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Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724.

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Des Dritten Theils 38. Capitel/ von den Sorten allerhand Vögel.
[Spaltenumbruch] keit machen kan. Sein Gesang, den er
auf den höchsten Gipffeln der Bäume hö-
ren läßt, ist sehr lieblich, und wie wild er
von Natur ist, so zahm wird er hingegen,
wenn er vom Nest aufgezogen wird, so,
daß er auch von der Hand singet. Jm
Herbst wird er auf dem Herde mit den
Drosseln gefangen. Gleichwie er aber ei-
ner von den Vögeln ist, die nicht gäntzlich
hinweg streichen, so wehlet sich ein ieder
von denen, die im Winter da bleiben, ei-
nen oder auch mehr Bäume aus, auf
welchen Mistel wachsen, und leidet auf
denselben, oder auf den nächsten Bäumen,
seines gleichen durchaus nicht, welches zu
einem sehr lustigen Fang Anlaß giebt.
Denn man hänget in einem Vogel-Haus
einen zahmen Mistler, der dazu gewöhnt
wird, an denselbigen Baum, und thut ent-
weder Leim-Spindeln, oder ein solches Fall-
Häuslein, durch welches der wilde Vogel
den zahmen sehen kan, auf das Vogel-
Haus, da denn der zahme Vogel, so bald
er den wilden höret, oder auch wohl ehe
er ihn höret, wenn er nur vermuthet, es
mögte einer zugegen seyn, denselben an-
schreyet, und dadurch verursacht, daß der
andere gantz blind vor Zorn auf ihn her-
unter stößt, und entweder an den Spin-
deln kleben bleibt, oder das weit offenste-
hende Fall-Haus vermittelst einer ei-
sernen Feder sich über dem Kopff zu-
schmeist.

Von dem Natterwindel.
§. 36.

Hat seinen Nahmen bekom-
men von der Gewohnheit den Hals zu
winden, durch welchen es, wenn man es
in der Hand hält, den Kopff fast gantz
umkehret, und sich anstellet, als ob es ster-
ben wolte. Seine Federn sind gelinder
als alle Seide anzugreiffen, und thut es
ihm an der Zärtigkeit der Federn wohl
kein Vogel gleich. Es ist sonst dieser Vo-
gel einer von denjenigen, die ihre Nester
in die hohlen Baum-Löcher machen, und
nach der Art sich zu nehren zu den Spech-
ten gehört. Ob dieses nicht derjenige Vo-
gel mit sey, der der Wendehals genennet
wird, will ich nicht entscheiden.

Von dem Neuntödter.
§. 37.

Es giebt deren unterschiedli-
[Spaltenumbruch] che; Die grossen, die im Winter bey uns
bleiben, lassen sich abrichten, daß man sie
von der Hand hinweg, wie die Hunde auf
die Hasen, auf andere Vögel hetzen, und
allerhand kleine Vögel, ja wohl auch Ler-
chen und Wachteln, mit ihnen fangen kan,
denn diese untersteht sich ein Neuntödter,
der recht gewohnt ist, auch anzugreiffen,
ob er sie gleich nicht hinweg zu tragen ver-
mag, welches ohne dem seine Gewohn-
heit nicht ist, als allein bey den allerklein-
sten Vögeln; Denn er fängt nicht mit
den Klauen, wie die Habichte, auch selten
in der Lufft, wie dieselben pflegen, sondern
mit dem Schnabel mitten in Bäumen
und Stauden, auf deren Gipffeln sitzend,
da er aller Vögel Geschrey, sie zu betriegen
und herbey zu locken, nachmacht; Je-
doch übertrifft ihn hierinnen die kleinere
Art, die im Winter nicht bey uns bleiben,
und am Rücken fast wie ein Sperling
roth-bräunlich sind. Diese machen nicht
nur das Geschrey wie die andern, sondern
den Gesang aller andern Vögel so Ver-
wunderungs-würdig nach, daß sie alle
Augenblick die Vögel betriegen. Wenn
man sie aus dem Nest aufziehet, werden
sie zahm, und lassen sich die von der klei-
nern Art zu allerhand Speisen, die gros-
sen aber nur zu Fleisch gewöhnen. Beyde
Arten belohnen die Mühe, die man an sie
wendet, mit Ergötzlichkeit, die sie machen,
massen der eine mit ungemeiner Behen-
digkeit seinem Herrn einen Vogel holet,
der andere aber aller Vögel Geschrey, die
er nur einmahl gehöret, nachmacht.

