Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

Bild:
<< vorherige Seite

Gesetzl. ausgezeichnete, nicht qual. Diebst.
Grundsätzen des Concurses zu einem Diebstahl
zu bestrafen *).

§. 392.

Bey dem Diebstahl des Gesindes an ihren
Herren ist verordnet, dass geringfügige Dieb-
stähle von dem Herrn der Familie selbst, und
nur wichtige Diebstähle von den Gerichten
des Staats bestraft werden sollen. Die Art der
Bestrafung ist nicht angegeben **). Diese Be-
stimmung ist noch anzunehmen. In Ansehung
der öffentlichen Bestrafung ist zu unterschei-
den, ob der Hausdieb eine unter einem be-
stimmten
, oder eine unter einem unbestimmten
Strafgesetz stehende Entwendung begangen
hat. Im ersten Fall bleibt es bey der Strafe
des Gesetzes; im letzten ist das Verhältniss des
Diebes zu dem Bestohlnen, vermöge der ver-
letzten Treue, ein Grund der Erhöhung der
Strafe.

§. 393.

Noch ist gesetzlich ausgezeichnet III. die
Entwendung an Früchten auf dem Feld. Ist der
Schade nicht beträchtlich, der dem Bestohlnen
dadurch gestiftet worden ist, so soll eine blosse
Privatstrafe angewendet werden ***).


§. 394.
*) L. 36. §. 1. D. de furtis. L. 53. eod.
**) L. 11. §. 1. D. de poenis.
***) P. G. O. Art. 168.

Geſetzl. ausgezeichnete, nicht qual. Diebſt.
Grundſätzen des Concurſes zu einem Diebſtahl
zu beſtrafen *).

§. 392.

Bey dem Diebſtahl des Geſindes an ihren
Herren iſt verordnet, daſs geringfügige Dieb-
ſtähle von dem Herrn der Familie ſelbſt, und
nur wichtige Diebſtähle von den Gerichten
des Staats beſtraft werden ſollen. Die Art der
Beſtrafung iſt nicht angegeben **). Dieſe Be-
ſtimmung iſt noch anzunehmen. In Anſehung
der öffentlichen Beſtrafung iſt zu unterſchei-
den, ob der Hausdieb eine unter einem be-
ſtimmten
, oder eine unter einem unbeſtimmten
Strafgeſetz ſtehende Entwendung begangen
hat. Im erſten Fall bleibt es bey der Strafe
des Geſetzes; im letzten iſt das Verhältniſs des
Diebes zu dem Beſtohlnen, vermöge der ver-
letzten Treue, ein Grund der Erhöhung der
Strafe.

§. 393.

Noch iſt geſetzlich ausgezeichnet III. die
Entwendung an Früchten auf dem Feld. Iſt der
Schade nicht beträchtlich, der dem Beſtohlnen
dadurch geſtiftet worden iſt, ſo ſoll eine bloſse
Privatſtrafe angewendet werden ***).


