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Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719.

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Von denen wilden Thieren.
[Spaltenumbruch] ren theils vier-theils sechseckigt in Grösse
einer Kastanien, gleichsam als eine fla-
che Weintraube, auff verschiedenen
Stengeln zusammen gewachsen, dar-
aus durch die Spitzen der kleinen Nie-
ren die Saamen-Gefässe und der Harn-
Gang ihren originem haben sollen und
ferner gehöriger Maassen ihren Zugang
nach dem zeugenden Gliede, oder Mem-
bro genitali
vertheilen, welches Mem-
brum cum Testiculis
in allen denen
Wölffen, Hunden und Füchsen ziemlich
gleichete und am äusersten Ende der Ru-
the ein Beinlein von 5. Zoll hatte, bey die-
sem aber noch ziemlich schwach war. An
dem Kopff hat man wahrgenommen,
daß die Nasen-Röhren von starcken Bei-
nen schieffricht nach dem Gehirn zu gin-
gen, weßwegen sich ein Bär hütet, daß
er daselbst nicht verletzet werde. Die
Ober-oder Hinter-Hirnschale war har-
te, das innerliche Gehirn 4. Zoll lang,
3. Zoll breit von einem dünnen Bein-
lein unterschieden. Ubrigens war die
Nase, das Maul, Kinn, und die Zunge
breit und dünne, ingleichen auch die Ohren,
wie bey einem Hunde. Die Augen aber
dargegen schwartz und klein, einer Hasel-
Nuß groß, nahe beysammen, gleichsam,
[Spaltenumbruch] als bey einem Dachs, nach denen großen
Augen-Winckeln schielend, mit dem Au-
genliede bedecket. Sein Gebiß war von
kleinen Zähnen, indem er die meiste
Force in denen vordern Armen zum
brechen, zum zerreissen und zum drücken
brauchet, die Fang-Eisen, Tücher, Ne-
tze und Hunde derer Jäger zu bemei-
stern. Die Länge seiner Haut war 3.
Ellen. Er hatte einen gantz flachen
Hirnschädel, war auf der Stirn, Nase
und dicken Lippen wie die Heydelbeer ge-
färbet, von einer breiten Brust, kurtz
und dicken Halß. Die Hinter-Schen-
ckel oder dicke der Beine waren länger,
als an andern Thieren: Die Knie mit
Scheiben und Gelencke wie bey dem
Menschen; Die Schienbeine aber kurtz,
da er offtmahlen bey seinem Leben als
ein Mensch gesessen, seinen lincken Arm
auf das Knie geleget, die Hand oder Ta-
tze aber abhangen lassen; Ja wann er
erzürnet und vexiret worden, mit Stei-
nen und Sand umb sich geworffen, wie
dann ein wilder Bär auch den empfan-
genen Schuß verstopffen soll. An der
Scham war krauß kurtz wollicht zart
Haar.

Anatomia eines Hirsches.
[Spaltenumbruch]

Aus Mangel eines wilden Hirsches,
weil meine Nachbaren nichts schoneten,
habe aus meinem Thier-Garten einen
Spieß-Hirsch geschossen, solchen den 30.
Jan. 1718. anatomiret, und folgendes
dabey observiret: Als dieser anfänglich
vom Kinn an lang dem Halß, Brust,
und Bauch, biß an das Weydeloch ge-
scherffet, und die Haut abgelöset wor-
den, sahe man das Membrum genitale
cum Testiculis,
oder kurtz Wildpräth;
Die Ruthe ging ferner zwischen denen
Keulen hin und war an das Schloß
befestiget. Von denen Hoden oder Te-
sticulis
aber hatte eine jede zwey starcke
Adern zu beyden Seiten, welche durch
den Bauch zu denen Nieren gingen, von
dannen sie sich in vieles kleine Geäder
vielfältig vertheileten. Der Zain aber,
so am Schloß befestiget war, gieng fer-
ner durch das Schloß und den hohlen
Leib zurück in den Bauch, allda er sich
an der Blase endigte, welche sich in vie-
les kleine Geäder nach denen Nieren aus-
breitete. Der Mast-Darm, woran das
[Spaltenumbruch] kleine Gedärme, war über der Blasen
gewachsen und führete die Excrementa
oder Lohsung aus dem Wanst zum Wey-
deloch heraus, die Feuchtigkeiten aber
durch ihre besondere Ductus in die Bla-
se, so von dar durch den Zain heraus-
gespritzet worden. Als man ihn nun
ferner, umb desselben innerlich habende
Eigenschafft gründlicher zu betrachten,
vom Kinn an biß an Brust-Kern ge-
öffnet, fand man folgendes: Er hatte an
dem untern Kinnbacken vorne am Kinn
6. kleine Zähne, womit er sein Geäß ge-
nommen, mit der Zunge gekostet, und
solches über den Gaumen verschlucket;
die Kinnbacken, welche zu beyden Sei-
ten durch starcke Flechsen befestiget, hat-
ten jede 9. dreyfache Backen-Zähne; oben
gleicher Gestalt beschaffen, nur daß vor-
ne an der Nase im obern Gebiß nichts,
als ein hartes Gewächs, wie eine Raf-
fel zu sehen. Die Nasen-Röhren wa-
ren mit einem perlfarbichten Knorpel
unterschieden, wodurch die Geruch-Röh-
ren zu beyden Seiten in die Empfind-