Die übrigen Observationes von den
Vögeln wird die Erfahrung und fleißige
Praxis an die Hand geben.

Das 39. Capitel/
Von der Vogel-Weyde im
gantzen Jahre.
Jm Januario.

Die Rebhühner werden diesen Monat
durch, wenn ein tieffer Schnee liegt,
der nicht kirret, mit Schnee-Netzen ge-
fangen. Wenn es frisch geschneyet, und

der

Des Dritten Theils 38. Capitel/ von den Sorten allerhand Voͤgel.
[Spaltenumbruch] keit machen kan. Sein Geſang, den er
auf den hoͤchſten Gipffeln der Baͤume hoͤ-
ren laͤßt, iſt ſehr lieblich, und wie wild er
von Natur iſt, ſo zahm wird er hingegen,
wenn er vom Neſt aufgezogen wird, ſo,
daß er auch von der Hand ſinget. Jm
Herbſt wird er auf dem Herde mit den
Droſſeln gefangen. Gleichwie er aber ei-
ner von den Voͤgeln iſt, die nicht gaͤntzlich
hinweg ſtreichen, ſo wehlet ſich ein ieder
von denen, die im Winter da bleiben, ei-
nen oder auch mehr Baͤume aus, auf
welchen Miſtel wachſen, und leidet auf
denſelben, oder auf den naͤchſten Baͤumen,
ſeines gleichen durchaus nicht, welches zu
einem ſehr luſtigen Fang Anlaß giebt.
Denn man haͤnget in einem Vogel-Haus
einen zahmen Miſtler, der dazu gewoͤhnt
wird, an denſelbigen Baum, und thut ent-
weder Leim-Spindeln, oder ein ſolches Fall-
Haͤuslein, durch welches der wilde Vogel
den zahmen ſehen kan, auf das Vogel-
Haus, da denn der zahme Vogel, ſo bald
er den wilden hoͤret, oder auch wohl ehe
er ihn hoͤret, wenn er nur vermuthet, es
moͤgte einer zugegen ſeyn, denſelben an-
ſchreyet, und dadurch verurſacht, daß der
andere gantz blind vor Zorn auf ihn her-
unter ſtoͤßt, und entweder an den Spin-
deln kleben bleibt, oder das weit offenſte-
hende Fall-Haus vermittelſt einer ei-
ſernen Feder ſich uͤber dem Kopff zu-
ſchmeiſt.

Von dem Natterwindel.
§. 36.

Hat ſeinen Nahmen bekom-
men von der Gewohnheit den Hals zu
winden, durch welchen es, wenn man es
in der Hand haͤlt, den Kopff faſt gantz
umkehret, und ſich anſtellet, als ob es ſter-
ben wolte. Seine Federn ſind gelinder
als alle Seide anzugreiffen, und thut es
ihm an der Zaͤrtigkeit der Federn wohl
kein Vogel gleich. Es iſt ſonſt dieſer Vo-
gel einer von denjenigen, die ihre Neſter
in die hohlen Baum-Loͤcher machen, und
nach der Art ſich zu nehren zu den Spech-
ten gehoͤrt. Ob dieſes nicht derjenige Vo-
gel mit ſey, der der Wendehals genennet
wird, will ich nicht entſcheiden.

Von dem Neuntoͤdter.
§. 37.

