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Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724.

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Des Vierdten Th. 22. Cap. Anmerckungen vom Feder-Wildpräth.
[Spaltenumbruch] schöner und ansehnlicher Vogel, und ge-
höret gleichfalls mit zur hohen Jagd, hat
aber ein sehr grobes Wildpräth, hält sich
eigentlich nicht hierum auf, wird aber
doch bißweilen hierum gesehen, wenn er
fich etwan zur Herbst-Zeit, durch See-
Sturm erschrecket, verflieget, da er auf
den Teichen geschossen wird. Er hat ei-
nen gantz schwartzen Schnabel, iedoch
nicht so schöne weisse Federn, als die zah-
men Schwäne. Jhr Brüten und Zu-
sammenfügung ist so eigentlich nicht be-
kandt, weil sie sich in unsern Landen nicht
aufzuhalten pflegen; Doch weiß man
von den zahmen, daß sie 5. biß 6. Eyer
legen, die sie in 4. Wochen ausbrüten.
Die Jungen sind nicht gleich vom Anfang
weiß, sondern haben graue wollichte Fe-
dergen, wenn sie sich aber verkielet, wer-
den sie braun, biß sie sich nach und nach
vermausen, da bekommen sie weisse.
Von den Fasahnen habe ich im ersten
Haupt-Theil p. 147. u. hier im dritten Theil
p. 197. zur Gnüge angeführet. Jtzo will
ich nur noch gedencken, daß sie sich im Le-
gen der Eyer von selbsten dazu beqvemen.
Wenn sie sitzen, werden sie in Qvartiere
gethan, und Garn über sie gezogen, da-
mit der Raub-Vogel ihnen oder ihrer
Bruth keinen Schaden zufügen könne.
Des Sommers pflegen sie Tag und Nacht
im Garten zu verbleiben, und auch in
Qvartieren unter dem Himmel. Des
Winters gehen sie zu Nacht in denen
Qvartieren ins Hauß. Zu denen Fasah-
nen kommen zwar sonst keine zahme Hüh-
ner, Hähne, Cappaunen oder Bastarte,
iedoch werden in den Gängen der Fasah-
nen die Hennen von den zahmen Hüh-
nern hin und wieder angepflöckt, ver-
muthlich deswegen, damit die Fasahne
durch sie zahm erhalten werden sollen,
auch wohl, daß sich der Hahn von den
Fasahnen zuweilen vergehen, und die
zahmen Hühner treten soll, als wovon
eigentlich die Bastarte entstehen. Sie
hören überaus gern pfeiffen, dahero muß
ein Junge beständig in dem Fasahn-Gar-
ten herumgehen, und pfeiffen. So bald
die jungen Fasahne ausgekrochen, muß
man ihnen die Füsse mit Wein abwaschen.

§. 6.

Der Brach-Vögel giebt es
dreyerley Arten, als die Keilhacken oder
Fasten-Schlieer, die Saat-Hühner, und
Ditgen. Der Kopff und Schnabel glei-
chet den Trappen, iedoch sind sie nicht so
groß. Die Saat-Hühner haben schöne
bunt-farbigte, sprencklichte und grün-
[Spaltenumbruch] schilderichte Federn. Zur Herbst-Zeit
halten sie sich gerne in den Saat-Feldern
auf. Die Ditgen ziehen mit jenen zu ei-
ner Zeit, brüten auch, wie die andern,
nicht hier zu Lande. Sie sind sehr listig,
und weil sie meistentheils im freyen Felde
liegen, und sich da aufhalten, so können
sie auch mit nichts anders, als mit der
Flinte hintergangen werden. Bey den
Wachteln siehet der Hahn und das Huhn
einander ziemlich gleich, ohne daß der
Hahn unter dem Halse etwas braun-röth-
licht, und schwartz- streificht ist. Sie sol-
len den Manns-Personen einen ziemli-
chen Zusatz an Kräfften geben. Der
Schnärtz wird der Wachtel-König ge-
nennt, weil er ihr in allen ähnlich siehet,
ausser daß er grösser ist, auch länger von
Schnabel und Füssen, und sind die Füsse
gelb-grünlicht. Sein Schrey ist ordent-
lich, als wenn man mit einem Messer an
einem weiten Kamm scharrete. Und wenn
man dergleichen Schrey durch den Kamm
nachmacht, so ist er vermittelst des Wach-
tel-Garns gar wohl zu fangen. Jm
übrigen sind seine Eigenschafften in allen
der Wachtel gleich.

