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Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719.

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Anderer Theil/
[Spaltenumbruch] mit der Zunge rein auslecken, davon sie
die Schalen liegen lassen. Theils ver-
schleppen auch die Eyer. Jhre Brunfft
geschiehet, gleich denen Mardern, im Fe-
bruario. Sie tragen neun Wochen und
haben im April Jungen, welche man
leichtlich ihres Gestancks halber sinden
kan. Zu ihrer Brunfft-Zeit haben sie
des Nachts viel Beissens und Schreyens.
Jhre Bälge brauchen die Bauers-Leut
gemeiniglich zu ihren Klapp-Mützen vor
[Spaltenumbruch] die Kälte, sind tauerhafftig und warm.
Die Bauer-Mägde aber füttern sie un-
ter ihren gewöhnlichen Kopff-Schleyer,
sonsten dienen sie zu nichts; Und weiln
das Jltniß denen Phasianen und anderm
wilden Geflügel nicht wenig Schaden
thut, habe ich solches, ob es wohl klein,
dennoch als ein schädliches Raub-Thier
anzeigen wollen. Sie werden mit ei-
nem Ey in höltzern Fallen gefangen,
oder aus der Erden gegraben.

Von dem Eich-Hörnlein.
[Spaltenumbruch]

Nachdem ich bißher die Eigenschafft
derer grossen und kleinen wilden Thiere
beschrieben und zu Ende gebracht habe,
will ich annoch zum Beschluß von dem
Eichhörnlein, als einen lustigen Thiergen
dem geneigten Leser etwas vorstellen,
weil es gemeiniglich dem lieben Frau-
enzimmer und der Jugend zu ihrem Zeit-
vertreib in Gemächern zahm erzogen
und erhalten wird, im Walde aber am
meisten mit dessen Schiessen von der
Jugend der Anfang zum Weydewerck
gemachet wird, und derselben ihr erstes
Wildpräth ist. Sie wohnen im Gehöl-
tze, werden im April blind gebohren in
Tauben-Nestern, die sie verstöhren, woh-
nen gerne in hohlen Bäumen; Die Al-
te erziehet sie mit der Milch, biß sie fres-
sen können. Wann sie drey biß vier
Wochen alt, lauffen sie heraus, jagen
und klettern umb die Bäume herumb
und springen von einem Ast zum an-
dern. Die Alte bringet ihnen Tannen-
oder andern Holtz-Saamen, Feld-Obst,
oder Nüsse, biß sie selber hohlen lernen.
Sie machen viel Kurtzweile dem Zuse-
her und thun grosse Sprünge: Wann
sie nur ein klein Aestgen an der Spitz er-
greiffen, hangen sie sich daran und lauf-
fen geschwinde fort: Gemeiniglich sind
sie braunröthlicht und haben weisse Kehl-
gen: Man findet auch wohl schwartze
und graue, ingleichen weiß und röth-
licht vermenget, doch selten. Umb Mi-
chaelis
sind sie zu ihrer vollkommenen
Grösse, und können das andere Jahr
wieder Jungen zeugen: Sie haben auff
einmahl drey biß vier Jungen, wann
sie auff der Erden lauffen, geschiehet es
mit eitel springen. Sehen sie was, so
richten sie sich hoch auff, und springen
zur andern Seiten des Baums, lauffen
hinauff biß an ersten Ast, allwo sie sich
[Spaltenumbruch] umbsehen, oder zum wenigsten den Kopff
wenden, dann lauffen sie weiter hinauff,
biß auff einen breiten Ast, da sie sich fest
andrücken. Wann an den Baum ge-
schlagen wird, lauffen sie in Gipffel, und
so sie keinen Friede haben, springen sie
weiter auff den nechsten Baum. Des
Herbsts, wo Mast oder Hasel-Nüße ver-
handen, begeben sie sich aus andern Ge-
höltzen dahin: Sie tragen Eicheln und
Hasel-Nüße fleißig in die hohle Bäume,
zu ihrer weitern Nahrung und beschä-
men hierinnen die faulen Menschen, so
das ihrige nicht zu rathe halten. Das
Fleisch von diesem Thierlein wird von
vielen mit besonderem Appetit gegessen,
und gleichet fast am Geschmack dem Hüh-
ner-Fleisch. Das Fett hiervon wird
von dem Galeno vor die Ohren-Schmer-
tzen sonderlich gelobet. D. Fried. Hoff-
mann
schreibet in seiner Pharmacopaeia
Chymico-Medica,
daß ein Seil-Täntzer,
als ein sonderbahres Arcanum wider
den Schwindel, das Pulver hiervon ein-
genommen. Ein anderer Gauckler die-
ser Profession habe das Gehirn hiervon
gegessen, daß es vor den Schwindel helf-
fen sollen; Wie man denn auch vor ge-
wiß behaupten will, daß in denen Schwei-
tzerischen Pyreneischen und Alpen-Ge-
bürgen die Einwohner zur Gemsen-
Jagd desto besser in denen Klippen ohne
Schwindel zu steigen, Gemsen-Hirn es-
sen, das Eichhörnlein-Fleisch aber mit be-
sonderm Fleiß ihren schwangern Wei-
bern geben, damit die Kinder vor dem
Schwindel sicher seyn sollen. Wann sie
springen, dienet ihnen ihr langer Schweif
statt der Flügel und so sie über Wasser
wollen, setzen sie sich auff einen schwim-
menden Spahn oder abgebrochenen
Zweig, dann dienet ihnen ihr hoch aufge-
reckter Schweiff zum Segel, der das Holtz,

