Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

Bild:
<< vorherige Seite

Von d. Beweis u. d. Beweismitteln überh.
die Gegengründe das Indicium vollkommen
überwiegen
, die Wahrscheinlichkeit also auf
die Seite des Gegentheiss tritt; 4 wenn die
Unwahrheit der gravirenden Thatsache selbst
erwiesen ist.



Zweyte Unterabtheilung.
Von den Gründen der vollen Gewissheit und von den
Beweismitteln.


Erstes Kapitel.
Von dem Beweis und den Beweismitteln
überhaupt.


§. 594.

Beweis im weitern Sinn ist der Inbegriff der
Gründe für die Wahrheit einer Thatsache.
Im
engern Sinn, versteht man den Inbegriff der
Gründe für die Wahrheit einer Thatsache, in
so ferne durch dieselben eine volle Gewissheit
begründet wird. Es muss dann in dem Inbe-
griff jener Gründe kein Grund mehr mangeln,
der die Wahrheit der Thatsache bestimmt
(§. 572). Der Begriff Beweis, im weitern
Sinn genommen, macht eine Unterschei-
dung in vollständigen und unvollständigen
Beweis
(probatio plena -- minus plena) mög-
lich. Der vollständige Beweis ist durch den

Be-

Von d. Beweis u. d. Beweismitteln überh.
die Gegengründe das Indicium vollkommen
überwiegen
, die Wahrſcheinlichkeit alſo auf
die Seite des Gegentheiſs tritt; 4 wenn die
Unwahrheit der gravirenden Thatſache ſelbſt
erwieſen iſt.



Zweyte Unterabtheilung.
Von den Gründen der vollen Gewiſsheit und von den
Beweismitteln.


Erſtes Kapitel.
Von dem Beweis und den Beweismitteln
überhaupt.


§. 594.

Beweis im weitern Sinn iſt der Inbegriff der
Gründe für die Wahrheit einer Thatſache.
Im
engern Sinn, verſteht man den Inbegriff der
Gründe für die Wahrheit einer Thatſache, in
ſo ferne durch dieſelben eine volle Gewiſsheit
begründet wird. Es muſs dann in dem Inbe-
griff jener Gründe kein Grund mehr mangeln,
der die Wahrheit der Thatſache beſtimmt
(§. 572). Der Begriff Beweis, im weitern
Sinn genommen, macht eine Unterſchei-
dung in vollſtändigen und unvollſtändigen
Beweis
(probatio plena — minus plena) mög-
lich. Der vollſtändige Beweis iſt durch den

Be-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <div n="6">
                  <div n="7">
                    <div n="8">
                      <p><pb facs="#f0499" n="471"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#i">Von d. Beweis u. d. Beweismitteln überh.</hi></fw><lb/>
die <hi rendition="#i">Gegengründe</hi> das Indicium <hi rendition="#i">vollkommen<lb/>
überwiegen</hi>, die <hi rendition="#i">Wahr&#x017F;cheinlichkeit</hi> al&#x017F;o auf<lb/>
die Seite des Gegenthei&#x017F;s tritt; 4 wenn die<lb/><hi rendition="#i">Unwahrheit</hi> der gravirenden That&#x017F;ache &#x017F;elb&#x017F;t<lb/>
erwie&#x017F;en i&#x017F;t.</p>
                    </div>
                  </div><lb/>
                  <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
                  <div n="7">
                    <head><hi rendition="#g">Zweyte Unterabtheilung</hi>.<lb/><hi rendition="#i">Von den Gründen der vollen Gewi&#x017F;sheit und von den<lb/>
Beweismitteln.</hi></head><lb/>
                    <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
                    <div n="8">
                      <head><hi rendition="#g">Er&#x017F;tes Kapitel</hi>.<lb/><hi rendition="#i">Von dem Beweis und den Beweismitteln<lb/>
überhaupt.</hi></head><lb/>
                      <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
                      <div n="9">
                        <head>§. 594.</head><lb/>
                        <p><hi rendition="#in">B</hi><hi rendition="#i">eweis im weitern Sinn</hi> i&#x017F;t der <hi rendition="#i">Inbegriff der<lb/>
Gründe für die Wahrheit einer That&#x017F;ache.</hi> Im<lb/><hi rendition="#i">engern Sinn</hi>, ver&#x017F;teht man den Inbegriff der<lb/>
Gründe für die Wahrheit einer That&#x017F;ache, in<lb/>
&#x017F;o ferne durch die&#x017F;elben eine volle Gewi&#x017F;sheit<lb/>
begründet wird. Es mu&#x017F;s dann in dem Inbe-<lb/>
griff jener Gründe kein Grund mehr mangeln,<lb/>
der die Wahrheit der That&#x017F;ache be&#x017F;timmt<lb/>
(§. 572). Der Begriff Beweis, im weitern<lb/>
Sinn genommen, macht eine Unter&#x017F;chei-<lb/>
dung in <hi rendition="#i">voll&#x017F;tändigen</hi> und <hi rendition="#i">unvoll&#x017F;tändigen<lb/>
Beweis</hi> (<hi rendition="#i">probatio plena &#x2014; minus plena</hi>) mög-<lb/>
lich. Der <hi rendition="#i">voll&#x017F;tändige</hi> Beweis i&#x017F;t durch den<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Be-</fw><lb/></p>
                      </div>
                    </div>
                  </div>
                </div>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[471/0499] Von d. Beweis u. d. Beweismitteln überh. die Gegengründe das Indicium vollkommen überwiegen, die Wahrſcheinlichkeit alſo auf die Seite des Gegentheiſs tritt; 4 wenn die Unwahrheit der gravirenden Thatſache ſelbſt erwieſen iſt. Zweyte Unterabtheilung. Von den Gründen der vollen Gewiſsheit und von den Beweismitteln. Erſtes Kapitel. Von dem Beweis und den Beweismitteln überhaupt. §. 594. Beweis im weitern Sinn iſt der Inbegriff der Gründe für die Wahrheit einer Thatſache. Im engern Sinn, verſteht man den Inbegriff der Gründe für die Wahrheit einer Thatſache, in ſo ferne durch dieſelben eine volle Gewiſsheit begründet wird. Es muſs dann in dem Inbe- griff jener Gründe kein Grund mehr mangeln, der die Wahrheit der Thatſache beſtimmt (§. 572). Der Begriff Beweis, im weitern Sinn genommen, macht eine Unterſchei- dung in vollſtändigen und unvollſtändigen Beweis (probatio plena — minus plena) mög- lich. Der vollſtändige Beweis iſt durch den Be-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/499
Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 471. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/499>, abgerufen am 20.03.2019.