Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719.

Bild:
<< vorherige Seite

Von dem Jagd-Gezeug.
[Spaltenumbruch] einem Menschen Schaden zufügen kön-
ne, sind selbige besser, wann sie von gu-
tem festen Eysen nach Grösse des Thieres
Halß gemachet werden, weiln ein solch
höltzernes Werck-Zeug leicht zerbrechen
könte. Und kan man mit solchen das
Thier sowohl umb den Halß fassen, als
auch damit vorhalten, daß es einbeissen
müsse, da man es mit demselben in die
Kienbacken fassen und aus dem Winckel
oder Kasten hervor ziehen könte; Maas-
sen dergleichen Thiere, wenn sie Hunde
mercken, nicht gerne ans Tagelicht wol-
len, so, daß man sie hierzu nöthigen muß.
Die Stichel- oder Pfahl-Eisen, welche
nach Grösse und Dicke der Furckeln des
grossen und kleinen Gezeugs, die Löcher
darmit einzustossen, geschmiedet werden,
sind, umb geschwinder Eyl Löcher zu de-
nen Furckeln einzustossen, trefflich nöthig,
und ist damit, wegen der Schwere des
Eysens noch einmahl so tieff zu stossen,
als mit einem leichten höltzernen Pfahl,
deren auf jeden Flügel 2. biß drey zu hal-
ten. Nicht weniger sind auch die Frost-
bohrer höchstnöthig, zumahlen im Win-
ter, da öffters die Erde dermaassen hart
[Spaltenumbruch] gefroren, daß solche wie ein Stein, und
nicht hinein zu kommen ist, man aber den-
noch gantz stille und heimlich stellen muß,
zumahl bey der Woffs- oder Lux-Jagd;
Dann wann man mit den Keilhauen
immer hacket und pochet, ja gar mit den
Aexten oder Beilen schläget, schallet sol-
ches zu sehr, daß das Wild von solchem
Lermen nothwendig ausreissen muß.
Weiln aber die Bohrer wegen derer klei-
nen Steine, Kiessel und Sand, gefro-
rener Erde und Eiß, bey öfftern Gebrauch
bald stumpff werden können, müssen sie,
wie andere Windbohrer, mit dickem star-
ckem Gewinde wohl verstählet, und
scharff geschliffen seyn, auch, wo sie nicht
allezeit nöthig, billig verschonet werden,
weiln sie nur zur höchsten Noth, dafer-
ne, wie gemeldet, Wölffe oder Füchse
verhanden, und nicht in die Erde zu kom-
men, zu brauchen sind. Die übrigen
Sachen, als Furckeln, Hebegabeln, Heff-
tel, grosse und kleine Schlägel, Wagen-
Winden, Aexte und Beile, und ande-
re nöthige Bedürffnissen, werden jedes
absonderlich aufgehoben.

Von einem Zeug-Hauße.