lichkeit

Von denen wilden Thieren.
[Spaltenumbruch] ren theils vier-theils ſechseckigt in Groͤſſe
einer Kaſtanien, gleichſam als eine fla-
che Weintraube, auff verſchiedenen
Stengeln zuſammen gewachſen, dar-
aus durch die Spitzen der kleinen Nie-
ren die Saamen-Gefaͤſſe und der Harn-
Gang ihren originem haben ſollen und
ferner gehoͤriger Maaſſen ihren Zugang
nach dem zeugenden Gliede, oder Mem-
bro genitali
vertheilen, welches Mem-
brum cum Teſticulis
in allen denen
Woͤlffen, Hunden und Fuͤchſen ziemlich
gleichete und am aͤuſerſten Ende der Ru-
the ein Beinlein von 5. Zoll hatte, bey die-
ſem aber noch ziemlich ſchwach war. An
dem Kopff hat man wahrgenommen,
daß die Naſen-Roͤhren von ſtarcken Bei-
nen ſchieffricht nach dem Gehirn zu gin-
gen, weßwegen ſich ein Baͤr huͤtet, daß
er daſelbſt nicht verletzet werde. Die
Ober-oder Hinter-Hirnſchale war har-
te, das innerliche Gehirn 4. Zoll lang,
3. Zoll breit von einem duͤnnen Bein-
lein unterſchieden. Ubrigens war die
Naſe, das Maul, Kinn, und die Zunge
breit und duͤnne, ingleichẽ auch die Ohren,
wie bey einem Hunde. Die Augen aber
dargegen ſchwartz und klein, einer Haſel-
Nuß groß, nahe beyſammen, gleichſam,
[Spaltenumbruch] als bey einem Dachs, nach denen großen
Augen-Winckeln ſchielend, mit dem Au-
genliede bedecket. Sein Gebiß war von
kleinen Zaͤhnen, indem er die meiſte
Force in denen vordern Armen zum
brechen, zum zerreiſſen und zum druͤcken
brauchet, die Fang-Eiſen, Tuͤcher, Ne-
tze und Hunde derer Jaͤger zu bemei-
ſtern. Die Laͤnge ſeiner Haut war 3.
Ellen. Er hatte einen gantz flachen
Hirnſchaͤdel, war auf der Stirn, Naſe
und dicken Lippen wie die Heydelbeer ge-
faͤrbet, von einer breiten Bruſt, kurtz
und dicken Halß. Die Hinter-Schen-
ckel oder dicke der Beine waren laͤnger,
als an andern Thieren: Die Knie mit
Scheiben und Gelencke wie bey dem
Menſchen; Die Schienbeine aber kurtz,
da er offtmahlen bey ſeinem Leben als
ein Menſch geſeſſen, ſeinen lincken Arm
auf das Knie geleget, die Hand oder Ta-
tze aber abhangen laſſen; Ja wann er
erzuͤrnet und vexiret worden, mit Stei-
nen und Sand umb ſich geworffen, wie
dann ein wilder Baͤr auch den empfan-
genen Schuß verſtopffen ſoll. An der
Scham war krauß kurtz wollicht zart
Haar.

