Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

Bild:
<< vorherige Seite

II. Buch. I. Theil. I. Titel. II. Abschnitt.
Gewaltthätigkeit bestraft werden. II. Von
Mehrern zugleich: Tumult, Aufruhr im
weitern Sinn Dieser ist eine in Thätigkeit
ausgebrochene öffentliche Vereinigung Mehrerer
zur gewaltthätigen Behauptung ihres rechts-
widrigen Ungehorsams gegen einen einzelnen be-
stimmten Regierungsakt der Staatsgewalt
.

§. 236.

Zum Thatbestand des Verbrechens gehört
I. Vereinigung mehrerer Unterthanen. Ein Ein-
zelner und Fremde begehen es nicht. II. Der
Zweck der Vereinigung ist Behauptung in dem
Ungehorsam durch gemeinschaftliche physi-
sche Kräfte. Dadurch unterscheidet sich die-
ses Verbrechen von dem blossen Auflauf, dem
lärmenden Zusammenfluss mehrerer zu andern
Zwecken. Ob der Tumult gegen den Ober-
herrn selbst, oder nur gegen die Magistrate
desselben gerichtet war, ist an sich gleichviel *).
III. Die Vereinigung muss öffentlich seyn. Da-
her der Untersehied des Tumults von der
Verschwörung und Conspiration IV. Gegen
rechtmässige Befehle der Staatsgewalt. Wi-
dersetzung gegen offenbar ungerechte Befehle
heisst Insurection **). V. Gegen einzelne, be-
stimmte Regierungsakte
. Gewaltsame Wider-
setzung gegen den Oberherrn überhaupt, ge-
gen alle Befehle desselben ist Hochverrath. VI.
Die Vereinigung muss schon in Thätigkeit über-

gegan-
*) Bochmer ad art. 127. §. 1.
**) Feuerbach Anti-Hobbes. Kap. 3.

II. Buch. I. Theil. I. Titel. II. Abſchnitt.
Gewaltthätigkeit beſtraft werden. II. Von
Mehrern zugleich: Tumult, Aufruhr im
weitern Sinn Dieſer iſt eine in Thätigkeit
ausgebrochene öffentliche Vereinigung Mehrerer
zur gewaltthätigen Behauptung ihres rechts-
widrigen Ungehorſams gegen einen einzelnen be-
ſtimmten Regierungsakt der Staatsgewalt
.

§. 236.

Zum Thatbeſtand des Verbrechens gehört
I. Vereinigung mehrerer Unterthanen. Ein Ein-
zelner und Fremde begehen es nicht. II. Der
Zweck der Vereinigung iſt Behauptung in dem
Ungehorſam durch gemeinſchaftliche phyſi-
ſche Kräfte. Dadurch unterſcheidet ſich die-
ſes Verbrechen von dem bloſsen Auflauf, dem
lärmenden Zuſammenfluſs mehrerer zu andern
Zwecken. Ob der Tumult gegen den Ober-
herrn ſelbſt, oder nur gegen die Magiſtrate
deſſelben gerichtet war, iſt an ſich gleichviel *).
III. Die Vereinigung muſs öffentlich ſeyn. Da-
her der Unterſehied des Tumults von der
Verſchwörung und Conſpiration IV. Gegen
rechtmäſsige Befehle der Staatsgewalt. Wi-
derſetzung gegen offenbar ungerechte Befehle
heiſst Inſurection **). V. Gegen einzelne, be-
ſtimmte Regierungsakte
. Gewaltſame Wider-
ſetzung gegen den Oberherrn überhaupt, ge-
gen alle Befehle deſſelben iſt Hochverrath. VI.
Die Vereinigung muſs ſchon in Thätigkeit über-