[Spaltenumbruch]

Zu dem Vorhergemeldten vollkomm-
lichen hohen, mittlern und kleinern
Jagd-Gezeug unsers vorhabenden Wey-
dewercks ist höchstnöthig, zur Verwah-
rung desselben, ein gebräuchliches Zeug-
Hauß zu bauen. Dasselbige solte nun
billich ziemlich geräumlich, groß und weit
gebauet seyn, daß darinnen vieles Jagd-
Zeug an Tüchern und Netzen auffgehan-
gen, und dennoch auch in der Mitten die
Zeug-Wagen stehen können. Wie nun
eines jeden Herrens Vermögen, auch
die Liebhaber der Jagd unterschiedlich zu
finden sind, mancher viel oder wenig Jagd-
Zeug hat und also auch die Unkosten ei-
nes grössern Gebäudes hierzu spahret,
also ist hierinnen sich nach den Umbstän-
den zu richten. Sonsten solte wohl bil-
lich ein solch Zeug-Hauß so lang, als ein
Tuch seyn, nehmlich 200. Ellen lang,
oder 160. Schritt, und 50. Ellen breit,
und damit ein solches lang Gebäude sich
nicht wegen der Schwere des Zeugs et-
wan unten auff der Erden von einan-
der geben könte, ist nöthig, daß unterschie-
dene Qver-Schwellen eingebunden wer-
den. Auf der Erden muß unten der
[Spaltenumbruch] Boden denen Schwellen gleich allenthal-
ben mit breiten Steinen gepflastert wer-
den, weiln man mit Wagen und Pfer-
den nach Bedürffen hinein und heraus
fahren und den Zeug auff- und abladen
muß. Das Säul-Werck muß wenig-
stens acht Ellen hoch seyn, und die Bal-
cken oben zwey Ellen von einander liegen,
welche oben an beyden Ecken fein rund
und glatt gehobelt seyn müssen; Damit
der Zeug im Abziehen nicht etwan an
Splittern oder Schiefern hängen bleiben,
und Löcher reissen möge, worauff gu-
te Vorsorge nöthig. Uber solche Bal-
cken nun werden die Tücher oder auch
die grossen Netzen dergestalt gehänget,
daß solche eine Elle von der Erden hangen,
in der Mitten aber, wo gefahren wird,
müssen sie hoch gehänget werden, daß
ein Wagen zu fähren freyen Raum ha-
ben kan: An beyden Giebel-Enden kom-
men die Thoren, umb dahindurch ein-
und auszufahren, wie auch zwey Thore
nach dem Hoffe, welche nebst den Fen-
sterladen mit grün und weisser Oehl-
Farbe sauber anzustreichen gehören: O-
ben in dem Dachstuhle, welches nur auf

sechs
G g 3

Von dem Jagd-Gezeug.
[Spaltenumbruch] einem Menſchen Schaden zufuͤgen koͤn-
ne, ſind ſelbige beſſer, wann ſie von gu-
tem feſten Eyſen nach Groͤſſe des Thieres
Halß gemachet werden, weiln ein ſolch
hoͤltzernes Werck-Zeug leicht zerbrechen
koͤnte. Und kan man mit ſolchen das
Thier ſowohl umb den Halß faſſen, als
auch damit vorhalten, daß es einbeiſſen
muͤſſe, da man es mit demſelben in die
Kienbacken faſſen und aus dem Winckel
oder Kaſten hervor ziehen koͤnte; Maaſ-
ſen dergleichen Thiere, wenn ſie Hunde
mercken, nicht gerne ans Tagelicht wol-
len, ſo, daß man ſie hierzu noͤthigen muß.
Die Stichel- oder Pfahl-Eiſen, welche
nach Groͤſſe und Dicke der Furckeln des
groſſen und kleinen Gezeugs, die Loͤcher
darmit einzuſtoſſen, geſchmiedet werden,
ſind, umb geſchwinder Eyl Loͤcher zu de-
nen Furckeln einzuſtoſſen, trefflich noͤthig,
und iſt damit, wegen der Schwere des
Eyſens noch einmahl ſo tieff zu ſtoſſen,
als mit einem leichten hoͤltzernen Pfahl,
deren auf jeden Fluͤgel 2. biß drey zu hal-
ten. Nicht weniger ſind auch die Froſt-
bohrer hoͤchſtnoͤthig, zumahlen im Win-
ter, da oͤffters die Erde dermaaſſen hart
[Spaltenumbruch] gefroren, daß ſolche wie ein Stein, und
nicht hinein zu kommen iſt, man aber den-
noch gantz ſtille und heimlich ſtellen muß,
zumahl bey der Woffs- oder Lux-Jagd;
Dann wann man mit den Keilhauen
immer hacket und pochet, ja gar mit den
Aexten oder Beilen ſchlaͤget, ſchallet ſol-
ches zu ſehr, daß das Wild von ſolchem
Lermen nothwendig ausreiſſen muß.
