Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724.

Bild:
<< vorherige Seite

Von dem Gebürge.
[Spaltenumbruch] hohen Gebürgen findet man jederzeit des
Sommers und Winters einen sehr tieffen
Schnee, welcher sich von vielen Jahren
her daselbst gehäufft; Aus dessen Durch-
schnitte, wenn er Schicht-weise überein-
ander liegt, und mit dem dazwischen ge-
fallenen Laub und Tannen-Nadeln ver-
mischt ist, kan man die Anzahl der Jah-
re, nach welchen er Schicht-weise über-
einander gelegen, gar deutlich bemer-
cken.

§. 7.

Daß die Gebürge rechte Artze-
ney-Kräuter-Gärten zu nennen, hab ich
oben gesagt, und kan ich aus eigener Er-
fahrung davon zeugen. Denn als ich
An. 1714. als Königlich-Polnischer und
Churfürstlich-Sächßischer Capitain zu
Fuß auf die Grentz-Postirung zwischen
Böhmen und Schlesien auf Sächßischer
Grentze zu Wiegansthal, dem Herrn
Obristen von Gersdorff gehörigen Gü-
tern, im Quartier gelegen/ so habe mich
offters dann und wann, da ich von mei-
nem Postirungs-Commando abkommen
können, mit Besteigung und Anschau-
ung des daselbst angrentzenden weitbe-
rühmten Riesen-Gebürges, und der o-
ben daselbst befindlichen Oerter, nahment-
lich der Stein-Klippen, der Tafel-Fichten,
auch der Grentzen, wo Sachsen, Böhmen
und Schlesien an einander stossen, diver-
ti
ret, und Kräuter von gar besondrer
Krafft und Tugend angetroffen. So
haben mich einige Anwohner dieser Ge-
genden versichern wollen, daß Kräuter
daselbst wüchsen, dadurch Menschen und
Viehe sich könten feste machen, welches
ich in seinem Werth und Unwerth beru-
hen lasse.

§. 8.

Zu Krieges-Zeiten müssen
die gebürgischen Gegenden, vor die
bedrängten armen Einwohner wider
manches Streiffen der feindlichen Par-
theyen eine Schutzwehre und Bollwerck
abgeben. Es haben vor einigen Zeiten
alte Leute noch zu erzehlen gewust, daß
in dem Ertzgebürgischen Creyße, als der
dreyßigjährige Krieg das arme Sachsen-
Land nebst andern Provintzen Teutsch-
landes zugleich in Flammen setzte, die
armen Gebürger sich mit den ihrigen und
mit ihrem Vieh wider manchen Anlauf
in dem Gebürge gerettet, da sie sich auf
allen Seiten zugleich mit Holtz wohl ver-
hauen, und mit Herunterkollern der
grossen Bäume und Balcken, auch dem
Abwerffen der Steine, den Feinden man-
chen Schaden zugefüget. Jngleichen ist
[Spaltenumbruch] noch bekandt, wie zu Eingang des jetzigen
Seculi, als der Churfürst zu Bäyern sich
wider den Käyser und das Reich empö-
rete, die Tyrolischen Bauern von ihren
Bergen den Feinden fast grössern Ab-
bruch gethan, als die regulirten Troup-
pen aus ihren Lagern.

§. 9.

Von denen Bergen haben sehr viel
Städte in Teutschland ihre Benennung er-
halten, als Danneberg, Marienberg, Ca-
tharinenberg, Voigtsberg, Perlberg, und
viel andere mehr. Jngleichen haben sie viel
berühmten Geschlechtern den Nahmen
gegeben, als denen Grafen von Warten-
berg, denen von Rechenberg, von Schön-
berg, von Franckenberg und viel andern.

§. 10.

