Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719.

Bild:
<< vorherige Seite

Fünffter Theil/
[Spaltenumbruch] die Trompeter und Paucker kommen,
so ist alles parat und fertig. Die
Jagd-Hautboisten werden meist in dem
[Spaltenumbruch] Schirm nach der Herrschafft, oder wenig-
stens nicht weit davon logiret.

Vom Abjagen und Ausschiessen.
[Spaltenumbruch]

Wann es nun der Herrschafft ange-
meldet worden ist, daß alles parat gehal-
ten, und fertig sey, und nur auf Dero
Befehl beruhe; So rüstet sich ein Jeder
von der Hoffstatt vom grösten biß zum
kleinsten: Die Küchen- und Keller-Wa-
gen fahren voraus, und kehren, wenn
es kalt, in dem nechsten Ambts- oder
Forst-Hause ein, oder schlagen ihr La-
ger bey warmer Sommers-Zeit, an ei-
nen lustigen schattigten Ort, wo es ih-
nen befohlen worden, auf, und halten
indessen alles parat, kochen, sieden und
brathen. Die Kellerey spiehlet die Will-
kommen, und Gesundheit-Glässer rein
aus, sortiret der Herrschafft Mund-
Weine und ander Geträncke; Der Can-
diter ordini
ret seine Confecturen, oder
Jahres-Früchte und Gewächse, Limo-
naden,
und andere Kühl-Träncke; Jn
Summa diese Sachen müssen alle parat
gehalten, und vorhero fertig seyn, daß
so balde das Jagen zu Ende, und der
Herrschafft Appetit ankommet, es so-
dann an nichts fehlen möge, sondern bey
dem Koch und Keller alles überflüßig
verhanden sey. Wann nun die Herr-
schafft nach der Jahres-Zeit sich jägerisch
angezogen, mit der Gemahlin, frembder
Herrschafft, löblichem Frauenzimmer,
und sämbtlichen Hoffstatt, in grosser Svi-
te
mit Carossen gefahren, theils auch ge-
ritten ankommen, sodann abgestiegen,
und sich in den Schirm verfüget hat, da
dann auf die vielerley Wagen, haussen
herumb, wie leicht zu dencken, viele
Zuschauer auffsteigen, und die Herr-
schafft ihre Praeparatoria an Gewehr
zu dem vorhabenden Pürschen fer-
tig hat; Wird nach Befragen des
Jäger-Meisters das Lauff- oder Qver-
Tuch auffgezogen und die Hetz-Hunde
in ihre Schirme vertheilet; Dann verfü-
get sich die sämtliche Jägerey dem Schirm
gegen über an den rechten Flügel gegen
der Herrschafft zu, und stellen sich in
Ordnung neben einander in drey Glie-
der nach deren Rang und Charge, mit
Wald-Rüden und Hifft-Hörner, in
grüner mit Gold und Silber reich-bor-
dierter Livree,
Hornfesseln, und Hirsch-
[Spaltenumbruch] fängern, und erwarten allerseits, wann
es der Herrschafft gelegen, durch ein
Zeichen dero Befehl: So nun gewincket
worden, alsdann wird von der Jäge-
rey durch die grosse und kleine Hörner
angefangen zu blasen, und hierauff bey
der Hirsch-Feiste-Zeit mit dem gewöhn-
lichen Wald-Geschrey Ja ha ha, ja ha,
bey der Schwein-Hatz aber, ho, Ri do,
ho ha ho,
so aus hellem Halß geschrie-
en wird, in solcher Ordnung mit ent-
blöstem Haupt den Huth unter dem Arm
habend, zu Holtze gezogen. Hinter die-