Weiln aber die Bohrer wegen derer klei-
nen Steine, Kieſſel und Sand, gefro-
rener Erde und Eiß, bey oͤfftern Gebrauch
bald ſtumpff werden koͤnnen, muͤſſen ſie,
wie andere Windbohrer, mit dickem ſtar-
ckem Gewinde wohl verſtaͤhlet, und
ſcharff geſchliffen ſeyn, auch, wo ſie nicht
allezeit noͤthig, billig verſchonet werden,
weiln ſie nur zur hoͤchſten Noth, dafer-
ne, wie gemeldet, Woͤlffe oder Fuͤchſe
verhanden, und nicht in die Erde zu kom-
men, zu brauchen ſind. Die uͤbrigen
Sachen, als Furckeln, Hebegabeln, Heff-
tel, groſſe und kleine Schlaͤgel, Wagen-
Winden, Aexte und Beile, und ande-
re noͤthige Beduͤrffniſſen, werden jedes
abſonderlich aufgehoben.

Von einem Zeug-Hauße.
[Spaltenumbruch]

Zu dem Vorhergemeldten vollkom̃-
lichen hohen, mittlern und kleinern
Jagd-Gezeug unſers vorhabenden Wey-
dewercks iſt hoͤchſtnoͤthig, zur Verwah-
rung deſſelben, ein gebraͤuchliches Zeug-
Hauß zu bauen. Daſſelbige ſolte nun
billich ziemlich geraͤumlich, groß und weit
gebauet ſeyn, daß darinnen vieles Jagd-
Zeug an Tuͤchern und Netzen auffgehan-
gen, und dennoch auch in der Mitten die
Zeug-Wagen ſtehen koͤnnen. Wie nun
eines jeden Herrens Vermoͤgen, auch
die Liebhaber der Jagd unterſchiedlich zu
finden ſind, mancher viel oder wenig Jagd-
Zeug hat und alſo auch die Unkoſten ei-
nes groͤſſern Gebaͤudes hierzu ſpahret,
alſo iſt hierinnen ſich nach den Umbſtaͤn-
den zu richten. Sonſten ſolte wohl bil-
lich ein ſolch Zeug-Hauß ſo lang, als ein
Tuch ſeyn, nehmlich 200. Ellen lang,
oder 160. Schritt, und 50. Ellen breit,
und damit ein ſolches lang Gebaͤude ſich
nicht wegen der Schwere des Zeugs et-
wan unten auff der Erden von einan-
der geben koͤnte, iſt noͤthig, daß unterſchie-
dene Qver-Schwellen eingebunden wer-
den. Auf der Erden muß unten der
[Spaltenumbruch] Boden denen Schwellen gleich allenthal-
ben mit breiten Steinen gepflaſtert wer-
den, weiln man mit Wagen und Pfer-
den nach Beduͤrffen hinein und heraus
fahren und den Zeug auff- und abladen
muß. Das Saͤul-Werck muß wenig-
ſtens acht Ellen hoch ſeyn, und die Bal-
cken oben zwey Ellen von einander liegen,
welche oben an beyden Ecken fein rund
und glatt gehobelt ſeyn muͤſſen; Damit
der Zeug im Abziehen nicht etwan an
Splittern oder Schiefern haͤngen bleiben,
und Loͤcher reiſſen moͤge, worauff gu-
te Vorſorge noͤthig. Uber ſolche Bal-
cken nun werden die Tuͤcher oder auch
die groſſen Netzen dergeſtalt gehaͤnget,
daß ſolche eine Elle von der Erden hangen,
in der Mitten aber, wo gefahren wird,
muͤſſen ſie hoch gehaͤnget werden, daß
ein Wagen zu faͤhren freyen Raum ha-
ben kan: An beyden Giebel-Enden kom-
men die Thoren, umb dahindurch ein-
und auszufahren, wie auch zwey Thore
nach dem Hoffe, welche nebſt den Fen-
ſterladen mit gruͤn und weiſſer Oehl-
Farbe ſauber anzuſtreichen gehoͤren: O-
ben in dem Dachſtuhle, welches nur auf

