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Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

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II. Buch, I. Theil. I. Titel. I. Abschnitt.
ein Unterthan des Staats. Ob die Unterwer-
fung als Unterthan blos dinglich (forensis oder
persönlich ist, macht keinen Unterschied *).
IV. Der nothwendige subjective Grund ist Do-
lus
. Culpose Verletzung des Staats kann zwar
bestraft werden, der Begriff von Hochverrath
ist aber nicht anwendbar **).

§. 197.

In Deutschland kann ein Hochverrath be-
gangen werden I von einem unmittelbaren
Reichsbürger an Kaiser und Reich, II. von
einem mittelbaren Reichsunterthan an dem
Territorium, dessen Unterthan er ist. III. von
einem mittelbaren Reichsunterthan an Kaiser
und Reich. Dem Kaiser werden in Ansehung
des Hochverraths die Kurfürsten gleich ge-
setzt ***). Ein Hochverrath an ihnen und ihren
Landen ist daher von so verschiedenen Sub-
jecten möglich, als er an Kaiser und Reich
selbst möglich ist.

§. 198.

Die zum Daseyn eines bestimmten Staats
nothwendigen Bedingungen sind I. Vereinigung
mehrerer zum wechselseitigen Schutz der
Rechte innerhalb eines bestimmten Staatsge-
biets; II. ein bestimmtes Oberhaupt, welches

die
*) Boehmer ad art. 124. §. 6. Quistorp Thl. I.
§. 151. Klein p. R. §. 501. Kleinschrod a. O.
§. 4.
**) L. 11. D. ad L. Jul. maj. "hostili animo." Auch
fodern überall die Gesetze "dolum malum."
***) A. B. c. 24. §. 2.

II. Buch, I. Theil. I. Titel. I. Abſchnitt.
ein Unterthan des Staats. Ob die Unterwer-
fung als Unterthan blos dinglich (forenſis oder
perſönlich iſt, macht keinen Unterſchied *).
IV. Der nothwendige ſubjective Grund iſt Do-
lus
. Culpoſe Verletzung des Staats kann zwar
beſtraft werden, der Begriff von Hochverrath
iſt aber nicht anwendbar **).

§. 197.

In Deutſchland kann ein Hochverrath be-
gangen werden I von einem unmittelbaren
Reichsbürger an Kaiſer und Reich, II. von
einem mittelbaren Reichsunterthan an dem
Territorium, deſſen Unterthan er iſt. III. von
einem mittelbaren Reichsunterthan an Kaiſer
und Reich. Dem Kaiſer werden in Anſehung
des Hochverraths die Kurfürſten gleich ge-
ſetzt ***). Ein Hochverrath an ihnen und ihren
Landen iſt daher von ſo verſchiedenen Sub-
jecten möglich, als er an Kaiſer und Reich
ſelbſt möglich iſt.

§. 198.

Die zum Daſeyn eines beſtimmten Staats
nothwendigen Bedingungen ſind I. Vereinigung
mehrerer zum wechſelſeitigen Schutz der
Rechte innerhalb eines beſtimmten Staatsge-
biets; II. ein beſtimmtes Oberhaupt, welches

die
*) Boehmer ad art. 124. §. 6. Quiſtorp Thl. I.
§. 151. Klein p. R. §. 501. Kleinſchrod a. O.
§. 4.
**) L. 11. D. ad L. Jul. maj. „hoſtili animo.“ Auch
fodern überall die Geſetze „dolum malum.“
***) A. B. c. 24. §. 2.
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[150/0178] II. Buch, I. Theil. I. Titel. I. Abſchnitt. ein Unterthan des Staats. Ob die Unterwer- fung als Unterthan blos dinglich (forenſis oder perſönlich iſt, macht keinen Unterſchied *). IV. Der nothwendige ſubjective Grund iſt Do- lus. Culpoſe Verletzung des Staats kann zwar beſtraft werden, der Begriff von Hochverrath iſt aber nicht anwendbar **). §. 197. In Deutſchland kann ein Hochverrath be- gangen werden I von einem unmittelbaren Reichsbürger an Kaiſer und Reich, II. von einem mittelbaren Reichsunterthan an dem Territorium, deſſen Unterthan er iſt. III. von einem mittelbaren Reichsunterthan an Kaiſer und Reich. Dem Kaiſer werden in Anſehung des Hochverraths die Kurfürſten gleich ge- ſetzt ***). Ein Hochverrath an ihnen und ihren Landen iſt daher von ſo verſchiedenen Sub- jecten möglich, als er an Kaiſer und Reich ſelbſt möglich iſt. §. 198. Die zum Daſeyn eines beſtimmten Staats nothwendigen Bedingungen ſind I. Vereinigung mehrerer zum wechſelſeitigen Schutz der Rechte innerhalb eines beſtimmten Staatsge- biets; II. ein beſtimmtes Oberhaupt, welches die *) Boehmer ad art. 124. §. 6. Quiſtorp Thl. I. §. 151. Klein p. R. §. 501. Kleinſchrod a. O. §. 4. **) L. 11. D. ad L. Jul. maj. „hoſtili animo.“ Auch fodern überall die Geſetze „dolum malum.“ ***) A. B. c. 24. §. 2.

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Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 150. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/178>, abgerufen am 19.03.2019.