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Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719.

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Von denen Hunden.
Von dem Otter-Hunde.
[Spaltenumbruch]

Wo grosse Seen, Teiche oder Was-
ser-Ströhme und Flüsse sind, woselbsten
dergleichen Behältnisse zu finden, da
Fisch-Otter wohnen, oder auch sich wel-
che gemeiniglich sonsten mercken lassen,
werden dieselben durch solche Hunde an
denen Ufern gesuchet, ausgestöbert und
aus ihren Lagern vertrieben, und haben
die Otter-Fänger eine besondere Art gros-
ser und kleiner Hunde, davon die gros-
sen, so als kleine Blendlinge scharff von
Gebiß, und einer Dähnischen Art sind,
zum anpacken, die kleinern aber, wel-
che fast wie Dachs-Kriecher sind, doch et-
was grössere Beine haben, zu Stöbern
gebraucht werden. Jnsgemein sind der-
gleichen Otter-Hunde von behertzter und
beissender Art, sind murrisch und spieh-
len nicht mit andern Hunden, haben
braune stachlichte Haare und tragen die
Ohren zu beyden Seiten meist steiff ab-
hängigt. Jhre Abrichtung geschiehet
vornehmlich in der Jugend mit spielen-
der Lust und angenehmer Auffmunte-
rung in kleinen Wasser-Pfützgen, son-
derlich im warmen Sommer, da sie an-
fanglich das Frösche fangen am Ufer ge-
wohnen, nachmahls bey hungerichem
Magen nach kleinen Marx-Knochen, so
man ins Wasser wirfft, eintauchen ler-
nen, welches der Appetit bey öffterer
Ubung bessern wird, oder man muß von
Jugend auff ihnen zu ihrem Fraß kleine
[Spaltenumbruch] gekochte Fische geben und sie nach jungen
Fischen schnappen lassen, dann hierin-
nen heist es: Consvetudo est altera Na-
tura,
und wenn der Magen von Jugend
auf anders nichts als Fische gegessen, wo-
durch sie an das Wassersuchen gewöh-
net werden, so werden sie von dem Ja-
gen des Wildes und anderer Begierde
gantz abgehalten werden, wie man ihnen
denn im Holtz herumb zu lauffen keines-
weges gestatten muß. Sehr dienlich
solte wohl seyn, wann man einen halb-
wachsenen lebendigen Fisch-Otter an ei-
nem Kettgen, in einem grossen Wasser-
Trog hätte, den Hund daselbst zum öff-
tern einhetzte und hierzu begierig mach-
te, biß man, wann solches etliche mahl
geschehen, und man der Lust müde ist,
ihn denselben würgen liesse und er also
genossen würde, oder so man einen Ot-
ter ausstöbern und im Garn lebendig
fangen würde, könte solcher auf dem
Lande gehetzet, mit der Zange gehalten
und von denen Hunden gezauset wer-
den, worbey ihnen zugesprochen werden
müste, damit sie daran recht begierig ler-
nen mögten, wann sonderlich ein alter
abgerichteter Hund ihn würgen und hal-
ten sollte, worzu die kleinen destomehr
aufgemuntert, hitzig und begierig nach
dem Otter embsig suchen und durch die
Gewohnheit gute Otter-Finder werden
würden.

Von Dachskriechern.
[Spaltenumbruch]

Nicht alleine auf der Erden, auff
Bergen und Thälern, in Wäldern und
Feldern, sondern auch in Brüchern,
Morästen und Gewässern, ja wohl gar
unter der Erden, hat der liebe GOtt wun-
derliche wilde Thiere unterschiedlicher
Art erschaffen, so ihre Behältnisse sich
zu verbergen suchen; Zu welchem Ende
man eine besondere Art einiger kleinen
Erd-Hündlein als Schlieffer oder Krie-
cher gebrauchet, so zu ihrem besseren fort-
kommen klein, lang und schmahl vom
Leibe, mit niedrigen etwas eingeboge-
nen Füßlein versehen und hierzu dien-
lich sind. Diese Pygmaei, Bergleute,
oder Minirer sind eigentlich die Zwerge
aller andern Hunde zu nennen, und sind,
ob sie wohl klein, dannoch so eyfrig und
[Spaltenumbruch] suchen ihres Herrn Dienst nach äusser-
stem Vermögen zu vollstrecken: Sie
kriechen, treiben und stöbern ihr Wild,
schlagen an und stehen vor, mit solchem
Fleiß und Eyffer, als wohl jemahls die
andern, umb ihrem Weydemann anzu-
zeigen, wo das Wild sich aufhalte. Die-
se Zwerg-Art ist meistentheils von Far-
ben roth oder schwärtzlicht, mit behan-
genen Ohren, fast dem Jagd-Hund ähn-
lich, nur daß sie kleiner als Zwerge.
Wann sie eines Jahres alt, so ist nöthig,
daß man dieselben an den Dachs-Bau
bringe und einen alten abgerichteten
Hund hinein fahren lasse: So nun der-
selbe was gefunden, vorbiegen und an-
schlagen wird, muß der junge Hund sol-
ches anhören und hierzu aufgemuntert

werden,
Von denen Hunden.
Von dem Otter-Hunde.
[Spaltenumbruch]