wo-

Anderer Theil/
[Spaltenumbruch] mit der Zunge rein auslecken, davon ſie
die Schalen liegen laſſen. Theils ver-
ſchleppen auch die Eyer. Jhre Brunfft
geſchiehet, gleich denen Mardern, im Fe-
bruario. Sie tragen neun Wochen und
haben im April Jungen, welche man
leichtlich ihres Geſtancks halber ſinden
kan. Zu ihrer Brunfft-Zeit haben ſie
des Nachts viel Beiſſens und Schreyens.
Jhre Baͤlge brauchen die Bauers-Leut
gemeiniglich zu ihren Klapp-Muͤtzen vor
[Spaltenumbruch] die Kaͤlte, ſind tauerhafftig und warm.
Die Bauer-Maͤgde aber fuͤttern ſie un-
ter ihren gewoͤhnlichen Kopff-Schleyer,
ſonſten dienen ſie zu nichts; Und weiln
das Jltniß denen Phaſianen und anderm
wilden Gefluͤgel nicht wenig Schaden
thut, habe ich ſolches, ob es wohl klein,
dennoch als ein ſchaͤdliches Raub-Thier
anzeigen wollen. Sie werden mit ei-
nem Ey in hoͤltzern Fallen gefangen,
oder aus der Erden gegraben.

Von dem Eich-Hoͤrnlein.
[Spaltenumbruch]

