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Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

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V. d. Verl. d. Integrität des Körpers.
sundheitszustandes durch Einwirkung auf die
äussern Theile des Körpers nach mechanischen
Gesetzen.
Dies geschieht vorzüglich dadurch
1) dass der Körper völlig eines Glieds beraubt
wird -- Verstümmelung 2) dass der Gebrauch
desselben unmöglich gemacht wird -- Läh-
mung
, 3) dass die äussern Theile des Körpers,
ohne Verstümmelung, getrennt werden --
Verwundung im eigentlichen Sinn.

§. 282.

Die Strafe dieser Uebertretung ist will-
kührlich, Gewöhnlich nur Geldstrafe oder
Gefängniss *).

§. 283.

II. Die qualificirte Körperverletzung
besteht in der Störung des Gesundheitszustandes
eines andern durch Mittheilung eines Stoffs, der
diese Verletzung nach chemischen Gesetzen be-
wirkt
-- Vergiftung. Es ist gleichviel, sowohl
in Ansehung des Begriffs, als auch in Ansehung
der Strafe, ob die Störung der Gesundheit ge-
ring oder gross, heilbar oder unheilbar ist **).
Nur kann eine blos momentane Störung der
Gesundheit durch Gift nicht nach der Strenge
dieses Gesetzes beurtheilt werden **).


§. 284.
*) cf. Koch. c. l. §. 425. Grolman C. R. W. §. 397.
Mündlich von der Privatsatisfaction.
**) P. G. O. Art. 130. "Wer jemand durch Gift oder
Venen, an Leib oder Leben beschädigt u. s. w.
**) Grolman C. R. W. Anm. 2. Der Grund ist, weil
man einen blos vorübergehenden Schmerz oder
Uebel-

V. d. Verl. d. Integrität des Körpers.
ſundheitszuſtandes durch Einwirkung auf die
äuſſern Theile des Körpers nach mechaniſchen
Geſetzen.
Dies geſchieht vorzüglich dadurch
1) daſs der Körper völlig eines Glieds beraubt
wird — Verſtümmelung 2) daſs der Gebrauch
deſſelben unmöglich gemacht wird — Läh-
mung
, 3) daſs die äuſſern Theile des Körpers,
ohne Verſtümmelung, getrennt werden —
Verwundung im eigentlichen Sinn.

§. 282.

Die Strafe dieſer Uebertretung iſt will-
kührlich, Gewöhnlich nur Geldſtrafe oder
Gefängniſs *).

§. 283.

II. Die qualificirte Körperverletzung
beſteht in der Störung des Geſundheitszuſtandes
eines andern durch Mittheilung eines Stoffs, der
dieſe Verletzung nach chemiſchen Geſetzen be-
wirkt
Vergiftung. Es iſt gleichviel, ſowohl
in Anſehung des Begriffs, als auch in Anſehung
der Strafe, ob die Störung der Geſundheit ge-
ring oder groſs, heilbar oder unheilbar iſt **).
Nur kann eine blos momentane Störung der
Geſundheit durch Gift nicht nach der Strenge
dieſes Geſetzes beurtheilt werden **).


§. 284.
*) cf. Koch. c. l. §. 425. Grolman C. R. W. §. 397.
Mündlich von der Privatſatisfaction.
**) P. G. O. Art. 130. „Wer jemand durch Gift oder
Venen, an Leib oder Leben beſchädigt u. ſ. w.
**) Grolman C. R. W. Anm. 2. Der Grund iſt, weil
man einen blos vorübergehenden Schmerz oder
Uebel-
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[219/0247] V. d. Verl. d. Integrität des Körpers. ſundheitszuſtandes durch Einwirkung auf die äuſſern Theile des Körpers nach mechaniſchen Geſetzen. Dies geſchieht vorzüglich dadurch 1) daſs der Körper völlig eines Glieds beraubt wird — Verſtümmelung 2) daſs der Gebrauch deſſelben unmöglich gemacht wird — Läh- mung, 3) daſs die äuſſern Theile des Körpers, ohne Verſtümmelung, getrennt werden — Verwundung im eigentlichen Sinn. §. 282. Die Strafe dieſer Uebertretung iſt will- kührlich, Gewöhnlich nur Geldſtrafe oder Gefängniſs *). §. 283. II. Die qualificirte Körperverletzung beſteht in der Störung des Geſundheitszuſtandes eines andern durch Mittheilung eines Stoffs, der dieſe Verletzung nach chemiſchen Geſetzen be- wirkt — Vergiftung. Es iſt gleichviel, ſowohl in Anſehung des Begriffs, als auch in Anſehung der Strafe, ob die Störung der Geſundheit ge- ring oder groſs, heilbar oder unheilbar iſt **). Nur kann eine blos momentane Störung der Geſundheit durch Gift nicht nach der Strenge dieſes Geſetzes beurtheilt werden **). §. 284. *) cf. Koch. c. l. §. 425. Grolman C. R. W. §. 397. Mündlich von der Privatſatisfaction. **) P. G. O. Art. 130. „Wer jemand durch Gift oder Venen, an Leib oder Leben beſchädigt u. ſ. w. **) Grolman C. R. W. Anm. 2. Der Grund iſt, weil man einen blos vorübergehenden Schmerz oder Uebel-

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Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 219. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/247>, abgerufen am 21.03.2019.