Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719.

Bild:
<< vorherige Seite

Von der Erden.
[Spaltenumbruch] Blätter, an den Wurtzeln viele Knothen,
und wird bey 2. Spannen hoch. Wann
Jemand aus einem Hause, der ein Erb
desselben ist, es sey Vater, Mutter, Sohn
oder Tochter, auf einer Reise begriffen,
und über bestimmte Zeit aussen bleibet,
man auch keine Nachricht seinetwegen
haben mag, wie es umb ihn stehe, ob er
lebendig, oder tod, so bricht man ea in-
tentione
einen Stengel von diesem Kraut,
und stecket ihn an einen Ort unter des
Hauses Dach, ist es nun Sache, daß die
verreisete Person noch am Leben, so fä-
het ein solcher abgebrochener Stengel an,
bey einer Hand lang fortzuwachsen, blei-
bet auch eine Zeitlang grün, und gewin-
net von oben aus neue Blättlein, die
untersten aber beginnen gemehlich zu
verwelcken, in contrario aber verwel-
cket das gantze Kraut alsogleich.

No. 106.
Welsch Wegerich/ Plantago Italica.

Wächset an sumpffigten Orten, hat
kleine schmale Blätter, welche auff der
Erden umher gebreitet, einen runden
Stengel anderthalb Spannen hoch, dar-
an lichtgrüne Blümlein als kleine Glöck-
lein hangen; Hat seinen sonderbahren
Nutzen in- und äuserlich in Verwundung
und Geschwüren, Durchlauff und Blut-
speyen verletzter Lunge, kühlet die Leber,
dienet in Schwind- und Wasser-Sucht,
[Spaltenumbruch] tödtet die Würme, treibet den Stein,
dienet wider den Gifft, und gifftige Bisse.

No. 107.
Weiß Biber-Klee.

Dieses Kraut wächset an schattichten
und feuchten Orten, hat 5. biß 6. dicke
glatte dunckelgrüne Blätter, einen Sten-
gel, an welchem oben schöne weisse wohl-
riechende Blümlein gleich denen Meyen-
Blümlein hervor kommen; Jst gut in
frischen Wunden, trocknet und zi[e]het zu-
sammen, säubert und heilet auch die al-
ten Schäden, vertreibet den Scharbock,
dienet in Engbrüstigkeit, Husten und
Keichen, erfrischet Lunge und Leber, wird
in- und äuserlich zu Wund-Träncken und
Pflastern sehr gebrauchet.

No. 108.
Klein Mäuß-Oehrlein/ Pilosella
minor.

Jst ein zartes rauches Kräutlein, des-
sen Blätter oben länglicht rund, grün und
ein wenig rauch sind, breiten sich zum theil
auf der Erden herum, trägt im Mayen
und Junio am Gipffel des Stengels
weisse oder röthliche knöpffigte Blüm-
lein, so fast wie eine Wolle stehen; Es
wächset gerne auf dürren sandigten Hü-
geln und Bergen. Dieses Kräutlein küh-
let, trucknet, ziehet zusammen und hei-
let, thut sonderlich gut der verletzten
Lungen und denen, die Blut speyen.

Von dem Kräuter-Mann.
[Spaltenumbruch]

Dieses wären nun also die wenigen
Kräuter und Wurtzeln, deren sich die
wilden Thiere zu ihrer Leibes-Nahrung
bedienen; wiewohl deren unläugbar ei-
nige noch kräfftigere und bessere zu fin-
den seyn mögen, welche uns Menschen
aber nicht allzeit bekant. Die Jahres-
Zeit betreffende, ist wohl notorisch, daß
solche zu suchen nach der Jahres-Witte-
rung, grössern oder geringern Frucht-
barkeit, Dürre oder Nässe, Wärme oder
Kälte, harten oder weichen Lufft, einer
[Spaltenumbruch] zeitlichern oder späteren wachsenden
Frucht der Erden, welche nechst Göttli-
chem Seegen das meiste darbey thun.
Gemeiniglich aber hält man davor, daß
vom May, biß auff den August die beste
Zeit die Kräuter zu sammlen sey. Wor-
bey noch dieses letztens zu erinnern, es
wolle ein jeder Kräuter-Begieriger bey
währendem Suchen keine abergläubische
Mittel gebrauchen, maassen solches nur
Fallstricke des Teuffels sind, und zu nichts
helffen.