Die Gebürge sind von mancher-
ley Natur und Beschaffenheit, einige sind
gantz rauh und kahl, auf welchen fast
gar nichts wachsen will, und bey diesen
hat es die göttliche Weißheit und Liebe
also geordnet, daß solche, weil sie auf ih-
rer Oberfläche den Menschen keine Dien-
ste leisten können, mehrentheils in ihrem
Eingeweyde ihre Schätze verborgen ha-
ben. Andere sind mit Bäumen und
guten Kräutern besetzt, und müssen sol-
che zu einer guten Hutung vor das Vieh
dienen. Noch andere zinsen ihren Besi-
tzern und Eigenthums-Herrn allerhand
Steine, an Werckstücken, Bruchsteinen,
Kalck und andern Steinen. Eigentlich
sind die Gebürge in dreyerley Arten ein-
zutheilen, als in die Sand-Gebürge, in
die Wein-Gebürge, die mit Wein-Ber-
gen angelegt und ausgezieret seyn, und
in die Stein-Gebürge, da man Felsen,
Klippen, Wacken und grosse Steine an-
trifft. Jch will dieses Capitel mit dem
10. v. des 148. Psalmens beschlüssen: Es
loben den HErrn die Berge und alle
Hügel, die fruchtbaren Bäume und al-
le Cedern-Bäume, die Thiere und alles
Vieh, die kriechenden Thiere und das
Gevögel.

Das 3. Capitel/
Von den Stein-Felsen und
Klippen.
§. 1.

Unter denen Gebürgen trifft man eini-
ge an, welche die Natur aus puren
Steinen ausgearbeitet; Es sind dieselben
von einer wunderbahren Gestalt, einige
sind, wie runde Kuchen oder Brodte ü-
ber einander geschichtet, andere haben ei-
ne Kegel-formige Gestalt, noch andere

find
A 3

Von dem Gebuͤrge.
[Spaltenumbruch] hohen Gebuͤrgen findet man jederzeit des
Sommers und Winters einen ſehr tieffen
Schnee, welcher ſich von vielen Jahren
her daſelbſt gehaͤufft; Aus deſſen Durch-
ſchnitte, wenn er Schicht-weiſe uͤberein-
ander liegt, und mit dem dazwiſchen ge-
fallenen Laub und Tannen-Nadeln ver-
miſcht iſt, kan man die Anzahl der Jah-
re, nach welchen er Schicht-weiſe uͤber-
einander gelegen, gar deutlich bemer-
cken.

§. 7.

Daß die Gebuͤrge rechte Artze-
ney-Kraͤuter-Gaͤrten zu nennen, hab ich
oben geſagt, und kan ich aus eigener Er-
fahrung davon zeugen. Denn als ich
An. 1714. als Koͤniglich-Polniſcher und
Churfuͤrſtlich-Saͤchßiſcher Capitain zu
Fuß auf die Grentz-Poſtirung zwiſchen
Boͤhmen und Schleſien auf Saͤchßiſcher
Grentze zu Wiegansthal, dem Herrn
Obriſten von Gersdorff gehoͤrigen Guͤ-
tern, im Quartier gelegen/ ſo habe mich
offters dann und wann, da ich von mei-
nem Poſtirungs-Commando abkommen
koͤnnen, mit Beſteigung und Anſchau-
ung des daſelbſt angrentzenden weitbe-
ruͤhmten Rieſen-Gebuͤrges, und der o-
ben daſelbſt befindlichen Oerter, nahment-
lich der Stein-Klippen, der Tafel-Fichten,
auch der Grentzen, wo Sachſen, Boͤhmen
und Schleſien an einander ſtoſſen, diver-
ti
ret, und Kraͤuter von gar beſondrer
Krafft und Tugend angetroffen. So
haben mich einige Anwohner dieſer Ge-
genden verſichern wollen, daß Kraͤuter
daſelbſt wuͤchſen, dadurch Menſchen und
Viehe ſich koͤnten feſte machen, welches
ich in ſeinem Werth und Unwerth beru-
hen laſſe.

§. 8.