§. 7.

Von den Wald-Schnepffen
habe ich in dem ersten Haupt-Theil p. 143.
gehandelt. Die andere Art der Schnepf-
fen ist die Riet-Schnepffe, welche sowohl
an Grösse, als auch an Farbe und Ge-
stalt der Wald-Schnepffe ziemlich gleich
kommt; doch an Delicatesse jener nicht
beykommt, weil sie schon einiger massen
thranigt werden will. Jm Fluge ist sie
viel geschwinder, als jene. Jhre Jungen
bringet sie in den grossen Morästen aus.
Jhre Nahrung ist Gewürme und Mü-
cken, und was im Sumpff zu finden. Sie
pflegt ebenfalls wie die andern Vögel zu
ziehen. Die Haar-Schnepffe ist etwas
kleiner, als die Riet-Schnepffe, aber an
Farbe und Natur jener in allen gleich.
Die Pfuhl-Schnepffe, welche auch die
Himmels-Ziege genennt wird, differirt
der Farbe nach nicht sonderlich von der
vorhergehenden, iedoch ist sie etwas grau-
licher, und jene etwas grösser. Wenn
diese gesprengt wird, steigt sie in die Lufft
hinaus, und flieget nachmahls einen krum-
men Bogen wieder herabwerts. Sie läs-
set dabey einen solchen vernehmlichen und
zitternden Laut von sich hören, wie et-
wan eine Ziege, daß man sich darüber
verwundern muß. Sie pfleget auch öff-
ters auf der Erden an Wasser oder
Sümpffen, sonderlich bey Veränderung

des

Des Vierdten Th. 22. Cap. Anmerckungen vom Feder-Wildpraͤth.
[Spaltenumbruch] ſchoͤner und anſehnlicher Vogel, und ge-
hoͤret gleichfalls mit zur hohen Jagd, hat
aber ein ſehr grobes Wildpraͤth, haͤlt ſich
eigentlich nicht hierum auf, wird aber
doch bißweilen hierum geſehen, wenn er
fich etwan zur Herbſt-Zeit, durch See-
Sturm erſchrecket, verflieget, da er auf
den Teichen geſchoſſen wird. Er hat ei-
nen gantz ſchwartzen Schnabel, iedoch
nicht ſo ſchoͤne weiſſe Federn, als die zah-
men Schwaͤne. Jhr Bruͤten und Zu-
ſammenfuͤgung iſt ſo eigentlich nicht be-
kandt, weil ſie ſich in unſern Landen nicht
aufzuhalten pflegen; Doch weiß man
von den zahmen, daß ſie 5. biß 6. Eyer
legen, die ſie in 4. Wochen ausbruͤten.
Die Jungen ſind nicht gleich vom Anfang
weiß, ſondern haben graue wollichte Fe-
dergen, wenn ſie ſich aber verkielet, wer-
den ſie braun, biß ſie ſich nach und nach
vermauſen, da bekommen ſie weiſſe.
Von den Faſahnen habe ich im erſten
Haupt-Theil p. 147. u. hier im dritten Theil
p. 197. zur Gnuͤge angefuͤhret. Jtzo will
ich nur noch gedencken, daß ſie ſich im Le-
gen der Eyer von ſelbſten dazu beqvemen.
Wenn ſie ſitzen, werden ſie in Qvartiere
gethan, und Garn uͤber ſie gezogen, da-
mit der Raub-Vogel ihnen oder ihrer
Bruth keinen Schaden zufuͤgen koͤnne.
Des Som̃ers pflegen ſie Tag und Nacht
im Garten zu verbleiben, und auch in
Qvartieren unter dem Himmel. Des
Winters gehen ſie zu Nacht in denen
Qvartieren ins Hauß. Zu denen Faſah-
nen kom̃en zwar ſonſt keine zahme Huͤh-
ner, Haͤhne, Cappaunen oder Baſtarte,
iedoch werden in den Gaͤngen der Faſah-
nen die Hennen von den zahmen Huͤh-
nern hin und wieder angepfloͤckt, ver-
muthlich deswegen, damit die Faſahne
durch ſie zahm erhalten werden ſollen,
auch wohl, daß ſich der Hahn von den
Faſahnen zuweilen vergehen, und die
zahmen Huͤhner treten ſoll, als wovon
eigentlich die Baſtarte entſtehen. Sie
hoͤren uͤberaus gern pfeiffen, dahero muß
ein Junge beſtaͤndig in dem Faſahn-Gar-
ten herumgehen, und pfeiffen. So bald
die jungen Faſahne ausgekrochen, muß
man ihnen die Fuͤſſe mit Wein abwaſchen.

