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Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719.

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Anderer Theil/
[Spaltenumbruch] Tyger, von Jugend auf zahm erzogen
und zur Jagd anderer Thiere, wie ein
Falck oder Habicht abgerichtet, sehr ge-
wöhnlich gebraucht, da werden sie hin-
ter ihrem Wärter auf einem Küssen zu
Pferde sitzend getragen, von welchem sie
nach vorgezeigtem Wilde unglaublich
hurtig und schnell abspringen und lauf-
fen, nach gefangenem Wild und Begü-
tigung aber ebenfalls jähling wiederum
aufsitzen können, worzu denn wohlab-
gerichtete Pferde erfordert werden. All-
hier bey uns Teutschen ist diese Art zu
jagen nicht gewöhnlich, sondern es wer-
[Spaltenumbruch] den die Tyger nur theils zur Pracht in
Löwen-Häusern, wie gemeldet, behal-
ten, theils aber zur Hoff- und Kampff-
Jagd mit andern wilden Thieren ange-
reitzet, oder durch starcke Hunde behetzt,
wie unten gemeldet werden soll. We-
gen seiner Spuhr und Gefährd hat man,
da sie ohnedieß in unsern Ländern nicht zu
finden, bey uns wenig Nachricht, ausser,
daß sie, wie beym Löwen gemeldet, der Ka-
tzen Art nach solche an Ballen und Klau-
en, doch viel kleiner, länger und schwächer,
als der Löwe, formiren sollen. Ein mehres
ist mir von diesem Thier nicht bekant.

Von dem Bär.
[Spaltenumbruch]

Dieweiln der Bär meistens in Poh-
len, sehr wenig aber auf Böhmischen
und Schläßischen Gebürgen gefangen
und hier zu Lande zur Hoff- und Kampff-
Jagd gebrauchet wird, so wird dem ge-
neigten Leser nicht mißfallen, wann des-
sen Natur und Eigenschafft hier bemer-
cket wird. Es werden die jungen Bä-
ren den Christ-Monath, und meistens
deren zwey, selten aber drey auff ein-
mahl gesetzet. Sie sind sehr klein, doch
zeigen der Kopff und die Vorder-Tatzen
die künfftige Grösse: Anfänglich sind sie
weißgelblicht und werden blind geboh-
ren: Daß sie aber so klein sind, ist die
Ursach, weil die alte Bärin kein offenes
Schloß hat, wie andere Thiere. Sie wer-
den zu Anfang ihrer Jugend von der
alten leicht erdrücket. Wann sie etliche
Tage vorbey haben, kriechen sie der al-
ten in die Haare dem Bauch nach, klet-
tern auch auf den Rücken; Am fünff-
ten oder sechsten Tage lernen sie sehen.
Wann nun etliche Wochen hin sind und
es nicht sehr kalt ist, auch die Sonne fein
warm scheinet, kriechen sie hervor umb
die alte herumb, und, sobald zwey Jun-
gen zusammen kommen, wollen sie so-
fort mit einander spielen, welches mit
dem Maul und Vorder-Tatzen geschie-
het, und machen mit allerhand krummen
Gebärden dem Zuseher eine artige Vor-
stellung. Sie saugen an der alten Bä-
rin, biß sie wieder läufft und wann es
nur warm und Sommer wird, so gehen
sie nach ihrer Nahrung, jedoch je länger,
je weiter. Wann ihre alten von jun-
gem Wildpräth was gefangen, bringen
sie es denen Jungen halb lebendig, daß
sie würgen lernen, dann verzehren sie
es zusammen: Alles, was sie fressen, hal-
[Spaltenumbruch] ten sie mit den Vorder-Tatzen: Sie neh-
men alles, was fleischig ist, gerne an, als
die jungen Vögel und Mäuse, wo sie es
aber nicht haben können, graben sie aller-
hand Wurtzeln aus, die sie essen, wie
auch einige Kräuter. Sie üben sich mit
klettern und steigen auf die Bäume, wie
die Katzen: Fällt gleich einer runder, gehet
er doch wieder hinauf. So bald die Heydel-
beer, Preußelbeer oder Erdbeer und Pül-
tze reiff werden, fressen sie gerne davon,
und wo die Bäre häuffig in Wäldern ver-
handen, gehen sie des Nachts in die Wein-
trauben und zu allerley Obst-Bäumen,
da sie sich überflüßig füllen, daß offters
ihre Lohsung breit liegen bleibet. Die
Hummel-Nester nehmen sie gerne aus,
ingleichen die wilden Bienen aus denen
hohlen Bäumen, wornach sie steigen:
Finden sie einen hohlen Baum, da Bie-
nen darinnen sind, und vermercken es,
werden sie so lange arbeiten, reissen und
in Stücke beissen, biß sie zu dem Honig
kommen; Das beste, worauf sie sich ver-
lassen, ist, daß sie eine gute Nase haben
und leicht im Wind vernehmen können,
derowegen halten sie öffters die Nase in
die Höhe, und dahero kommts, daß sie
leicht übersichtig werden; Es sind ohne
diß die Bäre zur Blindheit sehr geneigt,
und können von Natur lange nicht so
scharff sehen, wie andere Thiere: Wann
sie noch klein, lernet man ihen allerhand
Künste, als tantzen, überwerffen, sitzen
und stehen, in denen Armen was tra-
gen und anders mehr, es muß aber al-
les mit dräuen und schlägen geschehen,
wie denen Pohlen bekant ist. Ob gleich
die jungen Bäre schwartz werden, be-
halten sie doch am Halse einen weissen
Ring, welcher nach und nach immer

