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Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724.

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Des Ersten Theils 43. Cap. von denen Ceremonien der Bergleute.
[Spaltenumbruch] Orten zum Bergwerck gehörig, oder
was sonst andere unehrliche, missethätige
verbothene Stücke sind, wer dessen eines
berüchtiget worden, ingleichen die einan-
der zu Ehren gescholten, dieselben alle hat
der Berg-Meister und Aeltesten von der
Suppe heissen aufstehen, und ist keiner
unter der Fahne und dieser ehrlichen unta-
delhafften und reinen Zunfft gelitten wor-
den, biß so lange er sich der Unthaten, Ver-
dachts und bösen Geschreyes genugsam
entbrochen, und seine Sache gebührlich
aufgeführet. Was auch des Bergwer-
ckes Förderung oder Schade gewesen, das
ist samt anderer Nothdurfft damahls in
der Morgensprache am gedachten Fron-
leichnams-Tage gerüget worden.

§. 3.

Bißher aber nach fürgegange-
ner Reformation hat man die Zusam-
menkunfft in die Pfingstwoche verlegt,
und die andern alten Gebräuche, so viel
möglich gewesen, dabey in Acht genom-
men. Die Collation wird bey Tage ge-
halten, so lange die Fahne steckt, und darff
keiner eine mörderliche Wehre haben, o-
der Unwillen anfangen. Es muß sich
auch ein ieder der Gotteslästerung, Ver-
leumbdung und Vollsauffens, ingleichen
des groben Geschreyes und Kannen-klopf-
fens enthalten, darff nicht von seinem
Tisch aufstehen, und ohne Erlaubniß ü-
ber einen andern gehen, darff auch nicht
spielen in Würffeln, Bret, oder Char-
ten, und muß ein ieder nach eingezogener
Fahne nach Hause gehen, immassen diese
Gebräuche Anno 1609. den 31. Maji durch
ein Patent erneuert, und bißhero bey ie-
der Zusammenkunfft öffentlich abgelesen
worden. Die Register und Verzeichnis-
se derjenigen, so sich in diese löbliche Ver-
brüderung begeben, ingleichen die Ein-
nahmen und Ausgaben, so dabey gesche-
hen, hat man von Anno 1503. an, ordent-
lich eingetragen, und in die Knappschafft-
Lade zum Gedächtniß beygelegt.

§. 4.

Sonst ist der Begräbniß wegen
noch hier zu erinnern, daß die Fürnehm-
sten, so der löblichen Berg-Knappschafft
zugethan seyn, eine besondere Begräbniß-
Gesellschafft unter einander aufgerichtet,
und sich brüderlich verpflichtet, wenn ei-
ner aus ihren Mitteln, oder dessen Weib,
Kinder und Gesinde stürbe, daß die an-
dern der Leichen-Procession im Trauer-
Habit beywohnen, oder iemand an ihre
Statt schicken müssen, wie denn hierüber
Anno 1621. den 18. Junii gewisse Puncta
schrifftlich aufgesetzt, auch zu dessen En-
[Spaltenumbruch] de etliche neue Leichen-Tücher samt an-
dern Zugehörungen erkaufft worden.

Das 44. Capitel/
Beschreibung des solennen
Saturnus- oder Bergmanns-Festes/
welches am 26. Septembr. 1719. bey
der Heimführung Jhro Hoheit der
Königlichen und Chur-Princeßin
zu Dreßden celebriret
worden.
§. 1.

Unter denen vortrefflichen Lustbarkei-
ten, welche bey der solennen Heim-
führung Jhro Hoheit der Königlichen
und Chur-Princeßin zu Sachsen, An.
1719. zu Dreßden angestellet worden, war
das so genannte Saturnus- oder Berg-
manns-Fest eines der seltensten und herr-
lichsten. Dieses ward am 26. Septembr.
celebri
ret. Der Ort, wo solches ange-
stellet wurde, war bey dem vormahls so
genannten Schweitzer-Bette oder Fel-
sen an dem Weiseritz-Fluß im Plaui-
schen Grunde, woselbst dieser natürliche
Felsen nebst einem durch Fleiß und Kunst
bereiteten Berge nach Berg-Manier mit
Schachten, Gruben, Haspeln, Gebäuden,
und andern Berg- und Hütten-Machi-
n
en versehen und aufgeführet war, und
zwar so, daß ieder seine Function völlig
dabey verrichten konte.

§. 2.

