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Fischer, Hermann: Die Werkzeugmaschinen. Bd. 1: Die Metallbearbeitungs-Maschinen. [Textband]. Berlin, 1900.

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Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung.
die in der Mitte der Maschine sichtbare Hauptwelle erfährt ihre Drehung
von dem mittels der Hand gedrehten Schwungrad aus durch ein sehr stark
übersetzendes Stirnradvorgelege.

Die vorliegende Maschine dient auch zum Zusammendrücken stumpf
zu verschweissender Stangen oder Reifenenden, weshalb sie auch Schweiss-
maschine
genannt wird.

Einige Quellen über Stauchmaschinen mögen zur Ergänzung der
obigen Darlegungen angeführt werden.1)

B. Nietmaschinen oder Nieter.
1. Werkzeuge, Arbeitsverfahren und Widerstände.

Als eigentliche Werkzeuge dienen zwei an ihren Endflächen so aus-
gehöhlte Stempel, dass sie die fertigen Nietköpfe umschliessen. In der
Regel ist der Nietbolzen vorher mit einem Kopf versehen; er wird in das
für ihn bestimmte Loch geschoben und mit dem vorhandenen Kopf an
dem einen Stempel (dem Gegenhalter) gestützt, während der andere
Stempel (das Schelleisen oder der Kopfsetzer) den zweiten Nietkopf,
den sogenannten Schliesskopf bildet. Nicht selten (s. weiter unten) wird
der Nietbolzen, ohne vorher mit einem Kopf versehen zu sein, also als

[Abbildung] Fig. 1132.
[Abbildung] Fig. 1133.
Stift, in das Nietloch geschoben, und
werden beide Köpfe mittels derselben
Nietmaschinen erzeugt.

In Fig. 1132 bezeichnet g den
Gegenhalter und s das Schelleisen,
a den eingeschobenen Nietbolzen.
Verschiebt man s langsam mit dem
erforderlichen Druck gegen g, so trifft
die schalenförmige Höhlung von s
zunächst auf den Rand von a und
bildet das obere Ende des Nietbolzens
so um, dass die Berührungsfläche zwischen Schelleisen und Nietbolzen
grösser wird als der Nietbolzenquerschnitt. Bei gleichförmiger Wärme des
Nietbolzens wird dieser nunmehr in ganzer Länge gestaucht und zwar, so
weit er im Nietloch steckt, bis zu voller Ausfüllung des letzteren, weiter
oben bis zur Ausfüllung der Schelleisenhöhlung, d. h. bis zur Fertigstellung
des Schliesskopfes. Liegen die zu verbindenden Bleche fest aufeinander,
so ist zu dem beschriebenen Vorgange nichts weiter zu bemerken. Wenn
aber die Bleche nicht eng aufeinander schliessen, so dringt ein Theil des
Raum suchenden Nietschaftes in den Spalt und bildet hierdurch, wie
Fig. 1133 darstellt, einen Grat, der nun die Bleche dauernd auseinander
hält. Der Versuch, die Fuge durch nachträgliches Verstemmen der Blech-
ränder zu dichten, ist nur vorübergehend von Erfolg. Deshalb muss bei
dem vorliegenden Nietverfahren, wenn es sich um die Herstellung dichter
Verbindung handelt, mit aller Sorgfalt darauf gesehen werden, dass die
Blechränder während des Stauchens des Nietschaftes hart aufeinander liegen.

1) Zimmermann, Dingl. polyt. Journ. 1878, Bd. 230, S. 399. Sculfort, Maillard und
Maurice, daselbst S. 455. Brandes, Dingl. polyt. Journ. 1880, Bd. 235, S. 422. Polysius,
D. R.-P. Nr. 22025. Auerbach, D. R.-P. Nr. 24212. Meckel, Dingl. polyt. Journ. 1883,
Bd. 248, S. 405, sämmtlich mit Abb.

Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung.
die in der Mitte der Maschine sichtbare Hauptwelle erfährt ihre Drehung
von dem mittels der Hand gedrehten Schwungrad aus durch ein sehr stark
übersetzendes Stirnradvorgelege.

Die vorliegende Maschine dient auch zum Zusammendrücken stumpf
zu verschweissender Stangen oder Reifenenden, weshalb sie auch Schweiss-
maschine
genannt wird.

Einige Quellen über Stauchmaschinen mögen zur Ergänzung der
obigen Darlegungen angeführt werden.1)

B. Nietmaschinen oder Nieter.
1. Werkzeuge, Arbeitsverfahren und Widerstände.

Als eigentliche Werkzeuge dienen zwei an ihren Endflächen so aus-
gehöhlte Stempel, dass sie die fertigen Nietköpfe umschliessen. In der
Regel ist der Nietbolzen vorher mit einem Kopf versehen; er wird in das
für ihn bestimmte Loch geschoben und mit dem vorhandenen Kopf an
dem einen Stempel (dem Gegenhalter) gestützt, während der andere
Stempel (das Schelleisen oder der Kopfsetzer) den zweiten Nietkopf,
den sogenannten Schliesskopf bildet. Nicht selten (s. weiter unten) wird
der Nietbolzen, ohne vorher mit einem Kopf versehen zu sein, also als

[Abbildung] Fig. 1132.
[Abbildung] Fig. 1133.
Stift, in das Nietloch geschoben, und
werden beide Köpfe mittels derselben
Nietmaschinen erzeugt.