Anatomia eines Hirſches.
[Spaltenumbruch]

Aus Mangel eines wilden Hirſches,
weil meine Nachbaren nichts ſchoneten,
habe aus meinem Thier-Garten einen
Spieß-Hirſch geſchoſſen, ſolchen den 30.
Jan. 1718. anatomiret, und folgendes
dabey obſerviret: Als dieſer anfaͤnglich
vom Kinn an lang dem Halß, Bruſt,
und Bauch, biß an das Weydeloch ge-
ſcherffet, und die Haut abgeloͤſet wor-
den, ſahe man das Membrum genitale
cum Teſticulis,
oder kurtz Wildpraͤth;
Die Ruthe ging ferner zwiſchen denen
Keulen hin und war an das Schloß
befeſtiget. Von denen Hoden oder Te-
ſticulis
aber hatte eine jede zwey ſtarcke
Adern zu beyden Seiten, welche durch
den Bauch zu denen Nieren gingen, von
dannen ſie ſich in vieles kleine Geaͤder
vielfaͤltig vertheileten. Der Zain aber,
ſo am Schloß befeſtiget war, gieng fer-
ner durch das Schloß und den hohlen
Leib zuruͤck in den Bauch, allda er ſich
an der Blaſe endigte, welche ſich in vie-
les kleine Geaͤder nach denen Nieren aus-
breitete. Der Maſt-Darm, woran das
[Spaltenumbruch] kleine Gedaͤrme, war uͤber der Blaſen
gewachſen und fuͤhrete die Excrementa
oder Lohſung aus dem Wanſt zum Wey-
deloch heraus, die Feuchtigkeiten aber
durch ihre beſondere Ductus in die Bla-
ſe, ſo von dar durch den Zain heraus-
geſpritzet worden. Als man ihn nun
ferner, umb deſſelben innerlich habende
Eigenſchafft gruͤndlicher zu betrachten,
vom Kinn an biß an Bruſt-Kern ge-
oͤffnet, fand man folgendes: Er hatte an
dem untern Kinnbacken vorne am Kinn
6. kleine Zaͤhne, womit er ſein Geaͤß ge-
nommen, mit der Zunge gekoſtet, und
ſolches uͤber den Gaumen verſchlucket;
die Kinnbacken, welche zu beyden Sei-
ten durch ſtarcke Flechſen befeſtiget, hat-
ten jede 9. dreyfache Backen-Zaͤhne; oben
gleicher Geſtalt beſchaffen, nur daß vor-
ne an der Naſe im obern Gebiß nichts,
als ein hartes Gewaͤchs, wie eine Raf-
fel zu ſehen. Die Naſen-Roͤhren wa-
ren mit einem perlfarbichten Knorpel
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ren zu beyden Seiten in die Empfind-

