Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

Bild:
<< vorherige Seite

Verg. geg. d. Bevölk. u. Sittenp. Concubin.
ohne die für den Ehevertrag gesetzlich bestimm-
ten Formalitäten.
*)

§. 491.

Der Concubinat kann fortdauernd seyn
(conc. perpetuus s. individuus) wenn die Gesell-
schaft auf lebenslang eingegangen ist; **) oder
temporell (conc. tempor. s. individuus), wenn sie
auf längere Zeit, aber nicht auf lebenslang ein-
gegangen ist. Iener ist eine wirkliche, aber
blos natürliche, und daher (wegen §. 490) in
Beziehung auf den Staat, eine rechtlich und
kirchlich ungültige Ehe. ***)

§. 492.

Da bey Katholiken die Erklärung des
Eheconsenses (verba de praesenti) vor zwey
Zeugen und dem competenten Priester, +) bey
den Protestanten aber priesterliche Einsegnung

zur
*) Unterschied vom Pellicat, von der Ehe zur linken
Hand (M. ad morganaticam). Gewissensehe u. s. w.
**) Die Gewissensehe (matr. conscientiae) ist nichts als
Concubinat (natürliche Ehe) mit der Wirkung einer
rechtlich gültigen Ehe. Daher können nur solche
Personen in einer Gewissensehe leben, welche den
Privatgesetzen des Staats nicht unterworfen sind,
nämlich oberherrliche Personen. s. Schotts Einl.
in das Eherecht.
§. 173.
***) Dass der concub. perpet. nicht vor dem XVI. Saec.
der Ehe gleich geachtet worden sey, wie Leyser
c. l. annimmt, zeigt sehr gut Koch l. c. §. 301.
Schol.
+) Conc. Trid. Sess. XXIV. de ref. matrim. c. 1.

Verg. geg. d. Bevölk. u. Sittenp. Concubin.
ohne die für den Ehevertrag geſetzlich beſtimm-
ten Formalitäten.
*)

§. 491.

Der Concubinat kann fortdauernd ſeyn
(conc. perpetuus ſ. individuus) wenn die Geſell-
ſchaft auf lebenslang eingegangen iſt; **) oder
temporell (conc. tempor. ſ. individuus), wenn ſie
auf längere Zeit, aber nicht auf lebenslang ein-
gegangen iſt. Iener iſt eine wirkliche, aber
blos natürliche, und daher (wegen §. 490) in
Beziehung auf den Staat, eine rechtlich und
kirchlich ungültige Ehe. ***)

§. 492.

Da bey Katholiken die Erklärung des
Eheconſenſes (verba de praeſenti) vor zwey
Zeugen und dem competenten Prieſter, †) bey
den Proteſtanten aber prieſterliche Einſegnung