Nachdem ich bißher die Eigenſchafft
derer groſſen und kleinen wilden Thiere
beſchrieben und zu Ende gebracht habe,
will ich annoch zum Beſchluß von dem
Eichhoͤrnlein, als einen luſtigen Thiergen
dem geneigten Leſer etwas vorſtellen,
weil es gemeiniglich dem lieben Frau-
enzimmer und der Jugend zu ihrem Zeit-
vertreib in Gemaͤchern zahm erzogen
und erhalten wird, im Walde aber am
meiſten mit deſſen Schieſſen von der
Jugend der Anfang zum Weydewerck
gemachet wird, und derſelben ihr erſtes
Wildpraͤth iſt. Sie wohnen im Gehoͤl-
tze, werden im April blind gebohren in
Tauben-Neſtern, die ſie verſtoͤhren, woh-
nen gerne in hohlen Baͤumen; Die Al-
te erziehet ſie mit der Milch, biß ſie freſ-
ſen koͤnnen. Wann ſie drey biß vier
Wochen alt, lauffen ſie heraus, jagen
und klettern umb die Baͤume herumb
und ſpringen von einem Aſt zum an-
dern. Die Alte bringet ihnen Tannen-
oder andern Holtz-Saamen, Feld-Obſt,
oder Nuͤſſe, biß ſie ſelber hohlen lernen.
Sie machen viel Kurtzweile dem Zuſe-
her und thun groſſe Spruͤnge: Wann
ſie nur ein klein Aeſtgen an der Spitz er-
greiffen, hangen ſie ſich daran und lauf-
fen geſchwinde fort: Gemeiniglich ſind
ſie braunroͤthlicht und haben weiſſe Kehl-
gen: Man findet auch wohl ſchwartze
und graue, ingleichen weiß und roͤth-
licht vermenget, doch ſelten. Umb Mi-
chaelis
ſind ſie zu ihrer vollkommenen
Groͤſſe, und koͤnnen das andere Jahr
wieder Jungen zeugen: Sie haben auff
einmahl drey biß vier Jungen, wann
ſie auff der Erden lauffen, geſchiehet es
mit eitel ſpringen. Sehen ſie was, ſo
richten ſie ſich hoch auff, und ſpringen
zur andern Seiten des Baums, lauffen
hinauff biß an erſten Aſt, allwo ſie ſich
[Spaltenumbruch] umbſehen, oder zum wenigſten den Kopff
wenden, dann lauffen ſie weiter hinauff,
biß auff einen breiten Aſt, da ſie ſich feſt
andruͤcken. Wann an den Baum ge-
ſchlagen wird, lauffen ſie in Gipffel, und
ſo ſie keinen Friede haben, ſpringen ſie
weiter auff den nechſten Baum. Des
Herbſts, wo Maſt oder Haſel-Nuͤße ver-
handen, begeben ſie ſich aus andern Ge-
hoͤltzen dahin: Sie tragen Eicheln und
Haſel-Nuͤße fleißig in die hohle Baͤume,
zu ihrer weitern Nahrung und beſchaͤ-
men hierinnen die faulen Menſchen, ſo
das ihrige nicht zu rathe halten. Das
Fleiſch von dieſem Thierlein wird von
vielen mit beſonderem Appetit gegeſſen,
und gleichet faſt am Geſchmack dem Huͤh-
ner-Fleiſch. Das Fett hiervon wird
von dem Galeno vor die Ohren-Schmer-
tzen ſonderlich gelobet. D. Fried. Hoff-
mann
ſchreibet in ſeiner Pharmacopæia
Chymico-Medica,
daß ein Seil-Taͤntzer,
als ein ſonderbahres Arcanum wider
den Schwindel, das Pulver hiervon ein-
genommen. Ein anderer Gauckler die-
ſer Profeſſion habe das Gehirn hiervon
gegeſſen, daß es vor den Schwindel helf-
fen ſollen; Wie man denn auch vor ge-
wiß behaupten will, daß in denen Schwei-
tzeriſchen Pyreneiſchen und Alpen-Ge-
buͤrgen die Einwohner zur Gemſen-
Jagd deſto beſſer in denen Klippen ohne
Schwindel zu ſteigen, Gemſen-Hirn eſ-
ſen, das Eichhoͤrnlein-Fleiſch aber mit be-
ſonderm Fleiß ihren ſchwangern Wei-
bern geben, damit die Kinder vor dem
Schwindel ſicher ſeyn ſollen. Wann ſie
ſpringen, dienet ihnen ihr langer Schweif
ſtatt der Fluͤgel und ſo ſie uͤber Waſſer
wollen, ſetzen ſie ſich auff einen ſchwim-
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Zweig, dann dienet ihnen ihr hoch aufge-
reckter Schweiff zum Segel, der das Holtz,