Wo groſſe Seen, Teiche oder Waſ-
ſer-Stroͤhme und Fluͤſſe ſind, woſelbſten
dergleichen Behaͤltniſſe zu finden, da
Fiſch-Otter wohnen, oder auch ſich wel-
che gemeiniglich ſonſten mercken laſſen,
werden dieſelben durch ſolche Hunde an
denen Ufern geſuchet, ausgeſtoͤbert und
aus ihren Lagern vertrieben, und haben
die Otter-Faͤnger eine beſondere Art groſ-
ſer und kleiner Hunde, davon die groſ-
ſen, ſo als kleine Blendlinge ſcharff von
Gebiß, und einer Daͤhniſchen Art ſind,
zum anpacken, die kleinern aber, wel-
che faſt wie Dachs-Kriecher ſind, doch et-
was groͤſſere Beine haben, zu Stoͤbern
gebraucht werden. Jnsgemein ſind der-
gleichen Otter-Hunde von behertzter und
beiſſender Art, ſind murriſch und ſpieh-
len nicht mit andern Hunden, haben
braune ſtachlichte Haare und tragen die
Ohren zu beyden Seiten meiſt ſteiff ab-
haͤngigt. Jhre Abrichtung geſchiehet
vornehmlich in der Jugend mit ſpielen-
der Luſt und angenehmer Auffmunte-
rung in kleinen Waſſer-Pfuͤtzgen, ſon-
derlich im warmen Sommer, da ſie an-
fanglich das Froͤſche fangen am Ufer ge-
wohnen, nachmahls bey hungerichem
Magen nach kleinen Marx-Knochen, ſo
man ins Waſſer wirfft, eintauchen ler-
nen, welches der Appetit bey oͤffterer
Ubung beſſern wird, oder man muß von
Jugend auff ihnen zu ihrem Fraß kleine
[Spaltenumbruch] gekochte Fiſche geben und ſie nach jungen
Fiſchen ſchnappen laſſen, dann hierin-
nen heiſt es: Conſvetudo eſt altera Na-
tura,
und wenn der Magen von Jugend
auf anders nichts als Fiſche gegeſſen, wo-
durch ſie an das Waſſerſuchen gewoͤh-
net werden, ſo werden ſie von dem Ja-
gen des Wildes und anderer Begierde
gantz abgehalten werden, wie man ihnen
denn im Holtz herumb zu lauffen keines-
weges geſtatten muß. Sehr dienlich
ſolte wohl ſeyn, wann man einen halb-
wachſenen lebendigen Fiſch-Otter an ei-
nem Kettgen, in einem groſſen Waſſer-
Trog haͤtte, den Hund daſelbſt zum oͤff-
tern einhetzte und hierzu begierig mach-
te, biß man, wann ſolches etliche mahl
geſchehen, und man der Luſt muͤde iſt,
ihn denſelben wuͤrgen lieſſe und er alſo
genoſſen wuͤrde, oder ſo man einen Ot-
ter ausſtoͤbern und im Garn lebendig
fangen wuͤrde, koͤnte ſolcher auf dem
Lande gehetzet, mit der Zange gehalten
und von denen Hunden gezauſet wer-
den, worbey ihnen zugeſprochen werden
muͤſte, damit ſie daran recht begierig ler-
nen moͤgten, wann ſonderlich ein alter
abgerichteter Hund ihn wuͤrgen und hal-
ten ſollte, worzu die kleinen deſtomehr
aufgemuntert, hitzig und begierig nach
dem Otter embſig ſuchen und durch die
Gewohnheit gute Otter-Finder werden
wuͤrden.

Von Dachskriechern.
[Spaltenumbruch]

Nicht alleine auf der Erden, auff
Bergen und Thaͤlern, in Waͤldern und
Feldern, ſondern auch in Bruͤchern,
Moraͤſten und Gewaͤſſern, ja wohl gar
unter der Erden, hat der liebe GOtt wun-
derliche wilde Thiere unterſchiedlicher
Art erſchaffen, ſo ihre Behaͤltniſſe ſich
zu verbergen ſuchen; Zu welchem Ende
man eine beſondere Art einiger kleinen
Erd-Huͤndlein als Schlieffer oder Krie-
cher gebrauchet, ſo zu ihrem beſſeren fort-
kommen klein, lang und ſchmahl vom
Leibe, mit niedrigen etwas eingeboge-
nen Fuͤßlein verſehen und hierzu dien-
lich ſind. Dieſe Pygmæi, Bergleute,
oder Minirer ſind eigentlich die Zwerge
aller andern Hunde zu nennen, und ſind,
ob ſie wohl klein, dannoch ſo eyfrig und
[Spaltenumbruch] ſuchen ihres Herrn Dienſt nach aͤuſſer-
ſtem Vermoͤgen zu vollſtrecken: Sie
kriechen, treiben und ſtoͤbern ihr Wild,
ſchlagen an und ſtehen vor, mit ſolchem
Fleiß und Eyffer, als wohl jemahls die
andern, umb ihrem Weydemann anzu-
zeigen, wo das Wild ſich aufhalte. Die-
ſe Zwerg-Art iſt meiſtentheils von Far-
ben roth oder ſchwaͤrtzlicht, mit behan-
genen Ohren, faſt dem Jagd-Hund aͤhn-
lich, nur daß ſie kleiner als Zwerge.
Wann ſie eines Jahres alt, ſo iſt noͤthig,
daß man dieſelben an den Dachs-Bau
bringe und einen alten abgerichteten
Hund hinein fahren laſſe: So nun der-
ſelbe was gefunden, vorbiegen und an-
ſchlagen wird, muß der junge Hund ſol-
ches anhoͤren und hierzu aufgemuntert

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Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719, S. 183. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719/313>, abgerufen am 25.05.2019.