gegan-
*) Bochmer ad art. 127. §. 1.
**) Feuerbach Anti-Hobbes. Kap. 3.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <div n="6">
                  <div n="7">
                    <p><pb facs="#f0212" n="184"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#i">II. Buch. I. Theil. I. Titel. II. Ab&#x017F;chnitt.</hi></fw><lb/>
Gewaltthätigkeit be&#x017F;traft werden. II. Von<lb/>
Mehrern zugleich: <hi rendition="#g">Tumult, Aufruhr</hi> im<lb/>
weitern Sinn Die&#x017F;er i&#x017F;t <hi rendition="#i">eine in Thätigkeit<lb/>
ausgebrochene öffentliche Vereinigung Mehrerer<lb/>
zur gewaltthätigen Behauptung ihres rechts-<lb/>
widrigen Ungehor&#x017F;ams gegen einen einzelnen be-<lb/>
&#x017F;timmten Regierungsakt der Staatsgewalt</hi>.</p>
                  </div><lb/>
                  <div n="7">
                    <head>§. 236.</head><lb/>
                    <p>Zum Thatbe&#x017F;tand des Verbrechens gehört<lb/>
I. Vereinigung <hi rendition="#i">mehrerer Unterthanen</hi>. Ein Ein-<lb/>
zelner und Fremde begehen es nicht. II. Der<lb/>
Zweck der Vereinigung i&#x017F;t Behauptung in dem<lb/>
Ungehor&#x017F;am durch gemein&#x017F;chaftliche phy&#x017F;i-<lb/>
&#x017F;che Kräfte. Dadurch unter&#x017F;cheidet &#x017F;ich die-<lb/>
&#x017F;es Verbrechen von dem blo&#x017F;sen <hi rendition="#i">Auflauf</hi>, dem<lb/>
lärmenden Zu&#x017F;ammenflu&#x017F;s mehrerer zu andern<lb/>
Zwecken. Ob der Tumult gegen den Ober-<lb/>
herrn &#x017F;elb&#x017F;t, oder nur gegen die Magi&#x017F;trate<lb/>
de&#x017F;&#x017F;elben gerichtet war, i&#x017F;t an &#x017F;ich gleichviel <note place="foot" n="*)"><hi rendition="#g">Bochmer</hi> ad art. 127. §. 1.</note>.<lb/>
III. Die Vereinigung mu&#x017F;s <hi rendition="#i">öffentlich</hi> &#x017F;eyn. Da-<lb/>
her der Unter&#x017F;ehied des Tumults von der<lb/><hi rendition="#i">Ver&#x017F;chwörung</hi> und <hi rendition="#i">Con&#x017F;piration</hi> IV. Gegen<lb/>
rechtmä&#x017F;sige Befehle der Staatsgewalt. Wi-<lb/>
der&#x017F;etzung gegen offenbar ungerechte Befehle<lb/>
hei&#x017F;st <hi rendition="#i">In&#x017F;urection</hi> <note place="foot" n="**)"><hi rendition="#g">Feuerbach</hi> Anti-Hobbes. Kap. 3.</note>. V. Gegen <hi rendition="#i">einzelne, be-<lb/>
&#x017F;timmte Regierungsakte</hi>. Gewalt&#x017F;ame Wider-<lb/>
&#x017F;etzung gegen den Oberherrn überhaupt, ge-<lb/>
gen alle Befehle de&#x017F;&#x017F;elben i&#x017F;t <hi rendition="#i">Hochverrath</hi>. VI.<lb/>
Die Vereinigung mu&#x017F;s &#x017F;chon in Thätigkeit über-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">gegan-</fw><lb/></p>
                  </div>
                </div>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[184/0212] II. Buch. I. Theil. I. Titel. II. Abſchnitt. Gewaltthätigkeit beſtraft werden. II. Von Mehrern zugleich: Tumult, Aufruhr im weitern Sinn Dieſer iſt eine in Thätigkeit ausgebrochene öffentliche Vereinigung Mehrerer zur gewaltthätigen Behauptung ihres rechts- widrigen Ungehorſams gegen einen einzelnen be- ſtimmten Regierungsakt der Staatsgewalt. §. 236. Zum Thatbeſtand des Verbrechens gehört I. Vereinigung mehrerer Unterthanen. Ein Ein- zelner und Fremde begehen es nicht. II. Der Zweck der Vereinigung iſt Behauptung in dem Ungehorſam durch gemeinſchaftliche phyſi- ſche Kräfte. Dadurch unterſcheidet ſich die- ſes Verbrechen von dem bloſsen Auflauf, dem lärmenden Zuſammenfluſs mehrerer zu andern Zwecken. Ob der Tumult gegen den Ober- herrn ſelbſt, oder nur gegen die Magiſtrate deſſelben gerichtet war, iſt an ſich gleichviel *). III. Die Vereinigung muſs öffentlich ſeyn. Da- her der Unterſehied des Tumults von der Verſchwörung und Conſpiration IV. Gegen rechtmäſsige Befehle der Staatsgewalt. Wi- derſetzung gegen offenbar ungerechte Befehle heiſst Inſurection **). V. Gegen einzelne, be- ſtimmte Regierungsakte. Gewaltſame Wider- ſetzung gegen den Oberherrn überhaupt, ge- gen alle Befehle deſſelben iſt Hochverrath. VI. Die Vereinigung muſs ſchon in Thätigkeit über- gegan- *) Bochmer ad art. 127. §. 1. **) Feuerbach Anti-Hobbes. Kap. 3.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/212
Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 184. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/212>, abgerufen am 17.10.2019.