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Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719.

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Anderer Theil/
[Spaltenumbruch] Speise damit zu zerreiben, und in dem
Magen das Verdauete zu resolviren, wie
die Hunde die harten Knochen. Auch ha-
be ich in dem Magen einer Birck-Hen-
ne eine eiserne Schuh-Zwecke gefunden,
welche sie ohngefehr verschlucket und ab-
genützet hatte. Borellus schreibet, er ha-
be in einen Hühner-Magen eine kleine
Silber-Müntze, so bereits halb verzeh-
ret oder abgenutzet gewesen, gefunden.
Ferner lassen die Vögel keinen Urin von
sich, weil sie keine Blase haben, darin-
nen sie den Unrin sammlen können: Da-
her haben alle Vögel, sie mögen Fleisch,
trockene Saat oder Körnlein fressen, ei-
nen weichen Leib, weil die serosi humo-
res
oder molckigten Feuchtigkeiten nicht
in der Blase gesammlet, sondern in den
gantzen Leib hin und her zertheilet wer-
den, weßhalben solche ausgetheilte Feuch-
tigkeit, und gantz dünne Haut, welche
viele Schweiß-Löcher oder Poros hat,
vielfältig verursachet, daß die grimmige
Kälte leicht durchdringen und die Vögel
erfrieren können, leichter, als andere vier-
füßige Thiere, ob sie schon mit Federn
bedeckt sind. Und pflegen sie den Kopff
hinter die Flügel zu stecken, theils umb
solchen vor der Kälte zu verwahren, theils
und vermuthlich aber, damit das Cor-
[Spaltenumbruch] pus
mit dem Kopff in einen Centro oder
Gewicht bleibe, und sie nicht aus Phan-
tasie
oder durch Rücken des Kopffs vor-
werts herab fallen möchten. Es regie-
ren ferner die Vögel ihren Flug motu
recto,
auch obliquo mit ihrem Schwantz,
an statt eines Steuer-Ruders und wis-
sen durch solche Bewegung sich in der
Lufft zu halten. So ist auch unläug-
bar, daß zwischen denen Vögeln und Fi-
schen, nach des Physici Sperlingii p. 392.
Meynung, grosse Verwandschafft seyn
solle, weil sie nemlich aus Wasser und
einerley Materie erschaffen, auch an ei-
nem Tage gemachet: Sie hätten einerley
Temperament und Feuchtigkeit, ver-
mehrten sich beyderseits durch Eyer und
dergleichen, wovon ich aber nichts positi-
ves statuir
e, sondern jeden seine Mey-
nung lasse. Endlich haben die Vögel
auch diesen Vorzug, daß sie vor allen
Thieren allein reden lernen können, als
da sind die Papagoyen, Aelstern, Stah-
ren, ja wie man sagt, die Raben, Tho-
len, und Amseln, weil sie nach Plinii
Meynung eben wie die Menschen breite
Zungen und Kinnbacken hätten, auch
durch genaue Auffmercksamkeit reden
zu lernen geschickt würden.

Von fremden ausländischen Vögeln/
Als Erstlich
Von dem Papagoy.
[Spaltenumbruch]

Die Papagoyen kommen, nach des
Herrn Gesneri Bericht aus Brasilien,
allwo sie einen Aschefarbenen Kopff, gel-
ben Bauch, grünen Halß, Rücken und
Flügel haben, wovon jedoch der Rücken
und Schwantz etwas blaulicht, an welchen
sich die längsten Federn roth u. die Spitzen
derer Schwing-Federn schwartz befunden,
welches die gemeineste Art daselbst herum
gewesen, wiewohl sie anderswo, wegen
Ungleichheit des Climatis, auch von meh-
rern und schönern Farben gefunden wer-
den. Hinter Syria ist ihre Geburths-
Stadt, wovon sie aus denen Ländern,
so gegen Morgen und Mittag liegen,
zu uns gebracht werden, auch kommen
sie aus Egypten, Jndien und Mohren-
land, da sie viel grösser und von sieben
unterschiedenen hellgläntzenden Farben
gezieret seyn sollen, und sollen sich die Ein-
[Spaltenumbruch] wohner, daselbst nach der Landes-Ge-
wohnheit, Haupt-Binden und Leib-
Schürtze von dergleichen schönen Federn
flechten. Er hat einen sehr festen krum-
men Schnabel, welcher so starck, daß er
eisernen Drath zerkneipen kan, sehr har-
te Beine am Kopff und kurtzen Halß,
eine starcke helle Stimme und eine brei-
te Zung, als kein ander Vogel, weßwe-
gen er auch vernehmliche Wörter, wie
ein Mensch deutlich lernen u. aussprechen
kan: Und sollen die edlen fünffe, die un-
gelehrsamen aber drey Zehen an jedem
Fusse haben. Plinius hingegen meldet,
daß er zweye vorn und zweye hinten hät-
te. Dieser Jndianische Papagoy soll
ein gelehrsamer Vogel seyn, vornehm-
lich reden zu lernen, wie die Kinder
menschlichen Geschlechts, weßwegen er
auch von vornehmen reichen Leuten zur