Von denen Jrrwischen.
[Spaltenumbruch]

Es möchte sich vielleicht unser im rau-
hen Klippen-Gebürge sich verweilender
begieriger Kräuter-Mann biß in die späte
Nacht auffgehalten und verirret haben,
unter sich im Thal aber einiges Licht er-
blicken, dahero, in Hoffnung Jemand an-
zutreffen, der daselbst wohne oder wande-
[Spaltenumbruch] re, demselben nacheylen, wodurch er aber
schändlich verführet und entweder vom
Felsen herab in tieffe Klüffte verfallen,
oder aber in Morast zu stecken gerathen
könte, dahero schlüßlich muthmassen
solte, ob rühre dieses vom Satan her,
so aber keinesweges geschiehet, weiln die

Jrrwi-

Von der Erden.
[Spaltenumbruch] Blaͤtter, an den Wurtzeln viele Knothen,
und wird bey 2. Spannen hoch. Wann
Jemand aus einem Hauſe, der ein Erb
deſſelben iſt, es ſey Vater, Mutter, Sohn
oder Tochter, auf einer Reiſe begriffen,
und uͤber beſtimmte Zeit auſſen bleibet,
man auch keine Nachricht ſeinetwegen
haben mag, wie es umb ihn ſtehe, ob er
lebendig, oder tod, ſo bricht man ea in-
tentione
einen Stengel von dieſem Kraut,
und ſtecket ihn an einen Ort unter des
Hauſes Dach, iſt es nun Sache, daß die
verreiſete Perſon noch am Leben, ſo faͤ-
het ein ſolcher abgebrochener Stengel an,
bey einer Hand lang fortzuwachſen, blei-
bet auch eine Zeitlang gruͤn, und gewin-
net von oben aus neue Blaͤttlein, die
unterſten aber beginnen gemehlich zu
verwelcken, in contrario aber verwel-
cket das gantze Kraut alſogleich.

No. 106.
Welſch Wegerich/ Plantago Italica.

Waͤchſet an ſumpffigten Orten, hat
kleine ſchmale Blaͤtter, welche auff der
Erden umher gebreitet, einen runden
Stengel anderthalb Spannen hoch, dar-
an lichtgruͤne Bluͤmlein als kleine Gloͤck-
lein hangen; Hat ſeinen ſonderbahren
Nutzen in- und aͤuſerlich in Verwundung
und Geſchwuͤren, Durchlauff und Blut-
ſpeyen verletzter Lunge, kuͤhlet die Leber,
dienet in Schwind- und Waſſer-Sucht,
[Spaltenumbruch] toͤdtet die Wuͤrme, treibet den Stein,
dienet wider den Gifft, und gifftige Biſſe.

No. 107.
Weiß Biber-Klee.

Dieſes Kraut waͤchſet an ſchattichten
und feuchten Orten, hat 5. biß 6. dicke
glatte dunckelgruͤne Blaͤtter, einen Sten-
gel, an welchem oben ſchoͤne weiſſe wohl-
riechende Bluͤmlein gleich denen Meyen-
Bluͤmlein hervor kommen; Jſt gut in
friſchen Wunden, trocknet und zi[e]het zu-
ſammen, ſaͤubert und heilet auch die al-
ten Schaͤden, vertreibet den Scharbock,
dienet in Engbruͤſtigkeit, Huſten und
Keichen, erfriſchet Lunge und Leber, wird
in- und aͤuſerlich zu Wund-Traͤncken und
Pflaſtern ſehr gebrauchet.

No. 108.
Klein Maͤuß-Oehrlein/ Piloſella
minor.

Jſt ein zartes rauches Kraͤutlein, deſ-
ſen Blaͤtteꝛ oben laͤnglicht rund, gruͤn und
ein wenig rauch ſind, bꝛeiten ſich zum theil
auf der Erden herum, traͤgt im Mayen
und Junio am Gipffel des Stengels
weiſſe oder roͤthliche knoͤpffigte Bluͤm-
lein, ſo faſt wie eine Wolle ſtehen; Es
waͤchſet gerne auf duͤrren ſandigten Huͤ-
geln und Bergen. Dieſes Kraͤutlein kuͤh-
let, trucknet, ziehet zuſammen und hei-
let, thut ſonderlich gut der verletzten
Lungen und denen, die Blut ſpeyen.

