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Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719.

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Erster Theil/
Von der Forst-Berechtigkeit.
[Spaltenumbruch]

Dieses ist ein uraltes Werck und be-
greiffet in sich die freye unumschränckte
Gewalt eines Grund-Herrens über den
Wald oder Holtz zu gebieten, Forst-Ord-
nungen denen Unterthanen zu publici-
ren und die Verbrecher zu bestraffen,
die Walder in gangbarem Stand pfleg-
lich zu erhalten, Gehäue zu verordnen,
zu deren Auffsicht Jäger, als Förster,
Schützen und Knechte anzunehmen und
zu bestellen, so zu ihrer Defension Büch-
sen tragen, zu gebieten über das wilde
Obst, Eicheln und Buch-Mast, Vieh-
Hütung und andere Wald-Früchte; Jn-
gleichen über Wind-Brüche, Lagerholtz
und Kühn, auch Pech- und Kohlen bren-
nen, die Luder-Plätze ausser den Gehä-
gen zu ordnen, die Raub-Thiere abzu-
halten, zu befehlen, daß die Schencken,
Müller und Richter Jagd- und Hetz-Hun-
de halten, Bret-Mühlen, Ziegel- und
Kalck-Oefen, Eysen-Hämmer und Glaß-
Hütten nebst Holtz-Flößen anzulegen,
über das Gehäge zu gebieten, Häge-
Säulen zu setzen, die Hunde kleppeln,
auch Wild-Zäune, Thier-Gärten, Wild-
Aecker, Saltz-Lecken und Heu-Rauffen,
Kirr-Plätze und Vogel-Heerde anrichten
zu lassen, über die Fisch-Wasser und
Krebs-Bäche, ingleichen Thonen- und
Vogel-Striche zu gebieten, die Gräntze
ungehindert zu beziehen, Forst-Häuser
und Wohnungen aufzubauen, und mit
allen Zubehörungen zu versehen, Holtz-
Marckt und Verkauff auszuschreiben
und frey zu handeln, und was dem allen
mehr anhängig; wie denn das Holtz aus-
zuzeichnen, ein absonderlicher Stempel
gegeben wird. Es muß aber auch ein
solcher Grund-Herr erweisen können,
daß er das Weydewerck oder die Hohe
und Niedere Jagd bißher und bey Men-
schen Gedencken oder zum wenigsten über
zehen Jahr geruhiglich besessen, und
ohne Jemandes Verboth ungehindert
gejaget, gehetzet, gestellet, geschossen und
gebeitzet, oder auch nach seiner Willkühr,
das Wild gehäget und geschonet, auch
solches alles andern zu verbieten, und
die Ubertreter zu bestraffen Macht ha-
be, und solcher maassen in diesem Recht
sich durch steten Gebrauch beständig er-
halten könne; welcher Beweiß entweder
schrifftlich, oder durch eine von langer Zeit
hergebrachte Possession, oder durch eyd-
liche Aussage derer Zeugen geschehen kan,
[Spaltenumbruch] wie hiervon der geneigte Leser in Ahasve-
ri Fritzschii Corpore Juris Venatorio-Fo-
restali
mit mehrerm ausführlich zu erse-
hen belieben wolle, wo er in allen deut-
liche Erklärung finden wird. Wann
nun eines Herren Land oder Herrschafft
weitläufftig und groß ist, darinnen
Städte und Dörffer herumb liegen, in
welcher Gegend nicht allein Heyden, Wäl-
der und Gebüsche, sondern auch Aecker,
Felder und Wiesen, oder Huthungen,
Brüche, Teiche und Flüsse sind, müssen
solche in gewisse Forst-Reviere eingethei-
let und nach vorhandenen Gelegenhei-
ten in richtige Gräntzen mit sonderlichen
Zeichen, Mahl-Steinen oder Hauffen ab-
gestecket, und einem jeden Förster, wie
weit seine Auffsicht sich erstrecke, ange-
wiesen werden. Nachdem nun das Land
weitläufftig und groß ist, darinnen viel
Forst-Reviere und consequenter zu de-
ren Auffsicht viel Förster seyn müssen,
wird über solche ein Ober-Förster, oder
nach Gutbefinden, da es noch weit-
läufftiger wäre, ein Wild-Meister oder
Forst-Meister als deren Vorgesetzter
verordnet, die Auffsicht über dieselben zu
haben, daß kein Unterschleiff unter ih-
nen, oder von andern keine Schmähle-
rung oder Eingriff wegen Holtz- und
Wildprät-Sachen dem Herrschafftli-
chen Regali zum Praejudiz, unverant-
wortlich vorgenommen oder nachgelas-
sen werde: Dannenhero einem Jeden die-
serwegen eine ausführliche Bestallung
gegeben, und wie er sich in seinem Dienst
zu verhalten, vom Höchsten biß zum Nie-
drigsten instruiret: Zu dessen Wohnung
am nützlichsten und gelegensten Ort ein
Forst-Hauß angewiesen, und sein Unter-
halt an Deputat und Tractament ihme
jährlich gereichet wird. Wann nun die
Forst-Reviere vor einen Förster zu weit-
laufftig und sonderlich mit vielen Wal-
dungen verwachsen, wird dem Förster
noch ein Fuß-Knecht, Heyde-Läuffer o-
der Holtz-Knecht untergeben, welchem
seine Huth, wie weit er acht zu geben hat,
angewiesen wird. An der Gräntze aber,
wo die Wild-Bahne von der Herrschafft
Residenz weit abgelegen, und das Wild-
präth auszutreten pfleget, oder feindseeli-
ge Nachbarschafft giebet, wird ein Gräntz-
Schütze gehalten, das wechselnde Wild-
präth stets alldar zu schiessen und zu lief-
fern. Wer mehrers und ausführlicher

von
Erſter Theil/
Von der Forſt-Berechtigkeit.
