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Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719.

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zur Jägerey gehörigen Materien.
[Spaltenumbruch] Fisci, welche, wie gedacht in viertzig Jah-
ren praescribirt werden. So bin ich da-
hero dieser unvorgreifflichen Meynung,
daß, wann ein Edelmann die Jagden in
seinen Lehn-Briefen hat, und er lange
Jahre die Ober-Jagden nicht mit Ge-
walt, nicht heimlich, nicht bittweise ex-
ercir
et, derselbe in Possessorio zu schützen
sey, biß in Petitorio ein anders ausge-
führet worden. Jedoch will hierdurch
[Spaltenumbruch] denen Landes-Herrn, an ihrer Hoheit kei-
nesweges praejudiciret, sondern nur die-
ses zu dem Ende angeführet haben, da-
mit gleichwohl getreue Vasalli und Un-
terthanen nicht sofort auf der Forst-Be-
dienten blosses Angeben ihrer so lang ge-
habten Possession beraubet, sondern wie-
der sie ordentlich verfahren, und sie mit
ihrer Nothdurfft zur Gnüge gehöret
werden mögen.

MERCKELBACHII
Consilium XXX.
Jnhalt.
Ob man das Wild, so die Wiesen und Felder verdirht, todt schlagen dürfe?
Und ob diejenigen, so die Jagden verbiethen, gehalten seyn, zur Erse-
tzung des Schadens, der durch das viele Wild verursachet worden.
[Spaltenumbruch]

DEs Hochwürdigen in GOtt Herrn,
Herrn Petern des freyen Königli-
chen Stiffts Salmans, weyl. Abden und
Praelaten, wie auch den Edlen, Ehrenve-
sten, Fürsichtigen und Wohlweisen Herrn
Bürgermeister und Rath der dreyen
Städte Costnitz, Uberlingen und Pfüln-
dorf Unterthanen hintersessene Lehn- und
Leibeigene Leute beklagen sich vielfältig,
daß ihnen durch das Fürstenbergische in
der Graffschafft Heiligenberg überflüßig
auffgezieltes hochschädliches Roth- und
Schwartz-Wildpräth an der lieben ver-
mittelst GOTTes Seegen bescherten
Frucht, auch Wiesewachs mit Devasta-
tion,
Verhegung, Vertretung, Abfres-
sung und Umwühlung ein unaussprech-
licher Schade geschehe.

Da nun wohl Hochg. Praelate nebst
Ehrg. löbl. Städten in Septembri anno
1608. sodann den 7. Julii dieses lauffen-
den 1609. Jahres den Wohlgebohrnen
Herrn, Herrn Friedrichen, Grafen zu
Fürstenberg und Heiligenberg etc. durch
Schreiben respective freundlich und un-
terthänigst ersucht, die Anordnung zu
thun, damit die armen Leute mit dem
gehäufften Wildpräth ferner verschonet
bleiben mögten, so hat doch wohlermeld-
ter Graff ausserhalb eines blossen ertheil-
ten Recepisse mehr Hochgedachten Herrn
Praelaten, und ihrer Gel. Consorten, mit
keiner Antwort würdigen, vielweniger
in solchem billigmäßigen Suchen willfah-
ren wollen; Dannenhero eine Zeit her
das häufig zunehmende und sich meh-
rende, sonderlich das schwartz Wildpräth
weder auf die Hüter, noch Hund, in An-
[Spaltenumbruch] sehung dieselben die kleinen und grossen
Hunde durch die Heiligenbergische Forst-
knechte gleich erschossen, etwas geben,
sondern in grosser Anzahl ungescheuet
die Wiesen und besamete Aecker umkeh-
ren, einreissen und in Grund verwüsten,
wie denn nicht weniger es den Wein-
gärtnern ebenmäßig sich nähern thut,
alles zu äusersten Verderben der armen
Unterthanen, ist derowegen die Frage:

