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Fischer, Hermann: Die Werkzeugmaschinen. Bd. 1: Die Metallbearbeitungs-Maschinen. [Textband]. Berlin, 1900.

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Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung.
einer ebenen Platte fortgeführt wird, so beschreibt sie eine Pyramidenfläche;
jeder Schnitt, welcher durch diese gleichlaufend mit jener Platte gelegt
wird, bildet eine, dem Rande der letzteren ähnliche Figur, ihre Abmessungen
verhalten sich zu denjenigen der Plattenbegrenzung wie ihr Abstand vom
Schwingungspunkte der Erzeugenden zum Abstand der Platte von dem
Schwingungspunkte.

Eine Anwendung dieses Satzes stellt Fig. 170 schaubildlich dar1). Ein
Bügel B ist mittels des Kreuzgelenks K am Maschinengestell so gestützt,
dass er um den Punkt o zu schwingen vermag. Die den Fräser F tragende
Welle W ist in dem Bügel gelagert; ihre Axe geht bei entsprechender Ver-
längerung durch den Punkt o. Gleichaxig mit W ist eine Rolle R an B ge-
lagert, deren Durchmesser sich zum Durchmesser des Fräsers wie (a + b): a
verhält. R wird unter einigem Druck über den Rand der Lehre L hinweg-
geführt, sodass der arbeitende Fräser F an dem Werkstück w eine Fläche
erzeugt, deren Querschnitt der Randbegrenzung von L geometrisch ähnlich

[Abbildung] Fig. 170.
ist. Es ist nun leicht zu übersehen, dass der Durchmesser von R nicht
unbedingt die oben angegebene Grösse zu haben braucht; ein anderer
Durchmesser von R verlangt nur eine andere Lehre L, und zwar eine solche,
deren führender Rand eine Equidestante der gegenwärtigen ist. Wie die
Gestalt dieser Lehre auszutragen ist, bedarf keiner Erläuterung.

Andere Ausführungsformen solcher Führungen findet man z. B. in
den unten verzeichneten Quellen2).

4. Ausgleichung des "todten Ganges" bei Schrauben und Zahnrädern.

Die Leitschrauben gehören zu den führenden Theilen in soweit, als
durch sie Verschiebungen bestimmter Länge ausgeführt werden sollen. Da

[Abbildung] Fig. 171.
sie, wie auch die zugehörigen
Muttern der Abnutzung unter-
liegen, also ein sogenannter "todter
Gang" eintritt, so ist die Frage
zu erörtern, wie ist dieser todte
Gang unschädlich zu machen?

Dasselbe gilt von Zahnrädern.

Die Lösung liegt einfach darin,
dass man eine zweite Mutter -- oder
ein zweites Rad -- hinzufügt, welche der ersteren gegenüber so verschoben
werden kann, dass sie rückwärts auf die Bolzengewindegänge -- bezw.

1) Zeitschr. d. Ver. deutscher Ingen., 1885, S. 830.
2) Zeitschr. d. Ver. deutscher Ingen., 1887, S. 1141, mit Abb. Revue Industrielle.
Aug. 1889, S. 301, mit Schaubild. Zeitschr. d. Ver. deutscher Ingen. 1898, S. 14--16.

Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung.
einer ebenen Platte fortgeführt wird, so beschreibt sie eine Pyramidenfläche;
jeder Schnitt, welcher durch diese gleichlaufend mit jener Platte gelegt
wird, bildet eine, dem Rande der letzteren ähnliche Figur, ihre Abmessungen
verhalten sich zu denjenigen der Plattenbegrenzung wie ihr Abstand vom
Schwingungspunkte der Erzeugenden zum Abstand der Platte von dem
Schwingungspunkte.

Eine Anwendung dieses Satzes stellt Fig. 170 schaubildlich dar1). Ein
Bügel B ist mittels des Kreuzgelenks K am Maschinengestell so gestützt,
dass er um den Punkt o zu schwingen vermag. Die den Fräser F tragende
Welle W ist in dem Bügel gelagert; ihre Axe geht bei entsprechender Ver-
längerung durch den Punkt o. Gleichaxig mit W ist eine Rolle R an B ge-
lagert, deren Durchmesser sich zum Durchmesser des Fräsers wie (a + b): a
verhält. R wird unter einigem Druck über den Rand der Lehre L hinweg-
geführt, sodass der arbeitende Fräser F an dem Werkstück w eine Fläche
erzeugt, deren Querschnitt der Randbegrenzung von L geometrisch ähnlich

[Abbildung] Fig. 170.
ist. Es ist nun leicht zu übersehen, dass der Durchmesser von R nicht
unbedingt die oben angegebene Grösse zu haben braucht; ein anderer
Durchmesser von R verlangt nur eine andere Lehre L, und zwar eine solche,
deren führender Rand eine Equidestante der gegenwärtigen ist. Wie die
Gestalt dieser Lehre auszutragen ist, bedarf keiner Erläuterung.

