Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

Bild:
<< vorherige Seite

II. Buch. II. Theil. I. Titel. I. Abschnitt.
rer, nur um die grosse Inconsequenz des röm.
Rechts zu zeigen; er straft es aber nicht här-
ter, weil es ihm das Ansehen des römischen
Rechts nur erlaubte, aus Principien dieses Ge-
setzbuchs selbst einen offenbaren Irrthum des-
selben zu verbessern, vielleicht auch, weil er
die Strafe des Ehebruchs schon für hart genug
hielt, als dass er dieselbe noch hätte überstei-
gen können *).

Anm. Vergl. die angeführte Grolmanische Abhand-
lung.



Zweyter Theil.
Von vagen gemeinen Verbrechen.


§. 427.

Die vagen Verbrechen theilen sich in formelle
und materielle. Jene fodern zum Thatbestande
weder ein bestimmtes Object, noch einen be-
stimmten gesetzwidrigen Effect, noch einen
geseztlich bestimmten Zweck der Person, und
werden blos durch die Form der Handlung

selbst
Milderungsgründe, wie beym Ehebruch, anneh-
men. cf. Koch l. c. §. 331. Nach andern soll
hier Manns- und Weibsperson mit dem Schwerd
bestraft werden.
*) Ieder Gesetzgeber, welcher geringere Verbrechen
mit der höchsten Strafe bedroht, setzt sich ausser
Stand, bey grössern Verbrechen die gehörige Pro-
portion zu beobachten.

II. Buch. II. Theil. I. Titel. I. Abſchnitt.
rer, nur um die groſse Inconſequenz des röm.
Rechts zu zeigen; er ſtraft es aber nicht här-
ter, weil es ihm das Anſehen des römiſchen
Rechts nur erlaubte, aus Principien dieſes Ge-
ſetzbuchs ſelbſt einen offenbaren Irrthum deſ-
ſelben zu verbeſſern, vielleicht auch, weil er
die Strafe des Ehebruchs ſchon für hart genug
hielt, als daſs er dieſelbe noch hätte überſtei-
gen können *).

Anm. Vergl. die angeführte Grolmaniſche Abhand-
lung.



Zweyter Theil.
Von vagen gemeinen Verbrechen.


§. 427.

Die vagen Verbrechen theilen ſich in formelle
und materielle. Jene fodern zum Thatbeſtande
weder ein beſtimmtes Object, noch einen be-
ſtimmten geſetzwidrigen Effect, noch einen
geſeztlich beſtimmten Zweck der Perſon, und
werden blos durch die Form der Handlung