ser Jägerey werden die Jagd-Hunde
von Bauern geführet, da der Pursch
bey den Hunden vor ihnen hergehet,
und continuiren ihren Laut zu Holtze hin-
ein biß hinter die Qvere, wo des Jagens
Rundung ist. Alsdann vertheilen sie
sich ins Treiben von einander; Dann
werden die Wald- und Flügel-Hörner
auff gewöhnliche Posten geblasen, und
dasjenige, was von Hirschen ansichtig ge-
worden, mit dem gewöhnlichen Juch
Hirsch
angeschrieen, darauff alsbald die
Jagd-Hunde gelöset, und denselben zu-
geschrien wird, umb damit das Wild-
präth im Jagen rege zu machen, damit
es auff den Laufft flüchtig gesprenget
komme. Das Ober-Directorium bey
solcher Jagd hat der Ober-Jäger-Mei-
ster, welcher sich, wann die Jägerey zu
Holtze gezogen, an das Quer-Tuch zum
rechten Flügel postiret, der Land-Jäger-
Meister aber an das Qver-Tuch auff
den lincken Flügel, derer Jeder einen
Ober-Forst-Meister und Ober-Jäger-
Meister bey sich haben muß. Wann
nun das Roth-Wild Troupp-weise
durchs Qver-Tuch, und darunter starcke
jagdbahre Hirsche, oder gantze Rudel
Sauen, darunter Haupt-Schweine sind,
herauskommen, und vorlauffen, werden
bey deren Ansicht dieselben durch Flü-
gel-Hörner angeblasen, zuweilen auch
durch Trompetten und Paucken bewill-
kommet und angemeldet, damit die Herr-
schafft desto besser achtung gebe. Was nun
bey dem Schirm vorbey passiret, daß wird
von der Herrschafft im Vorüberlauf-
fen gepürschet, daß meistentheils Knall

und

Fuͤnffter Theil/
[Spaltenumbruch] die Trompeter und Paucker kommen,
ſo iſt alles parat und fertig. Die
Jagd-Hautboiſten werden meiſt in dem
[Spaltenumbruch] Schirm nach der Herrſchafft, oder wenig-
ſtens nicht weit davon logiret.

Vom Abjagen und Ausſchieſſen.
[Spaltenumbruch]

Wann es nun der Herrſchafft ange-
meldet worden iſt, daß alles parat gehal-
ten, und fertig ſey, und nur auf Dero
Befehl beruhe; So ruͤſtet ſich ein Jeder
von der Hoffſtatt vom groͤſten biß zum
kleinſten: Die Kuͤchen- und Keller-Wa-
gen fahren voraus, und kehren, wenn
es kalt, in dem nechſten Ambts- oder
Forſt-Hauſe ein, oder ſchlagen ihr La-
ger bey warmer Sommers-Zeit, an ei-
nen luſtigen ſchattigten Ort, wo es ih-
nen befohlen worden, auf, und halten
indeſſen alles parat, kochen, ſieden und
brathen. Die Kellerey ſpiehlet die Will-
kommen, und Geſundheit-Glaͤſſer rein
aus, ſortiret der Herrſchafft Mund-
Weine und ander Getraͤncke; Der Can-
diter ordini
ret ſeine Confecturen, oder
Jahres-Fruͤchte und Gewaͤchſe, Limo-
naden,
und andere Kuͤhl-Traͤncke; Jn
Summa dieſe Sachen muͤſſen alle parat
gehalten, und vorhero fertig ſeyn, daß
ſo balde das Jagen zu Ende, und der
Herrſchafft Appetit ankommet, es ſo-
dann an nichts fehlen moͤge, ſondern bey
dem Koch und Keller alles uͤberfluͤßig
verhanden ſey. Wann nun die Herr-
ſchafft nach der Jahres-Zeit ſich jaͤgeriſch
angezogen, mit der Gemahlin, frembder