Andere Ausführungsformen solcher Führungen findet man z. B. in
den unten verzeichneten Quellen2).

4. Ausgleichung des „todten Ganges“ bei Schrauben und Zahnrädern.

Die Leitschrauben gehören zu den führenden Theilen in soweit, als
durch sie Verschiebungen bestimmter Länge ausgeführt werden sollen. Da

[Abbildung] Fig. 171.
sie, wie auch die zugehörigen
Muttern der Abnutzung unter-
liegen, also ein sogenannter „todter
Gang“ eintritt, so ist die Frage
zu erörtern, wie ist dieser todte
Gang unschädlich zu machen?

Dasselbe gilt von Zahnrädern.

Die Lösung liegt einfach darin,
dass man eine zweite Mutter — oder
ein zweites Rad — hinzufügt, welche der ersteren gegenüber so verschoben
werden kann, dass sie rückwärts auf die Bolzengewindegänge — bezw.

1) Zeitschr. d. Ver. deutscher Ingen., 1885, S. 830.
2) Zeitschr. d. Ver. deutscher Ingen., 1887, S. 1141, mit Abb. Revue Industrielle.
Aug. 1889, S. 301, mit Schaubild. Zeitschr. d. Ver. deutscher Ingen. 1898, S. 14—16.
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[92/0106] Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung. einer ebenen Platte fortgeführt wird, so beschreibt sie eine Pyramidenfläche; jeder Schnitt, welcher durch diese gleichlaufend mit jener Platte gelegt wird, bildet eine, dem Rande der letzteren ähnliche Figur, ihre Abmessungen verhalten sich zu denjenigen der Plattenbegrenzung wie ihr Abstand vom Schwingungspunkte der Erzeugenden zum Abstand der Platte von dem Schwingungspunkte. Eine Anwendung dieses Satzes stellt Fig. 170 schaubildlich dar 1). Ein Bügel B ist mittels des Kreuzgelenks K am Maschinengestell so gestützt, dass er um den Punkt o zu schwingen vermag. Die den Fräser F tragende Welle W ist in dem Bügel gelagert; ihre Axe geht bei entsprechender Ver- längerung durch den Punkt o. Gleichaxig mit W ist eine Rolle R an B ge- lagert, deren Durchmesser sich zum Durchmesser des Fräsers wie (a + b): a verhält. R wird unter einigem Druck über den Rand der Lehre L hinweg- geführt, sodass der arbeitende Fräser F an dem Werkstück w eine Fläche erzeugt, deren Querschnitt der Randbegrenzung von L geometrisch ähnlich [Abbildung Fig. 170.] ist. Es ist nun leicht zu übersehen, dass der Durchmesser von R nicht unbedingt die oben angegebene Grösse zu haben braucht; ein anderer Durchmesser von R verlangt nur eine andere Lehre L, und zwar eine solche, deren führender Rand eine Equidestante der gegenwärtigen ist. Wie die Gestalt dieser Lehre auszutragen ist, bedarf keiner Erläuterung. Andere Ausführungsformen solcher Führungen findet man z. B. in den unten verzeichneten Quellen 2). 4. Ausgleichung des „todten Ganges“ bei Schrauben und Zahnrädern. Die Leitschrauben gehören zu den führenden Theilen in soweit, als durch sie Verschiebungen bestimmter Länge ausgeführt werden sollen. Da [Abbildung Fig. 171.] sie, wie auch die zugehörigen Muttern der Abnutzung unter- liegen, also ein sogenannter „todter Gang“ eintritt, so ist die Frage zu erörtern, wie ist dieser todte Gang unschädlich zu machen? Dasselbe gilt von Zahnrädern. Die Lösung liegt einfach darin, dass man eine zweite Mutter — oder ein zweites Rad — hinzufügt, welche der ersteren gegenüber so verschoben werden kann, dass sie rückwärts auf die Bolzengewindegänge — bezw. 1) Zeitschr. d. Ver. deutscher Ingen., 1885, S. 830. 2) Zeitschr. d. Ver. deutscher Ingen., 1887, S. 1141, mit Abb. Revue Industrielle. Aug. 1889, S. 301, mit Schaubild. Zeitschr. d. Ver. deutscher Ingen. 1898, S. 14—16.

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Zitationshilfe: Fischer, Hermann: Die Werkzeugmaschinen. Bd. 1: Die Metallbearbeitungs-Maschinen. [Textband]. Berlin, 1900, S. 92. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fischer_werkzeugmaschinen01_1900/106>, abgerufen am 23.03.2019.