Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

Bild:
<< vorherige Seite

Von dem einfachen Todschlag und Mord.
ein der ordentlichen Strafe am nächsten kom-
mendes Uebel, lebenswierige Beraubung der
Freyheit, oder Staupbesen, verbunden mit ewi-
ger Landesverweisung. Diese Strafe trifft auch
die durch Dolus begründete Culpa, weil auch
hier die Culpa durch den concurrirenden Do.
lus aggravirt wird. Die mittlere Culpa sinkt
bis zur 5--10 jährigen Beraubung der Frey-
heit und die geringste bis zum blossen Ver-
weis oder zu einem Gefängniss von etlichen
Tagen oder Wochen herab *).

§. 263.

Die unternommene Tödung muss, wenn
die That geendigt ist, besonders, wenn schon
wirkliche Verletzungen geschehen sind, mit
dem der ordentlichen Strafe am nächsten kom-
menden Uebel, also bey dem Mord mit dem
Schwerd, bey dem Todschlag mit ewiger Be-
raubung der Freyheit oder Staupbesen und
ewiger Landesverweisung bestraft werden.
Die Bestrafung entfernter Versuche hängt ledi-
glich von der Beurtheilung in concreto ab.

§. 264.

Es treten hier weder besondere Mil-
derungs- noch Schärfungsgründe ein. Die
Socii werden nach den allgemeinen, bekann-
ten Principien bestraft.




Zwey-
*) Leyser Sp. 602. m. 1. 2. Meisters rechtliche
Erkenntnisse.
Thl. II. decis. 55. Th. III. dec. 72. Nr.
2. u. 39.

Von dem einfachen Todſchlag und Mord.
ein der ordentlichen Strafe am nächſten kom-
mendes Uebel, lebenswierige Beraubung der
Freyheit, oder Staupbeſen, verbunden mit ewi-
ger Landesverweiſung. Dieſe Strafe trifft auch
die durch Dolus begründete Culpa, weil auch
hier die Culpa durch den concurrirenden Do.
lus aggravirt wird. Die mittlere Culpa ſinkt
bis zur 5—10 jährigen Beraubung der Frey-
heit und die geringſte bis zum bloſsen Ver-
weis oder zu einem Gefängniſs von etlichen
Tagen oder Wochen herab *).

§. 263.

Die unternommene Tödung muſs, wenn
die That geendigt iſt, beſonders, wenn ſchon
wirkliche Verletzungen geſchehen ſind, mit
dem der ordentlichen Strafe am nächſten kom-
menden Uebel, alſo bey dem Mord mit dem
Schwerd, bey dem Todſchlag mit ewiger Be-
raubung der Freyheit oder Staupbeſen und
ewiger Landesverweiſung beſtraft werden.
Die Beſtrafung entfernter Verſuche hängt ledi-
glich von der Beurtheilung in concreto ab.

§. 264.

Es treten hier weder beſondere Mil-
derungs- noch Schärfungsgründe ein. Die
Socii werden nach den allgemeinen, bekann-
ten Principien beſtraft.




