzes verändert daher auch die Beſtimmungen der Strafe. — Eine Strafe heiſst abſolutlegal (poena abſolute legitima ſ. legalis), wenn das Geſetz abſolut beſtimmt; relativ-legal oder relativ-willkührlich (p. ſec. quid. legitima ſ. arbitraria), wenn es ein rela- tiv-beſtimmtes Geſetz iſt; ſchlechthin willkühr- lich (p arbitraria), wenn es ein ſchlechthin un- beſtimmtes Geſetz iſt (§. 84.) Poena ordinaria — extraordinaria. — Extraordinaria durior — extraordinaria mitior. §. 160. Nach gemeinem Recht gehört die Zuerken- nung öffentlicher Strafe blos für die Compe- tenz *) G. A. Kleinſchrod Doctrina de reparatione damni delicto dati etc. Spec. I. Wirceb. 1798. Mündlich von der Parömie: Mit dem Halſe bezahlt man alles. — Mit dem Tode wettet man dem Richter und büſser dem Kläger. S. Eiſenhart’s deutſches Recht in Sprüch- wörtern. n. Ausg. S. 499.

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Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 122. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/150>, abgerufen am 24.03.2019.