Von dem Kraͤuter-Mann.
[Spaltenumbruch]

Dieſes waͤren nun alſo die wenigen
Kraͤuter und Wurtzeln, deren ſich die
wilden Thiere zu ihrer Leibes-Nahrung
bedienen; wiewohl deren unlaͤugbar ei-
nige noch kraͤfftigere und beſſere zu fin-
den ſeyn moͤgen, welche uns Menſchen
aber nicht allzeit bekant. Die Jahres-
Zeit betreffende, iſt wohl notoriſch, daß
ſolche zu ſuchen nach der Jahres-Witte-
rung, groͤſſern oder geringern Frucht-
barkeit, Duͤrre oder Naͤſſe, Waͤrme oder
Kaͤlte, harten oder weichen Lufft, einer
[Spaltenumbruch] zeitlichern oder ſpaͤteren wachſenden
Frucht der Erden, welche nechſt Goͤttli-
chem Seegen das meiſte darbey thun.
Gemeiniglich aber haͤlt man davor, daß
vom May, biß auff den Auguſt die beſte
Zeit die Kraͤuter zu ſammlen ſey. Wor-
bey noch dieſes letztens zu erinnern, es
wolle ein jeder Kraͤuter-Begieriger bey
waͤhrendem Suchen keine aberglaͤubiſche
Mittel gebrauchen, maaſſen ſolches nur
Fallſtricke des Teuffels ſind, und zu nichts
helffen.

Von denen Jrrwiſchen.
[Spaltenumbruch]

Es moͤchte ſich vielleicht unſer im rau-
hen Klippen-Gebuͤrge ſich verweilender
begieriger Kraͤuter-Mann biß in die ſpaͤte
Nacht auffgehalten und verirret haben,
unter ſich im Thal aber einiges Licht er-
blicken, dahero, in Hoffnung Jemand an-
zutreffen, der daſelbſt wohne oder wande-
[Spaltenumbruch] re, demſelben nacheylen, wodurch er aber
ſchaͤndlich verfuͤhret und entweder vom
Felſen herab in tieffe Kluͤffte verfallen,
oder aber in Moraſt zu ſtecken gerathen
koͤnte, dahero ſchluͤßlich muthmaſſen
ſolte, ob ruͤhre dieſes vom Satan her,
ſo aber keinesweges geſchiehet, weiln die