In Fig. 1132 bezeichnet g den
Gegenhalter und s das Schelleisen,
a den eingeschobenen Nietbolzen.
Verschiebt man s langsam mit dem
erforderlichen Druck gegen g, so trifft
die schalenförmige Höhlung von s
zunächst auf den Rand von a und
bildet das obere Ende des Nietbolzens
so um, dass die Berührungsfläche zwischen Schelleisen und Nietbolzen
grösser wird als der Nietbolzenquerschnitt. Bei gleichförmiger Wärme des
Nietbolzens wird dieser nunmehr in ganzer Länge gestaucht und zwar, so
weit er im Nietloch steckt, bis zu voller Ausfüllung des letzteren, weiter
oben bis zur Ausfüllung der Schelleisenhöhlung, d. h. bis zur Fertigstellung
des Schliesskopfes. Liegen die zu verbindenden Bleche fest aufeinander,
so ist zu dem beschriebenen Vorgange nichts weiter zu bemerken. Wenn
aber die Bleche nicht eng aufeinander schliessen, so dringt ein Theil des
Raum suchenden Nietschaftes in den Spalt und bildet hierdurch, wie
Fig. 1133 darstellt, einen Grat, der nun die Bleche dauernd auseinander
hält. Der Versuch, die Fuge durch nachträgliches Verstemmen der Blech-
ränder zu dichten, ist nur vorübergehend von Erfolg. Deshalb muss bei
dem vorliegenden Nietverfahren, wenn es sich um die Herstellung dichter
Verbindung handelt, mit aller Sorgfalt darauf gesehen werden, dass die
Blechränder während des Stauchens des Nietschaftes hart aufeinander liegen.

1) Zimmermann, Dingl. polyt. Journ. 1878, Bd. 230, S. 399. Sculfort, Maillard und
Maurice, daselbst S. 455. Brandes, Dingl. polyt. Journ. 1880, Bd. 235, S. 422. Polysius,
D. R.-P. Nr. 22025. Auerbach, D. R.-P. Nr. 24212. Meckel, Dingl. polyt. Journ. 1883,
Bd. 248, S. 405, sämmtlich mit Abb.
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[636/0654] Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung. die in der Mitte der Maschine sichtbare Hauptwelle erfährt ihre Drehung von dem mittels der Hand gedrehten Schwungrad aus durch ein sehr stark übersetzendes Stirnradvorgelege. Die vorliegende Maschine dient auch zum Zusammendrücken stumpf zu verschweissender Stangen oder Reifenenden, weshalb sie auch Schweiss- maschine genannt wird. Einige Quellen über Stauchmaschinen mögen zur Ergänzung der obigen Darlegungen angeführt werden. 1) B. Nietmaschinen oder Nieter. 1. Werkzeuge, Arbeitsverfahren und Widerstände. Als eigentliche Werkzeuge dienen zwei an ihren Endflächen so aus- gehöhlte Stempel, dass sie die fertigen Nietköpfe umschliessen. In der Regel ist der Nietbolzen vorher mit einem Kopf versehen; er wird in das für ihn bestimmte Loch geschoben und mit dem vorhandenen Kopf an dem einen Stempel (dem Gegenhalter) gestützt, während der andere Stempel (das Schelleisen oder der Kopfsetzer) den zweiten Nietkopf, den sogenannten Schliesskopf bildet. Nicht selten (s. weiter unten) wird der Nietbolzen, ohne vorher mit einem Kopf versehen zu sein, also als [Abbildung Fig. 1132.] [Abbildung Fig. 1133.] Stift, in das Nietloch geschoben, und werden beide Köpfe mittels derselben Nietmaschinen erzeugt. In Fig. 1132 bezeichnet g den Gegenhalter und s das Schelleisen, a den eingeschobenen Nietbolzen. Verschiebt man s langsam mit dem erforderlichen Druck gegen g, so trifft die schalenförmige Höhlung von s zunächst auf den Rand von a und bildet das obere Ende des Nietbolzens so um, dass die Berührungsfläche zwischen Schelleisen und Nietbolzen grösser wird als der Nietbolzenquerschnitt. Bei gleichförmiger Wärme des Nietbolzens wird dieser nunmehr in ganzer Länge gestaucht und zwar, so weit er im Nietloch steckt, bis zu voller Ausfüllung des letzteren, weiter oben bis zur Ausfüllung der Schelleisenhöhlung, d. h. bis zur Fertigstellung des Schliesskopfes. Liegen die zu verbindenden Bleche fest aufeinander, so ist zu dem beschriebenen Vorgange nichts weiter zu bemerken. Wenn aber die Bleche nicht eng aufeinander schliessen, so dringt ein Theil des Raum suchenden Nietschaftes in den Spalt und bildet hierdurch, wie Fig. 1133 darstellt, einen Grat, der nun die Bleche dauernd auseinander hält. Der Versuch, die Fuge durch nachträgliches Verstemmen der Blech- ränder zu dichten, ist nur vorübergehend von Erfolg. Deshalb muss bei dem vorliegenden Nietverfahren, wenn es sich um die Herstellung dichter Verbindung handelt, mit aller Sorgfalt darauf gesehen werden, dass die Blechränder während des Stauchens des Nietschaftes hart aufeinander liegen. 1) Zimmermann, Dingl. polyt. Journ. 1878, Bd. 230, S. 399. Sculfort, Maillard und Maurice, daselbst S. 455. Brandes, Dingl. polyt. Journ. 1880, Bd. 235, S. 422. Polysius, D. R.-P. Nr. 22025. Auerbach, D. R.-P. Nr. 24212. Meckel, Dingl. polyt. Journ. 1883, Bd. 248, S. 405, sämmtlich mit Abb.

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Zitationshilfe: Fischer, Hermann: Die Werkzeugmaschinen. Bd. 1: Die Metallbearbeitungs-Maschinen. [Textband]. Berlin, 1900, S. 636. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fischer_werkzeugmaschinen01_1900/654>, abgerufen am 20.03.2019.