[Spaltenumbruch]

Dieſes iſt ein uraltes Werck und be-
greiffet in ſich die freye unumſchraͤnckte
Gewalt eines Grund-Herrens uͤber den
Wald oder Holtz zu gebieten, Forſt-Ord-
nungen denen Unterthanen zu publici-
ren und die Verbrecher zu beſtraffen,
die Walder in gangbarem Stand pfleg-
lich zu erhalten, Gehaͤue zu verordnen,
zu deren Auffſicht Jaͤger, als Foͤrſter,
Schuͤtzen und Knechte anzunehmen und
zu beſtellen, ſo zu ihrer Defenſion Buͤch-
ſen tragen, zu gebieten uͤber das wilde
Obſt, Eicheln und Buch-Maſt, Vieh-
Huͤtung und andere Wald-Fruͤchte; Jn-
gleichen uͤber Wind-Bruͤche, Lagerholtz
und Kuͤhn, auch Pech- und Kohlen bren-
nen, die Luder-Plaͤtze auſſer den Gehaͤ-
gen zu ordnen, die Raub-Thiere abzu-
halten, zu befehlen, daß die Schencken,
Muͤller und Richter Jagd- und Hetz-Hun-
de halten, Bret-Muͤhlen, Ziegel- und
Kalck-Oefen, Eyſen-Haͤmmer und Glaß-
Huͤtten nebſt Holtz-Floͤßen anzulegen,
uͤber das Gehaͤge zu gebieten, Haͤge-
Saͤulen zu ſetzen, die Hunde kleppeln,
auch Wild-Zaͤune, Thier-Gaͤrten, Wild-
Aecker, Saltz-Lecken und Heu-Rauffen,
Kirr-Plaͤtze und Vogel-Heerde anrichten
zu laſſen, uͤber die Fiſch-Waſſer und
Krebs-Baͤche, ingleichen Thonen- und
Vogel-Striche zu gebieten, die Graͤntze
ungehindert zu beziehen, Forſt-Haͤuſer
und Wohnungen aufzubauen, und mit
allen Zubehoͤrungen zu verſehen, Holtz-
Marckt und Verkauff auszuſchreiben
und frey zu handeln, und was dem allen
mehr anhaͤngig; wie denn das Holtz aus-
zuzeichnen, ein abſonderlicher Stempel
gegeben wird. Es muß aber auch ein
ſolcher Grund-Herr erweiſen koͤnnen,
daß er das Weydewerck oder die Hohe
und Niedere Jagd bißher und bey Men-
ſchen Gedencken oder zum wenigſten uͤber
zehen Jahr geruhiglich beſeſſen, und
ohne Jemandes Verboth ungehindert
gejaget, gehetzet, geſtellet, geſchoſſen und
gebeitzet, oder auch nach ſeiner Willkuͤhr,
das Wild gehaͤget und geſchonet, auch
ſolches alles andern zu verbieten, und
die Ubertreter zu beſtraffen Macht ha-
be, und ſolcher maaſſen in dieſem Recht
ſich durch ſteten Gebrauch beſtaͤndig er-
halten koͤnne; welcher Beweiß entweder
ſchrifftlich, oder durch eine von langer Zeit
hergebrachte Poſſeſſion, oder durch eyd-
liche Auſſage derer Zeugen geſchehen kan,
[Spaltenumbruch] wie hiervon der geneigte Leſer in Ahaſve-
ri Fritzſchii Corpore Juris Venatorio-Fo-
reſtali
mit mehrerm ausfuͤhrlich zu erſe-
hen belieben wolle, wo er in allen deut-
liche Erklaͤrung finden wird. Wann
nun eines Herren Land oder Herrſchafft
weitlaͤufftig und groß iſt, darinnen
Staͤdte und Doͤrffer herumb liegen, in
welcher Gegend nicht allein Heyden, Waͤl-
der und Gebuͤſche, ſondern auch Aecker,
Felder und Wieſen, oder Huthungen,
Bruͤche, Teiche und Fluͤſſe ſind, muͤſſen
ſolche in gewiſſe Forſt-Reviere eingethei-
let und nach vorhandenen Gelegenhei-
ten in richtige Graͤntzen mit ſonderlichen
Zeichen, Mahl-Steinen oder Hauffen ab-
geſtecket, und einem jeden Foͤrſter, wie
weit ſeine Auffſicht ſich erſtrecke, ange-
wieſen werden. Nachdem nun das Land
weitlaͤufftig und groß iſt, darinnen viel
Forſt-Reviere und conſequenter zu de-