Rarität

Anderer Theil/
[Spaltenumbruch] Speiſe damit zu zerreiben, und in dem
Magen das Verdauete zu reſolviren, wie
die Hunde die harten Knochen. Auch ha-
be ich in dem Magen einer Birck-Hen-
ne eine eiſerne Schuh-Zwecke gefunden,
welche ſie ohngefehr verſchlucket und ab-
genuͤtzet hatte. Borellus ſchreibet, er ha-
be in einen Huͤhner-Magen eine kleine
Silber-Muͤntze, ſo bereits halb verzeh-
ret oder abgenutzet geweſen, gefunden.
Ferner laſſen die Voͤgel keinen Urin von
ſich, weil ſie keine Blaſe haben, darin-
nen ſie den Unrin ſammlen koͤnnen: Da-
her haben alle Voͤgel, ſie moͤgen Fleiſch,
trockene Saat oder Koͤrnlein freſſen, ei-
nen weichen Leib, weil die ſeroſi humo-
res
oder molckigten Feuchtigkeiten nicht
in der Blaſe geſammlet, ſondern in den
gantzen Leib hin und her zertheilet wer-
den, weßhalben ſolche ausgetheilte Feuch-
tigkeit, und gantz duͤnne Haut, welche
viele Schweiß-Loͤcher oder Poros hat,
vielfaͤltig verurſachet, daß die grimmige
Kaͤlte leicht durchdringen und die Voͤgel
erfrieren koͤnnen, leichter, als andere vier-
fuͤßige Thiere, ob ſie ſchon mit Federn
bedeckt ſind. Und pflegen ſie den Kopff
hinter die Fluͤgel zu ſtecken, theils umb
ſolchen vor der Kaͤlte zu verwahren, theils
und vermuthlich aber, damit das Cor-
[Spaltenumbruch] pus
mit dem Kopff in einen Centro oder
Gewicht bleibe, und ſie nicht aus Phan-
taſie
oder durch Ruͤcken des Kopffs vor-
werts herab fallen moͤchten. Es regie-
ren ferner die Voͤgel ihren Flug motu
recto,
auch obliquo mit ihrem Schwantz,
an ſtatt eines Steuer-Ruders und wiſ-
ſen durch ſolche Bewegung ſich in der
Lufft zu halten. So iſt auch unlaͤug-
bar, daß zwiſchen denen Voͤgeln und Fi-
ſchen, nach des Phyſici Sperlingii p. 392.
Meynung, groſſe Verwandſchafft ſeyn
ſolle, weil ſie nemlich aus Waſſer und
einerley Materie erſchaffen, auch an ei-
nem Tage gemachet: Sie haͤtten einerley
Temperament und Feuchtigkeit, ver-
mehrten ſich beyderſeits durch Eyer und
dergleichen, wovon ich aber nichts poſiti-
ves ſtatuir
e, ſondern jeden ſeine Mey-
nung laſſe. Endlich haben die Voͤgel
auch dieſen Vorzug, daß ſie vor allen
Thieren allein reden lernen koͤnnen, als
da ſind die Papagoyen, Aelſtern, Stah-
ren, ja wie man ſagt, die Raben, Tho-
len, und Amſeln, weil ſie nach Plinii
Meynung eben wie die Menſchen breite
Zungen und Kinnbacken haͤtten, auch
durch genaue Auffmerckſamkeit reden
zu lernen geſchickt wuͤrden.

Von fremden auslaͤndiſchen Voͤgeln/
Als Erſtlich
Von dem Papagoy.
[Spaltenumbruch]

Die Papagoyen kommen, nach des
Herrn Geſneri Bericht aus Braſilien,
allwo ſie einen Aſchefarbenen Kopff, gel-
ben Bauch, gruͤnen Halß, Ruͤcken und
Fluͤgel haben, wovon jedoch der Ruͤcken
uñ Schwantz etwas blaulicht, an welchen
ſich die laͤngſten Federn roth u. die Spitzen
derer Schwing-Fedeꝛn ſchwaꝛtz befunden,
welches die gemeineſte Art daſelbſt herum
geweſen, wiewohl ſie anderswo, wegen
Ungleichheit des Climatis, auch von meh-
rern und ſchoͤnern Farben gefunden wer-
den. Hinter Syria iſt ihre Geburths-
Stadt, wovon ſie aus denen Laͤndern,
ſo gegen Morgen und Mittag liegen,
zu uns gebracht werden, auch kommen
ſie aus Egypten, Jndien und Mohren-
land, da ſie viel groͤſſer und von ſieben
unterſchiedenen hellglaͤntzenden Farben
gezieret ſeyn ſollen, und ſollen ſich die Ein-
[Spaltenumbruch] wohner, daſelbſt nach der Landes-Ge-
wohnheit, Haupt-Binden und Leib-
Schuͤrtze von dergleichen ſchoͤnen Federn
flechten. Er hat einen ſehr feſten krum-
men Schnabel, welcher ſo ſtarck, daß er
eiſernen Drath zerkneipen kan, ſehr har-
te Beine am Kopff und kurtzen Halß,
eine ſtarcke helle Stimme und eine brei-
te Zung, als kein ander Vogel, weßwe-
gen er auch vernehmliche Woͤrter, wie
ein Menſch deutlich lernen u. ausſprechen
kan: Und ſollen die edlen fuͤnffe, die un-
gelehrſamen aber drey Zehen an jedem
Fuſſe haben. Plinius hingegen meldet,
daß er zweye vorn und zweye hinten haͤt-
te. Dieſer Jndianiſche Papagoy ſoll
ein gelehrſamer Vogel ſeyn, vornehm-
lich reden zu lernen, wie die Kinder
menſchlichen Geſchlechts, weßwegen er
auch von vornehmen reichen Leuten zur

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Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719, S. 158. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719/276>, abgerufen am 20.05.2019.