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Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719.

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Von der Erden.
[Spaltenumbruch] ratione grosser Herren Verboth zwar
mit Arbitrar-Leibes-Straffe, doch
nicht am Leben zu bestraffen sind;
so wollen doch die Rechte, quod Feras in
vivariis capiens furti teneatur:
Maassen
solch Wild in sylva conclusa vel circum-
septa
nicht in seiner Freyheit, sondern ein-
geschlossen ist, und da es demjenigen, dem
es zugehöret, heimlicher Weise oder mit
Gewalt entwendet würde, als ein Spoli-
um,
Diebstahl oder Raub zu bestraffen
ist, wie in Fritzschii Corpore Juris Fore-
stalis
mit mehrerm zu befinden. Es ha-
ben vor alten Zeiten die Römer zu ih-
rer Vergnügung, wie Cato meldet, ih-
re Vivaria, Thier-Gärten, Leporaria,
Haasen-Gärten, & Aviaria, oder Vo-
gel-Häuser gehabt, darinnen sie solche
Thiere gehalten und ernehret, auch zu
sonderbahren Lecker-Bißlein erzogen,
worauf sie viele Unkosten verwendet:
Heutiges Tages aber werden die Thier-
Gärten darumb aufgerichtet, damit das
Tannen-Wild vor denen Wölffen beschü-
tzet werde, oder es werden zur sonder-
bahren Raritaet etwan neulich eingefan-
gene weiß oder gescheckte Hirsche, Thie-
re oder Rehe darin gesetzet, und zur
Renomme aufbehalten; Oder es hegen
auch Herrschafften darinnen das Wild
zu ihrer Vergnügung; Doch muß in ei-
nem solchen umbfangenen Ort nur ei-
nerley gehalten werden, und hat man
aus Erfahrung, daß, wo die weissen o-
der bunten Tannen-Hirsche in einem
Garten sind, und man auch roth Wild-
präth halten wolte, sich eine solche An-
tipathie
ereignet, daß die letzteren ab-
nehmen und umbfallen; Die Sauen a-
ber in Wiesen brechen, alles umbreissen,
gern umbwandern, stets gefüttert seyn
wollen, auch nach kurtzen Jahren ab-
nehmen und nicht dienen. Die Rehe hin-
gegen, als ein anmuthiges Wild, dienen
zwar, wiewohl sie als schwache Thierlein
gegen die andern den kürtzern ziehen.
Die Gelegenheit eines Thier-Gartens,
dafern er an lustiger Gegend angeleget
wird, und die Requisita hat, die in einer
freyen Wildbahne vorhanden seyn sol-
len, gleichen fast dem Paradieß, da man
sich an denen anmuthigen, und sprin-
genden Thieren, liebreichem Geräusch der
Wasserbäche, und holdseeligem Gesang
der Vögel genugsam vergnügen, an
Schattenreichen Bäumen eine sonder-
bahre Erkäntniß Göttlicher Allmacht und
Betrachtung der Natur und Jahres-Zei-
[Spaltenumbruch] ten, ja den Zuwachs auf Verlangen je-
derzeit frisch haben kan. Sonsten gehö-
ret insgemein zu solchem Thier-Garten
ein lustig gelegener Wald, worinnen
wild Obst, Eichen, und Buch-Mast zu
finden, ingleichen Behältnisse und Di-
ckigte vor das Wild, auch Graßreiche
Weyde, gute gesunde Quellen, und al-
lerhand Kräuter, Acker und Wiesen,
Gebürge und Gründe; Wie auch Heyde-
Kraut, fliessende Bäche und Teiche, auch
alle andere Nahrung, damit ihnen, wie
in einer Wildbahn, nichts mangele, und
sie ihre Freyheit haben, auch sich darin-
nen vermehren und zunehmen können,
daß die Herrschafft auf Bedürffniß zu
deren Vergnügung jährlich davon was
ausschiessen kan, und haben die Thiere
den Sommer hindurch ihre Nahrung
von Kräutern, Graß, Geträyde, wild
Obst und Mast: Jm Winter aber müs-
sen dieselben mit Heu-füttern, wo die
Sonne warm anscheinen kan, gewartet
werden. Die Grösse und Umbfang des
Thier-Gartens stehet in der Herrschafft
Belieben nach Gutbefinden zu ordnen,
und werden zur Vermachung umbher
an theils Orten Mauren, Schal-Wän-
de, oder Stangen-Zäune gemachet, das
Wild darinnen zu verwahren; Weil a-
ber solches mit der Zeit wandelbar wird,
das Mauerwerck einsincket und durch
Wasser erweichet, die Säulen der Schal-
Wände und Stangen-Zäune von der
Erde stocken und faulen, auch wohl öff-
ters durch den Wind umbgeworffen
werden; So rathe ich hierzu auswendig
herumb einen lebendigen Zaun von jun-
gen Buchen und darzwischen Dornen
des Frühlings anzulegen, in grosser
Sommer-Hitze fleißig zu begiessen und bey
Anwachsung derselben vor das Vieh mit
Stangen verwahren zu lassen; Ein sol-
cher Zaun kan leichtlich, wenn er wohl
unterhalten wird, in fünff oder sechs
Jahren vollkommen erwachsen und sich
sehr dichte in einander flechten; Es sie-
het ein solcher Zaun sehr ansehnlich, und
die Nachtigallen hecken gerne darinnen,
und wann mit der Zeit die Wand oder
der Zaun umbfiele, so wäre die lebendi-
ge Hecke schon da, das Wild zu verwah-
ren. Durch den Lust-Wald müssen
auch Alleen gehauen seyn, umb sich mit
Spatzieren desto besser zu ergötzen;
Jngleichen an denen Wäldern, pro-
portionir
te Statuen, als etwan Diana,
Orpheus, Satyri
und nach Gelegenheit

der

Von der Erden.
