Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

Bild:
<< vorherige Seite

Verbr. gegen d. freye Dispos. üb. d. Körp.
will. -- Es giebt hier eben so wenig beson-
dere Milderungsgründe *), als es besondere
Schärfungsgründe giebt. -- Der Conat ist
willkührlich zu bestrafen **)



Dritte Unterabtheilung.
Unfreywillige Schwächung
.


Jo. Sam. Fr. Boehmer Diss. de rigore juris in stu-
pratores violentos
. Frcf. 1762.

Leyser Spec. 584.

§. 300.

Die unfreywillige Schwächung (stu-
prum non voluntarium
) ist Beyschlaf, ohne freye

Ein-
*) Anders nach der Meynung der Rechtslehr. cf. Kress
ad h. Art. §. 7. Boehmer ad h. Art. §. 11. -- Das
Anerbieten zur Heirath von Seiten der Entführten
schliesst die ordentliche Strafe nicht aus, da das rö-
mische Recht (L. un. cit.) schlechthin die Heirath
mit dem Entführer verbietet, das canon. R. aber,
das C. 6. et 7. X. de raptor. das Gegentheil verord-
net, (das Conc. Trid. Sess. XXIV. de reform. c. 6.
setzt dieser Verordnung eine Bedingung), hier keine
Anwendung finden kann, weil die C. C. C. aus
dem R. R. die Grundsätze der Bestrafung die-
ses Verbrechens geschöpft wissen will. Wenn
gleich, wie man hier anführt, das C. R. in Ehesa-
chen
den Vorzug hat, so kann dies doch hier nicht
gelten, wo nicht von Ehe-sondern von Strafsachen
die Rede ist. Man sehe auch Boehmer I. E. P. T.
V. L. V. tit. 17. §. 150. -- Boehmer ad h. Art.
§. 9. et ad Carpz. Q. 40. Obs. 3.
**) Der Cenat der Entführung einer Klosterjungfrau.
um sie zu heirathen, ist ausgenommen. Er soll mit
dem

Verbr. gegen d. freye Dispoſ. üb. d. Körp.
will. — Es giebt hier eben ſo wenig beſon-
dere Milderungsgründe *), als es beſondere
Schärfungsgründe giebt. — Der Conat iſt
willkührlich zu beſtrafen **)



Dritte Unterabtheilung.
Unfreywillige Schwächung
.


Jo. Sam. Fr. Boehmer Diſſ. de rigore juris in ſtu-
pratores violentos
. Frcf. 1762.

Leyſer Spec. 584.

§. 300.

Die unfreywillige Schwächung (ſtu-
prum non voluntarium
) iſt Beyſchlaf, ohne freye