Um zwey Uhr Nachmittags
begaben sich Jhro K. K. M. M. und K.
K. H. H. nebst andern hohen Herrschaff-
ten in gedachten Plauischen Grund, wo-
selbst eine Lust-Jagd angestellet war;
Anfänglich wurden 200. Hasen gehetzt,
alsdenn aber die zusammen-getriebene
Hirsche zwischen den Stein-Felsen atta-
qui
ret, und mit Hunden und Menschen
biß an das äusserste des Felsen vor die Flin-
ten getrieben, und so lange verfolget, biß
sie von der hohen Herrschafft (so unten
aus dem Jagd-Hause mit Flinten nach
sie in die Höhe schossen) erleget wurden,
wie denn alles mit Netzen und Jagd-
Tüchern bestellet war.

§. 3.

Mitten in solcher Jagd-Lust
wurden 4. Hirsche und ein Bär genö-
thiget, von den hohen Stein-Felsen her-
unter zu springen, wodurch die ersten sehr
zuschmettert, in den Fluß Weiseritz sich
hinein stürtzten, und todt blieben. Der
Bär fiel zwar auch am Berge an, und

qvetschte
L 3

Des Erſten Theils 43. Cap. von denen Ceremonien der Bergleute.
[Spaltenumbruch] Orten zum Bergwerck gehoͤrig, oder
was ſonſt andere unehrliche, miſſethaͤtige
verbothene Stuͤcke ſind, wer deſſen eines
beruͤchtiget worden, ingleichen die einan-
der zu Ehren geſcholten, dieſelben alle hat
der Berg-Meiſter und Aelteſten von der
Suppe heiſſen aufſtehen, und iſt keiner
unter der Fahne und dieſer ehrlichen unta-
delhafften und reinen Zunfft gelitten wor-
den, biß ſo lange er ſich der Unthaten, Ver-
dachts und boͤſen Geſchreyes genugſam
entbrochen, und ſeine Sache gebuͤhrlich
aufgefuͤhret. Was auch des Bergwer-
ckes Foͤrderung oder Schade geweſen, das
iſt ſamt anderer Nothdurfft damahls in
der Morgenſprache am gedachten Fron-
leichnams-Tage geruͤget worden.

§. 3.

Bißher aber nach fuͤrgegange-
ner Reformation hat man die Zuſam-
menkunfft in die Pfingſtwoche verlegt,
und die andern alten Gebraͤuche, ſo viel
moͤglich geweſen, dabey in Acht genom-
men. Die Collation wird bey Tage ge-
halten, ſo lange die Fahne ſteckt, und darff
keiner eine moͤrderliche Wehre haben, o-
der Unwillen anfangen. Es muß ſich
auch ein ieder der Gotteslaͤſterung, Ver-
leumbdung und Vollſauffens, ingleichen
des groben Geſchreyes und Kannen-klopf-
fens enthalten, darff nicht von ſeinem
Tiſch aufſtehen, und ohne Erlaubniß uͤ-
ber einen andern gehen, darff auch nicht
ſpielen in Wuͤrffeln, Bret, oder Char-
ten, und muß ein ieder nach eingezogener
Fahne nach Hauſe gehen, immaſſen dieſe
Gebraͤuche Anno 1609. den 31. Maji durch
ein Patent erneuert, und bißhero bey ie-
der Zuſammenkunfft oͤffentlich abgeleſen
worden. Die Regiſter und Verzeichniſ-
ſe derjenigen, ſo ſich in dieſe loͤbliche Ver-
bruͤderung begeben, ingleichen die Ein-
nahmen und Ausgaben, ſo dabey geſche-
hen, hat man von Anno 1503. an, ordent-
lich eingetragen, und in die Knappſchafft-
Lade zum Gedaͤchtniß beygelegt.

§. 4.

Sonſt iſt der Begraͤbniß wegen
noch hier zu erinnern, daß die Fuͤrnehm-
ſten, ſo der loͤblichen Berg-Knappſchafft
zugethan ſeyn, eine beſondere Begraͤbniß-
Geſellſchafft unter einander aufgerichtet,
und ſich bruͤderlich verpflichtet, wenn ei-
ner aus ihren Mitteln, oder deſſen Weib,
Kinder und Geſinde ſtuͤrbe, daß die an-
dern der Leichen-Proceſſion im Trauer-
Habit beywohnen, oder iemand an ihre
Statt ſchicken muͤſſen, wie denn hieruͤber
Anno 1621. den 18. Junii gewiſſe Puncta
ſchrifftlich aufgeſetzt, auch zu deſſen En-
[Spaltenumbruch] de etliche neue Leichen-Tuͤcher ſamt an-
dern Zugehoͤrungen erkaufft worden.

