Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724.

Bild:
<< vorherige Seite

Des Dritten Th. 52. Cap. Ceremoniel bey der Par-Force-Jagd.
[Spaltenumbruch] käme, muß der Jäger genau observiren,
ob er würcklich hindurch, oder daran auf-
wärts, oder unterwärts gesetzet habe,
und wo er eigentlich seinen Kopff hin ge-
wendet, alsdann sofort neben dem Wasser
lang reuten, die Hunde mit Blasen und
Schreyen herbey ruffen, und ihnen wei-
sen, und laut zu schreyen, daß der Hirsch
ins Wasser gesetzet, welches er etwan an
denen am Ufer hangenden Zweigen,
Schilff oder Graß, Holtz oder einem
Stein, ob solches alles trocken, oder naß
bespritzet worden, wahrnehmen kan. Die
andern zu Pferde reuten zu beyden Sei-
ten des Wassers, doch nicht zu nahe am
Ufer, weil der ausgesprengte Hirsch auf
10. biß 12. Schritt lang mit seiner nas-
sen Klaue keinen Geruch in seiner Ge-
fährd lassen kan. Wann der Hirsch et-
wan in einen Teich oder See gesprungen,
müssen die Hunde ja nicht zu ihm hinein
gelassen werden, denn er dieselben entwe-
der mit dem Gehörne stossen, oder mit den
Läufften schlagen möchte, davon die Hun-
de blöde und gäntzlich verdorben würden;
sondern weil er vor Müdigkeit seine Reti-
rade
zum Wasser genommen, muß ihm
lieber darinne Zeit gelassen werden, bis er
wieder von sich selbst heraus gehe, auch
hierdurch den erhitzten Leib, Flechse, Ner-
ven, und Adern schändlich erkältet, und
davon verschlagen hat, oder steiff gewor-
den, da man dann ihn desto besser, wann
er wieder heraus gegangen, seinen Vor-
griff wieder nehmen, und ferner jagen,
auch, weil er, wie gedacht, steiff, und zur
fernern Flucht untüchtig geworden,
gar leicht vollends forciren, und stürtzen
kan.

§. 15.

Wann ihn nun die Hunde er-
griffen, oder an einem Graben, Hecke,
oder dergleichen ständig gemacht, muß
der Jäger herzu reiten, ihm mit dem
Hirsch-Fänger an der Seite nach dem
Hertzen den Fang zu geben, welches ge-
bräuchlich, und, wenn er noch Kolben
hat, auch practicable ist; Jm Fall er a-
ber das Gehörn vollkommen hat, und
Gefahr zu besorgen, muß er denen Hunden
anzugreiffen, und niederzuziehen zuschrey-
en, oder die Flechsen der hintern Keulen,
die so genannten Hessen abhauen, damit
er sich nicht stellen, und stossen könne.
Wann der Hirsch todt, muß es mit dem
Blasen ins Horn kund gemacht, der Hals
und Gurgel geöffnet, und denen jungen
Hunden also warm ihr Genieß gegeben
werden; Jndessen löset man des Hirsches
[Spaltenumbruch] rechten Forder-Laufft ab, dergestalt, daß
man die Haut erstlich ablöset, hernach
zwischen der grossen Flechse und Klaue
einen halben Fuß aufschlitzet; Darnach
sondert man die Haut von der Röhre,
biß an das unterste Gelencke, wo die
Ober-Klauen sind, ab, schneidet die Haut
drey Finger breit auf, daß man die Hand
durchstecken kan, löset das Gelencke vom
Lauffe ab, und überreichet solches dem
Ober-Jäger-Meister, oder Comman-
deur
der Jagd, der solches so dann dem
König übergiebet.

§. 16.