Jrrwi-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0075" n="15"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Von der Erden.</hi></fw><lb/><cb/>
Bla&#x0364;tter, an den Wurtzeln viele Knothen,<lb/>
und wird bey 2. Spannen hoch. Wann<lb/>
Jemand aus einem Hau&#x017F;e, der ein Erb<lb/>
de&#x017F;&#x017F;elben i&#x017F;t, es &#x017F;ey Vater, Mutter, Sohn<lb/>
oder Tochter, auf einer Rei&#x017F;e begriffen,<lb/>
und u&#x0364;ber be&#x017F;timmte Zeit au&#x017F;&#x017F;en bleibet,<lb/>
man auch keine Nachricht &#x017F;einetwegen<lb/>
haben mag, wie es umb ihn &#x017F;tehe, ob er<lb/>
lebendig, oder tod, &#x017F;o bricht man <hi rendition="#aq">ea in-<lb/>
tentione</hi> einen Stengel von die&#x017F;em Kraut,<lb/>
und &#x017F;tecket ihn an einen Ort unter des<lb/>
Hau&#x017F;es Dach, i&#x017F;t es nun Sache, daß die<lb/>
verrei&#x017F;ete Per&#x017F;on noch am Leben, &#x017F;o fa&#x0364;-<lb/>
het ein &#x017F;olcher abgebrochener Stengel an,<lb/>
bey einer Hand lang fortzuwach&#x017F;en, blei-<lb/>
bet auch eine Zeitlang gru&#x0364;n, und gewin-<lb/>
net von oben aus neue Bla&#x0364;ttlein, die<lb/>
unter&#x017F;ten aber beginnen gemehlich zu<lb/>
verwelcken, <hi rendition="#aq">in contrario</hi> aber verwel-<lb/>
cket das gantze Kraut al&#x017F;ogleich.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#aq">No.</hi> 106.<lb/><hi rendition="#b">Wel&#x017F;ch Wegerich/</hi> <hi rendition="#aq">Plantago Italica.</hi></head><lb/>
            <p>Wa&#x0364;ch&#x017F;et an &#x017F;umpffigten Orten, hat<lb/>
kleine &#x017F;chmale Bla&#x0364;tter, welche auff der<lb/>
Erden umher gebreitet, einen runden<lb/>
Stengel anderthalb Spannen hoch, dar-<lb/>
an lichtgru&#x0364;ne Blu&#x0364;mlein als kleine Glo&#x0364;ck-<lb/>
lein hangen; Hat &#x017F;einen &#x017F;onderbahren<lb/>
Nutzen in- und a&#x0364;u&#x017F;erlich in Verwundung<lb/>
und Ge&#x017F;chwu&#x0364;ren, Durchlauff und Blut-<lb/>
&#x017F;peyen verletzter Lunge, ku&#x0364;hlet die Leber,<lb/>
dienet in Schwind- und Wa&#x017F;&#x017F;er-Sucht,<lb/><cb/>
to&#x0364;dtet die Wu&#x0364;rme, treibet den Stein,<lb/>
dienet wider den Gifft, und gifftige Bi&#x017F;&#x017F;e.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#aq">No.</hi> 107.<lb/><hi rendition="#b">Weiß Biber-Klee.</hi></head><lb/>
            <p>Die&#x017F;es Kraut wa&#x0364;ch&#x017F;et an &#x017F;chattichten<lb/>
und feuchten Orten, hat 5. biß 6. dicke<lb/>
glatte dunckelgru&#x0364;ne Bla&#x0364;tter, einen Sten-<lb/>
gel, an welchem oben &#x017F;cho&#x0364;ne wei&#x017F;&#x017F;e wohl-<lb/>
riechende Blu&#x0364;mlein gleich denen Meyen-<lb/>
Blu&#x0364;mlein hervor kommen; J&#x017F;t gut in<lb/>
fri&#x017F;chen Wunden, trocknet und zi<supplied>e</supplied>het zu-<lb/>
&#x017F;ammen, &#x017F;a&#x0364;ubert und heilet auch die al-<lb/>
ten Scha&#x0364;den, vertreibet den Scharbock,<lb/>
dienet in Engbru&#x0364;&#x017F;tigkeit, Hu&#x017F;ten und<lb/>
Keichen, erfri&#x017F;chet Lunge und Leber, wird<lb/>
in- und a&#x0364;u&#x017F;erlich zu Wund-Tra&#x0364;ncken und<lb/>
Pfla&#x017F;tern &#x017F;ehr gebrauchet.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#aq">No.</hi> 108.<lb/><hi rendition="#b">Klein Ma&#x0364;uß-Oehrlein/</hi> <hi rendition="#aq">Pilo&#x017F;ella<lb/>
minor.</hi></head><lb/>
            <p>J&#x017F;t ein zartes rauches Kra&#x0364;utlein, de&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en Bla&#x0364;tte&#xA75B; oben la&#x0364;nglicht rund, gru&#x0364;n und<lb/>
ein wenig rauch &#x017F;ind, b&#xA75B;eiten &#x017F;ich zum theil<lb/>
auf der Erden herum, tra&#x0364;gt im Mayen<lb/>
und Junio am Gipffel des Stengels<lb/>