ren Auffſicht viel Foͤrſter ſeyn muͤſſen,
wird uͤber ſolche ein Ober-Foͤrſter, oder
nach Gutbefinden, da es noch weit-
laͤufftiger waͤre, ein Wild-Meiſter oder
Forſt-Meiſter als deren Vorgeſetzter
verordnet, die Auffſicht uͤber dieſelben zu
haben, daß kein Unterſchleiff unter ih-
nen, oder von andern keine Schmaͤhle-
rung oder Eingriff wegen Holtz- und
Wildpraͤt-Sachen dem Herrſchafftli-
chen Regali zum Præjudiz, unverant-
wortlich vorgenommen oder nachgelaſ-
ſen werde: Dannenhero einem Jeden die-
ſerwegen eine ausfuͤhrliche Beſtallung
gegeben, und wie er ſich in ſeinem Dienſt
zu verhalten, vom Hoͤchſten biß zum Nie-
drigſten inſtruiret: Zu deſſen Wohnung
am nuͤtzlichſten und gelegenſten Ort ein
Forſt-Hauß angewieſen, und ſein Unter-
halt an Deputat und Tractament ihme
jaͤhrlich gereichet wird. Wann nun die
Forſt-Reviere vor einen Foͤrſter zu weit-
laufftig und ſonderlich mit vielen Wal-
dungen verwachſen, wird dem Foͤrſter
noch ein Fuß-Knecht, Heyde-Laͤuffer o-
der Holtz-Knecht untergeben, welchem
ſeine Huth, wie weit er acht zu geben hat,
angewieſen wird. An der Graͤntze aber,
wo die Wild-Bahne von der Herrſchafft
Reſidenz weit abgelegen, und das Wild-
praͤth auszutreten pfleget, oder feindſeeli-
ge Nachbarſchafft giebet, wird ein Graͤntz-
Schuͤtze gehalten, das wechſelnde Wild-
praͤth ſtets alldar zu ſchieſſen und zu lief-
fern. Wer mehrers und ausfuͤhrlicher

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[50/0130] Erſter Theil/ Von der Forſt-Berechtigkeit. Dieſes iſt ein uraltes Werck und be- greiffet in ſich die freye unumſchraͤnckte Gewalt eines Grund-Herrens uͤber den Wald oder Holtz zu gebieten, Forſt-Ord- nungen denen Unterthanen zu publici- ren und die Verbrecher zu beſtraffen, die Walder in gangbarem Stand pfleg- lich zu erhalten, Gehaͤue zu verordnen, zu deren Auffſicht Jaͤger, als Foͤrſter, Schuͤtzen und Knechte anzunehmen und zu beſtellen, ſo zu ihrer Defenſion Buͤch- ſen tragen, zu gebieten uͤber das wilde Obſt, Eicheln und Buch-Maſt, Vieh- Huͤtung und andere Wald-Fruͤchte; Jn- gleichen uͤber Wind-Bruͤche, Lagerholtz und Kuͤhn, auch Pech- und Kohlen bren- nen, die Luder-Plaͤtze auſſer den Gehaͤ- gen zu ordnen, die Raub-Thiere abzu- halten, zu befehlen, daß die Schencken, Muͤller und Richter Jagd- und Hetz-Hun- de halten, Bret-Muͤhlen, Ziegel- und Kalck-Oefen, Eyſen-Haͤmmer und Glaß- Huͤtten nebſt Holtz-Floͤßen anzulegen, uͤber das Gehaͤge zu gebieten, Haͤge- Saͤulen zu ſetzen, die Hunde kleppeln, auch Wild-Zaͤune, Thier-Gaͤrten, Wild- Aecker, Saltz-Lecken und Heu-Rauffen, Kirr-Plaͤtze und Vogel-Heerde anrichten zu laſſen, uͤber die Fiſch-Waſſer und Krebs-Baͤche, ingleichen Thonen- und Vogel-Striche zu gebieten, die Graͤntze ungehindert zu beziehen, Forſt-Haͤuſer und Wohnungen aufzubauen, und mit allen Zubehoͤrungen zu verſehen, Holtz- Marckt und Verkauff auszuſchreiben und frey zu handeln, und was dem allen mehr anhaͤngig; wie denn das Holtz aus- zuzeichnen, ein abſonderlicher Stempel gegeben wird. Es muß aber auch ein ſolcher Grund-Herr erweiſen koͤnnen, daß er das Weydewerck