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[127/0229] Von denen wilden Thieren. ren theils vier-theils ſechseckigt in Groͤſſe einer Kaſtanien, gleichſam als eine fla- che Weintraube, auff verſchiedenen Stengeln zuſammen gewachſen, dar- aus durch die Spitzen der kleinen Nie- ren die Saamen-Gefaͤſſe und der Harn- Gang ihren originem haben ſollen und ferner gehoͤriger Maaſſen ihren Zugang nach dem zeugenden Gliede, oder Mem- bro genitali vertheilen, welches Mem- brum cum Teſticulis in allen denen Woͤlffen, Hunden und Fuͤchſen ziemlich gleichete und am aͤuſerſten Ende der Ru- the ein Beinlein von 5. Zoll hatte, bey die- ſem aber noch ziemlich ſchwach war. An dem Kopff hat man wahrgenommen, daß die Naſen-Roͤhren von ſtarcken Bei- nen ſchieffricht nach dem Gehirn zu gin- gen, weßwegen ſich ein Baͤr huͤtet, daß er daſelbſt nicht verletzet werde. Die Ober-oder Hinter-Hirnſchale war har- te, das innerliche Gehirn 4. Zoll lang, 3. Zoll breit von einem duͤnnen Bein- lein unterſchieden. Ubrigens war die Naſe, das Maul, Kinn, und die Zunge breit und duͤnne, ingleichẽ auch die Ohren, wie bey einem Hunde. Die Augen aber dargegen ſchwartz und klein, einer Haſel- Nuß groß, nahe beyſammen, gleichſam, als bey einem Dachs, nach denen großen Augen-Winckeln ſchielend, mit dem Au- genliede bedecket. Sein Gebiß war von kleinen Zaͤhnen, indem er die meiſte Force in denen vordern Armen zum brechen, zum zerreiſſen und zum druͤcken brauchet, die Fang-Eiſen, Tuͤcher, Ne- tze und Hunde derer Jaͤger zu bemei- ſtern. Die Laͤnge ſeiner Haut war 3. Ellen. Er hatte einen gantz flachen Hirnſchaͤdel, war auf der Stirn, Naſe und dicken Lippen wie die Heydelbeer ge- faͤrbet, von einer breiten Bruſt, kurtz und dicken Halß. Die Hinter-Schen- ckel oder dicke der Beine waren laͤnger, als an andern Thieren: Die Knie mit Scheiben und Gelencke wie bey dem Menſchen; Die Schienbeine aber kurtz, da er offtmahlen bey ſeinem Leben als ein Menſch geſeſſen, ſeinen lincken Arm auf das Knie geleget, die Hand oder Ta- tze aber abhangen laſſen; Ja wann er erzuͤrnet und vexiret worden, mit Stei- nen und Sand umb ſich geworffen, wie dann ein wilder Baͤr auch den empfan- genen Schuß verſtopffen ſoll. An der Scham war krauß kurtz wollicht zart Haar. Anatomia eines Hirſches. Aus Mangel eines wilden Hirſches, weil meine Nachbaren nichts ſchoneten, habe aus meinem Thier-Garten einen Spieß-Hirſch geſchoſſen, ſolchen den 30. Jan. 1718. anatomiret, und folgendes dabey obſerviret: Als dieſer anfaͤnglich vom Kinn an lang dem Halß, Bruſt, und Bauch, biß an das Weydeloch ge- ſcherffet, und die Haut abgeloͤſet wor- den, ſahe man das Membrum genitale cum Teſticulis, oder kurtz Wildpraͤth; Die Ruthe ging ferner zwiſchen denen Keulen hin und war an das Schloß befeſtiget. Von denen Hoden oder Te- ſticulis aber hatte eine jede zwey ſtarcke Adern zu beyden Seiten, welche durch den Bauch zu denen Nieren gingen, von dannen ſie ſich in vieles kleine Geaͤder vielfaͤltig vertheileten. Der Zain aber, ſo am Schloß befeſtiget war, gieng fer- ner durch das Schloß und den hohlen Leib zuruͤck in den Bauch, allda er ſich an der Blaſe endigte, welche ſich in vie- les kleine Geaͤder nach denen Nieren aus- breitete. Der Maſt-Darm, woran das kleine Gedaͤrme, war uͤber der Blaſen gewachſen und fuͤhrete die Excrementa oder Lohſung aus dem Wanſt zum Wey- deloch heraus, die Feuchtigkeiten aber durch ihre beſondere Ductus in die Bla- ſe, ſo von dar durch den Zain heraus- geſpritzet worden. Als man ihn nun ferner, umb deſſelben innerlich habende Eigenſchafft gruͤndlicher zu betrachten, vom Kinn an biß an Bruſt-Kern ge- oͤffnet, fand man folgendes: Er hatte an dem untern Kinnbacken vorne am Kinn 6. kleine Zaͤhne, womit er ſein Geaͤß ge- nommen, mit der Zunge gekoſtet, und ſolches uͤber den Gaumen verſchlucket; die Kinnbacken, welche zu beyden Sei- ten durch ſtarcke Flechſen befeſtiget, hat- ten jede 9. dreyfache Backen-Zaͤhne; oben gleicher Geſtalt beſchaffen, nur daß vor- ne an der Naſe im obern Gebiß nichts, als ein hartes Gewaͤchs, wie eine Raf- fel zu ſehen. Die Naſen-Roͤhren wa- ren mit einem perlfarbichten Knorpel unterſchieden, wodurch die Geruch-Roͤh- ren zu beyden Seiten in die Empfind- lichkeit

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Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719, S. 127. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719/229>, abgerufen am 24.05.2019.