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Fischer, Hermann: Die Werkzeugmaschinen. Bd. 1: Die Metallbearbeitungs-Maschinen. [Textband]. Berlin, 1900.

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I. Theil. Die spanabnehmenden Werkzeugmaschinen.

Da jüngst Arbeiten veröffentlicht sind, welche eine gute Uebersicht
bieten, so beschränke ich mich hier auf das Anziehen der Quellen.1)

2. Schleifmaschinen.

Sie unterscheiden sich von den Fräsmaschinen:
durch weit grössere Arbeitsgeschwindigkeit,
weit geringere Spandicke und
durch Schädlichkeit der Abfälle (Schleifstaub, Schleifschmand).

Wegen der grossen Arbeitsgeschwindigkeit, bezw. grossen Umdrehungs-
zahlen der Schleifsteine wählt man für deren Spindeln möglichst lange und
dünne Zapfen. In Rücksicht auf den Schleifstaub werden die Zapfen-
flächen häufig durch Ueberkragungen, Kappen oder auch Abdichtungen vor
dem Eindringen fremder Körper möglichst geschützt. Die grosse Dreh-
geschwindigkeit verursacht schon bei geringen Ungleichheiten in der Massen-
vertheilung starke Erschütterungen, dem gegenüber verlangt die Dünnheit
der Späne besonders ruhiges und genaues Laufen der Schleifsteine. Dieser
Gegensatz ist nur durch genaues Ablehren des Schleifsteins und der sich
mit ihm drehenden Theile auszugleichen. Bei sehr kleinen Schleifsteinen --
also sehr grossen Umdrehungszahlen -- macht sich auch jede Ungleichheit
des Treibriemens fühlbar. Man macht und erhält diesen deshalb möglichst
gerade, und in seiner ganzen Länge möglichst genau gleich dick; die Ver-
bindung der Riemen darf natürlich nur durch Zusammenleimen der gut

[Abbildung] Fig. 857.
abgeschrägten Enden stattfinden. Es ist sogar die Lagerung der Schleif-
steinspindel von derjenigen der Riemenrollenspindel getrennt ausgeführt,
um die Erschütterungen der ersteren von letzterer fern zu halten.

Fig. 857 zeigt diese Anordnung im Schnitt, wie sie von der bekannten
Firma Brown & Sharpe ausgeführt ist. Es handelt sich um eine Maschine
zum Ausschleifen harter Büchsen, bei welcher der kleine Schleifstein k ziem-
lich weit von dem nächsten Gestelltheil e entfernt liegt. Etwaige Er-
schütterungen machen sich daher am Schleifstein besonders bemerklich.
Man hat die Welle b, auf welcher die Antriebsrolle c festsitzt in zwei
Büchsen gelagert, die in am Gestell feste Augen a geklemmt sind. Zwei
andere solche Augen, d und e, sollen die Lagerung für die Schleifstein-
spindel i tragen. Zu dem Zweck ist in e eine Röhre g geklemmt, in welcher
die Lagerbüchse h steckt. An i sitzt ein Bund, welcher sich gegen die
rechtsseitige Endfläche von h legt; er wird auf der anderen Seite von
dem Ende der Röhre f berührt, die mit Gewinde in g greift, also nach
Bedarf angezogen werden kann. Das rechtsseitige Ende von f wird in d
festgeklemmt, und der Muff m deckt den zwischen g und f liegenden Spiel-
raum. Um nun den Schleifstein k bezw. dessen Welle i zu drehen, ist das

1) Zeitschr. d. Ver. deutscher Ingen., 1895, S. 1341, mit Abb. Dingl. polyt. Journ.
1897, Bd. 306, S. 230, mit Abb.
I. Theil. Die spanabnehmenden Werkzeugmaschinen.

Da jüngst Arbeiten veröffentlicht sind, welche eine gute Uebersicht
bieten, so beschränke ich mich hier auf das Anziehen der Quellen.1)

2. Schleifmaschinen.

Sie unterscheiden sich von den Fräsmaschinen:
durch weit grössere Arbeitsgeschwindigkeit,
weit geringere Spandicke und
durch Schädlichkeit der Abfälle (Schleifstaub, Schleifschmand).

Wegen der grossen Arbeitsgeschwindigkeit, bezw. grossen Umdrehungs-
zahlen der Schleifsteine wählt man für deren Spindeln möglichst lange und
dünne Zapfen. In Rücksicht auf den Schleifstaub werden die Zapfen-
flächen häufig durch Ueberkragungen, Kappen oder auch Abdichtungen vor
dem Eindringen fremder Körper möglichst geschützt. Die grosse Dreh-
geschwindigkeit verursacht schon bei geringen Ungleichheiten in der Massen-
vertheilung starke Erschütterungen, dem gegenüber verlangt die Dünnheit
der Späne besonders ruhiges und genaues Laufen der Schleifsteine. Dieser
Gegensatz ist nur durch genaues Ablehren des Schleifsteins und der sich
mit ihm drehenden Theile auszugleichen. Bei sehr kleinen Schleifsteinen —
also sehr grossen Umdrehungszahlen — macht sich auch jede Ungleichheit
des Treibriemens fühlbar. Man macht und erhält diesen deshalb möglichst
gerade, und in seiner ganzen Länge möglichst genau gleich dick; die Ver-
bindung der Riemen darf natürlich nur durch Zusammenleimen der gut

[Abbildung] Fig. 857.
abgeschrägten Enden stattfinden. Es ist sogar die Lagerung der Schleif-
steinspindel von derjenigen der Riemenrollenspindel getrennt ausgeführt,
um die Erschütterungen der ersteren von letzterer fern zu halten.