Herrſchafft, loͤblichem Frauenzimmer,
und ſaͤmbtlichen Hoffſtatt, in groſſer Svi-
te
mit Caroſſen gefahren, theils auch ge-
ritten ankommen, ſodann abgeſtiegen,
und ſich in den Schirm verfuͤget hat, da
dann auf die vielerley Wagen, hauſſen
herumb, wie leicht zu dencken, viele
Zuſchauer auffſteigen, und die Herr-
ſchafft ihre Præparatoria an Gewehr
zu dem vorhabenden Puͤrſchen fer-
tig hat; Wird nach Befragen des
Jaͤger-Meiſters das Lauff- oder Qver-
Tuch auffgezogen und die Hetz-Hunde
in ihre Schirme vertheilet; Dann verfuͤ-
get ſich die ſaͤmtliche Jaͤgerey dem Schirm
gegen uͤber an den rechten Fluͤgel gegen
der Herrſchafft zu, und ſtellen ſich in
Ordnung neben einander in drey Glie-
der nach deren Rang und Charge, mit
Wald-Ruͤden und Hifft-Hoͤrner, in
gruͤner mit Gold und Silber reich-bor-
dierter Livree,
Hornfeſſeln, und Hirſch-
[Spaltenumbruch] faͤngern, und erwarten allerſeits, wann
es der Herrſchafft gelegen, durch ein
Zeichen dero Befehl: So nun gewincket
worden, alsdann wird von der Jaͤge-
rey durch die groſſe und kleine Hoͤrner
angefangen zu blaſen, und hierauff bey
der Hirſch-Feiſte-Zeit mit dem gewoͤhn-
lichen Wald-Geſchrey Ja ha ha, ja ha,
bey der Schwein-Hatz aber, ho, Ri do,
ho ha ho,
ſo aus hellem Halß geſchrie-
en wird, in ſolcher Ordnung mit ent-
bloͤſtem Haupt den Huth unter dem Arm
habend, zu Holtze gezogen. Hinter die-
ſer Jaͤgerey werden die Jagd-Hunde
von Bauern gefuͤhret, da der Purſch
bey den Hunden vor ihnen hergehet,
und continuiren ihren Laut zu Holtze hin-
ein biß hinter die Qvere, wo des Jagens
Rundung iſt. Alsdann vertheilen ſie
ſich ins Treiben von einander; Dann
werden die Wald- und Fluͤgel-Hoͤrner
auff gewoͤhnliche Poſten geblaſen, und
dasjenige, was von Hirſchen anſichtig ge-
worden, mit dem gewoͤhnlichen Juch
Hirſch
angeſchrieen, darauff alsbald die
Jagd-Hunde geloͤſet, und denſelben zu-
geſchrien wird, umb damit das Wild-
praͤth im Jagen rege zu machen, damit
es auff den Laufft fluͤchtig geſprenget
komme. Das Ober-Directorium bey
ſolcher Jagd hat der Ober-Jaͤger-Mei-
ſter, welcher ſich, wann die Jaͤgerey zu
Holtze gezogen, an das Quer-Tuch zum
rechten Fluͤgel poſtiret, der Land-Jaͤger-
Meiſter aber an das Qver-Tuch auff
den lincken Fluͤgel, derer Jeder einen
Ober-Forſt-Meiſter und Ober-Jaͤger-
Meiſter bey ſich haben muß. Wann
nun das Roth-Wild Troupp-weiſe
durchs Qver-Tuch, und darunter ſtarcke
jagdbahre Hirſche, oder gantze Rudel
Sauen, darunter Haupt-Schweine ſind,
herauskommen, und vorlauffen, werden
bey deren Anſicht dieſelben durch Fluͤ-
gel-Hoͤrner angeblaſen, zuweilen auch
durch Trompetten und Paucken bewill-
kommet und angemeldet, damit die Herr-
ſchafft deſto beſſer achtung gebe. Was nun
bey dem Schirm voꝛbey pasſiret, daß wird
von der Herrſchafft im Voruͤberlauf-
fen gepuͤrſchet, daß meiſtentheils Knall

und