[Spaltenumbruch] ratione groſſer Herren Verboth zwar
mit Arbitrar-Leibes-Straffe, doch
nicht am Leben zu beſtraffen ſind;
ſo wollen doch die Rechte, quod Feras in
vivariis capiens furti teneatur:
Maaſſen
ſolch Wild in ſylva concluſa vel circum-
ſepta
nicht in ſeiner Freyheit, ſondern ein-
geſchloſſen iſt, und da es demjenigen, dem
es zugehoͤret, heimlicher Weiſe oder mit
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um,
Diebſtahl oder Raub zu beſtraffen
iſt, wie in Fritzſchii Corpore Juris Fore-
ſtalis
mit mehrerm zu befinden. Es ha-
ben vor alten Zeiten die Roͤmer zu ih-
rer Vergnuͤgung, wie Cato meldet, ih-
re Vivaria, Thier-Gaͤrten, Leporaria,
Haaſen-Gaͤrten, & Aviaria, oder Vo-
gel-Haͤuſer gehabt, darinnen ſie ſolche
Thiere gehalten und ernehret, auch zu
ſonderbahren Lecker-Bißlein erzogen,
worauf ſie viele Unkoſten verwendet:
Heutiges Tages aber werden die Thier-
Gaͤrten darumb aufgerichtet, damit das
Tannen-Wild vor denen Woͤlffen beſchuͤ-
tzet werde, oder es werden zur ſonder-
bahren Raritæt etwan neulich eingefan-
gene weiß oder geſcheckte Hirſche, Thie-
re oder Rehe darin geſetzet, und zur
Renommé aufbehalten; Oder es hegen
auch Herrſchafften darinnen das Wild
zu ihrer Vergnuͤgung; Doch muß in ei-
nem ſolchen umbfangenen Ort nur ei-
nerley gehalten werden, und hat man
aus Erfahrung, daß, wo die weiſſen o-
der bunten Tannen-Hirſche in einem
Garten ſind, und man auch roth Wild-
praͤth halten wolte, ſich eine ſolche An-
tipathié
ereignet, daß die letzteren ab-
nehmen und umbfallen; Die Sauen a-
ber in Wieſen brechen, alles umbreiſſen,
gern umbwandern, ſtets gefuͤttert ſeyn
wollen, auch nach kurtzen Jahren ab-
nehmen und nicht dienen. Die Rehe hin-
gegen, als ein anmuthiges Wild, dienen
zwar, wiewohl ſie als ſchwache Thierlein
gegen die andern den kuͤrtzern ziehen.