Zu Krieges-Zeiten muͤſſen
die gebuͤrgiſchen Gegenden, vor die
bedraͤngten armen Einwohner wider
manches Streiffen der feindlichen Par-
theyen eine Schutzwehre und Bollwerck
abgeben. Es haben vor einigen Zeiten
alte Leute noch zu erzehlen gewuſt, daß
in dem Ertzgebuͤrgiſchen Creyße, als der
dreyßigjaͤhrige Krieg das arme Sachſen-
Land nebſt andern Provintzen Teutſch-
landes zugleich in Flammen ſetzte, die
armen Gebuͤrger ſich mit den ihrigen und
mit ihrem Vieh wider manchen Anlauf
in dem Gebuͤrge gerettet, da ſie ſich auf
allen Seiten zugleich mit Holtz wohl ver-
hauen, und mit Herunterkollern der
groſſen Baͤume und Balcken, auch dem
Abwerffen der Steine, den Feinden man-
chen Schaden zugefuͤget. Jngleichen iſt
[Spaltenumbruch] noch bekandt, wie zu Eingang des jetzigen
Seculi, als der Churfuͤrſt zu Baͤyern ſich
wider den Kaͤyſer und das Reich empoͤ-
rete, die Tyroliſchen Bauern von ihren
Bergen den Feinden faſt groͤſſern Ab-
bruch gethan, als die regulirten Troup-
pen aus ihren Lagern.

§. 9.

Von denen Bergen haben ſehr viel
Staͤdte in Teutſchland ihre Beneñung er-
halten, als Danneberg, Marienberg, Ca-
tharinenberg, Voigtsberg, Perlberg, und
viel andere mehr. Jngleichen haben ſie viel
beruͤhmten Geſchlechtern den Nahmen
gegeben, als denen Grafen von Warten-
berg, denen von Rechenberg, von Schoͤn-
berg, von Franckenberg und viel andern.

§. 10.

Die Gebuͤrge ſind von mancher-
ley Natur und Beſchaffenheit, einige ſind
gantz rauh und kahl, auf welchen faſt
gar nichts wachſen will, und bey dieſen
hat es die goͤttliche Weißheit und Liebe
alſo geordnet, daß ſolche, weil ſie auf ih-
rer Oberflaͤche den Menſchen keine Dien-
ſte leiſten koͤnnen, mehrentheils in ihrem
Eingeweyde ihre Schaͤtze verborgen ha-
ben. Andere ſind mit Baͤumen und
guten Kraͤutern beſetzt, und muͤſſen ſol-
che zu einer guten Hutung vor das Vieh
dienen. Noch andere zinſen ihren Beſi-
tzern und Eigenthums-Herrn allerhand
Steine, an Werckſtuͤcken, Bruchſteinen,
Kalck und andern Steinen. Eigentlich
ſind die Gebuͤrge in dreyerley Arten ein-
zutheilen, als in die Sand-Gebuͤrge, in
die Wein-Gebuͤrge, die mit Wein-Ber-
gen angelegt und ausgezieret ſeyn, und
in die Stein-Gebuͤrge, da man Felſen,
Klippen, Wacken und groſſe Steine an-
trifft. Jch will dieſes Capitel mit dem
10. v. des 148. Pſalmens beſchluͤſſen: Es
loben den HErrn die Berge und alle
Huͤgel, die fruchtbaren Baͤume und al-
le Cedern-Baͤume, die Thiere und alles
Vieh, die kriechenden Thiere und das
Gevoͤgel.

Das 3. Capitel/
Von den Stein-Felſen und
Klippen.
§. 1.