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0426" n="278"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Fu&#x0364;nffter Theil/</hi></fw><lb/><cb/>
die Trompeter und Paucker kommen,<lb/>
&#x017F;o i&#x017F;t alles <hi rendition="#aq">parat</hi> und fertig. Die<lb/>
Jagd-<hi rendition="#aq">Hautboi&#x017F;t</hi>en werden mei&#x017F;t in dem<lb/><cb/>
Schirm nach der Herr&#x017F;chafft, oder wenig-<lb/>
&#x017F;tens nicht weit davon <hi rendition="#aq">logir</hi>et.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Vom Abjagen und Aus&#x017F;chie&#x017F;&#x017F;en.</hi> </head><lb/>
          <cb/>
          <p>Wann es nun der Herr&#x017F;chafft ange-<lb/>
meldet worden i&#x017F;t, daß alles <hi rendition="#aq">parat</hi> gehal-<lb/>
ten, und fertig &#x017F;ey, und nur auf Dero<lb/>
Befehl beruhe; So ru&#x0364;&#x017F;tet &#x017F;ich ein Jeder<lb/>
von der Hoff&#x017F;tatt vom gro&#x0364;&#x017F;ten biß zum<lb/>
klein&#x017F;ten: Die Ku&#x0364;chen- und Keller-Wa-<lb/>
gen fahren voraus, und kehren, wenn<lb/>
es kalt, in dem nech&#x017F;ten Ambts- oder<lb/>
For&#x017F;t-Hau&#x017F;e ein, oder &#x017F;chlagen ihr La-<lb/>
ger bey warmer Sommers-Zeit, an ei-<lb/>
nen lu&#x017F;tigen &#x017F;chattigten Ort, wo es ih-<lb/>
nen befohlen worden, auf, und halten<lb/>
inde&#x017F;&#x017F;en alles <hi rendition="#aq">parat,</hi> kochen, &#x017F;ieden und<lb/>
brathen. Die Kellerey &#x017F;piehlet die Will-<lb/>
kommen, und Ge&#x017F;undheit-Gla&#x0364;&#x017F;&#x017F;er rein<lb/>
aus, <hi rendition="#aq">&#x017F;orti</hi>ret der Herr&#x017F;chafft Mund-<lb/>
Weine und ander Getra&#x0364;ncke; Der <hi rendition="#aq">Can-<lb/>
diter ordini</hi>ret &#x017F;eine <hi rendition="#aq">Confecturen,</hi> oder<lb/>
Jahres-Fru&#x0364;chte und Gewa&#x0364;ch&#x017F;e, <hi rendition="#aq">Limo-<lb/>
naden,</hi> und andere Ku&#x0364;hl-Tra&#x0364;ncke; Jn<lb/>
Summa die&#x017F;e Sachen mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en alle <hi rendition="#aq">parat</hi><lb/>
gehalten, und vorhero fertig &#x017F;eyn, daß<lb/>
&#x017F;o balde das Jagen zu Ende, und der<lb/>
Herr&#x017F;chafft <hi rendition="#aq">Appetit</hi> ankommet, es &#x017F;o-<lb/>
dann an nichts fehlen mo&#x0364;ge, &#x017F;ondern bey<lb/>
dem Koch und Keller alles u&#x0364;berflu&#x0364;ßig<lb/>
verhanden &#x017F;ey. Wann nun die Herr-<lb/>
&#x017F;chafft nach der Jahres-Zeit &#x017F;ich ja&#x0364;geri&#x017F;ch<lb/>
angezogen, mit der Gemahlin, frembder<lb/>
Herr&#x017F;chafft, lo&#x0364;blichem Frauenzimmer,<lb/>
und &#x017F;a&#x0364;mbtlichen Hoff&#x017F;tatt, in gro&#x017F;&#x017F;er <hi rendition="#aq">Svi-<lb/>
te</hi> mit <hi rendition="#aq">Caro&#x017F;&#x017F;</hi>en gefahren, theils auch ge-<lb/>
ritten ankommen, &#x017F;odann abge&#x017F;tiegen,<lb/>