zur
*) Unterſchied vom Pellicat, von der Ehe zur linken
Hand (M. ad morganaticam). Gewiſſensehe u. ſ. w.
**) Die Gewiſſensehe (matr. conſcientiae) iſt nichts als
Concubinat (natürliche Ehe) mit der Wirkung einer
rechtlich gültigen Ehe. Daher können nur ſolche
Perſonen in einer Gewiſſensehe leben, welche den
Privatgeſetzen des Staats nicht unterworfen ſind,
nämlich oberherrliche Perſonen. ſ. Schotts Einl.
in das Eherecht.
§. 173.
***) Daſs der concub. perpet. nicht vor dem XVI. Saec.
der Ehe gleich geachtet worden ſey, wie Leyſer
c. l. annimmt, zeigt ſehr gut Koch l. c. §. 301.
Schol.
†) Conc. Trid. Seſſ. XXIV. de ref. matrim. c. 1.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <div n="6">
                  <div n="7">
                    <div n="8">
                      <p>
                        <pb facs="#f0425" n="397"/>
                        <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#i">Verg. geg. d. Bevölk. u. Sittenp. Concubin.</hi> </fw><lb/> <hi rendition="#i">ohne die für den Ehevertrag ge&#x017F;etzlich be&#x017F;timm-<lb/>
ten Formalitäten.</hi> <note place="foot" n="*)">Unter&#x017F;chied vom <hi rendition="#i">Pellicat</hi>, von der Ehe zur <hi rendition="#i">linken</hi><lb/>
Hand <hi rendition="#i">(M. ad morganaticam). Gewi&#x017F;&#x017F;ensehe</hi> u. &#x017F;. w.</note>
                      </p>
                    </div><lb/>
                    <div n="8">
                      <head>§. 491.</head><lb/>
                      <p>Der Concubinat kann <hi rendition="#i">fortdauernd</hi> &#x017F;eyn<lb/>
(<hi rendition="#i">conc. perpetuus &#x017F;. individuus</hi>) wenn die Ge&#x017F;ell-<lb/>
&#x017F;chaft auf lebenslang eingegangen i&#x017F;t; <note place="foot" n="**)">Die <hi rendition="#i">Gewi&#x017F;&#x017F;ensehe (matr. con&#x017F;cientiae)</hi> i&#x017F;t nichts als<lb/>
Concubinat (natürliche Ehe) mit der Wirkung einer<lb/>
rechtlich gültigen Ehe. Daher können nur &#x017F;olche<lb/>
Per&#x017F;onen in einer Gewi&#x017F;&#x017F;ensehe leben, welche den<lb/>
Privatge&#x017F;etzen des Staats nicht unterworfen &#x017F;ind,<lb/>
nämlich oberherrliche Per&#x017F;onen. &#x017F;. <hi rendition="#g">Schotts</hi> <hi rendition="#i">Einl.<lb/>
in das Eherecht.</hi> §. 173.</note> oder<lb/><hi rendition="#i">temporell (conc. tempor. &#x017F;. individuus)</hi>, wenn &#x017F;ie<lb/>
auf längere Zeit, aber nicht auf lebenslang ein-<lb/>
gegangen i&#x017F;t. Iener i&#x017F;t eine wirkliche, aber<lb/>
blos <hi rendition="#i">natürliche</hi>, und daher (wegen §. 490) in<lb/>
Beziehung auf den Staat, eine rechtlich und<lb/>
kirchlich ungültige Ehe. <note place="foot" n="***)">Da&#x017F;s der <hi rendition="#i">concub. perpet.</hi> nicht vor dem XVI. Saec.<lb/>
der Ehe gleich geachtet worden &#x017F;ey, wie <hi rendition="#g">Ley&#x017F;er</hi><lb/>
c. l. annimmt, zeigt &#x017F;ehr gut <hi rendition="#g">Koch</hi> l. c. §. 301.<lb/>
Schol.</note></p>
                    </div><lb/>
                    <div n="8">
                      <head>§. 492.</head><lb/>
                      <p>Da bey Katholiken die Erklärung des<lb/>
Ehecon&#x017F;en&#x017F;es (<hi rendition="#i">verba de prae&#x017F;enti</hi>) vor zwey<lb/>
Zeugen und dem competenten Prie&#x017F;ter, <note place="foot" n="&#x2020;)"><hi rendition="#i">Conc. Trid.</hi> Se&#x017F;&#x017F;. XXIV. <hi rendition="#i">de ref. matrim.</hi> c. 1.</note> bey<lb/>
den Prote&#x017F;tanten aber prie&#x017F;terliche Ein&#x017F;egnung<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">zur</fw><lb/></p>
                    </div>
                  </div>
                </div>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[397/0425] Verg. geg. d. Bevölk. u. Sittenp. Concubin. ohne die für den Ehevertrag geſetzlich beſtimm- ten Formalitäten. *) §. 491. Der Concubinat kann fortdauernd ſeyn (conc. perpetuus ſ. individuus) wenn die Geſell- ſchaft auf lebenslang eingegangen iſt; **) oder temporell (conc. tempor. ſ. individuus), wenn ſie auf längere Zeit, aber nicht auf lebenslang ein- gegangen iſt. Iener iſt eine wirkliche, aber blos natürliche, und daher (wegen §. 490) in Beziehung auf den Staat, eine rechtlich und kirchlich ungültige Ehe. ***) §. 492. Da bey Katholiken die Erklärung des Eheconſenſes (verba de praeſenti) vor zwey Zeugen und dem competenten Prieſter, †) bey den Proteſtanten aber prieſterliche Einſegnung zur *) Unterſchied vom Pellicat, von der Ehe zur linken Hand (M. ad morganaticam). Gewiſſensehe u. ſ. w. **) Die Gewiſſensehe (matr. conſcientiae) iſt nichts als Concubinat (natürliche Ehe) mit der Wirkung einer rechtlich gültigen Ehe. Daher können nur ſolche Perſonen in einer Gewiſſensehe leben, welche den Privatgeſetzen des Staats nicht unterworfen ſind, nämlich oberherrliche Perſonen. ſ. Schotts Einl. in das Eherecht. §. 173. ***) Daſs der concub. perpet. nicht vor dem XVI. Saec. der Ehe gleich geachtet worden ſey, wie Leyſer c. l. annimmt, zeigt ſehr gut Koch l. c. §. 301. Schol. †) Conc. Trid. Seſſ. XXIV. de ref. matrim. c. 1.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/425
Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 397. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/425>, abgerufen am 21.10.2019.