Erstlich, welches nützlicher und verant-
wortlicher wäre, mit dem Herrn Grafen
hierüber zu rechten und zu fechten, oder
das Wildpräth de Facto auf den Scha-
den niederzuschiessen, liegen zu lassen und
so einer des Herrn Consulenten Ange-
hörige wieder ledig gelassen, oder ihnen
die abgenommenen Straffen restituiret
worden? Zum andern: Ob man nicht
gleich zu mahl rechten und fechten mö-
ge? Drittens, wenn man nun rechten
solte, wie und wo es anzugreiffen, weil
gleichwohl Salman, Uberlingen und
Pfüllendorff Stände des Reichs, aber die
Reichs-Städte gegen Grafen und Herrn
keine, aber nur Salman die Austräge
hat, Costnitz aber nur eine Oesterreichische
Stadt desmahls ist, was vor eine Kla-
ge anzustellen, und wie das Klag-Libell
ungefähr zu formiren sey, und wohin
die Petitio zu stellen, weil ja schwerlich
ein Maaß der Wildfuhr kan fürgeschrie-
ben werden! Wessen sich inzwischen, daß
man rechtet, die beschädigten armen Leu-
te mit Zeunen, Hagen einschlagen und
erfinden, auch Tag und Nacht Hut-
oder Haltung der Hunde (die man ih-
nen ex adverso freylich nicht gestatten,

sondern

zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien.
[Spaltenumbruch] Fiſci, welche, wie gedacht in viertzig Jah-
ren præſcribirt werden. So bin ich da-
hero dieſer unvorgreifflichen Meynung,
daß, wann ein Edelmann die Jagden in
ſeinen Lehn-Briefen hat, und er lange
Jahre die Ober-Jagden nicht mit Ge-
walt, nicht heimlich, nicht bittweiſe ex-
ercir
et, derſelbe in Poſſeſſorio zu ſchuͤtzen
ſey, biß in Petitorio ein anders ausge-
fuͤhret worden. Jedoch will hierdurch
[Spaltenumbruch] denen Landes-Herrn, an ihrer Hoheit kei-
nesweges præjudiciret, ſondern nur die-
ſes zu dem Ende angefuͤhret haben, da-
mit gleichwohl getreue Vaſalli und Un-
terthanen nicht ſofort auf der Forſt-Be-
dienten bloſſes Angeben ihrer ſo lang ge-
habten Poſſeſſion beraubet, ſondern wie-
der ſie ordentlich verfahren, und ſie mit
ihrer Nothdurfft zur Gnuͤge gehoͤret
werden moͤgen.

MERCKELBACHII
Conſilium XXX.
Jnhalt.
Ob man das Wild, ſo die Wieſen und Felder verdirht, todt ſchlagen duͤrfe?
Und ob diejenigen, ſo die Jagden verbiethen, gehalten ſeyn, zur Erſe-
tzung des Schadens, der durch das viele Wild verurſachet worden.
[Spaltenumbruch]

DEs Hochwuͤrdigen in GOtt Herrn,
Herrn Petern des freyen Koͤnigli-
chen Stiffts Salmans, weyl. Abden und
Prælaten, wie auch den Edlen, Ehrenve-
ſten, Fuͤrſichtigen und Wohlweiſen Herrn
Buͤrgermeiſter und Rath der dreyen
Staͤdte Coſtnitz, Uberlingen und Pfuͤln-
dorf Unterthanen hinterſeſſene Lehn- und
Leibeigene Leute beklagen ſich vielfaͤltig,
daß ihnen durch das Fuͤrſtenbergiſche in
der Graffſchafft Heiligenberg uͤberfluͤßig
auffgezieltes hochſchaͤdliches Roth- und
Schwartz-Wildpraͤth an der lieben ver-
mittelſt GOTTes Seegen beſcherten
Frucht, auch Wieſewachs mit Devaſta-
tion,
Verhegung, Vertretung, Abfreſ-
ſung und Umwuͤhlung ein unausſprech-
licher Schade geſchehe.