und &#x017F;ich in den Schirm verfu&#x0364;get hat, da<lb/>
dann auf die vielerley Wagen, hau&#x017F;&#x017F;en<lb/>
herumb, wie leicht zu dencken, viele<lb/>
Zu&#x017F;chauer auff&#x017F;teigen, und die Herr-<lb/>
&#x017F;chafft ihre <hi rendition="#aq">Præparatoria</hi> an Gewehr<lb/>
zu dem vorhabenden Pu&#x0364;r&#x017F;chen fer-<lb/>
tig hat; Wird nach Befragen des<lb/>
Ja&#x0364;ger-Mei&#x017F;ters das Lauff- oder Qver-<lb/>
Tuch auffgezogen und die Hetz-Hunde<lb/>
in ihre Schirme vertheilet; Dann verfu&#x0364;-<lb/>
get &#x017F;ich die &#x017F;a&#x0364;mtliche Ja&#x0364;gerey dem Schirm<lb/>
gegen u&#x0364;ber an den rechten Flu&#x0364;gel gegen<lb/>
der Herr&#x017F;chafft zu, und &#x017F;tellen &#x017F;ich in<lb/>
Ordnung neben einander in drey Glie-<lb/>
der nach deren Rang und <hi rendition="#aq">Charge,</hi> mit<lb/>
Wald-Ru&#x0364;den und Hifft-Ho&#x0364;rner, in<lb/>
gru&#x0364;ner mit Gold und Silber reich-<hi rendition="#aq">bor-<lb/>
dierter Livree,</hi> Hornfe&#x017F;&#x017F;eln, und Hir&#x017F;ch-<lb/><cb/>
fa&#x0364;ngern, und erwarten aller&#x017F;eits, wann<lb/>
es der Herr&#x017F;chafft gelegen, durch ein<lb/>
Zeichen dero Befehl: So nun gewincket<lb/>
worden, alsdann wird von der Ja&#x0364;ge-<lb/>
rey durch die gro&#x017F;&#x017F;e und kleine Ho&#x0364;rner<lb/>
angefangen zu bla&#x017F;en, und hierauff bey<lb/>
der Hir&#x017F;ch-Fei&#x017F;te-Zeit mit dem gewo&#x0364;hn-<lb/>
lichen Wald-Ge&#x017F;chrey <hi rendition="#fr">Ja ha ha, ja ha,</hi><lb/>
bey der Schwein-Hatz aber, <hi rendition="#fr">ho, Ri do,<lb/>
ho ha ho,</hi> &#x017F;o aus hellem Halß ge&#x017F;chrie-<lb/>
en wird, in &#x017F;olcher Ordnung mit ent-<lb/>
blo&#x0364;&#x017F;tem Haupt den Huth unter dem Arm<lb/>
habend, zu Holtze gezogen. Hinter die-<lb/>
&#x017F;er Ja&#x0364;gerey werden die Jagd-Hunde<lb/>
von Bauern gefu&#x0364;hret, da der Pur&#x017F;ch<lb/>
bey den Hunden vor ihnen hergehet,<lb/>
und <hi rendition="#aq">continuir</hi>en ihren Laut zu Holtze hin-<lb/>
ein biß hinter die Qvere, wo des Jagens<lb/>
Rundung i&#x017F;t. Alsdann vertheilen &#x017F;ie<lb/>
&#x017F;ich ins Treiben von einander; Dann<lb/>
werden die Wald- und Flu&#x0364;gel-Ho&#x0364;rner<lb/>
auff gewo&#x0364;hnliche <hi rendition="#aq">Po&#x017F;t</hi>en gebla&#x017F;en, und<lb/>
dasjenige, was von Hir&#x017F;chen an&#x017F;ichtig ge-<lb/>
worden, mit dem gewo&#x0364;hnlichen <hi rendition="#fr">Juch<lb/>
Hir&#x017F;ch</hi> ange&#x017F;chrieen, darauff alsbald die<lb/>
Jagd-Hunde gelo&#x0364;&#x017F;et, und den&#x017F;elben zu-<lb/>
ge&#x017F;chrien wird, umb damit das Wild-<lb/>
pra&#x0364;th im Jagen rege zu machen, damit<lb/>
es auff den Laufft flu&#x0364;chtig ge&#x017F;prenget<lb/>
komme. Das Ober-<hi rendition="#aq">Directorium</hi> bey<lb/>
&#x017F;olcher Jagd hat der Ober-Ja&#x0364;ger-Mei-<lb/>