Der Jagd-Juncker, welcher
die letzte Relais gehabt, muß den Wagen,
um den Hirsch ins Jagd-Quartier zu
bringen, herbey schaffen, da indessen der
Besuch-Knecht den Hirsch bewachen muß:
Jndessen blasen die andern alle mit den
Hunden zum Abzuge, die unter wegens
etwan aus Müdigkeit niedergelegten und
zurück-gebliebenen Hunde nach Hause zu
bringen, und in das Jagd-Quartier zu
führen, da denn diejenigen Pferde oder
Hunde, so etwan aus Müdigkeit verfan-
gen, oder verschlagen hätten, allenthal-
ben über und über mit Vorlauff oder star-
ckem Brandtewein eingerieben und be-
schmieret, oder ihnen im äussersten Noth-
Fall durch Aderschlagen geholffen werden
muß. So nun der Jagd-Juncker den
Wagen gebracht, und den Hirsch aufla-
den lassen, wird der Hirsch nach dem
Jagd-Quartier in Begleitung des Be-
such-Knechts geführet, allwo er abgela-
den, und auf einem grünen Platz ge-
strecket wird.

§. 17.

So bald er nun ankommen,
müssen ihn die Hunde-Knechte aufbre-
chen, und auswerffen, da indessen zwey
Hunde-Knechte im Stall Acht auf die
Hunde haben müssen, daß sie nicht schrey-
en, oder sich unter einander beissen, weil
die Hunde von dem Hirsch Wind haben
können. Die andern strecken den Hirsch
mit untergestütztem Gehörn auf den Rü-
cken, lösen die Haut von der Drossel, biß
an den Zain, und fangen an, an dem
rechten Forder-Lauff, wie gebräuchlich,
die Haut zu zerwürcken, und bedürffen-
den Falls auf Erforderung zu zerlegen.
Das Hertz, Lunge und Leber gehöret den
Leit-Hunds-Knechten, als ihr Recht,
welches dem Leit-Hund, um denselben
desto begieriger zu machen, nachdem er
an des Hirsches Kopff und Gehörn ge-
führet worden, gegeben wird. Der rech-
te Forder-Bog gehöret demjenigen, so

den

Des Dritten Th. 52. Cap. Ceremoniel bey der Par-Force-Jagd.
[Spaltenumbruch] kaͤme, muß der Jaͤger genau obſerviren,
ob er wuͤrcklich hindurch, oder daran auf-
waͤrts, oder unterwaͤrts geſetzet habe,
und wo er eigentlich ſeinen Kopff hin ge-
wendet, alsdann ſofort neben dem Waſſer
lang reuten, die Hunde mit Blaſen und
Schreyen herbey ruffen, und ihnen wei-
ſen, und laut zu ſchreyen, daß der Hirſch
ins Waſſer geſetzet, welches er etwan an
denen am Ufer hangenden Zweigen,
Schilff oder Graß, Holtz oder einem
Stein, ob ſolches alles trocken, oder naß
beſpritzet worden, wahrnehmen kan. Die
andern zu Pferde reuten zu beyden Sei-
ten des Waſſers, doch nicht zu nahe am
Ufer, weil der ausgeſprengte Hirſch auf
10. biß 12. Schritt lang mit ſeiner naſ-
ſen Klaue keinen Geruch in ſeiner Ge-
faͤhrd laſſen kan. Wann der Hirſch et-
wan in einen Teich oder See geſprungen,
muͤſſen die Hunde ja nicht zu ihm hinein
gelaſſen werden, denn er dieſelben entwe-
der mit dem Gehoͤrne ſtoſſen, oder mit den
Laͤufften ſchlagen moͤchte, davon die Hun-
de bloͤde und gaͤntzlich verdorben wuͤrden;
ſondern weil er vor Muͤdigkeit ſeine Reti-
rade
zum Waſſer genommen, muß ihm
lieber darinne Zeit gelaſſen werden, bis er
wieder von ſich ſelbſt heraus gehe, auch
hierdurch den erhitzten Leib, Flechſe, Ner-
ven, und Adern ſchaͤndlich erkaͤltet, und
davon verſchlagen hat, oder ſteiff gewor-
den, da man dann ihn deſto beſſer, wann
er wieder heraus gegangen, ſeinen Vor-
griff wieder nehmen, und ferner jagen,
auch, weil er, wie gedacht, ſteiff, und zur
fernern Flucht untuͤchtig geworden,
gar leicht vollends forciren, und ſtuͤrtzen
kan.

§. 15.