Das 44. Capitel/
Beſchreibung des ſolennen
Saturnus- oder Bergmanns-Feſtes/
welches am 26. Septembr. 1719. bey
der Heimfuͤhrung Jhro Hoheit der
Koͤniglichen und Chur-Princeßin
zu Dreßden celebriret
worden.
§. 1.

Unter denen vortrefflichen Luſtbarkei-
ten, welche bey der ſolennen Heim-
fuͤhrung Jhro Hoheit der Koͤniglichen
und Chur-Princeßin zu Sachſen, An.
1719. zu Dreßden angeſtellet worden, war
das ſo genannte Saturnus- oder Berg-
manns-Feſt eines der ſeltenſten und herr-
lichſten. Dieſes ward am 26. Septembr.
celebri
ret. Der Ort, wo ſolches ange-
ſtellet wurde, war bey dem vormahls ſo
genannten Schweitzer-Bette oder Fel-
ſen an dem Weiſeritz-Fluß im Plaui-
ſchen Grunde, woſelbſt dieſer natuͤrliche
Felſen nebſt einem durch Fleiß und Kunſt
bereiteten Berge nach Berg-Manier mit
Schachten, Gruben, Haſpeln, Gebaͤuden,
und andern Berg- und Huͤtten-Machi-
n
en verſehen und aufgefuͤhret war, und
zwar ſo, daß ieder ſeine Function voͤllig
dabey verrichten konte.

§. 2.

Um zwey Uhr Nachmittags
begaben ſich Jhro K. K. M. M. und K.
K. H. H. nebſt andern hohen Herrſchaff-
ten in gedachten Plauiſchen Grund, wo-
ſelbſt eine Luſt-Jagd angeſtellet war;
Anfaͤnglich wurden 200. Haſen gehetzt,
alsdenn aber die zuſammen-getriebene
Hirſche zwiſchen den Stein-Felſen atta-
qui
ret, und mit Hunden und Menſchen
biß an das aͤuſſerſte des Felſen vor die Flin-
ten getrieben, und ſo lange verfolget, biß
ſie von der hohen Herrſchafft (ſo unten
aus dem Jagd-Hauſe mit Flinten nach
ſie in die Hoͤhe ſchoſſen) erleget wurden,
wie denn alles mit Netzen und Jagd-
Tuͤchern beſtellet war.

§. 3.

Mitten in ſolcher Jagd-Luſt
wurden 4. Hirſche und ein Baͤr genoͤ-
thiget, von den hohen Stein-Felſen her-
unter zu ſpringen, wodurch die erſten ſehr
zuſchmettert, in den Fluß Weiſeritz ſich
hinein ſtuͤrtzten, und todt blieben. Der
Baͤr fiel zwar auch am Berge an, und