Unter denen Gebuͤrgen trifft man eini-
ge an, welche die Natur aus puren
Steinen ausgearbeitet; Es ſind dieſelben
von einer wunderbahren Geſtalt, einige
ſind, wie runde Kuchen oder Brodte uͤ-
ber einander geſchichtet, andere haben ei-
ne Kegel-formige Geſtalt, noch andere

find
A 3
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0045" n="5"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Von dem Gebu&#x0364;rge.</hi></fw><lb/><cb/>
hohen Gebu&#x0364;rgen findet man jederzeit des<lb/>
Sommers und Winters einen &#x017F;ehr tieffen<lb/>
Schnee, welcher &#x017F;ich von vielen Jahren<lb/>
her da&#x017F;elb&#x017F;t geha&#x0364;ufft; Aus de&#x017F;&#x017F;en Durch-<lb/>
&#x017F;chnitte, wenn er Schicht-wei&#x017F;e u&#x0364;berein-<lb/>
ander liegt, und mit dem dazwi&#x017F;chen ge-<lb/>
fallenen Laub und Tannen-Nadeln ver-<lb/>
mi&#x017F;cht i&#x017F;t, kan man die Anzahl der Jah-<lb/>
re, nach welchen er Schicht-wei&#x017F;e u&#x0364;ber-<lb/>
einander gelegen, gar deutlich bemer-<lb/>
cken.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 7.</head>
            <p>Daß die Gebu&#x0364;rge rechte Artze-<lb/>
ney-Kra&#x0364;uter-Ga&#x0364;rten zu nennen, hab ich<lb/>
oben ge&#x017F;agt, und kan ich aus eigener Er-<lb/>
fahrung davon zeugen. Denn als ich<lb/>
An. 1714. als Ko&#x0364;niglich-Polni&#x017F;cher und<lb/>
Churfu&#x0364;r&#x017F;tlich-Sa&#x0364;chßi&#x017F;cher <hi rendition="#aq">Capitain</hi> zu<lb/>
Fuß auf die Grentz-Po&#x017F;tirung zwi&#x017F;chen<lb/>
Bo&#x0364;hmen und Schle&#x017F;ien auf Sa&#x0364;chßi&#x017F;cher<lb/>
Grentze zu Wiegansthal, dem Herrn<lb/>
Obri&#x017F;ten von Gersdorff geho&#x0364;rigen Gu&#x0364;-<lb/>
tern, im Quartier gelegen/ &#x017F;o habe mich<lb/>
offters dann und wann, da ich von mei-<lb/>
nem Po&#x017F;tirungs-<hi rendition="#aq">Commando</hi> abkommen<lb/>
ko&#x0364;nnen, mit Be&#x017F;teigung und An&#x017F;chau-<lb/>
ung des da&#x017F;elb&#x017F;t angrentzenden weitbe-<lb/>
ru&#x0364;hmten Rie&#x017F;en-Gebu&#x0364;rges, und der o-<lb/>
ben da&#x017F;elb&#x017F;t befindlichen Oerter, nahment-<lb/>
lich der Stein-Klippen, der Tafel-Fichten,<lb/>
auch der Grentzen, wo Sach&#x017F;en, Bo&#x0364;hmen<lb/>
und Schle&#x017F;ien an einander &#x017F;to&#x017F;&#x017F;en, <hi rendition="#aq">diver-<lb/>
ti</hi>ret, und Kra&#x0364;uter von gar be&#x017F;ondrer<lb/>
Krafft und Tugend angetroffen. So<lb/>
haben mich einige Anwohner die&#x017F;er Ge-<lb/>
genden ver&#x017F;ichern wollen, daß Kra&#x0364;uter<lb/>
da&#x017F;elb&#x017F;t wu&#x0364;ch&#x017F;en, dadurch Men&#x017F;chen und<lb/>
Viehe &#x017F;ich ko&#x0364;nten fe&#x017F;te machen, welches<lb/>
ich in &#x017F;einem Werth und Unwerth beru-<lb/>
hen la&#x017F;&#x017F;e.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 8.</head>
            <p>Zu Krieges-Zeiten mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en<lb/>
die gebu&#x0364;rgi&#x017F;chen Gegenden, vor die<lb/>
bedra&#x0364;ngten armen Einwohner wider<lb/>
