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Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719.

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Von der Erden.
[Spaltenumbruch] des Sommers über in ziemlicher Quan-
tit
ät die Molcken gesammlet und damit
der Kalck gelöschet würde, hierauf ein-
gesummet etwan ein paar Jahr liegen
bliebe, und öffters bey heissem Wetter
angefeuchtet würde, solte daraus zweif-
fels ohne ein trefflicher weichklebichter
zäher Kalck zu einem tauglichen und fest-
haltenden Gemauer werden, weiln die
Erfahrung lehret, daß zwischen zerbro-
chenen Steinen, Gips, Thon oder Glaß
keine bessere Kütte, als eben der unge-
löschte Kalck und frischer Quarck, scilicet
ex derivatione
der Milch oder vorerwehn-
ter Molcken, unglaublich feste zusammen
halte. Er wird aber sonsten nur am
besten mit laulichtem Wasser gelöschet,
weil das gar zu frische Wasser ihn plötz-
lich erschreckt und spröde machet, und
darbey immer zu beständig durch eiserne
Krücken gestossen und umbgerühret, daß
das Wasser allenthalben durchkomme
und er nicht an manchem Ort zu tro-
[Spaltenumbruch] cken zurück bleibe, gelbe werde und ver-
brenne, da er dann nicht halten kan, son-
dern zu Staub wird. Es wird aber der
Kalck-Stein auf zweyerley Art gewon-
nen: Der eine bricht in festem Sand,
theils Schiefer-Gestein, im Gebürg, der
ander aber im ebenen Lande Flötzweise,
und flach streichend unter der Erden,
als eintzelne Mittel und Feld-Steine,
solcher wird bey gefrorener Erde Win-
ters, da es nicht nachfallen kan, gegra-
ben, der taugliche sortiret und mit de-
nen Gräbern Tonnen weise verdungen,
nachdem in den Ofen gesetzet und fast
acht Tage gebrannt, ehe er tüchtig, so-
dann ihm zum Auskühlen 10. biß 12. Ta-
ge Frist gelassen und währender Zeit,
daß ihm nicht die Lufft, der Thau oder
Regen von sich selbst löschen möge, mit
Brettern bedecket wird. Und geben 150.
Tonnen Stein 300. Tonnen Kalck, wor-
zu ohne Schmauch-Holtz etzliche 20. Klaff-
tern seyn müssen.

Von dem Bech-Ofen.
[Spaltenumbruch]

Der schlechteste, aber doch auch nützli-
che Ofen ist der Bech-Ofen, welcher, weil
er in Wäldern und von denen Forst-Be-
dienten öffters frequentiret und besuchet
wird, also diese davon die beste Nachricht
geben können, wohl merckwürdig ist, all-
hier zu beschreiben. Es wird erstlichen
vornehmlich solcher Bech-Ofen an sich
selbst von unten auf gantz Circul rund
etwan den dritten. Theil unten in einer
Weite, hernacher allgemach immer en-
ger, biß oben gantz spitzig zugewölbet,
damit die Hitze zusammen komme; Un-
ten im Ofen ist der Boden wie ein fla-
cher Kessel gestalt, woselbsten sich in der
Mitten ein schmal Räumgen anfänget
und gehet verdeckt nach dem Bech-Trog
hinaus: Auswendig herumb ist der
Mantel oder eine tüchtige Brand-Mau-
er, zwischen welchen das Feuer umbher
gemachet wird, forne ist das Brand-Loch,
doch nur in die Brand-Mauer, hinten
gegen über das Kohl-Loch in den Ofen
und Brand-Mauer, zur Seiten ist oben
das Setz-Loch, den gehackten Kühn dar-
innen auffwärts zu setzen, und gehören
zu einem solchen rechten Bech-Ofen fast
auf 1000. Mauer- oder Ziegel-Steine,
welcher meistens vier biß fünff Jahr tau-
ren kan, wiewohl die Weite, Höhe oder
Grösse, nach eines jeden Beliebung am
füglichsten einzurichten ist. Die Arbeit
[Spaltenumbruch] hierzu bestehet theils in Ausrotten der
alten Stöcke und Kühn-Stämme,
Windbrüche und Lagerholtz, theils be-
kommen auch auf jeden Brand noch ei-
nen Rindscheeligen Baum, worzu sie
nach abgeschnittenen Klötzern und ge-
grabenen Stämmen den benöthigten
Kühn aushauen und den weisen Splint
gantz absondern, zu welchem Ofen-
Brand sie dergleichen ausgehackten ro-
then Kühn fast zehen Fuder brauchen.
Wann nun solcher an den Ofen gefüh-
ret worden ist, wird er hernach wie Fisch-
Holtz gantz schmahl zerspalten, auff den
Haufen geworffen, und wie oben gemel-
det, gantz dichte schichtweise auf einan-
der gesetzet, biß der Ofen voll, dann wer-
den die beyden Löcher im Ofen zugemau-
ert und umb die Brand-Mauer im An-
fange durch Schmauch-Holtz starck ge-
feuert und mit dem Brennen zwey Ta-
ge angehalten, daß es Tag und Nacht
seine Zeit zu würcken hat, ehe es klar
laufft, anfänglich kömmt Hartz, aus
welchem das Kühn-Oehl so klar, wie
Brandewein in Küpffernen Blassen ge-
läutert wird; Nachdem folgt der
Schweiß, welcher zu nichts dienlich.
Dann kommt letzlich der rechte
Theer, oder Wagenschmier, aus wel-
chem das Faß-Bech in einem hier-
zu gemachten Oefen und grossen Kes-