Wann ihn nun die Hunde er-
griffen, oder an einem Graben, Hecke,
oder dergleichen ſtaͤndig gemacht, muß
der Jaͤger herzu reiten, ihm mit dem
Hirſch-Faͤnger an der Seite nach dem
Hertzen den Fang zu geben, welches ge-
braͤuchlich, und, wenn er noch Kolben
hat, auch practicable iſt; Jm Fall er a-
ber das Gehoͤrn vollkommen hat, und
Gefahr zu beſorgen, muß eꝛ denen Hunden
anzugreiffen, und niederzuziehen zuſchrey-
en, oder die Flechſen der hintern Keulen,
die ſo genannten Heſſen abhauen, damit
er ſich nicht ſtellen, und ſtoſſen koͤnne.
Wann der Hirſch todt, muß es mit dem
Blaſen ins Horn kund gemacht, der Hals
und Gurgel geoͤffnet, und denen jungen
Hunden alſo warm ihr Genieß gegeben
werden; Jndeſſen loͤſet man des Hirſches
[Spaltenumbruch] rechten Forder-Laufft ab, dergeſtalt, daß
man die Haut erſtlich abloͤſet, hernach
zwiſchen der groſſen Flechſe und Klaue
einen halben Fuß aufſchlitzet; Darnach
ſondert man die Haut von der Roͤhre,
biß an das unterſte Gelencke, wo die
Ober-Klauen ſind, ab, ſchneidet die Haut
drey Finger breit auf, daß man die Hand
durchſtecken kan, loͤſet das Gelencke vom
Lauffe ab, und uͤberreichet ſolches dem
Ober-Jaͤger-Meiſter, oder Comman-
deur
der Jagd, der ſolches ſo dann dem
Koͤnig uͤbergiebet.

§. 16.

Der Jagd-Juncker, welcher
die letzte Relais gehabt, muß den Wagen,
um den Hirſch ins Jagd-Quartier zu
bringen, herbey ſchaffen, da indeſſen der
Beſuch-Knecht den Hirſch bewachen muß:
Jndeſſen blaſen die andern alle mit den
Hunden zum Abzuge, die unter wegens
etwan aus Muͤdigkeit niedergelegten und
zuruͤck-gebliebenen Hunde nach Hauſe zu
bringen, und in das Jagd-Quartier zu
fuͤhren, da denn diejenigen Pferde oder
Hunde, ſo etwan aus Muͤdigkeit verfan-
gen, oder verſchlagen haͤtten, allenthal-
ben uͤber und uͤber mit Vorlauff oder ſtar-
ckem Brandtewein eingerieben und be-
ſchmieret, oder ihnen im aͤuſſerſten Noth-
Fall durch Aderſchlagen geholffen werden
muß. So nun der Jagd-Juncker den
Wagen gebracht, und den Hirſch aufla-
den laſſen, wird der Hirſch nach dem
Jagd-Quartier in Begleitung des Be-
ſuch-Knechts gefuͤhret, allwo er abgela-
den, und auf einem gruͤnen Platz ge-
ſtrecket wird.

§. 17.

So bald er nun ankommen,
muͤſſen ihn die Hunde-Knechte aufbre-
chen, und auswerffen, da indeſſen zwey
Hunde-Knechte im Stall Acht auf die
Hunde haben muͤſſen, daß ſie nicht ſchrey-
en, oder ſich unter einander beiſſen, weil
die Hunde von dem Hirſch Wind haben
koͤnnen. Die andern ſtrecken den Hirſch
mit untergeſtuͤtztem Gehoͤrn auf den Ruͤ-
cken, loͤſen die Haut von der Droſſel, biß
an den Zain, und fangen an, an dem
rechten Forder-Lauff, wie gebraͤuchlich,
die Haut zu zerwuͤrcken, und beduͤrffen-
den Falls auf Erforderung zu zerlegen.
Das Hertz, Lunge und Leber gehoͤret den
Leit-Hunds-Knechten, als ihr Recht,
welches dem Leit-Hund, um denſelben
deſto begieriger zu machen, nachdem er
an des Hirſches Kopff und Gehoͤrn ge-
fuͤhret worden, gegeben wird. Der rech-
te Forder-Bog gehoͤret demjenigen, ſo