Da nun wohl Hochg. Prælate nebſt
Ehrg. loͤbl. Staͤdten in Septembri anno
1608. ſodann den 7. Julii dieſes lauffen-
den 1609. Jahres den Wohlgebohrnen
Herrn, Herrn Friedrichen, Grafen zu
Fuͤrſtenberg und Heiligenberg ꝛc. durch
Schreiben reſpective freundlich und un-
terthaͤnigſt erſucht, die Anordnung zu
thun, damit die armen Leute mit dem
gehaͤufften Wildpraͤth ferner verſchonet
bleiben moͤgten, ſo hat doch wohlermeld-
ter Graff auſſerhalb eines bloſſen ertheil-
ten Recepiſſe mehr Hochgedachten Herrn
Prælaten, und ihrer Gel. Conſorten, mit
keiner Antwort wuͤrdigen, vielweniger
in ſolchem billigmaͤßigen Suchen willfah-
ren wollen; Dannenhero eine Zeit her
das haͤufig zunehmende und ſich meh-
rende, ſonderlich das ſchwartz Wildpraͤth
weder auf die Huͤter, noch Hund, in An-
[Spaltenumbruch] ſehung dieſelben die kleinen und groſſen
Hunde durch die Heiligenbergiſche Forſt-
knechte gleich erſchoſſen, etwas geben,
ſondern in groſſer Anzahl ungeſcheuet
die Wieſen und beſamete Aecker umkeh-
ren, einreiſſen und in Grund verwuͤſten,
wie denn nicht weniger es den Wein-
gaͤrtnern ebenmaͤßig ſich naͤhern thut,
alles zu aͤuſerſten Verderben der armen
Unterthanen, iſt derowegen die Frage:

Erſtlich, welches nuͤtzlicher und verant-
wortlicher waͤre, mit dem Herrn Grafen
hieruͤber zu rechten und zu fechten, oder
das Wildpraͤth de Facto auf den Scha-
den niederzuſchieſſen, liegen zu laſſen und
ſo einer des Herrn Conſulenten Ange-
hoͤrige wieder ledig gelaſſen, oder ihnen
die abgenommenen Straffen reſtituiret
worden? Zum andern: Ob man nicht
gleich zu mahl rechten und fechten moͤ-
ge? Drittens, wenn man nun rechten
ſolte, wie und wo es anzugreiffen, weil
gleichwohl Salman, Uberlingen und
Pfuͤllendorff Staͤnde des Reichs, aber die
Reichs-Staͤdte gegen Grafen und Herrn
keine, aber nur Salman die Austraͤge
hat, Coſtnitz aber nur eine Oeſterreichiſche
Stadt desmahls iſt, was vor eine Kla-
ge anzuſtellen, und wie das Klag-Libell
ungefaͤhr zu formiren ſey, und wohin
die Petitio zu ſtellen, weil ja ſchwerlich
ein Maaß der Wildfuhr kan fuͤrgeſchrie-
ben werden! Weſſen ſich inzwiſchen, daß
man rechtet, die beſchaͤdigten armen Leu-
te mit Zeunen, Hagen einſchlagen und
erfinden, auch Tag und Nacht Hut-
oder Haltung der Hunde (die man ih-
nen ex adverſo freylich nicht geſtatten,