ſechs
G g 3
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0371" n="237"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Von dem Jagd-Gezeug.</hi></fw><lb/><cb/>
einem Men&#x017F;chen Schaden zufu&#x0364;gen ko&#x0364;n-<lb/>
ne, &#x017F;ind &#x017F;elbige be&#x017F;&#x017F;er, wann &#x017F;ie von gu-<lb/>
tem fe&#x017F;ten Ey&#x017F;en nach Gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;e des Thieres<lb/>
Halß gemachet werden, weiln ein &#x017F;olch<lb/>
ho&#x0364;ltzernes Werck-Zeug leicht zerbrechen<lb/>
ko&#x0364;nte. Und kan man mit &#x017F;olchen das<lb/>
Thier &#x017F;owohl umb den Halß fa&#x017F;&#x017F;en, als<lb/>
auch damit vorhalten, daß es einbei&#x017F;&#x017F;en<lb/>
mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e, da man es mit dem&#x017F;elben in die<lb/>
Kienbacken fa&#x017F;&#x017F;en und aus dem Winckel<lb/>
oder Ka&#x017F;ten hervor ziehen ko&#x0364;nte; Maa&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en dergleichen Thiere, wenn &#x017F;ie Hunde<lb/>
mercken, nicht gerne ans Tagelicht wol-<lb/>
len, &#x017F;o, daß man &#x017F;ie hierzu no&#x0364;thigen muß.<lb/>
Die Stichel- oder Pfahl-Ei&#x017F;en, welche<lb/>
nach Gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;e und Dicke der Furckeln des<lb/>
gro&#x017F;&#x017F;en und kleinen Gezeugs, die Lo&#x0364;cher<lb/>
darmit einzu&#x017F;to&#x017F;&#x017F;en, ge&#x017F;chmiedet werden,<lb/>
&#x017F;ind, umb ge&#x017F;chwinder Eyl Lo&#x0364;cher zu de-<lb/>
nen Furckeln einzu&#x017F;to&#x017F;&#x017F;en, trefflich no&#x0364;thig,<lb/>
und i&#x017F;t damit, wegen der Schwere des<lb/>
Ey&#x017F;ens noch einmahl &#x017F;o tieff zu &#x017F;to&#x017F;&#x017F;en,<lb/>
als mit einem leichten ho&#x0364;ltzernen Pfahl,<lb/>
deren auf jeden Flu&#x0364;gel 2. biß drey zu hal-<lb/>
ten. Nicht weniger &#x017F;ind auch die Fro&#x017F;t-<lb/>
bohrer ho&#x0364;ch&#x017F;tno&#x0364;thig, zumahlen im Win-<lb/>
ter, da o&#x0364;ffters die Erde dermaa&#x017F;&#x017F;en hart<lb/><cb/>
gefroren, daß &#x017F;olche wie ein Stein, und<lb/>
nicht hinein zu kommen i&#x017F;t, man aber den-<lb/>
noch gantz &#x017F;tille und heimlich &#x017F;tellen muß,<lb/>
zumahl bey der Woffs- oder Lux-Jagd;<lb/>
Dann wann man mit den Keilhauen<lb/>
immer hacket und pochet, ja gar mit den<lb/>
Aexten oder Beilen &#x017F;chla&#x0364;get, &#x017F;challet &#x017F;ol-<lb/>
ches zu &#x017F;ehr, daß das Wild von &#x017F;olchem<lb/>
Lermen nothwendig ausrei&#x017F;&#x017F;en muß.<lb/>
Weiln aber die Bohrer wegen derer klei-<lb/>
nen Steine, Kie&#x017F;&#x017F;el und Sand, gefro-<lb/>
rener Erde und Eiß, bey o&#x0364;fftern Gebrauch<lb/>
bald &#x017F;tumpff werden ko&#x0364;nnen, mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ie,<lb/>
wie andere Windbohrer, mit dickem &#x017F;tar-<lb/>