manches Streiffen der feindlichen Par-<lb/>
theyen eine Schutzwehre und Bollwerck<lb/>
abgeben. Es haben vor einigen Zeiten<lb/>
alte Leute noch zu erzehlen gewu&#x017F;t, daß<lb/>
in dem Ertzgebu&#x0364;rgi&#x017F;chen Creyße, als der<lb/>
dreyßigja&#x0364;hrige Krieg das arme Sach&#x017F;en-<lb/>
Land neb&#x017F;t andern Provintzen Teut&#x017F;ch-<lb/>
landes zugleich in Flammen &#x017F;etzte, die<lb/>
armen Gebu&#x0364;rger &#x017F;ich mit den ihrigen und<lb/>
mit ihrem Vieh wider manchen Anlauf<lb/>
in dem Gebu&#x0364;rge gerettet, da &#x017F;ie &#x017F;ich auf<lb/>
allen Seiten zugleich mit Holtz wohl ver-<lb/>
hauen, und mit Herunterkollern der<lb/>
gro&#x017F;&#x017F;en Ba&#x0364;ume und Balcken, auch dem<lb/>
Abwerffen der Steine, den Feinden man-<lb/>
chen Schaden zugefu&#x0364;get. Jngleichen i&#x017F;t<lb/><cb/>
noch bekandt, wie zu Eingang des jetzigen<lb/><hi rendition="#aq">Seculi,</hi> als der Churfu&#x0364;r&#x017F;t zu Ba&#x0364;yern &#x017F;ich<lb/>
wider den Ka&#x0364;y&#x017F;er und das Reich empo&#x0364;-<lb/>
rete, die Tyroli&#x017F;chen Bauern von ihren<lb/>
Bergen den Feinden fa&#x017F;t gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;ern Ab-<lb/>
bruch gethan, als die <hi rendition="#aq">regulirt</hi>en Troup-<lb/>
pen aus ihren Lagern.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 9.</head>
            <p>Von denen Bergen haben &#x017F;ehr viel<lb/>
Sta&#x0364;dte in Teut&#x017F;chland ihre Benen&#x0303;ung er-<lb/>
halten, als Danneberg, Marienberg, Ca-<lb/>
tharinenberg, Voigtsberg, Perlberg, und<lb/>
viel andere mehr. Jngleichen haben &#x017F;ie viel<lb/>
beru&#x0364;hmten Ge&#x017F;chlechtern den Nahmen<lb/>
gegeben, als denen Grafen von Warten-<lb/>
berg, denen von Rechenberg, von Scho&#x0364;n-<lb/>
berg, von Franckenberg und viel andern.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 10.</head>
            <p>Die Gebu&#x0364;rge &#x017F;ind von mancher-<lb/>
ley Natur und Be&#x017F;chaffenheit, einige &#x017F;ind<lb/>
gantz rauh und kahl, auf welchen fa&#x017F;t<lb/>
gar nichts wach&#x017F;en will, und bey die&#x017F;en<lb/>
hat es die go&#x0364;ttliche Weißheit und Liebe<lb/>
al&#x017F;o geordnet, daß &#x017F;olche, weil &#x017F;ie auf ih-<lb/>
rer Oberfla&#x0364;che den Men&#x017F;chen keine Dien-<lb/>
&#x017F;te lei&#x017F;ten ko&#x0364;nnen, mehrentheils in ihrem<lb/>
Eingeweyde ihre Scha&#x0364;tze verborgen ha-<lb/>
ben. Andere &#x017F;ind mit Ba&#x0364;umen und<lb/>
guten Kra&#x0364;utern be&#x017F;etzt, und mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ol-<lb/>
che zu einer guten Hutung vor das Vieh<lb/>
dienen. Noch andere zin&#x017F;en ihren Be&#x017F;i-<lb/>
tzern und Eigenthums-Herrn allerhand<lb/>
Steine, an Werck&#x017F;tu&#x0364;cken, Bruch&#x017F;teinen,<lb/>
Kalck und andern Steinen. Eigentlich<lb/>
&#x017F;ind die Gebu&#x0364;rge in dreyerley Arten ein-<lb/>
zutheilen, als in die Sand-Gebu&#x0364;rge, in<lb/>
