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Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

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V. d. verschied. mögl. Arten e. Strafg. z. übert.
die gesetzwidrige Bestimmung des Willens zu einer
Handlung oder Unterlassung aus der nach den
Gesetzen der Natur
*), ohne die Absicht des Sub-
jects, die Rechtsverletzung entsteht
**).

§. 63.

Der Culpa liegt nothwendig ein gesetz-
widriges Begehren
, d. i. eine Willensbestim-
mung zum Grunde, durch welche eine voll-
kommene Verbindlichkeit
, verletzt worden ist.
Denn ohne dieses ist Verschuldung undenkbar.
Diese Verbindlichkeit besteht in der Noth-
wendigkeit, alle Handlungen zu thun oder zu
unterlassen, aus welchen, nach Gesetzen der
Natur, eine Rechtsverletzung entstehen kann.
(Verbindlichkeit zum gehörigen Fleisse, obl. ad
diligentiam). Da nun bey der Culpa das Sub-
ject durch seinen Willen diese Pflicht verletzt
haben muss, so setzt die Culpa nothwendig
voraus 1) das Daseyn dieser Verbindlichkeit

für
*) Entweder der innern oder der äussern Natur. --
Mündlich von dem Klein'schen positivbösen und
negativbösen Willen. Dessen p. Recht. §. 120.
**) Ueber Dolus und Culpa überhaupt cf. Stübel
System d. p. R. Thl. II. §. 262 -- 302. --
Kleinschrod a. O. Thl. I. Kap. II. -- Grol-
man
in der Bibliotbek d. p. R. I Thl. 1 Stck. Nr. 1.
3 Stck. N. 3. -- Klein vom Unterschied zwischen
Dolus und Culpa. Im Archiv. 1 Bd. 2tes Stck. Nr.
10. II Bd. 2tes Stck. S. 216. ff. -- Feuerbach
Revision 1 Thl. Kap. VI. Dessen Betrachtungen
über
Dolus und Culpa überhaupt und den Dolus indirec-
rus insbesondere.
In der Bibliothek II Bd. 1stes
Stück. N. 5.

V. d. verſchied. mögl. Arten e. Strafg. z. übert.
die geſetzwidrige Beſtimmung des Willens zu einer
Handlung oder Unterlaſſung aus der nach den
Geſetzen der Natur
*), ohne die Abſicht des Sub-
jects, die Rechtsverletzung entſteht
**).

§. 63.

Der Culpa liegt nothwendig ein geſetz-
widriges Begehren
, d. i. eine Willensbeſtim-
mung zum Grunde, durch welche eine voll-
kommene Verbindlichkeit
, verletzt worden iſt.
Denn ohne dieſes iſt Verſchuldung undenkbar.
Dieſe Verbindlichkeit beſteht in der Noth-
wendigkeit, alle Handlungen zu thun oder zu
unterlaſſen, aus welchen, nach Geſetzen der
Natur, eine Rechtsverletzung entſtehen kann.
(Verbindlichkeit zum gehörigen Fleiſse, obl. ad
diligentiam). Da nun bey der Culpa das Sub-
ject durch ſeinen Willen dieſe Pflicht verletzt
haben muſs, ſo ſetzt die Culpa nothwendig
voraus 1) das Daſeyn dieſer Verbindlichkeit

für
*) Entweder der innern oder der äuſſern Natur. —
Mündlich von dem Klein’ſchen poſitivböſen und
negativböſen Willen. Deſſen p. Recht. §. 120.
**) Ueber Dolus und Culpa überhaupt cf. Stübel
Syſtem d. p. R. Thl. II. §. 262 — 302. —
Kleinſchrod a. O. Thl. I. Kap. II. — Grol-
man
in der Bibliotbek d. p. R. I Thl. 1 Stck. Nr. 1.
3 Stck. N. 3. — Klein vom Unterſchied zwiſchen
Dolus und Culpa. Im Archiv. 1 Bd. 2tes Stck. Nr.
10. II Bd. 2tes Stck. S. 216. ff. — Feuerbach
Reviſion 1 Thl. Kap. VI. Deſſen Betrachtungen
über
Dolus und Culpa überhaupt und den Dolus indirec-
rus insbeſondere.
In der Bibliothek II Bd. 1ſtes
Stück. N. 5.
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[47/0075] V. d. verſchied. mögl. Arten e. Strafg. z. übert. die geſetzwidrige Beſtimmung des Willens zu einer Handlung oder Unterlaſſung aus der nach den Geſetzen der Natur *), ohne die Abſicht des Sub- jects, die Rechtsverletzung entſteht **). §. 63. Der Culpa liegt nothwendig ein geſetz- widriges Begehren, d. i. eine Willensbeſtim- mung zum Grunde, durch welche eine voll- kommene Verbindlichkeit, verletzt worden iſt. Denn ohne dieſes iſt Verſchuldung undenkbar. Dieſe Verbindlichkeit beſteht in der Noth- wendigkeit, alle Handlungen zu thun oder zu unterlaſſen, aus welchen, nach Geſetzen der Natur, eine Rechtsverletzung entſtehen kann. (Verbindlichkeit zum gehörigen Fleiſse, obl. ad diligentiam). Da nun bey der Culpa das Sub- ject durch ſeinen Willen dieſe Pflicht verletzt haben muſs, ſo ſetzt die Culpa nothwendig voraus 1) das Daſeyn dieſer Verbindlichkeit für *) Entweder der innern oder der äuſſern Natur. — Mündlich von dem Klein’ſchen poſitivböſen und negativböſen Willen. Deſſen p. Recht. §. 120. **) Ueber Dolus und Culpa überhaupt cf. Stübel Syſtem d. p. R. Thl. II. §. 262 — 302. — Kleinſchrod a. O. Thl. I. Kap. II. — Grol- man in der Bibliotbek d. p. R. I Thl. 1 Stck. Nr. 1. 3 Stck. N. 3. — Klein vom Unterſchied zwiſchen Dolus und Culpa. Im Archiv. 1 Bd. 2tes Stck. Nr. 10. II Bd. 2tes Stck. S. 216. ff. — Feuerbach Reviſion 1 Thl. Kap. VI. Deſſen Betrachtungen über Dolus und Culpa überhaupt und den Dolus indirec- rus insbeſondere. In der Bibliothek II Bd. 1ſtes Stück. N. 5.

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Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 47. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/75>, abgerufen am 24.03.2019.