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[85/0145] Des Erſten Theils 43. Cap. von denen Ceremonien der Bergleute. Orten zum Bergwerck gehoͤrig, oder was ſonſt andere unehrliche, miſſethaͤtige verbothene Stuͤcke ſind, wer deſſen eines beruͤchtiget worden, ingleichen die einan- der zu Ehren geſcholten, dieſelben alle hat der Berg-Meiſter und Aelteſten von der Suppe heiſſen aufſtehen, und iſt keiner unter der Fahne und dieſer ehrlichen unta- delhafften und reinen Zunfft gelitten wor- den, biß ſo lange er ſich der Unthaten, Ver- dachts und boͤſen Geſchreyes genugſam entbrochen, und ſeine Sache gebuͤhrlich aufgefuͤhret. Was auch des Bergwer- ckes Foͤrderung oder Schade geweſen, das iſt ſamt anderer Nothdurfft damahls in der Morgenſprache am gedachten Fron- leichnams-Tage geruͤget worden. §. 3. Bißher aber nach fuͤrgegange- ner Reformation hat man die Zuſam- menkunfft in die Pfingſtwoche verlegt, und die andern alten Gebraͤuche, ſo viel moͤglich geweſen, dabey in Acht genom- men. Die Collation wird bey Tage ge- halten, ſo lange die Fahne ſteckt, und darff keiner eine moͤrderliche Wehre haben, o- der Unwillen anfangen. Es muß ſich auch ein ieder der Gotteslaͤſterung, Ver- leumbdung und Vollſauffens, ingleichen des groben Geſchreyes und Kannen-klopf- fens enthalten, darff nicht von ſeinem Tiſch aufſtehen, und ohne Erlaubniß uͤ- ber einen andern gehen, darff auch nicht ſpielen in Wuͤrffeln, Bret, oder Char- ten, und muß ein ieder nach eingezogener Fahne nach Hauſe gehen, immaſſen dieſe Gebraͤuche Anno 1609. den 31. Maji durch ein Patent erneuert, und bißhero bey ie- der Zuſammenkunfft oͤffentlich abgeleſen worden. Die Regiſter und Verzeichniſ- ſe derjenigen, ſo ſich in dieſe loͤbliche Ver- bruͤderung begeben, ingleichen die Ein- nahmen und Ausgaben, ſo dabey geſche- hen, hat man von Anno 1503. an, ordent- lich eingetragen, und in die Knappſchafft- Lade zum Gedaͤchtniß beygelegt. §. 4. Sonſt iſt der Begraͤbniß wegen noch hier zu erinnern, daß die Fuͤrnehm- ſten, ſo der loͤblichen Berg-Knappſchafft zugethan ſeyn, eine beſondere Begraͤbniß- Geſellſchafft unter einander aufgerichtet, und ſich bruͤderlich verpflichtet, wenn ei- ner aus ihren Mitteln, oder deſſen Weib, Kinder und Geſinde ſtuͤrbe, daß die an- dern der Leichen-Proceſſion im Trauer- Habit beywohnen, oder iemand an ihre Statt ſchicken muͤſſen, wie denn hieruͤber Anno 1621. den 18. Junii gewiſſe Puncta ſchrifftlich aufgeſetzt, auch zu deſſen En- de etliche neue Leichen-Tuͤcher ſamt an- dern Zugehoͤrungen erkaufft worden. Das 44. Capitel/ Beſchreibung des ſolennen Saturnus- oder Bergmanns-Feſtes/ welches am 26. Septembr. 1719. bey der Heimfuͤhrung Jhro Hoheit der Koͤniglichen und Chur-Princeßin zu Dreßden celebriret worden. §. 1. Unter denen vortrefflichen Luſtbarkei- ten, welche bey der ſolennen Heim- fuͤhrung Jhro Hoheit der Koͤniglichen und Chur-Princeßin zu Sachſen, An. 1719. zu Dreßden angeſtellet worden, war das ſo genannte Saturnus- oder Berg- manns-Feſt eines der ſeltenſten und herr- lichſten. Dieſes ward am 26. Septembr. celebriret. Der Ort, wo ſolches ange- ſtellet wurde, war bey dem vormahls ſo genannten Schweitzer-Bette oder Fel- ſen an dem Weiſeritz-Fluß im Plaui- ſchen Grunde, woſelbſt dieſer natuͤrliche Felſen nebſt einem durch Fleiß und Kunſt bereiteten Berge nach Berg-Manier mit Schachten, Gruben, Haſpeln, Gebaͤuden, und andern Berg- und Huͤtten-Machi- nen verſehen und aufgefuͤhret war, und zwar ſo, daß ieder ſeine Function voͤllig dabey verrichten konte. §. 2. Um zwey Uhr Nachmittags begaben ſich Jhro K. K. M. M. und K. K. H. H. nebſt andern hohen Herrſchaff- ten in gedachten Plauiſchen Grund, wo- ſelbſt eine Luſt-Jagd angeſtellet war; Anfaͤnglich wurden 200. Haſen gehetzt, alsdenn aber die zuſammen-getriebene Hirſche zwiſchen den Stein-Felſen atta- quiret, und mit Hunden und Menſchen biß an das aͤuſſerſte des Felſen vor die Flin- ten getrieben, und ſo lange verfolget, biß ſie von der hohen Herrſchafft (ſo unten aus dem Jagd-Hauſe mit Flinten nach ſie in die Hoͤhe ſchoſſen) erleget wurden, wie denn alles mit Netzen und Jagd- Tuͤchern beſtellet war. §. 3. Mitten in ſolcher Jagd-Luſt wurden 4. Hirſche und ein Baͤr genoͤ- thiget, von den hohen Stein-Felſen her- unter zu ſpringen, wodurch die erſten ſehr zuſchmettert, in den Fluß Weiſeritz ſich hinein ſtuͤrtzten, und todt blieben. Der Baͤr fiel zwar auch am Berge an, und qvetſchte L 3

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Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724, S. 85. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger02_1724/145>, abgerufen am 19.05.2019.