Es giebt deren unterſchiedli-
[Spaltenumbruch] che; Die groſſen, die im Winter bey uns
bleiben, laſſen ſich abrichten, daß man ſie
von der Hand hinweg, wie die Hunde auf
die Haſen, auf andere Voͤgel hetzen, und
allerhand kleine Voͤgel, ja wohl auch Ler-
chen und Wachteln, mit ihnen fangen kan,
denn dieſe unterſteht ſich ein Neuntoͤdter,
der recht gewohnt iſt, auch anzugreiffen,
ob er ſie gleich nicht hinweg zu tragen ver-
mag, welches ohne dem ſeine Gewohn-
heit nicht iſt, als allein bey den allerklein-
ſten Voͤgeln; Denn er faͤngt nicht mit
den Klauen, wie die Habichte, auch ſelten
in der Lufft, wie dieſelben pflegen, ſondern
mit dem Schnabel mitten in Baͤumen
und Stauden, auf deren Gipffeln ſitzend,
da er aller Voͤgel Geſchrey, ſie zu betriegen
und herbey zu locken, nachmacht; Je-
doch uͤbertrifft ihn hierinnen die kleinere
Art, die im Winter nicht bey uns bleiben,
und am Ruͤcken faſt wie ein Sperling
roth-braͤunlich ſind. Dieſe machen nicht
nur das Geſchrey wie die andern, ſondern
den Geſang aller andern Voͤgel ſo Ver-
wunderungs-wuͤrdig nach, daß ſie alle
Augenblick die Voͤgel betriegen. Wenn
man ſie aus dem Neſt aufziehet, werden
ſie zahm, und laſſen ſich die von der klei-
nern Art zu allerhand Speiſen, die groſ-
ſen aber nur zu Fleiſch gewoͤhnen. Beyde
Arten belohnen die Muͤhe, die man an ſie
wendet, mit Ergoͤtzlichkeit, die ſie machen,
maſſen der eine mit ungemeiner Behen-
digkeit ſeinem Herrn einen Vogel holet,
der andere aber aller Voͤgel Geſchrey, die
er nur einmahl gehoͤret, nachmacht.

Die uͤbrigen Obſervationes von den
Voͤgeln wird die Erfahrung und fleißige
Praxis an die Hand geben.

Das 39. Capitel/
Von der Vogel-Weyde im
gantzen Jahre.
Jm Januario.

Die Rebhuͤhner werden dieſen Monat
durch, wenn ein tieffer Schnee liegt,
der nicht kirret, mit Schnee-Netzen ge-
fangen. Wenn es friſch geſchneyet, und