ſelbſt
Milderungsgründe, wie beym Ehebruch, anneh-
men. cf. Koch l. c. §. 331. Nach andern ſoll
hier Manns- und Weibsperſon mit dem Schwerd
beſtraft werden.
*) Ieder Geſetzgeber, welcher geringere Verbrechen
mit der höchſten Strafe bedroht, ſetzt ſich auſser
Stand, bey gröſsern Verbrechen die gehörige Pro-
portion zu beobachten.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <div n="6">
                  <div n="7">
                    <div n="8">
                      <div n="9">
                        <p><pb facs="#f0372" n="344"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#i">II. Buch. II. Theil. I. Titel. I. Ab&#x017F;chnitt.</hi></fw><lb/>
rer, nur um die gro&#x017F;se Incon&#x017F;equenz des röm.<lb/>
Rechts zu zeigen; er &#x017F;traft es aber nicht här-<lb/>
ter, weil es ihm das An&#x017F;ehen des römi&#x017F;chen<lb/>
Rechts nur erlaubte, aus Principien die&#x017F;es Ge-<lb/>
&#x017F;etzbuchs &#x017F;elb&#x017F;t einen offenbaren Irrthum de&#x017F;-<lb/>
&#x017F;elben zu verbe&#x017F;&#x017F;ern, vielleicht auch, weil er<lb/>
die Strafe des Ehebruchs &#x017F;chon für hart genug<lb/>
hielt, als da&#x017F;s er die&#x017F;elbe noch hätte über&#x017F;tei-<lb/>
gen können <note place="foot" n="*)">Ieder Ge&#x017F;etzgeber, welcher geringere Verbrechen<lb/>
mit der höch&#x017F;ten Strafe bedroht, &#x017F;etzt &#x017F;ich au&#x017F;ser<lb/>
Stand, bey grö&#x017F;sern Verbrechen die gehörige Pro-<lb/>
portion zu beobachten.</note>.</p><lb/>
                        <p> <hi rendition="#et"><hi rendition="#i"><hi rendition="#g">Anm</hi></hi>. Vergl. die angeführte <hi rendition="#i">Grolmani&#x017F;che</hi> Abhand-<lb/>
lung.</hi> </p>
                      </div>
                    </div>
                  </div>
                </div>
              </div>
            </div>
          </div><lb/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#g">Zweyter Theil</hi>.<lb/><hi rendition="#i">Von vagen gemeinen Verbrechen.</hi></head><lb/>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
            <div n="4">
              <head>§. 427.</head><lb/>
              <p><hi rendition="#in">D</hi>ie vagen Verbrechen theilen &#x017F;ich in <hi rendition="#i">formelle</hi><lb/>
und <hi rendition="#i">materielle</hi>. Jene fodern zum Thatbe&#x017F;tande<lb/>
weder ein be&#x017F;timmtes Object, noch einen be-<lb/>
&#x017F;timmten ge&#x017F;etzwidrigen Effect, noch einen<lb/>
ge&#x017F;eztlich be&#x017F;timmten Zweck der Per&#x017F;on, und<lb/>
werden blos durch die <hi rendition="#i">Form</hi> der Handlung<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">&#x017F;elb&#x017F;t</fw><lb/><note xml:id="note-0372" prev="#note-0371" place="foot" n="****)">Milderungsgründe, wie beym Ehebruch, anneh-<lb/>
men. cf. <hi rendition="#g">Koch</hi> l. c. §. 331. Nach andern &#x017F;oll<lb/>
hier Manns- und Weibsper&#x017F;on mit dem Schwerd<lb/>
be&#x017F;traft werden.</note><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[344/0372] II. Buch. II. Theil. I. Titel. I. Abſchnitt. rer, nur um die groſse Inconſequenz des röm. Rechts zu zeigen; er ſtraft es aber nicht här- ter, weil es ihm das Anſehen des römiſchen Rechts nur erlaubte, aus Principien dieſes Ge- ſetzbuchs ſelbſt einen offenbaren Irrthum deſ- ſelben zu verbeſſern, vielleicht auch, weil er die Strafe des Ehebruchs ſchon für hart genug hielt, als daſs er dieſelbe noch hätte überſtei- gen können *). Anm. Vergl. die angeführte Grolmaniſche Abhand- lung. Zweyter Theil. Von vagen gemeinen Verbrechen. §. 427. Die vagen Verbrechen theilen ſich in formelle und materielle. Jene fodern zum Thatbeſtande weder ein beſtimmtes Object, noch einen be- ſtimmten geſetzwidrigen Effect, noch einen geſeztlich beſtimmten Zweck der Perſon, und werden blos durch die Form der Handlung ſelbſt ****) *) Ieder Geſetzgeber, welcher geringere Verbrechen mit der höchſten Strafe bedroht, ſetzt ſich auſser Stand, bey gröſsern Verbrechen die gehörige Pro- portion zu beobachten. ****) Milderungsgründe, wie beym Ehebruch, anneh- men. cf. Koch l. c. §. 331. Nach andern ſoll hier Manns- und Weibsperſon mit dem Schwerd beſtraft werden.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/372
Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 344. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/372>, abgerufen am 26.03.2019.