Die Gelegenheit eines Thier-Gartens,
dafern er an luſtiger Gegend angeleget
wird, und die Requiſita hat, die in einer
freyen Wildbahne vorhanden ſeyn ſol-
len, gleichen faſt dem Paradieß, da man
ſich an denen anmuthigen, und ſprin-
genden Thieren, liebreichem Geraͤuſch der
Waſſerbaͤche, und holdſeeligem Geſang
der Voͤgel genugſam vergnuͤgen, an
Schattenreichen Baͤumen eine ſonder-
bahre Erkaͤntniß Goͤttlicher Allmacht und
Betrachtung der Natur und Jahres-Zei-
[Spaltenumbruch] ten, ja den Zuwachs auf Verlangen je-
derzeit friſch haben kan. Sonſten gehoͤ-
ret insgemein zu ſolchem Thier-Garten
ein luſtig gelegener Wald, worinnen
wild Obſt, Eichen, und Buch-Maſt zu
finden, ingleichen Behaͤltniſſe und Di-
ckigte vor das Wild, auch Graßreiche
Weyde, gute geſunde Quellen, und al-
lerhand Kraͤuter, Acker und Wieſen,
Gebuͤrge und Gruͤnde; Wie auch Heyde-
Kraut, flieſſende Baͤche und Teiche, auch
alle andere Nahrung, damit ihnen, wie
in einer Wildbahn, nichts mangele, und
ſie ihre Freyheit haben, auch ſich darin-
nen vermehren und zunehmen koͤnnen,
daß die Herrſchafft auf Beduͤrffniß zu
deren Vergnuͤgung jaͤhrlich davon was
ausſchieſſen kan, und haben die Thiere
den Sommer hindurch ihre Nahrung
von Kraͤutern, Graß, Getraͤyde, wild
Obſt und Maſt: Jm Winter aber muͤſ-
ſen dieſelben mit Heu-fuͤttern, wo die
Sonne warm anſcheinen kan, gewartet
werden. Die Groͤſſe und Umbfang des
Thier-Gartens ſtehet in der Herrſchafft
Belieben nach Gutbefinden zu ordnen,
und werden zur Vermachung umbher
an theils Orten Mauren, Schal-Waͤn-
de, oder Stangen-Zaͤune gemachet, das
Wild darinnen zu verwahren; Weil a-
ber ſolches mit der Zeit wandelbar wird,
das Mauerwerck einſincket und durch
Waſſer erweichet, die Saͤulen der Schal-
Waͤnde und Stangen-Zaͤune von der
Erde ſtocken und faulen, auch wohl oͤff-
ters durch den Wind umbgeworffen
werden; So rathe ich hierzu auswendig
herumb einen lebendigen Zaun von jun-
gen Buchen und darzwiſchen Dornen
des Fruͤhlings anzulegen, in groſſer
Som̃er-Hitze fleißig zu begieſſen und bey
Anwachſung derſelben vor das Vieh mit
Stangen verwahren zu laſſen; Ein ſol-
cher Zaun kan leichtlich, wenn er wohl
unterhalten wird, in fuͤnff oder ſechs
Jahren vollkommen erwachſen und ſich
ſehr dichte in einander flechten; Es ſie-
het ein ſolcher Zaun ſehr anſehnlich, und
die Nachtigallen hecken gerne darinnen,
und wann mit der Zeit die Wand oder
der Zaun umbfiele, ſo waͤre die lebendi-
ge Hecke ſchon da, das Wild zu verwah-
ren. Durch den Luſt-Wald muͤſſen
auch Alleen gehauen ſeyn, umb ſich mit
Spatzieren deſto beſſer zu ergoͤtzen;
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te Statuen, als etwan Diana,
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und nach Gelegenheit

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[55/0139] Von der Erden. ratione groſſer Herren Verboth zwar mit Arbitrar-Leibes-Straffe, doch nicht am Leben zu beſtraffen ſind; ſo wollen doch die Rechte, quod Feras in vivariis capiens furti teneatur: Maaſſen ſolch Wild in ſylva concluſa vel circum- ſepta nicht in ſeiner Freyheit, ſondern ein- geſchloſſen iſt, und da es demjenigen, dem es zugehoͤret, heimlicher Weiſe oder mit Gewalt entwendet wuͤrde, als ein Spoli- um, Diebſtahl oder Raub zu beſtraffen iſt, wie in Fritzſchii Corpore Juris Fore- ſtalis mit mehrerm zu befinden. Es ha- ben vor alten Zeiten die Roͤmer zu ih- rer Vergnuͤgung, wie Cato meldet, ih- re Vivaria, Thier-Gaͤrten, Leporaria, Haaſen-Gaͤrten, & Aviaria, oder Vo- gel-Haͤuſer gehabt, darinnen ſie ſolche Thiere gehalten und ernehret, auch zu ſonderbahren Lecker-Bißlein erzogen, worauf ſie viele Unkoſten verwendet: Heutiges Tages aber werden die Thier- Gaͤrten darumb aufgerichtet, damit das Tannen-Wild vor denen