den
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0400" n="260"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Des Dritten Th. 52. Cap. <hi rendition="#aq">Ceremoniel</hi> bey der <hi rendition="#aq">Par-Force-</hi>Jagd.</hi></fw><lb/><cb/>
ka&#x0364;me, muß der Ja&#x0364;ger genau <hi rendition="#aq">ob&#x017F;ervi</hi>ren,<lb/>
ob er wu&#x0364;rcklich hindurch, oder daran auf-<lb/>
wa&#x0364;rts, oder unterwa&#x0364;rts ge&#x017F;etzet habe,<lb/>
und wo er eigentlich &#x017F;einen Kopff hin ge-<lb/>
wendet, alsdann &#x017F;ofort neben dem Wa&#x017F;&#x017F;er<lb/>
lang reuten, die Hunde mit Bla&#x017F;en und<lb/>
Schreyen herbey ruffen, und ihnen wei-<lb/>
&#x017F;en, und laut zu &#x017F;chreyen, daß der Hir&#x017F;ch<lb/>
ins Wa&#x017F;&#x017F;er ge&#x017F;etzet, welches er etwan an<lb/>
denen am Ufer hangenden Zweigen,<lb/>
Schilff oder Graß, Holtz oder einem<lb/>
Stein, ob &#x017F;olches alles trocken, oder naß<lb/>
be&#x017F;pritzet worden, wahrnehmen kan. Die<lb/>
andern zu Pferde reuten zu beyden Sei-<lb/>
ten des Wa&#x017F;&#x017F;ers, doch nicht zu nahe am<lb/>
Ufer, weil der ausge&#x017F;prengte Hir&#x017F;ch auf<lb/>
10. biß 12. Schritt lang mit &#x017F;einer na&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en Klaue keinen Geruch in &#x017F;einer Ge-<lb/>
fa&#x0364;hrd la&#x017F;&#x017F;en kan. Wann der Hir&#x017F;ch et-<lb/>
wan in einen Teich oder See ge&#x017F;prungen,<lb/>
mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en die Hunde ja nicht zu ihm hinein<lb/>
gela&#x017F;&#x017F;en werden, denn er die&#x017F;elben entwe-<lb/>
der mit dem Geho&#x0364;rne &#x017F;to&#x017F;&#x017F;en, oder mit den<lb/>
La&#x0364;ufften &#x017F;chlagen mo&#x0364;chte, davon die Hun-<lb/>
de blo&#x0364;de und ga&#x0364;ntzlich verdorben wu&#x0364;rden;<lb/>
&#x017F;ondern weil er vor Mu&#x0364;digkeit &#x017F;eine <hi rendition="#aq">Reti-<lb/>
rade</hi> zum Wa&#x017F;&#x017F;er genommen, muß ihm<lb/>
lieber darinne Zeit gela&#x017F;&#x017F;en werden, bis er<lb/>
wieder von &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;t heraus gehe, auch<lb/>
hierdurch den erhitzten Leib, Flech&#x017F;e, Ner-<lb/>
ven, und Adern &#x017F;cha&#x0364;ndlich erka&#x0364;ltet, und<lb/>
davon ver&#x017F;chlagen hat, oder &#x017F;teiff gewor-<lb/>
den, da man dann ihn de&#x017F;to be&#x017F;&#x017F;er, wann<lb/>
er wieder heraus gegangen, &#x017F;einen Vor-<lb/>
griff wieder nehmen, und ferner jagen,<lb/>
auch, weil er, wie gedacht, &#x017F;teiff, und zur<lb/>
fernern Flucht untu&#x0364;chtig geworden,<lb/>
gar leicht vollends <hi rendition="#aq">forci</hi>ren, und &#x017F;tu&#x0364;rtzen<lb/>
kan.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 15.</head>
            <p>Wann ihn nun die Hunde er-<lb/>
griffen, oder an einem Graben, Hecke,<lb/>
oder dergleichen &#x017F;ta&#x0364;ndig gemacht, muß<lb/>
der Ja&#x0364;ger herzu reiten, ihm mit dem<lb/>
Hir&#x017F;ch-Fa&#x0364;nger an der Seite nach dem<lb/>
Hertzen den Fang zu geben, welches ge-<lb/>
bra&#x0364;uchlich, und, wenn er noch Kolben<lb/>
