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Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

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V. d. Gründ. d. Vermuth. oder von Indicien.
gen zeigen, welche die Wirkungen eines be-
stimmten Verbrechens seyn können. Blutige
Kleider oder Waffen können Anzeigungen
der Tödtung seyn *). 2) Wenn eine Person
Sachen besitzt oder besessen hat, deren Besitz
entweder an sich **) oder wegen der Art des
Besitzes ***), oder der Lage des Besitzers ****)
aus einem bestimmten Verbrechen erklärbar ist.

§. 585.

Unter den Indicien der zweyten Classe
(§. 583.) sind II. solche Thatsachen enthalten,
die als Folgen eines Verbrechens mit dem-
selben in einem psychologischen Zusammen-
hange stehen. Es finden sich keine andere
Indicien dieser Art, als solche, die auf das
Bewustseyn der begangenen That selbst schlie-
ssen lassen. Sie theilen sich in Indicien, wel-
che das Bewustseyn des Urhebers selbst, und
in solche, welche das Bewustseyn eines dritten
von der That, erkennen lassen.

§. 586.

1) Die Anzeigungen, welche auf das Be-
wustseyn eines Subjects als Selbst-Urhebers
der That, schliessen lassen, sind a) das Ge-

ständ-
*) P. G. O. Art. 33.
**) Wie wenn dem Beleidigten, z. E. dem Ermor-
deten, oder Bestohlnen, die Sachen gehörten. P. G.
O. Art. 38.
***) Wenn z. B. eine Person Sachen an ungewöhnliche
Orte versteckt hat.
****) Dahin gehört schnelles Reichwerden, oder grosser
Aufwand ohne dass ein rechtlicher Titel des Er-
werbs bekannt ist. P. G. O. Art. 39.
G g

V. d. Gründ. d. Vermuth. oder von Indicien.
gen zeigen, welche die Wirkungen eines be-
ſtimmten Verbrechens ſeyn können. Blutige
Kleider oder Waffen können Anzeigungen
der Tödtung ſeyn *). 2) Wenn eine Perſon
Sachen beſitzt oder beſeſſen hat, deren Beſitz
entweder an ſich **) oder wegen der Art des
Beſitzes ***), oder der Lage des Beſitzers ****)
aus einem beſtimmten Verbrechen erklärbar iſt.

§. 585.

Unter den Indicien der zweyten Claſſe
(§. 583.) ſind II. ſolche Thatſachen enthalten,
die als Folgen eines Verbrechens mit dem-
ſelben in einem pſychologiſchen Zuſammen-
hange ſtehen. Es finden ſich keine andere
Indicien dieſer Art, als ſolche, die auf das
Bewuſtſeyn der begangenen That ſelbſt ſchlie-
ſsen laſſen. Sie theilen ſich in Indicien, wel-
che das Bewuſtſeyn des Urhebers ſelbſt, und
in ſolche, welche das Bewuſtſeyn eines dritten
von der That, erkennen laſſen.

§. 586.

1) Die Anzeigungen, welche auf das Be-
wuſtſeyn eines Subjects als Selbſt-Urhebers
der That, ſchlieſsen laſſen, ſind a) das Ge-

ſtänd-
*) P. G. O. Art. 33.
**) Wie wenn dem Beleidigten, z. E. dem Ermor-
deten, oder Beſtohlnen, die Sachen gehörten. P. G.
O. Art. 38.
***) Wenn z. B. eine Perſon Sachen an ungewöhnliche
Orte verſteckt hat.
****) Dahin gehört ſchnelles Reichwerden, oder groſser
Aufwand ohne daſs ein rechtlicher Titel des Er-
werbs bekannt iſt. P. G. O. Art. 39.
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[465/0493] V. d. Gründ. d. Vermuth. oder von Indicien. gen zeigen, welche die Wirkungen eines be- ſtimmten Verbrechens ſeyn können. Blutige Kleider oder Waffen können Anzeigungen der Tödtung ſeyn *). 2) Wenn eine Perſon Sachen beſitzt oder beſeſſen hat, deren Beſitz entweder an ſich **) oder wegen der Art des Beſitzes ***), oder der Lage des Beſitzers ****) aus einem beſtimmten Verbrechen erklärbar iſt. §. 585. Unter den Indicien der zweyten Claſſe (§. 583.) ſind II. ſolche Thatſachen enthalten, die als Folgen eines Verbrechens mit dem- ſelben in einem pſychologiſchen Zuſammen- hange ſtehen. Es finden ſich keine andere Indicien dieſer Art, als ſolche, die auf das Bewuſtſeyn der begangenen That ſelbſt ſchlie- ſsen laſſen. Sie theilen ſich in Indicien, wel- che das Bewuſtſeyn des Urhebers ſelbſt, und in ſolche, welche das Bewuſtſeyn eines dritten von der That, erkennen laſſen. §. 586. 1) Die Anzeigungen, welche auf das Be- wuſtſeyn eines Subjects als Selbſt-Urhebers der That, ſchlieſsen laſſen, ſind a) das Ge- ſtänd- *) P. G. O. Art. 33. **) Wie wenn dem Beleidigten, z. E. dem Ermor- deten, oder Beſtohlnen, die Sachen gehörten. P. G. O. Art. 38. ***) Wenn z. B. eine Perſon Sachen an ungewöhnliche Orte verſteckt hat. ****) Dahin gehört ſchnelles Reichwerden, oder groſser Aufwand ohne daſs ein rechtlicher Titel des Er- werbs bekannt iſt. P. G. O. Art. 39. G g

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Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 465. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/493>, abgerufen am 20.03.2019.