wei&#x017F;&#x017F;e oder ro&#x0364;thliche kno&#x0364;pffigte Blu&#x0364;m-<lb/>
lein, &#x017F;o fa&#x017F;t wie eine Wolle &#x017F;tehen; Es<lb/>
wa&#x0364;ch&#x017F;et gerne auf du&#x0364;rren &#x017F;andigten Hu&#x0364;-<lb/>
geln und Bergen. Die&#x017F;es Kra&#x0364;utlein ku&#x0364;h-<lb/>
let, trucknet, ziehet zu&#x017F;ammen und hei-<lb/>
let, thut &#x017F;onderlich gut der verletzten<lb/>
Lungen und denen, die Blut &#x017F;peyen.</p>
          </div>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Von dem Kra&#x0364;uter-Mann.</hi> </head><lb/>
          <cb/>
          <p>Die&#x017F;es wa&#x0364;ren nun al&#x017F;o die wenigen<lb/>
Kra&#x0364;uter und Wurtzeln, deren &#x017F;ich die<lb/>
wilden Thiere zu ihrer Leibes-Nahrung<lb/>
bedienen; wiewohl deren unla&#x0364;ugbar ei-<lb/>
nige noch kra&#x0364;fftigere und be&#x017F;&#x017F;ere zu fin-<lb/>
den &#x017F;eyn mo&#x0364;gen, welche uns Men&#x017F;chen<lb/>
aber nicht allzeit bekant. Die Jahres-<lb/>
Zeit betreffende, i&#x017F;t wohl <hi rendition="#aq">notori</hi>&#x017F;ch, daß<lb/>
&#x017F;olche zu &#x017F;uchen nach der Jahres-Witte-<lb/>
rung, gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;ern oder geringern Frucht-<lb/>
barkeit, Du&#x0364;rre oder Na&#x0364;&#x017F;&#x017F;e, Wa&#x0364;rme oder<lb/>
Ka&#x0364;lte, harten oder weichen Lufft, einer<lb/><cb/>
zeitlichern oder &#x017F;pa&#x0364;teren wach&#x017F;enden<lb/>
Frucht der Erden, welche nech&#x017F;t Go&#x0364;ttli-<lb/>
chem Seegen das mei&#x017F;te darbey thun.<lb/>
Gemeiniglich aber ha&#x0364;lt man davor, daß<lb/>
vom May, biß auff den Augu&#x017F;t die be&#x017F;te<lb/>
Zeit die Kra&#x0364;uter zu &#x017F;ammlen &#x017F;ey. Wor-<lb/>
bey noch die&#x017F;es letztens zu erinnern, es<lb/>
wolle ein jeder Kra&#x0364;uter-Begieriger bey<lb/>
wa&#x0364;hrendem Suchen keine abergla&#x0364;ubi&#x017F;che<lb/>
Mittel gebrauchen, maa&#x017F;&#x017F;en &#x017F;olches nur<lb/>
Fall&#x017F;tricke des Teuffels &#x017F;ind, und zu nichts<lb/>
helffen.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Von denen Jrrwi&#x017F;chen.</hi> </head><lb/>
          <cb/>
          <p>Es mo&#x0364;chte &#x017F;ich vielleicht un&#x017F;er im rau-<lb/>
hen Klippen-Gebu&#x0364;rge &#x017F;ich verweilender<lb/>
begieriger Kra&#x0364;uter-Mann biß in die &#x017F;pa&#x0364;te<lb/>
Nacht auffgehalten und verirret haben,<lb/>
unter &#x017F;ich im Thal aber einiges Licht er-<lb/>
blicken, dahero, in Hoffnung Jemand an-<lb/>
zutreffen, der da&#x017F;elb&#x017F;t wohne oder wande-<lb/><cb/>
re, dem&#x017F;elben nacheylen, wodurch er aber<lb/>
&#x017F;cha&#x0364;ndlich verfu&#x0364;hret und entweder vom<lb/>
Fel&#x017F;en herab in tieffe Klu&#x0364;ffte verfallen,<lb/>
oder aber in Mora&#x017F;t zu &#x017F;tecken gerathen<lb/>
ko&#x0364;nte, dahero &#x017F;chlu&#x0364;ßlich muthma&#x017F;&#x017F;en<lb/>
&#x017F;olte, ob ru&#x0364;hre die&#x017F;es vom Satan her,<lb/>
&#x017F;o aber keinesweges ge&#x017F;chiehet, weiln die<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Jrrwi-</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[15/0075] Von der Erden. Blaͤtter, an den Wurtzeln viele Knothen, und wird bey 2. Spannen hoch. Wann Jemand aus einem Hauſe, der ein Erb deſſelben iſt, es ſey Vater, Mutter, Sohn oder Tochter, auf einer Reiſe begriffen, und uͤber beſtimmte Zeit auſſen bleibet, man auch keine Nachricht ſeinetwegen haben mag, wie es umb ihn ſtehe, ob er lebendig, oder tod, ſo bricht man ea in- tentione einen Stengel von dieſem Kraut, und ſtecket ihn an einen Ort unter des Hauſes Dach, iſt es nun Sache, daß die verreiſete Perſon