der
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[218/0344] Des Dritten Theils 38. Capitel/ von den Sorten allerhand Voͤgel. keit machen kan. Sein Geſang, den er auf den hoͤchſten Gipffeln der Baͤume hoͤ- ren laͤßt, iſt ſehr lieblich, und wie wild er von Natur iſt, ſo zahm wird er hingegen, wenn er vom Neſt aufgezogen wird, ſo, daß er auch von der Hand ſinget. Jm Herbſt wird er auf dem Herde mit den Droſſeln gefangen. Gleichwie er aber ei- ner von den Voͤgeln iſt, die nicht gaͤntzlich hinweg ſtreichen, ſo wehlet ſich ein ieder von denen, die im Winter da bleiben, ei- nen oder auch mehr Baͤume aus, auf welchen Miſtel wachſen, und leidet auf denſelben, oder auf den naͤchſten Baͤumen, ſeines gleichen durchaus nicht, welches zu einem ſehr luſtigen Fang Anlaß giebt. Denn man haͤnget in einem Vogel-Haus einen zahmen Miſtler, der dazu gewoͤhnt wird, an denſelbigen Baum, und thut ent- weder Leim-Spindeln, oder ein ſolches Fall- Haͤuslein, durch welches der wilde Vogel den zahmen ſehen kan, auf das Vogel- Haus, da denn der zahme Vogel, ſo bald er den wilden hoͤret, oder auch wohl ehe er ihn hoͤret, wenn er nur vermuthet, es moͤgte einer zugegen ſeyn, denſelben an- ſchreyet, und dadurch verurſacht, daß der andere gantz blind vor Zorn auf ihn her- unter ſtoͤßt, und entweder an den Spin- deln kleben bleibt, oder das weit offenſte- hende Fall-Haus vermittelſt einer ei- ſernen Feder ſich uͤber dem Kopff zu- ſchmeiſt. Von dem Natterwindel. §. 36. Hat ſeinen Nahmen bekom- men von der Gewohnheit den Hals zu winden, durch welchen es, wenn man es in der Hand haͤlt, den Kopff faſt gantz umkehret, und ſich anſtellet, als ob es ſter- ben wolte. Seine Federn ſind gelinder als alle Seide anzugreiffen, und thut es ihm an der Zaͤrtigkeit der Federn wohl kein Vogel gleich. Es iſt ſonſt dieſer Vo- gel einer von denjenigen, die ihre Neſter in die hohlen Baum-Loͤcher machen, und nach der Art ſich zu nehren zu den Spech- ten gehoͤrt. Ob dieſes nicht derjenige Vo- gel mit ſey, der der Wendehals genennet wird, will ich nicht entſcheiden. Von dem Neuntoͤdter. §. 37. Es giebt deren unterſchiedli- che; Die groſſen, die im Winter bey uns bleiben, laſſen ſich abrichten, daß man ſie von der Hand hinweg, wie die Hunde auf die Haſen, auf andere Voͤgel hetzen, und allerhand kleine Voͤgel, ja wohl auch Ler- chen und Wachteln, mit ihnen fangen kan, denn dieſe unterſteht ſich ein Neuntoͤdter, der recht gewohnt iſt, auch anzugreiffen, ob er ſie gleich nicht hinweg zu tragen ver- mag, welches ohne dem ſeine Gewohn- heit nicht iſt, als allein bey den allerklein- ſten Voͤgeln; Denn er faͤngt nicht mit den Klauen, wie die Habichte, auch ſelten in der Lufft, wie dieſelben pflegen, ſondern mit dem Schnabel mitten in Baͤumen und Stauden, auf deren Gipffeln ſitzend, da er aller Voͤgel Geſchrey, ſie zu betriegen und herbey zu locken, nachmacht; Je- doch uͤbertrifft ihn hierinnen die kleinere Art, die im Winter nicht bey uns bleiben, und am Ruͤcken faſt wie ein Sperling roth-braͤunlich ſind. Dieſe machen nicht nur das Geſchrey wie die andern, ſondern den Geſang aller andern Voͤgel ſo Ver- wunderungs-wuͤrdig nach, daß ſie alle Augenblick die Voͤgel betriegen. Wenn man ſie aus dem Neſt aufziehet, werden ſie zahm, und laſſen ſich die von der klei- nern Art zu allerhand Speiſen, die groſ- ſen aber nur zu Fleiſch gewoͤhnen. Beyde Arten belohnen die Muͤhe, die man an ſie wendet, mit Ergoͤtzlichkeit, die ſie machen, maſſen der eine mit ungemeiner Behen- digkeit ſeinem Herrn einen Vogel holet, der andere aber aller Voͤgel Geſchrey, die er nur einmahl gehoͤret, nachmacht. Die uͤbrigen Obſervationes von den Voͤgeln wird die Erfahrung und fleißige Praxis an die Hand geben. Das 39. Capitel/ Von der Vogel-Weyde im gantzen Jahre. Jm Januario. Die Rebhuͤhner werden dieſen Monat durch, wenn ein tieffer Schnee liegt, der nicht kirret, mit Schnee-Netzen ge- fangen. Wenn es friſch geſchneyet, und der

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Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724, S. 218. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger02_1724/344>, abgerufen am 19.05.2019.