Zwey-
*) Leyſer Sp. 602. m. 1. 2. Meiſters rechtliche
Erkenntniſſe.
Thl. II. deciſ. 55. Th. III. dec. 72. Nr.
2. u. 39.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <div n="6">
                  <div n="7">
                    <div n="8">
                      <div n="9">
                        <p><pb facs="#f0233" n="205"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#i">Von dem einfachen Tod&#x017F;chlag und Mord.</hi></fw><lb/>
ein der ordentlichen Strafe am näch&#x017F;ten kom-<lb/>
mendes Uebel, lebenswierige Beraubung der<lb/>
Freyheit, oder Staupbe&#x017F;en, verbunden mit ewi-<lb/>
ger Landesverwei&#x017F;ung. Die&#x017F;e Strafe trifft auch<lb/>
die durch <hi rendition="#i">Dolus begründete Culpa</hi>, weil auch<lb/>
hier die Culpa durch den concurrirenden Do.<lb/>
lus aggravirt wird. Die <hi rendition="#i">mittlere Culpa</hi> &#x017F;inkt<lb/>
bis zur 5&#x2014;10 jährigen Beraubung der Frey-<lb/>
heit und die <hi rendition="#i">gering&#x017F;te</hi> bis zum blo&#x017F;sen Ver-<lb/>
weis oder zu einem Gefängni&#x017F;s von etlichen<lb/>
Tagen oder Wochen herab <note place="foot" n="*)"><hi rendition="#g">Ley&#x017F;er</hi> Sp. 602. m. 1. 2. <hi rendition="#g">Mei&#x017F;ters</hi> <hi rendition="#i">rechtliche<lb/>
Erkenntni&#x017F;&#x017F;e.</hi> Thl. II. deci&#x017F;. 55. Th. III. dec. 72. Nr.<lb/>
2. u. 39.</note>.</p>
                      </div><lb/>
                      <div n="9">
                        <head>§. 263.</head><lb/>
                        <p>Die unternommene Tödung mu&#x017F;s, wenn<lb/>
die That geendigt i&#x017F;t, be&#x017F;onders, wenn &#x017F;chon<lb/>
wirkliche Verletzungen ge&#x017F;chehen &#x017F;ind, mit<lb/>
dem der ordentlichen Strafe am näch&#x017F;ten kom-<lb/>
menden Uebel, al&#x017F;o bey dem <hi rendition="#i">Mord</hi> mit dem<lb/>
Schwerd, bey dem <hi rendition="#i">Tod&#x017F;chlag</hi> mit ewiger Be-<lb/>
raubung der Freyheit oder Staupbe&#x017F;en und<lb/>
ewiger Landesverwei&#x017F;ung be&#x017F;traft werden.<lb/>
Die Be&#x017F;trafung entfernter Ver&#x017F;uche hängt ledi-<lb/>
glich von der Beurtheilung in concreto ab.</p>
                      </div><lb/>
                      <div n="9">
                        <head>§. 264.</head><lb/>
                        <p>Es treten hier weder be&#x017F;ondere Mil-<lb/>
derungs- noch Schärfungsgründe ein. Die<lb/>
Socii werden nach den allgemeinen, bekann-<lb/>
ten Principien be&#x017F;traft.</p>
                      </div>
                    </div><lb/>
                    <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
                    <fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#g">Zwey-</hi> </fw><lb/>
                  </div>
                </div>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[205/0233] Von dem einfachen Todſchlag und Mord. ein der ordentlichen Strafe am nächſten kom- mendes Uebel, lebenswierige Beraubung der Freyheit, oder Staupbeſen, verbunden mit ewi- ger Landesverweiſung. Dieſe Strafe trifft auch die durch Dolus begründete Culpa, weil auch hier die Culpa durch den concurrirenden Do. lus aggravirt wird. Die mittlere Culpa ſinkt bis zur 5—10 jährigen Beraubung der Frey- heit und die geringſte bis zum bloſsen Ver- weis oder zu einem Gefängniſs von etlichen Tagen oder Wochen herab *). §. 263. Die unternommene Tödung muſs, wenn die That geendigt iſt, beſonders, wenn ſchon wirkliche Verletzungen geſchehen ſind, mit dem der ordentlichen Strafe am nächſten kom- menden Uebel, alſo bey dem Mord mit dem Schwerd, bey dem Todſchlag mit ewiger Be- raubung der Freyheit oder Staupbeſen und ewiger Landesverweiſung beſtraft werden. Die Beſtrafung entfernter Verſuche hängt ledi- glich von der Beurtheilung in concreto ab. §. 264. Es treten hier weder beſondere Mil- derungs- noch Schärfungsgründe ein. Die Socii werden nach den allgemeinen, bekann- ten Principien beſtraft. Zwey- *) Leyſer Sp. 602. m. 1. 2. Meiſters rechtliche Erkenntniſſe. Thl. II. deciſ. 55. Th. III. dec. 72. Nr. 2. u. 39.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/233
Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 205. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/233>, abgerufen am 26.03.2019.