§. 394.
*) L. 36. §. 1. D. de furtis. L. 53. eod.
**) L. 11. §. 1. D. de poenis.
***) P. G. O. Art. 168.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <div n="6">
                  <div n="7">
                    <div n="8">
                      <div n="9">
                        <div n="10">
                          <p><pb facs="#f0341" n="313"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#i">Ge&#x017F;etzl. ausgezeichnete, nicht qual. Dieb&#x017F;t.</hi></fw><lb/>
Grund&#x017F;ätzen des Concur&#x017F;es zu einem Dieb&#x017F;tahl<lb/>
zu be&#x017F;trafen <note place="foot" n="*)">L. 36. §. 1. D. <hi rendition="#i">de furtis</hi>. L. 53. <hi rendition="#i">eod</hi>.</note>.</p>
                        </div><lb/>
                        <div n="10">
                          <head>§. 392.</head><lb/>
                          <p>Bey dem Dieb&#x017F;tahl des Ge&#x017F;indes an ihren<lb/>
Herren i&#x017F;t verordnet, da&#x017F;s geringfügige Dieb-<lb/>
&#x017F;tähle von dem Herrn der Familie &#x017F;elb&#x017F;t, und<lb/>
nur wichtige Dieb&#x017F;tähle von den Gerichten<lb/>
des Staats be&#x017F;traft werden &#x017F;ollen. Die Art der<lb/>
Be&#x017F;trafung i&#x017F;t nicht angegeben <note place="foot" n="**)">L. 11. §. 1. D. <hi rendition="#i">de poenis</hi>.</note>. Die&#x017F;e Be-<lb/>
&#x017F;timmung i&#x017F;t noch anzunehmen. In An&#x017F;ehung<lb/>
der öffentlichen Be&#x017F;trafung i&#x017F;t zu unter&#x017F;chei-<lb/>
den, ob der Hausdieb eine unter einem <hi rendition="#i">be-<lb/>
&#x017F;timmten</hi>, oder eine unter einem <hi rendition="#i">unbe&#x017F;timmten</hi><lb/>
Strafge&#x017F;etz &#x017F;tehende Entwendung begangen<lb/>
hat. Im er&#x017F;ten Fall bleibt es bey der Strafe<lb/>
des Ge&#x017F;etzes; im letzten i&#x017F;t das Verhältni&#x017F;s des<lb/>
Diebes zu dem Be&#x017F;tohlnen, vermöge der ver-<lb/>
letzten Treue, ein Grund der Erhöhung der<lb/>
Strafe.</p>
                        </div><lb/>
                        <div n="10">
                          <head>§. 393.</head><lb/>
                          <p>Noch i&#x017F;t ge&#x017F;etzlich ausgezeichnet III. die<lb/><hi rendition="#i">Entwendung an Früchten</hi> auf dem Feld. I&#x017F;t der<lb/>
Schade nicht beträchtlich, der dem Be&#x017F;tohlnen<lb/>
dadurch ge&#x017F;tiftet worden i&#x017F;t, &#x017F;o &#x017F;oll eine blo&#x017F;se<lb/>
Privat&#x017F;trafe angewendet werden <note place="foot" n="***)">P. G. O. Art. 168.</note>.</p>
                        </div>
                      </div>
                    </div><lb/>
                    <fw place="bottom" type="catch">§. 394.</fw><lb/>
                  </div>
                </div>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[313/0341] Geſetzl. ausgezeichnete, nicht qual. Diebſt. Grundſätzen des Concurſes zu einem Diebſtahl zu beſtrafen *). §. 392. Bey dem Diebſtahl des Geſindes an ihren Herren iſt verordnet, daſs geringfügige Dieb- ſtähle von dem Herrn der Familie ſelbſt, und nur wichtige Diebſtähle von den Gerichten des Staats beſtraft werden ſollen. Die Art der Beſtrafung iſt nicht angegeben **). Dieſe Be- ſtimmung iſt noch anzunehmen. In Anſehung der öffentlichen Beſtrafung iſt zu unterſchei- den, ob der Hausdieb eine unter einem be- ſtimmten, oder eine unter einem unbeſtimmten Strafgeſetz ſtehende Entwendung begangen hat. Im erſten Fall bleibt es bey der Strafe des Geſetzes; im letzten iſt das Verhältniſs des Diebes zu dem Beſtohlnen, vermöge der ver- letzten Treue, ein Grund der Erhöhung der Strafe. §. 393. Noch iſt geſetzlich ausgezeichnet III. die Entwendung an Früchten auf dem Feld. Iſt der Schade nicht beträchtlich, der dem Beſtohlnen dadurch geſtiftet worden iſt, ſo ſoll eine bloſse Privatſtrafe angewendet werden ***). §. 394. *) L. 36. §. 1. D. de furtis. L. 53. eod. **) L. 11. §. 1. D. de poenis. ***) P. G. O. Art. 168.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/341
Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 313. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/341>, abgerufen am 20.03.2019.