ckem Gewinde wohl ver&#x017F;ta&#x0364;hlet, und<lb/>
&#x017F;charff ge&#x017F;chliffen &#x017F;eyn, auch, wo &#x017F;ie nicht<lb/>
allezeit no&#x0364;thig, billig ver&#x017F;chonet werden,<lb/>
weiln &#x017F;ie nur zur ho&#x0364;ch&#x017F;ten Noth, dafer-<lb/>
ne, wie gemeldet, Wo&#x0364;lffe oder Fu&#x0364;ch&#x017F;e<lb/>
verhanden, und nicht in die Erde zu kom-<lb/>
men, zu brauchen &#x017F;ind. Die u&#x0364;brigen<lb/>
Sachen, als Furckeln, Hebegabeln, Heff-<lb/>
tel, gro&#x017F;&#x017F;e und kleine Schla&#x0364;gel, Wagen-<lb/>
Winden, Aexte und Beile, und ande-<lb/>
re no&#x0364;thige Bedu&#x0364;rffni&#x017F;&#x017F;en, werden jedes<lb/>
ab&#x017F;onderlich aufgehoben.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Von einem Zeug-Hauße.</hi> </head><lb/>
          <cb/>
          <p>Zu dem Vorhergemeldten vollkom&#x0303;-<lb/>
lichen hohen, mittlern und kleinern<lb/>
Jagd-Gezeug un&#x017F;ers vorhabenden Wey-<lb/>
dewercks i&#x017F;t ho&#x0364;ch&#x017F;tno&#x0364;thig, zur Verwah-<lb/>
rung de&#x017F;&#x017F;elben, ein gebra&#x0364;uchliches Zeug-<lb/>
Hauß zu bauen. Da&#x017F;&#x017F;elbige &#x017F;olte nun<lb/>
billich ziemlich gera&#x0364;umlich, groß und weit<lb/>
gebauet &#x017F;eyn, daß darinnen vieles Jagd-<lb/>
Zeug an Tu&#x0364;chern und Netzen auffgehan-<lb/>
gen, und dennoch auch in der Mitten die<lb/>
Zeug-Wagen &#x017F;tehen ko&#x0364;nnen. Wie nun<lb/>
eines jeden Herrens Vermo&#x0364;gen, auch<lb/>
die Liebhaber der Jagd unter&#x017F;chiedlich zu<lb/>
finden &#x017F;ind, mancher viel oder wenig Jagd-<lb/>
Zeug hat und al&#x017F;o auch die Unko&#x017F;ten ei-<lb/>
nes gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;ern Geba&#x0364;udes hierzu &#x017F;pahret,<lb/>
al&#x017F;o i&#x017F;t hierinnen &#x017F;ich nach den Umb&#x017F;ta&#x0364;n-<lb/>
den zu richten. Son&#x017F;ten &#x017F;olte wohl bil-<lb/>
lich ein &#x017F;olch Zeug-Hauß &#x017F;o lang, als ein<lb/>
Tuch &#x017F;eyn, nehmlich 200. Ellen lang,<lb/>
oder 160. Schritt, und 50. Ellen breit,<lb/>
und damit ein &#x017F;olches lang Geba&#x0364;ude &#x017F;ich<lb/>
nicht wegen der Schwere des Zeugs et-<lb/>
wan unten auff der Erden von einan-<lb/>
der geben ko&#x0364;nte, i&#x017F;t no&#x0364;thig, daß unter&#x017F;chie-<lb/>
dene Qver-Schwellen eingebunden wer-<lb/>
den. Auf der Erden muß unten der<lb/><cb/>
Boden denen Schwellen gleich allenthal-<lb/>
ben mit breiten Steinen gepfla&#x017F;tert wer-<lb/>
den, weiln man mit Wagen und Pfer-<lb/>
den nach Bedu&#x0364;rffen hinein und heraus<lb/>
fahren und den Zeug auff- und abladen<lb/>
muß. Das Sa&#x0364;ul-Werck muß wenig-<lb/>
&#x017F;tens acht Ellen hoch &#x017F;eyn, und die Bal-<lb/>
cken oben zwey Ellen von einander liegen,<lb/>
welche oben an beyden Ecken fein rund<lb/>
und glatt gehobelt &#x017F;eyn mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en; Damit<lb/>