§. 6.

Der Brach-Voͤgel giebt es
dreyerley Arten, als die Keilhacken oder
Faſten-Schlieer, die Saat-Huͤhner, und
Ditgen. Der Kopff und Schnabel glei-
chet den Trappen, iedoch ſind ſie nicht ſo
groß. Die Saat-Huͤhner haben ſchoͤne
bunt-farbigte, ſprencklichte und gruͤn-
[Spaltenumbruch] ſchilderichte Federn. Zur Herbſt-Zeit
halten ſie ſich gerne in den Saat-Feldern
auf. Die Ditgen ziehen mit jenen zu ei-
ner Zeit, bruͤten auch, wie die andern,
nicht hier zu Lande. Sie ſind ſehr liſtig,
und weil ſie meiſtentheils im freyen Felde
liegen, und ſich da aufhalten, ſo koͤnnen
ſie auch mit nichts anders, als mit der
Flinte hintergangen werden. Bey den
Wachteln ſiehet der Hahn und das Huhn
einander ziemlich gleich, ohne daß der
Hahn unter dem Halſe etwas braun-roͤth-
licht, und ſchwartz- ſtreificht iſt. Sie ſol-
len den Manns-Perſonen einen ziemli-
chen Zuſatz an Kraͤfften geben. Der
Schnaͤrtz wird der Wachtel-Koͤnig ge-
nennt, weil er ihr in allen aͤhnlich ſiehet,
auſſer daß er groͤſſer iſt, auch laͤnger von
Schnabel und Fuͤſſen, und ſind die Fuͤſſe
gelb-gruͤnlicht. Sein Schrey iſt ordent-
lich, als wenn man mit einem Meſſer an
einem weiten Kamm ſcharrete. Und wenn
man dergleichen Schrey durch den Kamm
nachmacht, ſo iſt er vermittelſt des Wach-
tel-Garns gar wohl zu fangen. Jm
uͤbrigen ſind ſeine Eigenſchafften in allen
der Wachtel gleich.

§. 7.

Von den Wald-Schnepffen
habe ich in dem erſten Haupt-Theil p. 143.
gehandelt. Die andere Art der Schnepf-
fen iſt die Riet-Schnepffe, welche ſowohl
an Groͤſſe, als auch an Farbe und Ge-
ſtalt der Wald-Schnepffe ziemlich gleich
kommt; doch an Delicateſſe jener nicht
beykommt, weil ſie ſchon einiger maſſen
thranigt werden will. Jm Fluge iſt ſie
viel geſchwinder, als jene. Jhre Jungen
bringet ſie in den groſſen Moraͤſten aus.
Jhre Nahrung iſt Gewuͤrme und Muͤ-
cken, und was im Sumpff zu finden. Sie
pflegt ebenfalls wie die andern Voͤgel zu
ziehen. Die Haar-Schnepffe iſt etwas
kleiner, als die Riet-Schnepffe, aber an
Farbe und Natur jener in allen gleich.
Die Pfuhl-Schnepffe, welche auch die
Himmels-Ziege genennt wird, differirt
der Farbe nach nicht ſonderlich von der
vorhergehenden, iedoch iſt ſie etwas grau-
licher, und jene etwas groͤſſer. Wenn
dieſe geſprengt wird, ſteigt ſie in die Lufft
hinaus, und flieget nachmahls einen kꝛum-
men Bogen wieder herabwerts. Sie laͤſ-
ſet dabey einen ſolchen vernehmlichen und
zitternden Laut von ſich hoͤren, wie et-
wan eine Ziege, daß man ſich daruͤber
verwundern muß. Sie pfleget auch oͤff-
ters auf der Erden an Waſſer oder
Suͤmpffen, ſonderlich bey Veraͤnderung