hat, auch <hi rendition="#aq">practicable</hi> i&#x017F;t; Jm Fall er a-<lb/>
ber das Geho&#x0364;rn vollkommen hat, und<lb/>
Gefahr zu be&#x017F;orgen, muß e&#xA75B; denen Hunden<lb/>
anzugreiffen, und niederzuziehen zu&#x017F;chrey-<lb/>
en, oder die Flech&#x017F;en der hintern Keulen,<lb/>
die &#x017F;o genannten He&#x017F;&#x017F;en abhauen, damit<lb/>
er &#x017F;ich nicht &#x017F;tellen, und &#x017F;to&#x017F;&#x017F;en ko&#x0364;nne.<lb/>
Wann der Hir&#x017F;ch todt, muß es mit dem<lb/>
Bla&#x017F;en ins Horn kund gemacht, der Hals<lb/>
und Gurgel geo&#x0364;ffnet, und denen jungen<lb/>
Hunden al&#x017F;o warm ihr Genieß gegeben<lb/>
werden; Jnde&#x017F;&#x017F;en lo&#x0364;&#x017F;et man des Hir&#x017F;ches<lb/><cb/>
rechten Forder-Laufft ab, derge&#x017F;talt, daß<lb/>
man die Haut er&#x017F;tlich ablo&#x0364;&#x017F;et, hernach<lb/>
zwi&#x017F;chen der gro&#x017F;&#x017F;en Flech&#x017F;e und Klaue<lb/>
einen halben Fuß auf&#x017F;chlitzet; Darnach<lb/>
&#x017F;ondert man die Haut von der Ro&#x0364;hre,<lb/>
biß an das unter&#x017F;te Gelencke, wo die<lb/>
Ober-Klauen &#x017F;ind, ab, &#x017F;chneidet die Haut<lb/>
drey Finger breit auf, daß man die Hand<lb/>
durch&#x017F;tecken kan, lo&#x0364;&#x017F;et das Gelencke vom<lb/>
Lauffe ab, und u&#x0364;berreichet &#x017F;olches dem<lb/>
Ober-Ja&#x0364;ger-Mei&#x017F;ter, oder <hi rendition="#aq">Comman-<lb/>
deur</hi> der Jagd, der &#x017F;olches &#x017F;o dann dem<lb/>
Ko&#x0364;nig u&#x0364;bergiebet.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 16.</head>
            <p>Der Jagd-Juncker, welcher<lb/>
die letzte <hi rendition="#aq">Relais</hi> gehabt, muß den Wagen,<lb/>
um den Hir&#x017F;ch ins Jagd-<hi rendition="#aq">Quartier</hi> zu<lb/>
bringen, herbey &#x017F;chaffen, da inde&#x017F;&#x017F;en der<lb/>
Be&#x017F;uch-Knecht den Hir&#x017F;ch bewachen muß:<lb/>
Jnde&#x017F;&#x017F;en bla&#x017F;en die andern alle mit den<lb/>
Hunden zum Abzuge, die unter wegens<lb/>
etwan aus Mu&#x0364;digkeit niedergelegten und<lb/>
zuru&#x0364;ck-gebliebenen Hunde nach Hau&#x017F;e zu<lb/>
bringen, und in das Jagd-<hi rendition="#aq">Quartier</hi> zu<lb/>
fu&#x0364;hren, da denn diejenigen Pferde oder<lb/>
Hunde, &#x017F;o etwan aus Mu&#x0364;digkeit verfan-<lb/>
gen, oder ver&#x017F;chlagen ha&#x0364;tten, allenthal-<lb/>
ben u&#x0364;ber und u&#x0364;ber mit Vorlauff oder &#x017F;tar-<lb/>
ckem Brandtewein eingerieben und be-<lb/>
&#x017F;chmieret, oder ihnen im a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;er&#x017F;ten Noth-<lb/>
Fall durch Ader&#x017F;chlagen geholffen werden<lb/>
muß. So nun der Jagd-Juncker den<lb/>
Wagen gebracht, und den Hir&#x017F;ch aufla-<lb/>
den la&#x017F;&#x017F;en, wird der Hir&#x017F;ch nach dem<lb/>
Jagd-<hi rendition="#aq">Quartier</hi> in Begleitung des Be-<lb/>
&#x017F;uch-Knechts gefu&#x0364;hret, allwo er abgela-<lb/>
den, und auf einem gru&#x0364;nen Platz ge-<lb/>
&#x017F;trecket wird.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 17.</head>
            <p>So bald er nun ankommen,<lb/>
mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en ihn die Hunde-Knechte aufbre-<lb/>
chen, und auswerffen, da inde&#x017F;&#x017F;en zwey<lb/>
Hunde-Knechte im Stall Acht auf die<lb/>
Hunde haben mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en, daß &#x017F;ie nicht &#x017F;chrey-<lb/>
en, oder &#x017F;ich unter einander bei&#x017F;&#x017F;en, weil<lb/>
die Hunde von dem Hir&#x017F;ch Wind haben<lb/>
ko&#x0364;nnen. Die andern &#x017F;trecken den Hir&#x017F;ch<lb/>
mit unterge&#x017F;tu&#x0364;tztem Geho&#x0364;rn auf den Ru&#x0364;-<lb/>
cken, lo&#x0364;&#x017F;en die Haut von der Dro&#x017F;&#x017F;el, biß<lb/>
an den Zain, und fangen an, an dem<lb/>
rechten Forder-Lauff, wie gebra&#x0364;uchlich,<lb/>
die Haut zu zerwu&#x0364;rcken, und bedu&#x0364;rffen-<lb/>
den Falls auf Erforderung zu zerlegen.<lb/>
Das Hertz, Lunge und Leber geho&#x0364;ret den<lb/>
Leit-Hunds-Knechten, als ihr Recht,<lb/>
welches dem Leit-Hund, um den&#x017F;elben<lb/>
de&#x017F;to begieriger zu machen, nachdem er<lb/>
an des Hir&#x017F;ches Kopff und Geho&#x0364;rn ge-<lb/>
fu&#x0364;hret worden, gegeben wird. Der rech-<lb/>
te Forder-Bog geho&#x0364;ret demjenigen, &#x017F;o<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">den</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[260/0400] Des Dritten Th. 52. Cap. Ceremoniel bey der Par-Force-Jagd. kaͤme, muß der Jaͤger genau obſerviren, ob er wuͤrcklich hindurch, oder daran auf- waͤrts, oder unterwaͤrts geſetzet habe, und wo er eigentlich ſeinen Kopff hin ge- wendet, alsdann ſofort neben dem Waſſer lang reuten, die Hunde mit Blaſen und Schreyen herbey ruffen, und ihnen wei- ſen, und laut zu ſchreyen, daß der Hirſch ins Waſſer geſetzet, welches er etwan an denen am Ufer hangenden Zweigen, Schilff oder Graß, Holtz oder einem Stein, ob ſolches alles trocken, oder naß beſpritzet worden, wahrnehmen kan. Die andern zu Pferde reuten zu beyden Sei- ten des Waſſers, doch nicht zu nahe am Ufer, weil der ausgeſprengte Hirſch auf 10. biß 12. Schritt lang mit ſeiner naſ- ſen Klaue keinen Geruch in ſeiner Ge- faͤhrd laſſen kan. Wann der Hirſch et- wan in einen Teich oder See geſprungen, muͤſſen die Hunde ja nicht zu ihm hinein gelaſſen werden, denn er dieſelben entwe- der mit dem Gehoͤrne ſtoſſen, oder mit den Laͤufften ſchlagen moͤchte, davon die Hun- de bloͤde und gaͤntzlich verdorben wuͤrden; ſondern weil er vor Muͤdigkeit ſeine Reti- rade zum Waſſer genommen, muß ihm lieber darinne Zeit gelaſſen werden, bis er wieder von ſich ſelbſt heraus gehe, auch hierdurch den erhitzten Leib, Flechſe, Ner- ven, und Adern ſchaͤndlich erkaͤltet, und davon verſchlagen hat, oder ſteiff gewor- den, da man dann ihn deſto beſſer, wann er wieder heraus gegangen, ſeinen Vor- griff wieder nehmen, und ferner jagen, auch, weil er, wie gedacht, ſteiff, und zur fernern Flucht untuͤchtig geworden, gar leicht vollends forciren, und ſtuͤrtzen kan. §. 