der Zeug im Abziehen nicht etwan an<lb/>
Splittern oder Schiefern ha&#x0364;ngen bleiben,<lb/>
und Lo&#x0364;cher rei&#x017F;&#x017F;en mo&#x0364;ge, worauff gu-<lb/>
te Vor&#x017F;orge no&#x0364;thig. Uber &#x017F;olche Bal-<lb/>
cken nun werden die Tu&#x0364;cher oder auch<lb/>
die gro&#x017F;&#x017F;en Netzen derge&#x017F;talt geha&#x0364;nget,<lb/>
daß &#x017F;olche eine Elle von der Erden hangen,<lb/>
in der Mitten aber, wo gefahren wird,<lb/>
mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ie hoch geha&#x0364;nget werden, daß<lb/>
ein Wagen zu fa&#x0364;hren freyen Raum ha-<lb/>
ben kan: An beyden Giebel-Enden kom-<lb/>
men die Thoren, umb dahindurch ein-<lb/>
und auszufahren, wie auch zwey Thore<lb/>
nach dem Hoffe, welche neb&#x017F;t den Fen-<lb/>
&#x017F;terladen mit gru&#x0364;n und wei&#x017F;&#x017F;er Oehl-<lb/>
Farbe &#x017F;auber anzu&#x017F;treichen geho&#x0364;ren: O-<lb/>
ben in dem Dach&#x017F;tuhle, welches nur auf<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">G g 3</fw><fw place="bottom" type="catch">&#x017F;echs</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[237/0371] Von dem Jagd-Gezeug. einem Menſchen Schaden zufuͤgen koͤn- ne, ſind ſelbige beſſer, wann ſie von gu- tem feſten Eyſen nach Groͤſſe des Thieres Halß gemachet werden, weiln ein ſolch hoͤltzernes Werck-Zeug leicht zerbrechen koͤnte. Und kan man mit ſolchen das Thier ſowohl umb den Halß faſſen, als auch damit vorhalten, daß es einbeiſſen muͤſſe, da man es mit demſelben in die Kienbacken faſſen und aus dem Winckel oder Kaſten hervor ziehen koͤnte; Maaſ- ſen dergleichen Thiere, wenn ſie Hunde mercken, nicht gerne ans Tagelicht wol- len, ſo, daß man ſie hierzu noͤthigen muß. Die Stichel- oder Pfahl-Eiſen, welche nach Groͤſſe und Dicke der Furckeln des groſſen und kleinen Gezeugs, die Loͤcher darmit einzuſtoſſen, geſchmiedet werden, ſind, umb geſchwinder Eyl Loͤcher zu de- nen Furckeln einzuſtoſſen, trefflich noͤthig, und iſt damit, wegen der Schwere des Eyſens noch einmahl ſo tieff zu ſtoſſen, als mit einem leichten hoͤltzernen Pfahl, deren auf jeden Fluͤgel 2. biß drey zu hal- ten. Nicht weniger ſind auch die Froſt- bohrer hoͤchſtnoͤthig, zumahlen im Win- ter, da oͤffters die Erde dermaaſſen hart gefroren, daß ſolche wie ein Stein, und nicht hinein zu kommen iſt, man aber den- noch gantz ſtille und heimlich ſtellen muß, zumahl bey der Woffs- oder Lux-Jagd; Dann wann man mit den Keilhauen immer hacket und pochet, ja gar mit den Aexten oder Beilen ſchlaͤget, ſchallet ſol- ches zu ſehr, daß das Wild von ſolchem Lermen nothwendig ausreiſſen muß. Weiln aber die Bohrer wegen derer klei- nen Steine, Kieſſel und Sand, gefro- rener Erde und Eiß, bey oͤfftern Gebrauch bald ſtumpff werden koͤnnen, muͤſſen ſie, wie andere Windbohrer, mit