sel,
J 2

Von der Erden.
[Spaltenumbruch] des Sommers uͤber in ziemlicher Quan-
tit
aͤt die Molcken geſammlet und damit
der Kalck geloͤſchet wuͤrde, hierauf ein-
geſummet etwan ein paar Jahr liegen
bliebe, und oͤffters bey heiſſem Wetter
angefeuchtet wuͤrde, ſolte daraus zweif-
fels ohne ein trefflicher weichklebichter
zaͤher Kalck zu einem tauglichen und feſt-
haltenden Gemauer werden, weiln die
Erfahrung lehret, daß zwiſchen zerbro-
chenen Steinen, Gips, Thon oder Glaß
keine beſſere Kuͤtte, als eben der unge-
loͤſchte Kalck und friſcher Quarck, ſcilicet
ex derivatione
der Milch oder vorerwehn-
ter Molcken, unglaublich feſte zuſammen
halte. Er wird aber ſonſten nur am
beſten mit laulichtem Waſſer geloͤſchet,
weil das gar zu friſche Waſſer ihn ploͤtz-
lich erſchreckt und ſproͤde machet, und
darbey immer zu beſtaͤndig durch eiſerne
Kruͤcken geſtoſſen und umbgeruͤhret, daß
das Waſſer allenthalben durchkomme
und er nicht an manchem Ort zu tro-
[Spaltenumbruch] cken zuruͤck bleibe, gelbe werde und ver-
brenne, da er dann nicht halten kan, ſon-
dern zu Staub wird. Es wird aber der
Kalck-Stein auf zweyerley Art gewon-
nen: Der eine bricht in feſtem Sand,
theils Schiefer-Geſtein, im Gebuͤrg, der
ander aber im ebenen Lande Floͤtzweiſe,
und flach ſtreichend unter der Erden,
als eintzelne Mittel und Feld-Steine,
ſolcher wird bey gefrorener Erde Win-
ters, da es nicht nachfallen kan, gegra-
ben, der taugliche ſortiret und mit de-
nen Graͤbern Tonnen weiſe verdungen,
nachdem in den Ofen geſetzet und faſt
acht Tage gebrannt, ehe er tuͤchtig, ſo-
dann ihm zum Auskuͤhlen 10. biß 12. Ta-
ge Friſt gelaſſen und waͤhrender Zeit,
daß ihm nicht die Lufft, der Thau oder
Regen von ſich ſelbſt loͤſchen moͤge, mit
Brettern bedecket wird. Und geben 150.
Tonnen Stein 300. Tonnen Kalck, wor-
zu ohne Schmauch-Holtz etzliche 20. Klaff-
tern ſeyn muͤſſen.

Von dem Bech-Ofen.
[Spaltenumbruch]