die Wein-Gebu&#x0364;rge, die mit Wein-Ber-<lb/>
gen angelegt und ausgezieret &#x017F;eyn, und<lb/>
in die Stein-Gebu&#x0364;rge, da man Fel&#x017F;en,<lb/>
Klippen, Wacken und gro&#x017F;&#x017F;e Steine an-<lb/>
trifft. Jch will die&#x017F;es Capitel mit dem<lb/>
10. v. des 148. P&#x017F;almens be&#x017F;chlu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en: Es<lb/>
loben den HErrn die Berge und alle<lb/>
Hu&#x0364;gel, die fruchtbaren Ba&#x0364;ume und al-<lb/>
le Cedern-Ba&#x0364;ume, die Thiere und alles<lb/>
Vieh, die kriechenden Thiere und das<lb/>
Gevo&#x0364;gel.</p>
          </div>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Das 3. Capitel/<lb/>
Von den Stein-Fel&#x017F;en und<lb/>
Klippen.</hi> </head><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 1.</head><lb/>
            <p><hi rendition="#in">U</hi>nter denen Gebu&#x0364;rgen trifft man eini-<lb/>
ge an, welche die Natur aus puren<lb/>
Steinen ausgearbeitet; Es &#x017F;ind die&#x017F;elben<lb/>
von einer wunderbahren Ge&#x017F;talt, einige<lb/>
&#x017F;ind, wie runde Kuchen oder Brodte u&#x0364;-<lb/>
ber einander ge&#x017F;chichtet, andere haben ei-<lb/>
ne Kegel-formige Ge&#x017F;talt, noch andere<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">A 3</fw><fw place="bottom" type="catch">find</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[5/0045] Von dem Gebuͤrge. hohen Gebuͤrgen findet man jederzeit des Sommers und Winters einen ſehr tieffen Schnee, welcher ſich von vielen Jahren her daſelbſt gehaͤufft; Aus deſſen Durch- ſchnitte, wenn er Schicht-weiſe uͤberein- ander liegt, und mit dem dazwiſchen ge- fallenen Laub und Tannen-Nadeln ver- miſcht iſt, kan man die Anzahl der Jah- re, nach welchen er Schicht-weiſe uͤber- einander gelegen, gar deutlich bemer- cken. §. 7. Daß die Gebuͤrge rechte Artze- ney-Kraͤuter-Gaͤrten zu nennen, hab ich oben geſagt, und kan ich aus eigener Er- fahrung davon zeugen. Denn als ich An. 1714. als Koͤniglich-Polniſcher und Churfuͤrſtlich-Saͤchßiſcher Capitain zu Fuß auf die Grentz-Poſtirung zwiſchen Boͤhmen und Schleſien auf Saͤchßiſcher Grentze zu Wiegansthal, dem Herrn Obriſten von Gersdorff gehoͤrigen Guͤ- tern, im Quartier gelegen/ ſo habe mich offters dann und wann, da ich von mei- nem Poſtirungs-Commando abkommen koͤnnen, mit Beſteigung und Anſchau- ung des daſelbſt angrentzenden weitbe- ruͤhmten Rieſen-Gebuͤrges, und der o- ben daſelbſt befindlichen Oerter, nahment- lich der Stein-Klippen, der Tafel-Fichten, auch der Grentzen, wo Sachſen, Boͤhmen und Schleſien an einander ſtoſſen, diver- tiret, und Kraͤuter von gar beſondrer Krafft und Tugend angetroffen. So haben mich einige Anwohner dieſer Ge- genden verſichern wollen, daß Kraͤuter daſelbſt wuͤchſen, dadurch Menſchen und Viehe ſich koͤnten feſte machen, welches ich in ſeinem Werth und Unwerth beru- hen laſſe. §. 