Fig. 857 zeigt diese Anordnung im Schnitt, wie sie von der bekannten
Firma Brown & Sharpe ausgeführt ist. Es handelt sich um eine Maschine
zum Ausschleifen harter Büchsen, bei welcher der kleine Schleifstein k ziem-
lich weit von dem nächsten Gestelltheil e entfernt liegt. Etwaige Er-
schütterungen machen sich daher am Schleifstein besonders bemerklich.
Man hat die Welle b, auf welcher die Antriebsrolle c festsitzt in zwei
Büchsen gelagert, die in am Gestell feste Augen a geklemmt sind. Zwei
andere solche Augen, d und e, sollen die Lagerung für die Schleifstein-
spindel i tragen. Zu dem Zweck ist in e eine Röhre g geklemmt, in welcher
die Lagerbüchse h steckt. An i sitzt ein Bund, welcher sich gegen die
rechtsseitige Endfläche von h legt; er wird auf der anderen Seite von
dem Ende der Röhre f berührt, die mit Gewinde in g greift, also nach
Bedarf angezogen werden kann. Das rechtsseitige Ende von f wird in d
festgeklemmt, und der Muff m deckt den zwischen g und f liegenden Spiel-
raum. Um nun den Schleifstein k bezw. dessen Welle i zu drehen, ist das

1) Zeitschr. d. Ver. deutscher Ingen., 1895, S. 1341, mit Abb. Dingl. polyt. Journ.
1897, Bd. 306, S. 230, mit Abb.
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[457/0471] I. Theil. Die spanabnehmenden Werkzeugmaschinen. Da jüngst Arbeiten veröffentlicht sind, welche eine gute Uebersicht bieten, so beschränke ich mich hier auf das Anziehen der Quellen. 1) 2. Schleifmaschinen. Sie unterscheiden sich von den Fräsmaschinen: durch weit grössere Arbeitsgeschwindigkeit, weit geringere Spandicke und durch Schädlichkeit der Abfälle (Schleifstaub, Schleifschmand). Wegen der grossen Arbeitsgeschwindigkeit, bezw. grossen Umdrehungs- zahlen der Schleifsteine wählt man für deren Spindeln möglichst lange und dünne Zapfen. In Rücksicht auf den Schleifstaub werden die Zapfen- flächen häufig durch Ueberkragungen, Kappen oder auch Abdichtungen vor dem Eindringen fremder Körper möglichst geschützt. Die grosse Dreh- geschwindigkeit verursacht schon bei geringen Ungleichheiten in der Massen- vertheilung starke Erschütterungen, dem gegenüber verlangt die Dünnheit der Späne besonders ruhiges und genaues Laufen der Schleifsteine. Dieser Gegensatz ist nur durch genaues Ablehren des Schleifsteins und der sich mit ihm drehenden Theile auszugleichen. Bei sehr kleinen Schleifsteinen — also sehr grossen Umdrehungszahlen — macht sich auch jede Ungleichheit des Treibriemens fühlbar. Man macht und erhält diesen deshalb möglichst gerade, und in seiner ganzen Länge möglichst genau gleich dick; die Ver- bindung der Riemen darf natürlich nur durch Zusammenleimen der gut [Abbildung Fig. 857.] abgeschrägten Enden stattfinden. Es ist sogar die Lagerung der Schleif- steinspindel von derjenigen der Riemenrollenspindel getrennt ausgeführt, um die Erschütterungen der ersteren von letzterer fern zu halten. Fig. 857 zeigt diese Anordnung im Schnitt, wie sie von der bekannten Firma Brown & Sharpe ausgeführt ist. Es handelt sich um eine Maschine zum Ausschleifen harter Büchsen, bei welcher der kleine Schleifstein k ziem- lich weit von dem nächsten Gestelltheil e entfernt liegt. Etwaige Er- schütterungen machen sich daher am Schleifstein besonders bemerklich. Man hat die Welle b, auf welcher die Antriebsrolle c festsitzt in zwei Büchsen gelagert, die in am Gestell feste Augen a geklemmt sind. Zwei andere solche Augen, d und e, sollen die Lagerung für die Schleifstein- spindel i tragen. Zu dem Zweck ist in e eine Röhre g geklemmt, in welcher die Lagerbüchse h steckt. An i sitzt ein Bund, welcher sich gegen die rechtsseitige Endfläche von h legt; er wird auf der anderen Seite von dem Ende der Röhre f berührt, die mit Gewinde in g greift, also nach Bedarf angezogen werden kann. Das rechtsseitige Ende von f wird in d festgeklemmt, und der Muff m deckt den zwischen g und f liegenden Spiel- raum. Um nun den Schleifstein k bezw. dessen Welle i zu drehen, ist das 1) Zeitschr. d. Ver. deutscher Ingen., 1895, S. 1341, mit Abb. Dingl. polyt. Journ. 1897, Bd. 306, S. 230, mit Abb.

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Zitationshilfe: Fischer, Hermann: Die Werkzeugmaschinen. Bd. 1: Die Metallbearbeitungs-Maschinen. [Textband]. Berlin, 1900, S. 457. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fischer_werkzeugmaschinen01_1900/471>, abgerufen am 23.07.2019.