Der ſchlechteſte, aber doch auch nuͤtzli-
che Ofen iſt der Bech-Ofen, welcher, weil
er in Waͤldern und von denen Forſt-Be-
dienten oͤffters frequentiret und beſuchet
wird, alſo dieſe davon die beſte Nachricht
geben koͤnnen, wohl merckwuͤrdig iſt, all-
hier zu beſchreiben. Es wird erſtlichen
vornehmlich ſolcher Bech-Ofen an ſich
ſelbſt von unten auf gantz Circul rund
etwan den dritten. Theil unten in einer
Weite, hernacher allgemach immer en-
ger, biß oben gantz ſpitzig zugewoͤlbet,
damit die Hitze zuſammen komme; Un-
ten im Ofen iſt der Boden wie ein fla-
cher Keſſel geſtalt, woſelbſten ſich in der
Mitten ein ſchmal Raͤumgen anfaͤnget
und gehet verdeckt nach dem Bech-Trog
hinaus: Auswendig herumb iſt der
Mantel oder eine tuͤchtige Brand-Mau-
er, zwiſchen welchen das Feuer umbher
gemachet wird, forne iſt das Brand-Loch,
doch nur in die Brand-Mauer, hinten
gegen uͤber das Kohl-Loch in den Ofen
und Brand-Mauer, zur Seiten iſt oben
das Setz-Loch, den gehackten Kuͤhn dar-
innen auffwaͤrts zu ſetzen, und gehoͤren
zu einem ſolchen rechten Bech-Ofen faſt
auf 1000. Mauer- oder Ziegel-Steine,
welcher meiſtens vier biß fuͤnff Jahr tau-
ren kan, wiewohl die Weite, Hoͤhe oder
Groͤſſe, nach eines jeden Beliebung am
fuͤglichſten einzurichten iſt. Die Arbeit
[Spaltenumbruch] hierzu beſtehet theils in Ausrotten der
alten Stoͤcke und Kuͤhn-Staͤmme,
Windbruͤche und Lagerholtz, theils be-
kommen auch auf jeden Brand noch ei-
nen Rindſcheeligen Baum, worzu ſie
nach abgeſchnittenen Kloͤtzern und ge-
grabenen Staͤmmen den benoͤthigten
Kuͤhn aushauen und den weiſen Splint
gantz abſondern, zu welchem Ofen-
Brand ſie dergleichen ausgehackten ro-
then Kuͤhn faſt zehen Fuder brauchen.
Wann nun ſolcher an den Ofen gefuͤh-
ret worden iſt, wird er hernach wie Fiſch-
Holtz gantz ſchmahl zerſpalten, auff den
Haufen geworffen, und wie oben gemel-
det, gantz dichte ſchichtweiſe auf einan-
der geſetzet, biß der Ofen voll, dann wer-
den die beyden Loͤcher im Ofen zugemau-
ert und umb die Brand-Mauer im An-
fange durch Schmauch-Holtz ſtarck ge-
feuert und mit dem Brennen zwey Ta-
ge angehalten, daß es Tag und Nacht
ſeine Zeit zu wuͤrcken hat, ehe es klar
laufft, anfaͤnglich koͤmmt Hartz, aus
welchem das Kuͤhn-Oehl ſo klar, wie
Brandewein in Kuͤpffernen Blaſſen ge-
laͤutert wird; Nachdem folgt der
Schweiß, welcher zu nichts dienlich.
Dann kommt letzlich der rechte
Theer, oder Wagenſchmier, aus wel-
chem das Faß-Bech in einem hier-
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ſel,
J 2
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[67/0151] Von der Erden. des Sommers uͤber in ziemlicher Quan- titaͤt die Molcken geſammlet und damit der Kalck geloͤſchet wuͤrde, hierauf ein- geſummet etwan ein paar Jahr liegen bliebe, und oͤffters bey heiſſem Wetter angefeuchtet wuͤrde, ſolte daraus zweif- fels ohne ein trefflicher weichklebichter zaͤher Kalck zu einem tauglichen und feſt- haltenden Gemauer werden, weiln die Erfahrung lehret, daß zwiſchen zerbro- chenen Steinen, Gips, Thon oder Glaß keine beſſere Kuͤtte, als eben der unge- loͤſchte Kalck und friſcher Quarck, ſcilicet ex derivatione der Milch oder vorerwehn- ter Molcken, unglaublich feſte zuſammen halte. Er wird aber ſonſten nur am beſten mit laulichtem Waſſer geloͤſchet, weil das gar zu friſche Waſſer ihn ploͤtz- lich erſchreckt und ſproͤde machet, und darbey immer zu beſtaͤndig durch eiſerne Kruͤcken geſtoſſen und umbgeruͤhret, daß das Waſſer allenthalben durchkomme und er nicht an manchem Ort zu tro- cken zuruͤck bleibe, gelbe werde und