15.Wann ihn nun die Hunde er- griffen, oder an einem Graben, Hecke, oder dergleichen ſtaͤndig gemacht, muß der Jaͤger herzu reiten, ihm mit dem Hirſch-Faͤnger an der Seite nach dem Hertzen den Fang zu geben, welches ge- braͤuchlich, und, wenn er noch Kolben hat, auch practicable iſt; Jm Fall er a- ber das Gehoͤrn vollkommen hat, und Gefahr zu beſorgen, muß eꝛ denen Hunden anzugreiffen, und niederzuziehen zuſchrey- en, oder die Flechſen der hintern Keulen, die ſo genannten Heſſen abhauen, damit er ſich nicht ſtellen, und ſtoſſen koͤnne. Wann der Hirſch todt, muß es mit dem Blaſen ins Horn kund gemacht, der Hals und Gurgel geoͤffnet, und denen jungen Hunden alſo warm ihr Genieß gegeben werden; Jndeſſen loͤſet man des Hirſches rechten Forder-Laufft ab, dergeſtalt, daß man die Haut erſtlich abloͤſet, hernach zwiſchen der groſſen Flechſe und Klaue einen halben Fuß aufſchlitzet; Darnach ſondert man die Haut von der Roͤhre, biß an das unterſte Gelencke, wo die Ober-Klauen ſind, ab, ſchneidet die Haut drey Finger breit auf, daß man die Hand durchſtecken kan, loͤſet das Gelencke vom Lauffe ab, und uͤberreichet ſolches dem Ober-Jaͤger-Meiſter, oder Comman- deur der Jagd, der ſolches ſo dann dem Koͤnig uͤbergiebet. §. 16.Der Jagd-Juncker, welcher die letzte Relais gehabt, muß den Wagen, um den Hirſch ins Jagd-Quartier zu bringen, herbey ſchaffen, da indeſſen der Beſuch-Knecht den Hirſch bewachen muß: Jndeſſen blaſen die andern alle mit den Hunden zum Abzuge, die unter wegens etwan aus Muͤdigkeit niedergelegten und zuruͤck-gebliebenen Hunde nach Hauſe zu bringen, und in das Jagd-Quartier zu fuͤhren, da denn diejenigen Pferde oder Hunde, ſo etwan aus Muͤdigkeit verfan- gen, oder verſchlagen haͤtten, allenthal- ben uͤber und uͤber mit Vorlauff oder ſtar- ckem Brandtewein eingerieben und be- ſchmieret, oder ihnen im aͤuſſerſten Noth- Fall durch Aderſchlagen geholffen werden muß. So nun der Jagd-Juncker den Wagen gebracht, und den Hirſch aufla- den laſſen, wird der Hirſch nach dem Jagd-Quartier in Begleitung des Be- ſuch-Knechts gefuͤhret, allwo er abgela- den, und auf einem gruͤnen Platz ge- ſtrecket wird. §. 17.So bald er nun ankommen, muͤſſen ihn die Hunde-Knechte aufbre- chen, und auswerffen, da indeſſen zwey Hunde-Knechte im Stall Acht auf die Hunde haben muͤſſen, daß ſie nicht ſchrey- en, oder ſich unter einander beiſſen, weil die Hunde von dem Hirſch Wind haben koͤnnen. Die andern ſtrecken den Hirſch mit untergeſtuͤtztem Gehoͤrn auf den Ruͤ- cken, loͤſen die Haut von der Droſſel, biß an den Zain, und fangen an, an dem rechten Forder-Lauff, wie gebraͤuchlich, die Haut zu zerwuͤrcken, und beduͤrffen- den Falls auf Erforderung zu zerlegen. Das Hertz, Lunge und Leber gehoͤret den Leit-Hunds-Knechten, als ihr Recht, welches dem Leit-Hund, um denſelben deſto begieriger zu machen, nachdem er an des Hirſches Kopff und Gehoͤrn ge- fuͤhret worden, gegeben wird. Der rech- te Forder-Bog gehoͤret demjenigen, ſo den

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger02_1724
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger02_1724/400
Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724, S. 260. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger02_1724/400>, abgerufen am 20.06.2019.