&#x017F;ter, welcher &#x017F;ich, wann die Ja&#x0364;gerey zu<lb/>
Holtze gezogen, an das Quer-Tuch zum<lb/>
rechten Flu&#x0364;gel <hi rendition="#aq">po&#x017F;tir</hi>et, der Land-Ja&#x0364;ger-<lb/>
Mei&#x017F;ter aber an das Qver-Tuch auff<lb/>
den lincken Flu&#x0364;gel, derer Jeder einen<lb/>
Ober-For&#x017F;t-Mei&#x017F;ter und Ober-Ja&#x0364;ger-<lb/>
Mei&#x017F;ter bey &#x017F;ich haben muß. Wann<lb/>
nun das Roth-Wild <hi rendition="#aq">Troupp-</hi>wei&#x017F;e<lb/>
durchs Qver-Tuch, und darunter &#x017F;tarcke<lb/>
jagdbahre Hir&#x017F;che, oder gantze Rudel<lb/>
Sauen, darunter Haupt-Schweine &#x017F;ind,<lb/>
herauskommen, und vorlauffen, werden<lb/>
bey deren An&#x017F;icht die&#x017F;elben durch Flu&#x0364;-<lb/>
gel-Ho&#x0364;rner angebla&#x017F;en, zuweilen auch<lb/>
durch Trompetten und Paucken bewill-<lb/>
kommet und angemeldet, damit die Herr-<lb/>
&#x017F;chafft de&#x017F;to be&#x017F;&#x017F;er achtung gebe. Was nun<lb/>
bey dem Schirm vo&#xA75B;bey <hi rendition="#aq">pas&#x017F;ir</hi>et, daß wird<lb/>
von der Herr&#x017F;chafft im Voru&#x0364;berlauf-<lb/>
fen gepu&#x0364;r&#x017F;chet, daß mei&#x017F;tentheils Knall<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">und</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[278/0426] Fuͤnffter Theil/ die Trompeter und Paucker kommen, ſo iſt alles parat und fertig. Die Jagd-Hautboiſten werden meiſt in dem Schirm nach der Herrſchafft, oder wenig- ſtens nicht weit davon logiret. Vom Abjagen und Ausſchieſſen. Wann es nun der Herrſchafft ange- meldet worden iſt, daß alles parat gehal- ten, und fertig ſey, und nur auf Dero Befehl beruhe; So ruͤſtet ſich ein Jeder von der Hoffſtatt vom groͤſten biß zum kleinſten: Die Kuͤchen- und Keller-Wa- gen fahren voraus, und kehren, wenn es kalt, in dem nechſten Ambts- oder Forſt-Hauſe ein, oder ſchlagen ihr La- ger bey warmer Sommers-Zeit, an ei- nen luſtigen ſchattigten Ort, wo es ih- nen befohlen worden, auf, und halten indeſſen alles parat, kochen, ſieden und brathen. Die Kellerey ſpiehlet die Will- kommen, und Geſundheit-Glaͤſſer rein aus, ſortiret der Herrſchafft Mund- Weine und ander Getraͤncke; Der Can- diter ordiniret ſeine Confecturen, oder Jahres-Fruͤchte und Gewaͤchſe, Limo- naden, und andere Kuͤhl-Traͤncke; Jn Summa dieſe Sachen muͤſſen alle parat gehalten, und vorhero fertig ſeyn, daß ſo balde das Jagen zu Ende, und der Herrſchafft Appetit ankommet, es ſo- dann an nichts fehlen moͤge, ſondern bey dem Koch und Keller alles uͤberfluͤßig verhanden ſey. Wann nun die Herr- ſchafft nach der Jahres-Zeit ſich jaͤgeriſch angezogen, mit der Gemahlin, frembder Herrſchafft, loͤblichem Frauenzimmer, und ſaͤmbtlichen Hoffſtatt, in groſſer Svi- te mit Caroſſen gefahren, theils auch ge- ritten ankommen, ſodann abgeſtiegen, und ſich in den Schirm verfuͤget