ver- brenne, da er dann nicht halten kan, ſon- dern zu Staub wird. Es wird aber der Kalck-Stein auf zweyerley Art gewon- nen: Der eine bricht in feſtem Sand, theils Schiefer-Geſtein, im Gebuͤrg, der ander aber im ebenen Lande Floͤtzweiſe, und flach ſtreichend unter der Erden, als eintzelne Mittel und Feld-Steine, ſolcher wird bey gefrorener Erde Win- ters, da es nicht nachfallen kan, gegra- ben, der taugliche ſortiret und mit de- nen Graͤbern Tonnen weiſe verdungen, nachdem in den Ofen geſetzet und faſt acht Tage gebrannt, ehe er tuͤchtig, ſo- dann ihm zum Auskuͤhlen 10. biß 12. Ta- ge Friſt gelaſſen und waͤhrender Zeit, daß ihm nicht die Lufft, der Thau oder Regen von ſich ſelbſt loͤſchen moͤge, mit Brettern bedecket wird. Und geben 150. Tonnen Stein 300. Tonnen Kalck, wor- zu ohne Schmauch-Holtz etzliche 20. Klaff- tern ſeyn muͤſſen. Von dem Bech-Ofen. Der ſchlechteſte, aber doch auch nuͤtzli- che Ofen iſt der Bech-Ofen, welcher, weil er in Waͤldern und von denen Forſt-Be- dienten oͤffters frequentiret und beſuchet wird, alſo dieſe davon die beſte Nachricht geben koͤnnen, wohl merckwuͤrdig iſt, all- hier zu beſchreiben. Es wird erſtlichen vornehmlich ſolcher Bech-Ofen an ſich ſelbſt von unten auf gantz Circul rund etwan den dritten. Theil unten in einer Weite, hernacher allgemach immer en- ger, biß oben gantz ſpitzig zugewoͤlbet, damit die Hitze zuſammen komme; Un- ten im Ofen iſt der Boden wie ein fla- cher Keſſel geſtalt, woſelbſten ſich in der Mitten ein ſchmal Raͤumgen anfaͤnget und gehet verdeckt nach dem Bech-Trog hinaus: Auswendig herumb iſt der Mantel oder eine tuͤchtige Brand-Mau- er, zwiſchen welchen das Feuer umbher gemachet wird, forne iſt das Brand-Loch, doch nur in die Brand-Mauer, hinten gegen uͤber das Kohl-Loch in den Ofen und Brand-Mauer, zur Seiten iſt oben das Setz-Loch, den gehackten Kuͤhn dar- innen auffwaͤrts zu ſetzen, und gehoͤren zu einem ſolchen rechten Bech-Ofen faſt auf 1000. Mauer- oder Ziegel-Steine, welcher meiſtens vier biß fuͤnff Jahr tau- ren kan, wiewohl die Weite, Hoͤhe oder Groͤſſe, nach eines jeden Beliebung am fuͤglichſten einzurichten iſt. Die Arbeit hierzu beſtehet theils in Ausrotten der alten Stoͤcke und Kuͤhn-Staͤmme, Windbruͤche und Lagerholtz, theils be- kommen auch auf jeden Brand noch ei- nen Rindſcheeligen Baum, worzu ſie nach abgeſchnittenen Kloͤtzern und ge- grabenen Staͤmmen den benoͤthigten Kuͤhn aushauen und den weiſen Splint gantz abſondern, zu welchem Ofen- Brand ſie dergleichen ausgehackten ro- then Kuͤhn faſt zehen Fuder brauchen. Wann nun ſolcher an den Ofen gefuͤh- ret worden iſt, wird er hernach wie Fiſch- Holtz gantz ſchmahl zerſpalten, auff den Haufen geworffen, und wie oben gemel- det, gantz dichte ſchichtweiſe auf einan- der geſetzet, biß der Ofen voll, dann wer- den die beyden Loͤcher im Ofen zugemau- ert und umb die Brand-Mauer im An- fange durch Schmauch-Holtz ſtarck ge- feuert und mit dem Brennen zwey Ta- ge angehalten, daß es Tag und Nacht ſeine Zeit zu wuͤrcken hat, ehe es klar laufft, anfaͤnglich koͤmmt Hartz, aus welchem das Kuͤhn-Oehl ſo klar, wie Brandewein in Kuͤpffernen Blaſſen ge- laͤutert wird; Nachdem folgt der Schweiß, welcher zu nichts dienlich. Dann kommt letzlich der rechte Theer, oder Wagenſchmier, aus wel- chem das Faß-Bech in einem hier- zu gemachten Oefen und groſſen Keſ- ſel, J 2

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Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719, S. 67. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719/151>, abgerufen am 20.05.2019.