dunckler

Anderer Theil/
[Spaltenumbruch] Tyger, von Jugend auf zahm erzogen
und zur Jagd anderer Thiere, wie ein
Falck oder Habicht abgerichtet, ſehr ge-
woͤhnlich gebraucht, da werden ſie hin-
ter ihrem Waͤrter auf einem Kuͤſſen zu
Pferde ſitzend getragen, von welchem ſie
nach vorgezeigtem Wilde unglaublich
hurtig und ſchnell abſpringen und lauf-
fen, nach gefangenem Wild und Beguͤ-
tigung aber ebenfalls jaͤhling wiederum
aufſitzen koͤnnen, worzu denn wohlab-
gerichtete Pferde erfordert werden. All-
hier bey uns Teutſchen iſt dieſe Art zu
jagen nicht gewoͤhnlich, ſondern es wer-
[Spaltenumbruch] den die Tyger nur theils zur Pracht in
Loͤwen-Haͤuſern, wie gemeldet, behal-
ten, theils aber zur Hoff- und Kampff-
Jagd mit andern wilden Thieren ange-
reitzet, oder durch ſtarcke Hunde behetzt,
wie unten gemeldet werden ſoll. We-
gen ſeiner Spuhr und Gefaͤhrd hat man,
da ſie ohnedieß in unſern Laͤndern nicht zu
finden, bey uns wenig Nachricht, auſſer,
daß ſie, wie beym Loͤwen gemeldet, der Ka-
tzen Art nach ſolche an Ballen und Klau-
en, doch viel kleiner, laͤnger und ſchwaͤcher,
als der Loͤwe, formiren ſollen. Ein mehres
iſt mir von dieſem Thier nicht bekant.

Von dem Baͤr.
[Spaltenumbruch]