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[95/0669] zur Jaͤgerey gehoͤrigen Materien. Fiſci, welche, wie gedacht in viertzig Jah- ren præſcribirt werden. So bin ich da- hero dieſer unvorgreifflichen Meynung, daß, wann ein Edelmann die Jagden in ſeinen Lehn-Briefen hat, und er lange Jahre die Ober-Jagden nicht mit Ge- walt, nicht heimlich, nicht bittweiſe ex- erciret, derſelbe in Poſſeſſorio zu ſchuͤtzen ſey, biß in Petitorio ein anders ausge- fuͤhret worden. Jedoch will hierdurch denen Landes-Herrn, an ihrer Hoheit kei- nesweges præjudiciret, ſondern nur die- ſes zu dem Ende angefuͤhret haben, da- mit gleichwohl getreue Vaſalli und Un- terthanen nicht ſofort auf der Forſt-Be- dienten bloſſes Angeben ihrer ſo lang ge- habten Poſſeſſion beraubet, ſondern wie- der ſie ordentlich verfahren, und ſie mit ihrer Nothdurfft zur Gnuͤge gehoͤret werden moͤgen. MERCKELBACHII Conſilium XXX. Jnhalt. Ob man das Wild, ſo die Wieſen und Felder verdirht, todt ſchlagen duͤrfe? Und ob diejenigen, ſo die Jagden verbiethen, gehalten ſeyn, zur Erſe- tzung des Schadens, der durch das viele Wild verurſachet worden. DEs Hochwuͤrdigen in GOtt Herrn, Herrn Petern des freyen Koͤnigli- chen Stiffts Salmans, weyl. Abden und Prælaten, wie auch den Edlen, Ehrenve- ſten, Fuͤrſichtigen und Wohlweiſen Herrn Buͤrgermeiſter und Rath der dreyen Staͤdte Coſtnitz, Uberlingen und Pfuͤln- dorf Unterthanen hinterſeſſene Lehn- und Leibeigene Leute beklagen ſich vielfaͤltig, daß ihnen durch das Fuͤrſtenbergiſche in der Graffſchafft Heiligenberg uͤberfluͤßig auffgezieltes hochſchaͤdliches Roth- und Schwartz-Wildpraͤth an der lieben ver- mittelſt GOTTes Seegen beſcherten Frucht, auch Wieſewachs mit Devaſta- tion, Verhegung, Vertretung, Abfreſ- ſung und Umwuͤhlung ein unausſprech- licher Schade geſchehe. Da nun wohl Hochg. Prælate nebſt Ehrg. loͤbl. Staͤdten in Septembri anno 1608. ſodann den 7. Julii dieſes lauffen- den 1609. Jahres den Wohlgebohrnen Herrn, Herrn Friedrichen, Grafen zu Fuͤrſtenberg und Heiligenberg ꝛc. durch Schreiben reſpective freundlich und un- terthaͤnigſt erſucht, die Anordnung zu thun, damit die armen Leute mit dem gehaͤufften Wildpraͤth ferner verſchonet bleiben moͤgten, ſo hat doch wohlermeld- ter Graff auſſerhalb eines bloſſen ertheil- ten Recepiſſe mehr Hochgedachten Herrn Prælaten, und ihrer Gel. Conſorten, mit keiner Antwort wuͤrdigen, vielweniger in ſolchem billigmaͤßigen Suchen willfah- ren wollen; Dannenhero eine Zeit her das haͤufig zunehmende und ſich meh- rende, ſonderlich das ſchwartz Wildpraͤth weder auf die Huͤter, noch Hund, in An- ſehung dieſelben die kleinen und groſſen Hunde durch die Heiligenbergiſche Forſt- knechte gleich erſchoſſen, etwas geben, ſondern in groſſer Anzahl ungeſcheuet die Wieſen und beſamete Aecker umkeh- ren, einreiſſen und in Grund verwuͤſten, wie denn nicht weniger es den Wein- gaͤrtnern ebenmaͤßig ſich naͤhern thut, alles zu aͤuſerſten Verderben der armen Unterthanen, iſt derowegen die Frage: Erſtlich, welches nuͤtzlicher und verant- wortlicher waͤre, mit dem Herrn Grafen hieruͤber zu rechten und zu fechten, oder das Wildpraͤth de Facto auf den Scha- den niederzuſchieſſen, liegen zu laſſen und ſo einer des Herrn Conſulenten Ange- hoͤrige wieder ledig gelaſſen, oder ihnen die abgenommenen Straffen reſtituiret worden? Zum andern: Ob man nicht gleich zu mahl rechten und fechten moͤ- ge? Drittens, wenn man nun rechten ſolte, wie und wo es anzugreiffen, weil gleichwohl Salman, Uberlingen und Pfuͤllendorff Staͤnde des Reichs, aber die Reichs-Staͤdte gegen Grafen und Herrn keine, aber nur Salman die Austraͤge hat, Coſtnitz aber nur eine Oeſterreichiſche Stadt desmahls iſt, was vor eine Kla- ge anzuſtellen, und wie das Klag-Libell ungefaͤhr zu formiren ſey, und wohin die Petitio zu ſtellen, weil ja ſchwerlich ein Maaß der Wildfuhr kan fuͤrgeſchrie- ben werden! Weſſen ſich inzwiſchen, daß man rechtet, die beſchaͤdigten armen Leu- te mit Zeunen, Hagen einſchlagen und erfinden, auch Tag und Nacht Hut- oder Haltung der Hunde (die man ih- nen ex adverſo freylich nicht geſtatten, ſondern

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Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719, S. 95. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719/669>, abgerufen am 20.07.2019.