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[118/0220] Anderer Theil/ mit der Zunge rein auslecken, davon ſie die Schalen liegen laſſen. Theils ver- ſchleppen auch die Eyer. Jhre Brunfft geſchiehet, gleich denen Mardern, im Fe- bruario. Sie tragen neun Wochen und haben im April Jungen, welche man leichtlich ihres Geſtancks halber ſinden kan. Zu ihrer Brunfft-Zeit haben ſie des Nachts viel Beiſſens und Schreyens. Jhre Baͤlge brauchen die Bauers-Leut gemeiniglich zu ihren Klapp-Muͤtzen vor die Kaͤlte, ſind tauerhafftig und warm. Die Bauer-Maͤgde aber fuͤttern ſie un- ter ihren gewoͤhnlichen Kopff-Schleyer, ſonſten dienen ſie zu nichts; Und weiln das Jltniß denen Phaſianen und anderm wilden Gefluͤgel nicht wenig Schaden thut, habe ich ſolches, ob es wohl klein, dennoch als ein ſchaͤdliches Raub-Thier anzeigen wollen. Sie werden mit ei- nem Ey in hoͤltzern Fallen gefangen, oder aus der Erden gegraben. Von dem Eich-Hoͤrnlein. Nachdem ich bißher die Eigenſchafft derer groſſen und kleinen wilden Thiere beſchrieben und zu Ende gebracht habe, will ich annoch zum Beſchluß von dem Eichhoͤrnlein, als einen luſtigen Thiergen dem geneigten Leſer etwas vorſtellen, weil es gemeiniglich dem lieben Frau- enzimmer und der Jugend zu ihrem Zeit- vertreib in Gemaͤchern zahm erzogen und erhalten wird, im Walde aber am meiſten mit deſſen Schieſſen von der Jugend der Anfang zum Weydewerck gemachet wird, und derſelben ihr erſtes Wildpraͤth iſt. Sie wohnen im Gehoͤl- tze, werden im April blind gebohren in Tauben-Neſtern, die ſie verſtoͤhren, woh- nen gerne in hohlen Baͤumen; Die Al- te erziehet ſie mit der Milch, biß ſie freſ- ſen koͤnnen. Wann ſie drey biß vier Wochen alt, lauffen ſie heraus, jagen und klettern umb die Baͤume herumb und ſpringen von einem Aſt zum an- dern. Die Alte bringet ihnen Tannen- oder andern Holtz-Saamen, Feld-Obſt, oder Nuͤſſe, biß ſie ſelber hohlen lernen. Sie machen viel Kurtzweile dem Zuſe- her und thun groſſe Spruͤnge: Wann ſie nur ein klein Aeſtgen an der Spitz er- greiffen, hangen ſie ſich daran und lauf- fen geſchwinde fort: Gemeiniglich ſind ſie braunroͤthlicht und haben weiſſe Kehl- gen: Man findet auch wohl ſchwartze und graue, ingleichen weiß und roͤth- licht vermenget, doch ſelten. Umb Mi- chaelis ſind ſie zu ihrer vollkommenen Groͤſſe, und koͤnnen das andere Jahr wieder Jungen zeugen: Sie haben auff einmahl drey biß vier Jungen, wann ſie auff der Erden lauffen, geſchiehet es mit eitel ſpringen. Sehen ſie was, ſo richten ſie ſich hoch auff, und ſpringen zur andern Seiten des Baums, lauffen hinauff biß an erſten Aſt, allwo ſie ſich umbſehen, oder zum wenigſten den Kopff wenden, dann lauffen ſie weiter hinauff, biß auff einen breiten Aſt, da ſie ſich feſt andruͤcken. Wann an den Baum ge- ſchlagen wird, lauffen ſie in Gipffel, und ſo ſie keinen Friede haben, ſpringen ſie weiter auff den nechſten Baum. Des Herbſts, wo Maſt oder Haſel-Nuͤße ver- handen, begeben ſie ſich aus andern Ge- hoͤltzen dahin: Sie tragen Eicheln und Haſel-Nuͤße fleißig in die hohle Baͤume, zu ihrer weitern Nahrung und beſchaͤ- men hierinnen die faulen Menſchen, ſo das ihrige nicht zu rathe halten. Das Fleiſch von dieſem Thierlein wird von vielen mit beſonderem Appetit gegeſſen, und gleichet faſt am Geſchmack dem Huͤh- ner-Fleiſch. Das Fett hiervon wird von dem Galeno vor die Ohren-Schmer- tzen ſonderlich gelobet. D. Fried. Hoff- mann ſchreibet in ſeiner Pharmacopæia Chymico-Medica, daß ein Seil-Taͤntzer, als ein ſonderbahres Arcanum wider den Schwindel, das Pulver hiervon ein- genommen. Ein anderer Gauckler die- ſer Profeſſion habe das Gehirn hiervon gegeſſen, daß es vor den Schwindel helf- fen ſollen; Wie man denn auch vor ge- wiß behaupten will, daß in denen Schwei- tzeriſchen Pyreneiſchen und Alpen-Ge- buͤrgen die Einwohner zur Gemſen- Jagd deſto beſſer in denen Klippen ohne Schwindel zu ſteigen, Gemſen-Hirn eſ- ſen, das Eichhoͤrnlein-Fleiſch aber mit be- ſonderm Fleiß ihren ſchwangern Wei- bern geben, damit die Kinder vor dem Schwindel ſicher ſeyn ſollen. Wann ſie ſpringen, dienet ihnen ihr langer Schweif ſtatt der Fluͤgel und ſo ſie uͤber Waſſer wollen, ſetzen ſie ſich auff einen ſchwim- menden Spahn oder abgebrochenen Zweig, dann dienet ihnen ihr hoch aufge- reckter Schweiff zum Segel, der das Holtz, wo-

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Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719, S. 118. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719/220>, abgerufen am 19.06.2019.