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Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

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II. Buch. I. Theil. II. Titel. I. Abschnitt.
punkt dieses Verbrechens ist, so ist er doch
nicht der einzige. Die Gesetze denken sich
offenbar unter der Nothzucht einen durch Ge-
walt erzwungenen Beyschlaf; da aber der voll-
ständige Begriff des Beyschlafs immissio semi-
nis in sich fasst, so müssen wir auch dieses
zum Begriff der Nothzucht zählen, da die Ge-
setze nicht ausdrücklich den Begriff beschrän-
ken *).

§. 306.

Bey der Nothzucht ist nicht das Weib **),
sondern allein der Mann der strafbare Theil,
der nach Carls Verordnung ***), einem Räu-
ber gleich, bestraft werden soll; eine Verord-
nung, welche gleichwohl von den Praktikern
ganz ungebührlich, und ohne allen Grund,
selbst ohne Stütze der Praxis limitirt
wird ****).


§. 307.
*) Die Praxis ist auch für diese Meynung. cf. Ley-
ser
Sp. 584. m. 13. sqq. und Sp. 576. m. 15. --
Quistorp Thl. I. §. 589. -- Meister jun. pr. jur.
cr
. §. 296.
**) L. 13. §. 7. D. L. 20. C. ad L. Iul. de adult.
***) P. G. O. Art. 119.
****) cf. Struben Thl. III. Bed. 24. -- Quistorp
Thl. I. §. 492.

II. Buch. I. Theil. II. Titel. I. Abſchnitt.
punkt dieſes Verbrechens iſt, ſo iſt er doch
nicht der einzige. Die Geſetze denken ſich
offenbar unter der Nothzucht einen durch Ge-
walt erzwungenen Beyſchlaf; da aber der voll-
ſtändige Begriff des Beyſchlafs immiſſio ſemi-
nis in ſich faſst, ſo müſſen wir auch dieſes
zum Begriff der Nothzucht zählen, da die Ge-
ſetze nicht ausdrücklich den Begriff beſchrän-
ken *).

§. 306.

Bey der Nothzucht iſt nicht das Weib **),
ſondern allein der Mann der ſtrafbare Theil,
der nach Carls Verordnung ***), einem Räu-
ber gleich, beſtraft werden ſoll; eine Verord-
nung, welche gleichwohl von den Praktikern
ganz ungebührlich, und ohne allen Grund,
ſelbſt ohne Stütze der Praxis limitirt
wird ****).


§. 307.
*) Die Praxis iſt auch für dieſe Meynung. cf. Ley-
ſer
Sp. 584. m. 13. ſqq. und Sp. 576. m. 15. —
Quiſtorp Thl. I. §. 589. — Meiſter jun. pr. jur.
cr
. §. 296.
**) L. 13. §. 7. D. L. 20. C. ad L. Iul. de adult.
***) P. G. O. Art. 119.
****) cf. Struben Thl. III. Bed. 24. — Quiſtorp
Thl. I. §. 492.
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[238/0266] II. Buch. I. Theil. II. Titel. I. Abſchnitt. punkt dieſes Verbrechens iſt, ſo iſt er doch nicht der einzige. Die Geſetze denken ſich offenbar unter der Nothzucht einen durch Ge- walt erzwungenen Beyſchlaf; da aber der voll- ſtändige Begriff des Beyſchlafs immiſſio ſemi- nis in ſich faſst, ſo müſſen wir auch dieſes zum Begriff der Nothzucht zählen, da die Ge- ſetze nicht ausdrücklich den Begriff beſchrän- ken *). §. 306. Bey der Nothzucht iſt nicht das Weib **), ſondern allein der Mann der ſtrafbare Theil, der nach Carls Verordnung ***), einem Räu- ber gleich, beſtraft werden ſoll; eine Verord- nung, welche gleichwohl von den Praktikern ganz ungebührlich, und ohne allen Grund, ſelbſt ohne Stütze der Praxis limitirt wird ****). §. 307. *) Die Praxis iſt auch für dieſe Meynung. cf. Ley- ſer Sp. 584. m. 13. ſqq. und Sp. 576. m. 15. — Quiſtorp Thl. I. §. 589. — Meiſter jun. pr. jur. cr. §. 296. **) L. 13. §. 7. D. L. 20. C. ad L. Iul. de adult. ***) P. G. O. Art. 119. ****) cf. Struben Thl. III. Bed. 24. — Quiſtorp Thl. I. §. 492.

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Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 238. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/266>, abgerufen am 24.03.2019.