Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

Bild:
<< vorherige Seite

V. d. verschied. mögl. Arten e. Strafg. z. übert.
scheinlicher war, als die Entstehung des-
selben *).

§. 66.

Der Dolus (§. 62.) hat zwey Arten, in wie
ferne entweder der entstandene gesetzwidrige
Effect der unmittelbare und ausschliessliche
Zweck des Begehrens war; oder die Absicht
des Verbrechers auf mehrere Rechtsverletzun-
gen einer bestimmten Art oder Gattung alter-
nativisch
gerichtet war. Jener heisst bestimm-
ter Dolus (d. determinatus)
; dieser eventueller,
oder unbestimmter Dolus (d. indeterminatus s.
eventualis.
Bey dem letzten war die entstan-
dene Rechtsverletzung in dem Entschlusse des
Subjects enthalten, aber in demselben Ent-
schlusse war auch noch eine andere Rechts-
verletzung enthalten und es war dem Subject
gleichviel, welche von diesen Rechtsverletzun-
gen aus seiner Handlung wirklich entstehe ***).


**)

§. 67.
*) Grolman Grunds. d. CRW. §. 52. u. 53.
***) z. E. Ich will mich an einem Menschen rächen
und schiesse nach ihm, nicht gerade um ihn zu
töden, auch nicht blos, um ihn zu verwunden;
sondern um meine allgemeine und unbestimmte
Absicht, ihm zu schaden, zu realisiren. Welchen
Erfolg gerade diese Handlung habe, ist mir gleich-
viel; ich will nur, dass eine von diesen Verletzun-
gen wirklich werde. -- Dieser eventuelle Dolus
ist
**) Mündlich von Stübels Eintheilung in ursprüng-
lich wirkenden
und in theilnehmenden, in vorbergehen-
den
und nachfolgenden Dolus (D. antecedens s. ex pro-
posito -- d. consequens s. ex re.
) System des p. R.
Thl. II. §. 264.
D 2

V. d. verſchied. mögl. Arten e. Strafg. z. übert.
ſcheinlicher war, als die Entſtehung deſ-
ſelben *).

§. 66.

Der Dolus (§. 62.) hat zwey Arten, in wie
ferne entweder der entſtandene geſetzwidrige
Effect der unmittelbare und ausſchlieſsliche
Zweck des Begehrens war; oder die Abſicht
des Verbrechers auf mehrere Rechtsverletzun-
gen einer beſtimmten Art oder Gattung alter-
nativiſch
gerichtet war. Jener heiſst beſtimm-
ter Dolus (d. determinatus)
; dieſer eventueller,
oder unbeſtimmter Dolus (d. indeterminatus ſ.
eventualis.
Bey dem letzten war die entſtan-
dene Rechtsverletzung in dem Entſchluſse des
Subjects enthalten, aber in demſelben Ent-
ſchluſse war auch noch eine andere Rechts-
verletzung enthalten und es war dem Subject
gleichviel, welche von dieſen Rechtsverletzun-
gen aus ſeiner Handlung wirklich entſtehe ***).


