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Fischer, Hermann: Die Werkzeugmaschinen. Bd. 1: Die Metallbearbeitungs-Maschinen. [Textband]. Berlin, 1900.

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Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung.
zunächst nach dem vorhin angegebenen Verfahren gebohrt, dann aber
mittels kreisender Bohrer bei ruhendem Werkstück fertig gebohrt.

3. Gewindeschneidmaschinen.

Das am nächsten liegende Verfahren zum Erzeugen der Schrauben-
gewinde besteht darin, dass man einen geeignet gestalteten Formstichel
längs des Werkstücks verschiebt, während dieses sich umdreht, das ist:

[Abbildung] Fig. 770.
[Abbildung] Fig. 771.

a. Das Gewindeschneiden
auf der Drehbank
.1) Befestigt man
das Werkstück an dem Kopf einer in
ihrer Längenrichtung verschiebbaren
Drehbankspindel, versieht letztere mit
einem Mustergewinde und bringt
letzteres mit einem unverschieblichen
Gewinde in Eingriff, so verschiebt
sich das Werkstück, sobald man es
mit der Spindel dreht, nach der Steigung
des Mustergewindes, so dass ein fest-
gehaltener Stichel am Werkstück ein
Gewinde gleicher Ganghöhe erzeugt.
Dieses Gewindeschneidverfahren war
früher ganz allgemein gebräuchlich,2)
kommt jetzt aber nur noch ausnahms-
weise vor.

Versieht man die unverschieblich
gelagerte Drehbankspindel mit einem
Mustergewinde und lässt durch dieses
den Stichel dem Werkstück entlang
schieben, so erhält man ebenfalls ein
Gewinde, welches mit dem Muster-
gewinde gleiche Ganghöhe hat. Es
ist aber die Lagerung der Drehbank-
spindel eine weit sicherere als vor-
hin, auch ist zulässig, das Werkstück
zwischen Spitzen einzuspannen. Dieses
Verfahren kommt jetzt bei den Dreh-
bänken mit Stahlwechsel vielfach zur
Anwendung (vergl. S. 324).

In dem Beispiel Fig. 770 u. 771
bezeichnet w das in dem Futter a be-
festigte Werkstück, e einen an der
Welle d festen Arm, welcher den Sti-
chel, und c einen ebenfalls an d festen
Arm, welcher das zur Musterschraube oder Patrone b passende Mutterstück
enthält. Indem man den Stichel mittels des an e sitzenden Handgriffes gegen
das Werkstück führt, drückt man gleichzeitig das im Arm c steckende

1) Zeitschr. d. Ver. deutscher Ingen. 1885, S. 258, mit Abb.
2) Plumier, L'art de tourner, Paris 1706, S. 44, 72, 139, mit Abb. Leupold, thea-
trum machinarum, 1724, S. 174, mit Abb.; 1725, S. 174, mit Abb.

Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung.
zunächst nach dem vorhin angegebenen Verfahren gebohrt, dann aber
mittels kreisender Bohrer bei ruhendem Werkstück fertig gebohrt.

3. Gewindeschneidmaschinen.

Das am nächsten liegende Verfahren zum Erzeugen der Schrauben-
gewinde besteht darin, dass man einen geeignet gestalteten Formstichel
längs des Werkstücks verschiebt, während dieses sich umdreht, das ist:

[Abbildung] Fig. 770.
[Abbildung] Fig. 771.

a. Das Gewindeschneiden
auf der Drehbank
.1) Befestigt man
das Werkstück an dem Kopf einer in
ihrer Längenrichtung verschiebbaren
Drehbankspindel, versieht letztere mit
einem Mustergewinde und bringt
letzteres mit einem unverschieblichen
Gewinde in Eingriff, so verschiebt
sich das Werkstück, sobald man es
mit der Spindel dreht, nach der Steigung
des Mustergewindes, so dass ein fest-
gehaltener Stichel am Werkstück ein
Gewinde gleicher Ganghöhe erzeugt.
Dieses Gewindeschneidverfahren war
früher ganz allgemein gebräuchlich,2)
kommt jetzt aber nur noch ausnahms-
weise vor.