noch am Leben, ſo faͤ- het ein ſolcher abgebrochener Stengel an, bey einer Hand lang fortzuwachſen, blei- bet auch eine Zeitlang gruͤn, und gewin- net von oben aus neue Blaͤttlein, die unterſten aber beginnen gemehlich zu verwelcken, in contrario aber verwel- cket das gantze Kraut alſogleich. No. 106. Welſch Wegerich/ Plantago Italica. Waͤchſet an ſumpffigten Orten, hat kleine ſchmale Blaͤtter, welche auff der Erden umher gebreitet, einen runden Stengel anderthalb Spannen hoch, dar- an lichtgruͤne Bluͤmlein als kleine Gloͤck- lein hangen; Hat ſeinen ſonderbahren Nutzen in- und aͤuſerlich in Verwundung und Geſchwuͤren, Durchlauff und Blut- ſpeyen verletzter Lunge, kuͤhlet die Leber, dienet in Schwind- und Waſſer-Sucht, toͤdtet die Wuͤrme, treibet den Stein, dienet wider den Gifft, und gifftige Biſſe. No. 107. Weiß Biber-Klee. Dieſes Kraut waͤchſet an ſchattichten und feuchten Orten, hat 5. biß 6. dicke glatte dunckelgruͤne Blaͤtter, einen Sten- gel, an welchem oben ſchoͤne weiſſe wohl- riechende Bluͤmlein gleich denen Meyen- Bluͤmlein hervor kommen; Jſt gut in friſchen Wunden, trocknet und ziehet zu- ſammen, ſaͤubert und heilet auch die al- ten Schaͤden, vertreibet den Scharbock, dienet in Engbruͤſtigkeit, Huſten und Keichen, erfriſchet Lunge und Leber, wird in- und aͤuſerlich zu Wund-Traͤncken und Pflaſtern ſehr gebrauchet. No. 108. Klein Maͤuß-Oehrlein/ Piloſella minor. Jſt ein zartes rauches Kraͤutlein, deſ- ſen Blaͤtteꝛ oben laͤnglicht rund, gruͤn und ein wenig rauch ſind, bꝛeiten ſich zum theil auf der Erden herum, traͤgt im Mayen und Junio am Gipffel des Stengels weiſſe oder roͤthliche knoͤpffigte Bluͤm- lein, ſo faſt wie eine Wolle ſtehen; Es waͤchſet gerne auf duͤrren ſandigten Huͤ- geln und Bergen. Dieſes Kraͤutlein kuͤh- let, trucknet, ziehet zuſammen und hei- let, thut ſonderlich gut der verletzten Lungen und denen, die Blut ſpeyen. Von dem Kraͤuter-Mann. Dieſes waͤren nun alſo die wenigen Kraͤuter und Wurtzeln, deren ſich die wilden Thiere zu ihrer Leibes-Nahrung bedienen; wiewohl deren unlaͤugbar ei- nige noch kraͤfftigere und beſſere zu fin- den ſeyn moͤgen, welche uns Menſchen aber nicht allzeit bekant. Die Jahres- Zeit betreffende, iſt wohl notoriſch, daß ſolche zu ſuchen nach der Jahres-Witte- rung, groͤſſern oder geringern Frucht- barkeit, Duͤrre oder Naͤſſe, Waͤrme oder Kaͤlte, harten oder weichen Lufft, einer zeitlichern oder ſpaͤteren wachſenden Frucht der Erden, welche nechſt Goͤttli- chem Seegen das meiſte darbey thun. Gemeiniglich aber haͤlt man davor, daß vom May, biß auff den Auguſt die beſte Zeit die Kraͤuter zu ſammlen ſey. Wor- bey noch dieſes letztens zu erinnern, es wolle ein jeder Kraͤuter-Begieriger bey waͤhrendem Suchen keine aberglaͤubiſche Mittel gebrauchen, maaſſen ſolches nur Fallſtricke des Teuffels ſind, und zu nichts helffen. Von denen Jrrwiſchen. Es moͤchte ſich vielleicht unſer im rau- hen Klippen-Gebuͤrge ſich verweilender begieriger Kraͤuter-Mann biß in die ſpaͤte Nacht auffgehalten und verirret haben, unter ſich im Thal aber einiges Licht er- blicken, dahero, in Hoffnung Jemand an- zutreffen, der daſelbſt wohne oder wande- re, demſelben nacheylen, wodurch er aber ſchaͤndlich verfuͤhret und entweder vom Felſen herab in tieffe Kluͤffte verfallen, oder aber in Moraſt zu ſtecken gerathen koͤnte, dahero ſchluͤßlich muthmaſſen ſolte, ob ruͤhre dieſes vom Satan her, ſo aber keinesweges geſchiehet, weiln die Jrrwi-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719/75
Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719, S. 15. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719/75>, abgerufen am 27.05.2019.