Dieweiln der Baͤr meiſtens in Poh-
len, ſehr wenig aber auf Boͤhmiſchen
und Schlaͤßiſchen Gebuͤrgen gefangen
und hier zu Lande zur Hoff- und Kampff-
Jagd gebrauchet wird, ſo wird dem ge-
neigten Leſer nicht mißfallen, wann deſ-
ſen Natur und Eigenſchafft hier bemer-
cket wird. Es werden die jungen Baͤ-
ren den Chriſt-Monath, und meiſtens
deren zwey, ſelten aber drey auff ein-
mahl geſetzet. Sie ſind ſehr klein, doch
zeigen der Kopff und die Vorder-Tatzen
die kuͤnfftige Groͤſſe: Anfaͤnglich ſind ſie
weißgelblicht und werden blind geboh-
ren: Daß ſie aber ſo klein ſind, iſt die
Urſach, weil die alte Baͤrin kein offenes
Schloß hat, wie andere Thiere. Sie wer-
den zu Anfang ihrer Jugend von der
alten leicht erdruͤcket. Wann ſie etliche
Tage vorbey haben, kriechen ſie der al-
ten in die Haare dem Bauch nach, klet-
tern auch auf den Ruͤcken; Am fuͤnff-
ten oder ſechſten Tage lernen ſie ſehen.
Wann nun etliche Wochen hin ſind und
es nicht ſehr kalt iſt, auch die Sonne fein
warm ſcheinet, kriechen ſie hervor umb
die alte herumb, und, ſobald zwey Jun-
gen zuſammen kommen, wollen ſie ſo-
fort mit einander ſpielen, welches mit
dem Maul und Vorder-Tatzen geſchie-
het, und machen mit allerhand krummen
Gebaͤrden dem Zuſeher eine artige Vor-
ſtellung. Sie ſaugen an der alten Baͤ-
rin, biß ſie wieder laͤufft und wann es
nur warm und Sommer wird, ſo gehen
ſie nach ihrer Nahrung, jedoch je laͤnger,
je weiter. Wann ihre alten von jun-
gem Wildpraͤth was gefangen, bringen
ſie es denen Jungen halb lebendig, daß
ſie wuͤrgen lernen, dann verzehren ſie
es zuſammen: Alles, was ſie freſſen, hal-
[Spaltenumbruch] ten ſie mit den Vorder-Tatzen: Sie neh-
men alles, was fleiſchig iſt, gerne an, als
die jungen Voͤgel und Maͤuſe, wo ſie es
aber nicht haben koͤnnen, graben ſie aller-
hand Wurtzeln aus, die ſie eſſen, wie
auch einige Kraͤuter. Sie uͤben ſich mit
klettern und ſteigen auf die Baͤume, wie
die Katzen: Faͤllt gleich einer runder, gehet
er doch wieder hinauf. So bald die Heydel-
beer, Preußelbeer oder Erdbeer und Puͤl-
tze reiff werden, freſſen ſie gerne davon,
und wo die Baͤre haͤuffig in Waͤldern ver-
handen, gehen ſie des Nachts in die Wein-
trauben und zu allerley Obſt-Baͤumen,
da ſie ſich uͤberfluͤßig fuͤllen, daß offters
ihre Lohſung breit liegen bleibet. Die
Hummel-Neſter nehmen ſie gerne aus,
ingleichen die wilden Bienen aus denen
hohlen Baͤumen, wornach ſie ſteigen:
Finden ſie einen hohlen Baum, da Bie-
nen darinnen ſind, und vermercken es,
werden ſie ſo lange arbeiten, reiſſen und
in Stuͤcke beiſſen, biß ſie zu dem Honig
kommen; Das beſte, worauf ſie ſich ver-
laſſen, iſt, daß ſie eine gute Naſe haben
und leicht im Wind vernehmen koͤnnen,
derowegen halten ſie oͤffters die Naſe in
die Hoͤhe, und dahero kommts, daß ſie
leicht uͤberſichtig werden; Es ſind ohne
diß die Baͤre zur Blindheit ſehr geneigt,
und koͤnnen von Natur lange nicht ſo
ſcharff ſehen, wie andere Thiere: Wann
ſie noch klein, lernet man ihen allerhand
Kuͤnſte, als tantzen, uͤberwerffen, ſitzen
und ſtehen, in denen Armen was tra-
gen und anders mehr, es muß aber al-
les mit draͤuen und ſchlaͤgen geſchehen,
wie denen Pohlen bekant iſt. Ob gleich
die jungen Baͤre ſchwartz werden, be-
halten ſie doch am Halſe einen weiſſen
Ring, welcher nach und nach immer

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Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719, S. 86. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719/174>, abgerufen am 19.05.2019.