hat, da dann auf die vielerley Wagen, hauſſen herumb, wie leicht zu dencken, viele Zuſchauer auffſteigen, und die Herr- ſchafft ihre Præparatoria an Gewehr zu dem vorhabenden Puͤrſchen fer- tig hat; Wird nach Befragen des Jaͤger-Meiſters das Lauff- oder Qver- Tuch auffgezogen und die Hetz-Hunde in ihre Schirme vertheilet; Dann verfuͤ- get ſich die ſaͤmtliche Jaͤgerey dem Schirm gegen uͤber an den rechten Fluͤgel gegen der Herrſchafft zu, und ſtellen ſich in Ordnung neben einander in drey Glie- der nach deren Rang und Charge, mit Wald-Ruͤden und Hifft-Hoͤrner, in gruͤner mit Gold und Silber reich-bor- dierter Livree, Hornfeſſeln, und Hirſch- faͤngern, und erwarten allerſeits, wann es der Herrſchafft gelegen, durch ein Zeichen dero Befehl: So nun gewincket worden, alsdann wird von der Jaͤge- rey durch die groſſe und kleine Hoͤrner angefangen zu blaſen, und hierauff bey der Hirſch-Feiſte-Zeit mit dem gewoͤhn- lichen Wald-Geſchrey Ja ha ha, ja ha, bey der Schwein-Hatz aber, ho, Ri do, ho ha ho, ſo aus hellem Halß geſchrie- en wird, in ſolcher Ordnung mit ent- bloͤſtem Haupt den Huth unter dem Arm habend, zu Holtze gezogen. Hinter die- ſer Jaͤgerey werden die Jagd-Hunde von Bauern gefuͤhret, da der Purſch bey den Hunden vor ihnen hergehet, und continuiren ihren Laut zu Holtze hin- ein biß hinter die Qvere, wo des Jagens Rundung iſt. Alsdann vertheilen ſie ſich ins Treiben von einander; Dann werden die Wald- und Fluͤgel-Hoͤrner auff gewoͤhnliche Poſten geblaſen, und dasjenige, was von Hirſchen anſichtig ge- worden, mit dem gewoͤhnlichen Juch Hirſch angeſchrieen, darauff alsbald die Jagd-Hunde geloͤſet, und denſelben zu- geſchrien wird, umb damit das Wild- praͤth im Jagen rege zu machen, damit es auff den Laufft fluͤchtig geſprenget komme. Das Ober-Directorium bey ſolcher Jagd hat der Ober-Jaͤger-Mei- ſter, welcher ſich, wann die Jaͤgerey zu Holtze gezogen, an das Quer-Tuch zum rechten Fluͤgel poſtiret, der Land-Jaͤger- Meiſter aber an das Qver-Tuch auff den lincken Fluͤgel, derer Jeder einen Ober-Forſt-Meiſter und Ober-Jaͤger- Meiſter bey ſich haben muß. Wann nun das Roth-Wild Troupp-weiſe durchs Qver-Tuch, und darunter ſtarcke jagdbahre Hirſche, oder gantze Rudel Sauen, darunter Haupt-Schweine ſind, herauskommen, und vorlauffen, werden bey deren Anſicht dieſelben durch Fluͤ- gel-Hoͤrner angeblaſen, zuweilen auch durch Trompetten und Paucken bewill- kommet und angemeldet, damit die Herr- ſchafft deſto beſſer achtung gebe. Was nun bey dem Schirm voꝛbey pasſiret, daß wird von der Herrſchafft im Voruͤberlauf- fen gepuͤrſchet, daß meiſtentheils Knall und

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719/426
Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719, S. 278. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719/426>, abgerufen am 22.05.2019.