Versieht man die unverschieblich
gelagerte Drehbankspindel mit einem
Mustergewinde und lässt durch dieses
den Stichel dem Werkstück entlang
schieben, so erhält man ebenfalls ein
Gewinde, welches mit dem Muster-
gewinde gleiche Ganghöhe hat. Es
ist aber die Lagerung der Drehbank-
spindel eine weit sicherere als vor-
hin, auch ist zulässig, das Werkstück
zwischen Spitzen einzuspannen. Dieses
Verfahren kommt jetzt bei den Dreh-
bänken mit Stahlwechsel vielfach zur
Anwendung (vergl. S. 324).

In dem Beispiel Fig. 770 u. 771
bezeichnet w das in dem Futter a be-
festigte Werkstück, e einen an der
Welle d festen Arm, welcher den Sti-
chel, und c einen ebenfalls an d festen
Arm, welcher das zur Musterschraube oder Patrone b passende Mutterstück
enthält. Indem man den Stichel mittels des an e sitzenden Handgriffes gegen
das Werkstück führt, drückt man gleichzeitig das im Arm c steckende

1) Zeitschr. d. Ver. deutscher Ingen. 1885, S. 258, mit Abb.
2) Plumier, L’art de tourner, Paris 1706, S. 44, 72, 139, mit Abb. Leupold, thea-
trum machinarum, 1724, S. 174, mit Abb.; 1725, S. 174, mit Abb.
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[404/0418] Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung. zunächst nach dem vorhin angegebenen Verfahren gebohrt, dann aber mittels kreisender Bohrer bei ruhendem Werkstück fertig gebohrt. 3. Gewindeschneidmaschinen. Das am nächsten liegende Verfahren zum Erzeugen der Schrauben- gewinde besteht darin, dass man einen geeignet gestalteten Formstichel längs des Werkstücks verschiebt, während dieses sich umdreht, das ist: [Abbildung Fig. 770. ] [Abbildung Fig. 771. ] a. Das Gewindeschneiden auf der Drehbank. 1) Befestigt man das Werkstück an dem Kopf einer in ihrer Längenrichtung verschiebbaren Drehbankspindel, versieht letztere mit einem Mustergewinde und bringt letzteres mit einem unverschieblichen Gewinde in Eingriff, so verschiebt sich das Werkstück, sobald man es mit der Spindel dreht, nach der Steigung des Mustergewindes, so dass ein fest- gehaltener Stichel am Werkstück ein Gewinde gleicher Ganghöhe erzeugt. Dieses Gewindeschneidverfahren war früher ganz allgemein gebräuchlich, 2) kommt jetzt aber nur noch ausnahms- weise vor. Versieht man die unverschieblich gelagerte Drehbankspindel mit einem Mustergewinde und lässt durch dieses den Stichel dem Werkstück entlang schieben, so erhält man ebenfalls ein Gewinde, welches mit dem Muster- gewinde gleiche Ganghöhe hat. Es ist aber die Lagerung der Drehbank- spindel eine weit sicherere als vor- hin, auch ist zulässig, das Werkstück zwischen Spitzen einzuspannen. Dieses Verfahren kommt jetzt bei den Dreh- bänken mit Stahlwechsel vielfach zur Anwendung (vergl. S. 324). In dem Beispiel Fig. 770 u. 771 bezeichnet w das in dem Futter a be- festigte Werkstück, e einen an der Welle d festen Arm, welcher den Sti- chel, und c einen ebenfalls an d festen Arm, welcher das zur Musterschraube oder Patrone b passende Mutterstück enthält. Indem man den Stichel mittels des an e sitzenden Handgriffes gegen das Werkstück führt, drückt man gleichzeitig das im Arm c steckende 1) Zeitschr. d. Ver. deutscher Ingen. 1885, S. 258, mit Abb. 2) Plumier, L’art de tourner, Paris 1706, S. 44, 72, 139, mit Abb. Leupold, thea- trum machinarum, 1724, S. 174, mit Abb.; 1725, S. 174, mit Abb.

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Zitationshilfe: Fischer, Hermann: Die Werkzeugmaschinen. Bd. 1: Die Metallbearbeitungs-Maschinen. [Textband]. Berlin, 1900, S. 404. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fischer_werkzeugmaschinen01_1900/418>, abgerufen am 20.03.2019.