dickem ſtar- ckem Gewinde wohl verſtaͤhlet, und ſcharff geſchliffen ſeyn, auch, wo ſie nicht allezeit noͤthig, billig verſchonet werden, weiln ſie nur zur hoͤchſten Noth, dafer- ne, wie gemeldet, Woͤlffe oder Fuͤchſe verhanden, und nicht in die Erde zu kom- men, zu brauchen ſind. Die uͤbrigen Sachen, als Furckeln, Hebegabeln, Heff- tel, groſſe und kleine Schlaͤgel, Wagen- Winden, Aexte und Beile, und ande- re noͤthige Beduͤrffniſſen, werden jedes abſonderlich aufgehoben. Von einem Zeug-Hauße. Zu dem Vorhergemeldten vollkom̃- lichen hohen, mittlern und kleinern Jagd-Gezeug unſers vorhabenden Wey- dewercks iſt hoͤchſtnoͤthig, zur Verwah- rung deſſelben, ein gebraͤuchliches Zeug- Hauß zu bauen. Daſſelbige ſolte nun billich ziemlich geraͤumlich, groß und weit gebauet ſeyn, daß darinnen vieles Jagd- Zeug an Tuͤchern und Netzen auffgehan- gen, und dennoch auch in der Mitten die Zeug-Wagen ſtehen koͤnnen. Wie nun eines jeden Herrens Vermoͤgen, auch die Liebhaber der Jagd unterſchiedlich zu finden ſind, mancher viel oder wenig Jagd- Zeug hat und alſo auch die Unkoſten ei- nes groͤſſern Gebaͤudes hierzu ſpahret, alſo iſt hierinnen ſich nach den Umbſtaͤn- den zu richten. Sonſten ſolte wohl bil- lich ein ſolch Zeug-Hauß ſo lang, als ein Tuch ſeyn, nehmlich 200. Ellen lang, oder 160. Schritt, und 50. Ellen breit, und damit ein ſolches lang Gebaͤude ſich nicht wegen der Schwere des Zeugs et- wan unten auff der Erden von einan- der geben koͤnte, iſt noͤthig, daß unterſchie- dene Qver-Schwellen eingebunden wer- den. Auf der Erden muß unten der Boden denen Schwellen gleich allenthal- ben mit breiten Steinen gepflaſtert wer- den, weiln man mit Wagen und Pfer- den nach Beduͤrffen hinein und heraus fahren und den Zeug auff- und abladen muß. Das Saͤul-Werck muß wenig- ſtens acht Ellen hoch ſeyn, und die Bal- cken oben zwey Ellen von einander liegen, welche oben an beyden Ecken fein rund und glatt gehobelt ſeyn muͤſſen; Damit der Zeug im Abziehen nicht etwan an Splittern oder Schiefern haͤngen bleiben, und Loͤcher reiſſen moͤge, worauff gu- te Vorſorge noͤthig. Uber ſolche Bal- cken nun werden die Tuͤcher oder auch die groſſen Netzen dergeſtalt gehaͤnget, daß ſolche eine Elle von der Erden hangen, in der Mitten aber, wo gefahren wird, muͤſſen ſie hoch gehaͤnget werden, daß ein Wagen zu faͤhren freyen Raum ha- ben kan: An beyden Giebel-Enden kom- men die Thoren, umb dahindurch ein- und auszufahren, wie auch zwey Thore nach dem Hoffe, welche nebſt den Fen- ſterladen mit gruͤn und weiſſer Oehl- Farbe ſauber anzuſtreichen gehoͤren: O- ben in dem Dachſtuhle, welches nur auf ſechs G g 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719/371
Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719, S. 237. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719/371>, abgerufen am 22.05.2019.