Ein-
*) Anders nach der Meynung der Rechtslehr. cf. Kreſs
ad h. Art. §. 7. Boehmer ad h. Art. §. 11. — Das
Anerbieten zur Heirath von Seiten der Entführten
ſchlieſst die ordentliche Strafe nicht aus, da das rö-
miſche Recht (L. un. cit.) ſchlechthin die Heirath
mit dem Entführer verbietet, das canon. R. aber,
das C. 6. et 7. X. de raptor. das Gegentheil verord-
net, (das Conc. Trid. Seſſ. XXIV. de reform. c. 6.
ſetzt dieſer Verordnung eine Bedingung), hier keine
Anwendung finden kann, weil die C. C. C. aus
dem R. R. die Grundſätze der Beſtrafung die-
ſes Verbrechens geſchöpft wiſſen will. Wenn
gleich, wie man hier anführt, das C. R. in Eheſa-
chen
den Vorzug hat, ſo kann dies doch hier nicht
gelten, wo nicht von Ehe-ſondern von Strafſachen
die Rede iſt. Man ſehe auch Boehmer I. E. P. T.
V. L. V. tit. 17. §. 150. — Boehmer ad h. Art.
§. 9. et ad Carpz. Q. 40. Obſ. 3.
**) Der Cenat der Entführung einer Kloſterjungfrau.
um ſie zu heirathen, iſt ausgenommen. Er ſoll mit
dem
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <div n="6">
                  <div n="7">
                    <div n="8">
                      <p><pb facs="#f0261" n="233"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#i">Verbr. gegen d. freye Dispo&#x017F;. üb. d. Körp.</hi></fw><lb/>
will. &#x2014; Es giebt hier eben &#x017F;o wenig be&#x017F;on-<lb/>
dere Milderungsgründe <note place="foot" n="*)">Anders nach der Meynung der Rechtslehr. cf. <hi rendition="#g">Kre&#x017F;s</hi><lb/>
ad h. Art. §. 7. <hi rendition="#g">Boehmer</hi> ad h. Art. §. 11. &#x2014; Das<lb/>
Anerbieten zur Heirath von Seiten der Entführten<lb/>
&#x017F;chlie&#x017F;st die ordentliche Strafe nicht aus, da das rö-<lb/>
mi&#x017F;che Recht (L. un. cit.) &#x017F;chlechthin die Heirath<lb/>
mit dem Entführer verbietet, das canon. R. aber,<lb/>
das <hi rendition="#i">C</hi>. 6. <hi rendition="#i">et</hi> 7. <hi rendition="#i">X. de raptor</hi>. das Gegentheil verord-<lb/>
net, (das Conc. Trid. Se&#x017F;&#x017F;. XXIV. de reform. c. 6.<lb/>
&#x017F;etzt die&#x017F;er Verordnung eine Bedingung), hier keine<lb/>
Anwendung <choice><sic>&#x017F;inden</sic><corr>finden</corr></choice> kann, weil die C. C. C. aus<lb/>
dem R. R. die Grund&#x017F;ätze der Be&#x017F;trafung die-<lb/>
&#x017F;es Verbrechens ge&#x017F;chöpft wi&#x017F;&#x017F;en will. Wenn<lb/>
gleich, wie man hier anführt, das C. R. in <hi rendition="#i">Ehe&#x017F;a-<lb/>
chen</hi> den Vorzug hat, &#x017F;o kann dies doch hier nicht<lb/>
gelten, wo nicht von Ehe-&#x017F;ondern von <hi rendition="#i">Straf&#x017F;achen</hi><lb/>
die Rede i&#x017F;t. Man &#x017F;ehe auch <hi rendition="#g">Boehmer</hi> I. E. P. T.<lb/>
V. L. V. tit. 17. §. 150. &#x2014; <hi rendition="#g">Boehmer</hi> ad h. Art.<lb/>
§. 9. et ad <hi rendition="#g">Carpz</hi>. Q. 40. Ob&#x017F;. 3.</note>, als es be&#x017F;ondere<lb/>
Schärfungsgründe giebt. &#x2014; Der Conat i&#x017F;t<lb/>
willkührlich zu be&#x017F;trafen <note xml:id="note-0261" next="#note-0262" place="foot" n="**)">Der C<hi rendition="#i">enat</hi> der Entführung einer Klo&#x017F;terjungfrau.<lb/>
um &#x017F;ie zu heirathen, i&#x017F;t ausgenommen. Er &#x017F;oll mit<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">dem</fw></note></p>
                    </div>
                  </div><lb/>
                  <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
                  <div n="7">
                    <head><hi rendition="#g">Dritte Unterabtheilung.<lb/><hi rendition="#i">Unfreywillige Schwächung</hi></hi>.</head><lb/>
                    <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
                    <p> <hi rendition="#et"><hi rendition="#g">Jo. Sam. Fr. Boehmer</hi> Di&#x017F;&#x017F;. <hi rendition="#i">de rigore juris in &#x017F;tu-<lb/>
pratores violentos</hi>. Frcf. 1762.</hi> </p><lb/>
                    <p> <hi rendition="#et"><hi rendition="#g">Ley&#x017F;er</hi><hi rendition="#i">Spec</hi>. 584.</hi> </p><lb/>
                    <div n="8">
                      <head>§. 300.</head><lb/>
                      <p><hi rendition="#in">D</hi>ie <hi rendition="#g">unfreywillige Schwächung</hi> (<hi rendition="#i">&#x017F;tu-<lb/>
prum non voluntarium</hi>) i&#x017F;t <hi rendition="#i">Bey&#x017F;chlaf, ohne freye</hi><lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#i">Ein-</hi></fw><lb/></p>
                    </div>
                  </div>
                </div>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[233/0261] Verbr. gegen d. freye Dispoſ. üb. d. Körp. will. — Es giebt hier eben ſo wenig beſon- dere Milderungsgründe *), als es beſondere Schärfungsgründe giebt. — Der Conat iſt willkührlich zu beſtrafen **) Dritte Unterabtheilung. Unfreywillige Schwächung. Jo. Sam. Fr. Boehmer Diſſ. de rigore juris in ſtu- pratores violentos. Frcf. 1762. Leyſer Spec. 584. §. 300. Die unfreywillige Schwächung (ſtu- prum non voluntarium) iſt Beyſchlaf, ohne freye Ein- *) Anders nach der Meynung der Rechtslehr. cf. Kreſs ad h. Art. §. 7. Boehmer ad h. Art. §. 11. — Das Anerbieten zur Heirath von Seiten der Entführten ſchlieſst die ordentliche Strafe nicht aus, da das rö- miſche Recht (L. un. cit.) ſchlechthin die Heirath mit dem Entführer verbietet, das canon. R. aber, das C. 6. et 7. X. de raptor. das Gegentheil verord- net, (das Conc. Trid. Seſſ. XXIV. de reform. c. 6. ſetzt dieſer Verordnung eine Bedingung), hier keine Anwendung finden kann, weil die C. C. C. aus dem R. R. die Grundſätze der Beſtrafung die- ſes Verbrechens geſchöpft wiſſen will. Wenn gleich, wie man hier anführt, das C. R. in Eheſa- chen den Vorzug hat, ſo kann dies doch hier nicht gelten, wo nicht von Ehe-ſondern von Strafſachen die Rede iſt. Man ſehe auch Boehmer I. E. P. T. V. L. V. tit. 17. §. 150. — Boehmer ad h. Art. §. 9. et ad Carpz. Q. 40. Obſ. 3. **) Der Cenat der Entführung einer Kloſterjungfrau. um ſie zu heirathen, iſt ausgenommen. Er ſoll mit dem

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/261
Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 233. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/261>, abgerufen am 20.03.2019.