Woͤlffen beſchuͤ- tzet werde, oder es werden zur ſonder- bahren Raritæt etwan neulich eingefan- gene weiß oder geſcheckte Hirſche, Thie- re oder Rehe darin geſetzet, und zur Renommé aufbehalten; Oder es hegen auch Herrſchafften darinnen das Wild zu ihrer Vergnuͤgung; Doch muß in ei- nem ſolchen umbfangenen Ort nur ei- nerley gehalten werden, und hat man aus Erfahrung, daß, wo die weiſſen o- der bunten Tannen-Hirſche in einem Garten ſind, und man auch roth Wild- praͤth halten wolte, ſich eine ſolche An- tipathié ereignet, daß die letzteren ab- nehmen und umbfallen; Die Sauen a- ber in Wieſen brechen, alles umbreiſſen, gern umbwandern, ſtets gefuͤttert ſeyn wollen, auch nach kurtzen Jahren ab- nehmen und nicht dienen. Die Rehe hin- gegen, als ein anmuthiges Wild, dienen zwar, wiewohl ſie als ſchwache Thierlein gegen die andern den kuͤrtzern ziehen. Die Gelegenheit eines Thier-Gartens, dafern er an luſtiger Gegend angeleget wird, und die Requiſita hat, die in einer freyen Wildbahne vorhanden ſeyn ſol- len, gleichen faſt dem Paradieß, da man ſich an denen anmuthigen, und ſprin- genden Thieren, liebreichem Geraͤuſch der Waſſerbaͤche, und holdſeeligem Geſang der Voͤgel genugſam vergnuͤgen, an Schattenreichen Baͤumen eine ſonder- bahre Erkaͤntniß Goͤttlicher Allmacht und Betrachtung der Natur und Jahres-Zei- ten, ja den Zuwachs auf Verlangen je- derzeit friſch haben kan. Sonſten gehoͤ- ret insgemein zu ſolchem Thier-Garten ein luſtig gelegener Wald, worinnen wild Obſt, Eichen, und Buch-Maſt zu finden, ingleichen Behaͤltniſſe und Di- ckigte vor das Wild, auch Graßreiche Weyde, gute geſunde Quellen, und al- lerhand Kraͤuter, Acker und Wieſen, Gebuͤrge und Gruͤnde; Wie auch Heyde- Kraut, flieſſende Baͤche und Teiche, auch alle andere Nahrung, damit ihnen, wie in einer Wildbahn, nichts mangele, und ſie ihre Freyheit haben, auch ſich darin- nen vermehren und zunehmen koͤnnen, daß die Herrſchafft auf Beduͤrffniß zu deren Vergnuͤgung jaͤhrlich davon was ausſchieſſen kan, und haben die Thiere den Sommer hindurch ihre Nahrung von Kraͤutern, Graß, Getraͤyde, wild Obſt und Maſt: Jm Winter aber muͤſ- ſen dieſelben mit Heu-fuͤttern, wo die Sonne warm anſcheinen kan, gewartet werden. Die Groͤſſe und Umbfang des Thier-Gartens ſtehet in der Herrſchafft Belieben nach Gutbefinden zu ordnen, und werden zur Vermachung umbher an theils Orten Mauren, Schal-Waͤn- de, oder Stangen-Zaͤune gemachet, das Wild darinnen zu verwahren; Weil a- ber ſolches mit der Zeit wandelbar wird, das Mauerwerck einſincket und durch Waſſer erweichet, die Saͤulen der Schal- Waͤnde und Stangen-Zaͤune von der Erde ſtocken und faulen, auch wohl oͤff- ters durch den Wind umbgeworffen werden; So rathe ich hierzu auswendig herumb einen lebendigen Zaun von jun- gen Buchen und darzwiſchen Dornen des Fruͤhlings anzulegen, in groſſer Som̃er-Hitze fleißig zu begieſſen und bey Anwachſung derſelben vor das Vieh mit Stangen verwahren zu laſſen; Ein ſol- cher Zaun kan leichtlich, wenn er wohl unterhalten wird, in fuͤnff oder ſechs Jahren vollkommen erwachſen und ſich ſehr dichte in einander flechten; Es ſie- het ein ſolcher Zaun ſehr anſehnlich, und die Nachtigallen hecken gerne darinnen, und wann mit der Zeit die Wand oder der Zaun umbfiele, ſo waͤre die lebendi- ge Hecke ſchon da, das Wild zu verwah- ren. Durch den Luſt-Wald muͤſſen auch Alleen gehauen ſeyn, umb ſich mit Spatzieren deſto beſſer zu ergoͤtzen; Jngleichen an denen Waͤldern, pro- portionirte Statuen, als etwan Diana, Orpheus, Satyri und nach Gelegenheit der

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Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719, S. 55. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719/139>, abgerufen am 26.06.2019.