oder die Hohe und Niedere Jagd bißher und bey Men- ſchen Gedencken oder zum wenigſten uͤber zehen Jahr geruhiglich beſeſſen, und ohne Jemandes Verboth ungehindert gejaget, gehetzet, geſtellet, geſchoſſen und gebeitzet, oder auch nach ſeiner Willkuͤhr, das Wild gehaͤget und geſchonet, auch ſolches alles andern zu verbieten, und die Ubertreter zu beſtraffen Macht ha- be, und ſolcher maaſſen in dieſem Recht ſich durch ſteten Gebrauch beſtaͤndig er- halten koͤnne; welcher Beweiß entweder ſchrifftlich, oder durch eine von langer Zeit hergebrachte Poſſeſſion, oder durch eyd- liche Auſſage derer Zeugen geſchehen kan, wie hiervon der geneigte Leſer in Ahaſve- ri Fritzſchii Corpore Juris Venatorio-Fo- reſtali mit mehrerm ausfuͤhrlich zu erſe- hen belieben wolle, wo er in allen deut- liche Erklaͤrung finden wird. Wann nun eines Herren Land oder Herrſchafft weitlaͤufftig und groß iſt, darinnen Staͤdte und Doͤrffer herumb liegen, in welcher Gegend nicht allein Heyden, Waͤl- der und Gebuͤſche, ſondern auch Aecker, Felder und Wieſen, oder Huthungen, Bruͤche, Teiche und Fluͤſſe ſind, muͤſſen ſolche in gewiſſe Forſt-Reviere eingethei- let und nach vorhandenen Gelegenhei- ten in richtige Graͤntzen mit ſonderlichen Zeichen, Mahl-Steinen oder Hauffen ab- geſtecket, und einem jeden Foͤrſter, wie weit ſeine Auffſicht ſich erſtrecke, ange- wieſen werden. Nachdem nun das Land weitlaͤufftig und groß iſt, darinnen viel Forſt-Reviere und conſequenter zu de- ren Auffſicht viel Foͤrſter ſeyn muͤſſen, wird uͤber ſolche ein Ober-Foͤrſter, oder nach Gutbefinden, da es noch weit- laͤufftiger waͤre, ein Wild-Meiſter oder Forſt-Meiſter als deren Vorgeſetzter verordnet, die Auffſicht uͤber dieſelben zu haben, daß kein Unterſchleiff unter ih- nen, oder von andern keine Schmaͤhle- rung oder Eingriff wegen Holtz- und Wildpraͤt-Sachen dem Herrſchafftli- chen Regali zum Præjudiz, unverant- wortlich vorgenommen oder nachgelaſ- ſen werde: Dannenhero einem Jeden die- ſerwegen eine ausfuͤhrliche Beſtallung gegeben, und wie er ſich in ſeinem Dienſt zu verhalten, vom Hoͤchſten biß zum Nie- drigſten inſtruiret: Zu deſſen Wohnung am nuͤtzlichſten und gelegenſten Ort ein Forſt-Hauß angewieſen, und ſein Unter- halt an Deputat und Tractament ihme jaͤhrlich gereichet wird. Wann nun die Forſt-Reviere vor einen Foͤrſter zu weit- laufftig und ſonderlich mit vielen Wal- dungen verwachſen, wird dem Foͤrſter noch ein Fuß-Knecht, Heyde-Laͤuffer o- der Holtz-Knecht untergeben, welchem ſeine Huth, wie weit er acht zu geben hat, angewieſen wird. An der Graͤntze aber, wo die Wild-Bahne von der Herrſchafft Reſidenz weit abgelegen, und das Wild- praͤth auszutreten pfleget, oder feindſeeli- ge Nachbarſchafft giebet, wird ein Graͤntz- Schuͤtze gehalten, das wechſelnde Wild- praͤth ſtets alldar zu ſchieſſen und zu lief- fern. Wer mehrers und ausfuͤhrlicher von

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Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719, S. 50. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719/130>, abgerufen am 18.06.2019.