8. Zu Krieges-Zeiten muͤſſen die gebuͤrgiſchen Gegenden, vor die bedraͤngten armen Einwohner wider manches Streiffen der feindlichen Par- theyen eine Schutzwehre und Bollwerck abgeben. Es haben vor einigen Zeiten alte Leute noch zu erzehlen gewuſt, daß in dem Ertzgebuͤrgiſchen Creyße, als der dreyßigjaͤhrige Krieg das arme Sachſen- Land nebſt andern Provintzen Teutſch- landes zugleich in Flammen ſetzte, die armen Gebuͤrger ſich mit den ihrigen und mit ihrem Vieh wider manchen Anlauf in dem Gebuͤrge gerettet, da ſie ſich auf allen Seiten zugleich mit Holtz wohl ver- hauen, und mit Herunterkollern der groſſen Baͤume und Balcken, auch dem Abwerffen der Steine, den Feinden man- chen Schaden zugefuͤget. Jngleichen iſt noch bekandt, wie zu Eingang des jetzigen Seculi, als der Churfuͤrſt zu Baͤyern ſich wider den Kaͤyſer und das Reich empoͤ- rete, die Tyroliſchen Bauern von ihren Bergen den Feinden faſt groͤſſern Ab- bruch gethan, als die regulirten Troup- pen aus ihren Lagern. §. 9. Von denen Bergen haben ſehr viel Staͤdte in Teutſchland ihre Beneñung er- halten, als Danneberg, Marienberg, Ca- tharinenberg, Voigtsberg, Perlberg, und viel andere mehr. Jngleichen haben ſie viel beruͤhmten Geſchlechtern den Nahmen gegeben, als denen Grafen von Warten- berg, denen von Rechenberg, von Schoͤn- berg, von Franckenberg und viel andern. §. 10. Die Gebuͤrge ſind von mancher- ley Natur und Beſchaffenheit, einige ſind gantz rauh und kahl, auf welchen faſt gar nichts wachſen will, und bey dieſen hat es die goͤttliche Weißheit und Liebe alſo geordnet, daß ſolche, weil ſie auf ih- rer Oberflaͤche den Menſchen keine Dien- ſte leiſten koͤnnen, mehrentheils in ihrem Eingeweyde ihre Schaͤtze verborgen ha- ben. Andere ſind mit Baͤumen und guten Kraͤutern beſetzt, und muͤſſen ſol- che zu einer guten Hutung vor das Vieh dienen. Noch andere zinſen ihren Beſi- tzern und Eigenthums-Herrn allerhand Steine, an Werckſtuͤcken, Bruchſteinen, Kalck und andern Steinen. Eigentlich ſind die Gebuͤrge in dreyerley Arten ein- zutheilen, als in die Sand-Gebuͤrge, in die Wein-Gebuͤrge, die mit Wein-Ber- gen angelegt und ausgezieret ſeyn, und in die Stein-Gebuͤrge, da man Felſen, Klippen, Wacken und groſſe Steine an- trifft. Jch will dieſes Capitel mit dem 10. v. des 148. Pſalmens beſchluͤſſen: Es loben den HErrn die Berge und alle Huͤgel, die fruchtbaren Baͤume und al- le Cedern-Baͤume, die Thiere und alles Vieh, die kriechenden Thiere und das Gevoͤgel. Das 3. Capitel/ Von den Stein-Felſen und Klippen. §. 1. Unter denen Gebuͤrgen trifft man eini- ge an, welche die Natur aus puren Steinen ausgearbeitet; Es ſind dieſelben von einer wunderbahren Geſtalt, einige ſind, wie runde Kuchen oder Brodte uͤ- ber einander geſchichtet, andere haben ei- ne Kegel-formige Geſtalt, noch andere find A 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger02_1724
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger02_1724/45
Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724, S. 5. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger02_1724/45>, abgerufen am 21.05.2019.