**)

§. 67.
*) Grolman Grundſ. d. CRW. §. 52. u. 53.
***) z. E. Ich will mich an einem Menſchen rächen
und ſchieſse nach ihm, nicht gerade um ihn zu
töden, auch nicht blos, um ihn zu verwunden;
ſondern um meine allgemeine und unbeſtimmte
Abſicht, ihm zu ſchaden, zu realiſiren. Welchen
Erfolg gerade dieſe Handlung habe, iſt mir gleich-
viel; ich will nur, daſs eine von dieſen Verletzun-
gen wirklich werde. — Dieſer eventuelle Dolus
iſt
**) Mündlich von Stübels Eintheilung in urſprüng-
lich wirkenden
und in theilnehmenden, in vorbergehen-
den
und nachfolgenden Dolus (D. antecedens ſ. ex pro-
poſito — d. conſequens ſ. ex re.
) Syſtem des p. R.
Thl. II. §. 264.
D 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <div n="6">
                  <div n="7">
                    <p><pb facs="#f0079" n="51"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#i">V. d. ver&#x017F;chied. mögl. Arten e. Strafg. z. übert.</hi></fw><lb/>
&#x017F;cheinlicher war, als die Ent&#x017F;tehung de&#x017F;-<lb/>
&#x017F;elben <note place="foot" n="*)"><hi rendition="#g">Grolman</hi><hi rendition="#i">Grund&#x017F;. d. CRW.</hi> §. 52. u. 53.</note>.</p>
                  </div><lb/>
                  <div n="7">
                    <head>§. 66.</head><lb/>
                    <p>Der <hi rendition="#i">Dolus</hi> (§. 62.) hat zwey Arten, in wie<lb/>
ferne entweder der ent&#x017F;tandene ge&#x017F;etzwidrige<lb/>
Effect der unmittelbare und <hi rendition="#i">aus&#x017F;chlie&#x017F;sliche</hi><lb/>
Zweck des Begehrens war; oder die Ab&#x017F;icht<lb/>
des Verbrechers auf <hi rendition="#i">mehrere</hi> Rechtsverletzun-<lb/>
gen einer be&#x017F;timmten Art oder Gattung <hi rendition="#i">alter-<lb/>
nativi&#x017F;ch</hi> gerichtet war. Jener hei&#x017F;st <hi rendition="#i">be&#x017F;timm-<lb/>
ter Dolus (d. determinatus)</hi>; die&#x017F;er <hi rendition="#i">eventueller</hi>,<lb/>
oder <hi rendition="#i">unbe&#x017F;timmter Dolus</hi> (<hi rendition="#i">d. indeterminatus &#x017F;.<lb/>
eventualis.</hi> Bey dem letzten war die ent&#x017F;tan-<lb/>
dene Rechtsverletzung in dem Ent&#x017F;chlu&#x017F;se des<lb/>
Subjects enthalten, aber in dem&#x017F;elben Ent-<lb/>
&#x017F;chlu&#x017F;se war auch noch eine andere Rechts-<lb/>
verletzung enthalten und es war dem Subject<lb/>
gleichviel, welche von die&#x017F;en Rechtsverletzun-<lb/>
gen aus &#x017F;einer Handlung wirklich ent&#x017F;tehe <note place="foot" n="***)">z. E. Ich will mich an einem Men&#x017F;chen rächen<lb/>
und &#x017F;chie&#x017F;se nach ihm, nicht gerade um ihn zu<lb/>
töden, auch nicht blos, um ihn zu verwunden;<lb/>
&#x017F;ondern um meine allgemeine und unbe&#x017F;timmte<lb/>
Ab&#x017F;icht, ihm zu <hi rendition="#i">&#x017F;chaden</hi>, zu reali&#x017F;iren. Welchen<lb/>
Erfolg gerade die&#x017F;e Handlung habe, i&#x017F;t mir gleich-<lb/>
viel; ich will nur, da&#x017F;s <hi rendition="#i">eine</hi> von die&#x017F;en Verletzun-<lb/>
gen wirklich werde. &#x2014; Die&#x017F;er eventuelle Dolus<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">i&#x017F;t</fw></note>.</p><lb/>
                    <fw place="bottom" type="sig">D 2</fw>
                    <fw place="bottom" type="catch">§. 67.</fw><lb/>
                    <note xml:id="note-0079" next="#note-0080" place="foot" n="**)">Mündlich von <hi rendition="#g">Stübels</hi> Eintheilung in <hi rendition="#i">ur&#x017F;prüng-<lb/>
lich wirkenden</hi> und in <hi rendition="#i">theilnehmenden</hi>, in <hi rendition="#i">vorbergehen-<lb/>
den</hi> und <hi rendition="#i">nachfolgenden</hi> D<hi rendition="#i">olus</hi> (D. <hi rendition="#i">antecedens &#x017F;. ex pro-<lb/>
po&#x017F;ito &#x2014; d. con&#x017F;equens &#x017F;. ex re.</hi>) <hi rendition="#i">Sy&#x017F;tem des p. R.</hi><lb/>
Thl. II. §. 264.</note>
                  </div><lb/>
                </div>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[51/0079] V. d. verſchied. mögl. Arten e. Strafg. z. übert. ſcheinlicher war, als die Entſtehung deſ- ſelben *). §. 66. Der Dolus (§. 62.) hat zwey Arten, in wie ferne entweder der entſtandene geſetzwidrige Effect der unmittelbare und ausſchlieſsliche Zweck des Begehrens war; oder die Abſicht des Verbrechers auf mehrere Rechtsverletzun- gen einer beſtimmten Art oder Gattung alter- nativiſch gerichtet war. Jener heiſst beſtimm- ter Dolus (d. determinatus); dieſer eventueller, oder unbeſtimmter Dolus (d. indeterminatus ſ. eventualis. Bey dem letzten war die entſtan- dene Rechtsverletzung in dem Entſchluſse des Subjects enthalten, aber in demſelben Ent- ſchluſse war auch noch eine andere Rechts- verletzung enthalten und es war dem Subject gleichviel, welche von dieſen Rechtsverletzun- gen aus ſeiner Handlung wirklich entſtehe ***). §. 67. **) *) Grolman Grundſ. d. CRW. §. 52. u. 53. ***) z. E. Ich will mich an einem Menſchen rächen und ſchieſse nach ihm, nicht gerade um ihn zu töden, auch nicht blos, um ihn zu verwunden; ſondern um meine allgemeine und unbeſtimmte Abſicht, ihm zu ſchaden, zu realiſiren. Welchen Erfolg gerade dieſe Handlung habe, iſt mir gleich- viel; ich will nur, daſs eine von dieſen Verletzun- gen wirklich werde. — Dieſer eventuelle Dolus iſt **) Mündlich von Stübels Eintheilung in urſprüng- lich wirkenden und in theilnehmenden, in vorbergehen- den und nachfolgenden Dolus (D. antecedens ſ. ex pro- poſito — d. conſequens ſ. ex re.) Syſtem des p. R. Thl. II. §. 264. D 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/79
Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 51. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/79>, abgerufen am 23.10.2019.