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[336/0492] Des Vierdten Th. 22. Cap. Anmerckungen vom Feder-Wildpraͤth. ſchoͤner und anſehnlicher Vogel, und ge- hoͤret gleichfalls mit zur hohen Jagd, hat aber ein ſehr grobes Wildpraͤth, haͤlt ſich eigentlich nicht hierum auf, wird aber doch bißweilen hierum geſehen, wenn er fich etwan zur Herbſt-Zeit, durch See- Sturm erſchrecket, verflieget, da er auf den Teichen geſchoſſen wird. Er hat ei- nen gantz ſchwartzen Schnabel, iedoch nicht ſo ſchoͤne weiſſe Federn, als die zah- men Schwaͤne. Jhr Bruͤten und Zu- ſammenfuͤgung iſt ſo eigentlich nicht be- kandt, weil ſie ſich in unſern Landen nicht aufzuhalten pflegen; Doch weiß man von den zahmen, daß ſie 5. biß 6. Eyer legen, die ſie in 4. Wochen ausbruͤten. Die Jungen ſind nicht gleich vom Anfang weiß, ſondern haben graue wollichte Fe- dergen, wenn ſie ſich aber verkielet, wer- den ſie braun, biß ſie ſich nach und nach vermauſen, da bekommen ſie weiſſe. Von den Faſahnen habe ich im erſten Haupt-Theil p. 147. u. hier im dritten Theil p. 197. zur Gnuͤge angefuͤhret. Jtzo will ich nur noch gedencken, daß ſie ſich im Le- gen der Eyer von ſelbſten dazu beqvemen. Wenn ſie ſitzen, werden ſie in Qvartiere gethan, und Garn uͤber ſie gezogen, da- mit der Raub-Vogel ihnen oder ihrer Bruth keinen Schaden zufuͤgen koͤnne. Des Som̃ers pflegen ſie Tag und Nacht im Garten zu verbleiben, und auch in Qvartieren unter dem Himmel. Des Winters gehen ſie zu Nacht in denen Qvartieren ins Hauß. Zu denen Faſah- nen kom̃en zwar ſonſt keine zahme Huͤh- ner, Haͤhne, Cappaunen oder Baſtarte, iedoch werden in den Gaͤngen der Faſah- nen die Hennen von den zahmen Huͤh- nern hin und wieder angepfloͤckt, ver- muthlich deswegen, damit die Faſahne durch ſie zahm erhalten werden ſollen, auch wohl, daß ſich der Hahn von den Faſahnen zuweilen vergehen, und die zahmen Huͤhner treten ſoll, als wovon eigentlich die Baſtarte entſtehen. Sie hoͤren uͤberaus gern pfeiffen, dahero muß ein Junge beſtaͤndig in dem Faſahn-Gar- ten herumgehen, und pfeiffen. So bald die jungen Faſahne ausgekrochen, muß man ihnen die Fuͤſſe mit Wein abwaſchen. §. 6. Der Brach-Voͤgel giebt es dreyerley Arten, als die Keilhacken oder Faſten-Schlieer, die Saat-Huͤhner, und Ditgen. Der Kopff und Schnabel glei- chet den Trappen, iedoch ſind ſie nicht ſo groß. Die Saat-Huͤhner haben ſchoͤne bunt-farbigte, ſprencklichte und gruͤn- ſchilderichte Federn. Zur Herbſt-Zeit halten ſie ſich gerne in den Saat-Feldern auf. Die Ditgen ziehen mit jenen zu ei- ner Zeit, bruͤten auch, wie die andern, nicht hier zu Lande. Sie ſind ſehr liſtig, und weil ſie meiſtentheils im freyen Felde liegen, und ſich da aufhalten, ſo koͤnnen ſie auch mit nichts anders, als mit der Flinte hintergangen werden. Bey den Wachteln ſiehet der Hahn und das Huhn einander ziemlich gleich, ohne daß der Hahn unter dem Halſe etwas braun-roͤth- licht, und ſchwartz- ſtreificht iſt. Sie ſol- len den Manns-Perſonen einen ziemli- chen Zuſatz an Kraͤfften geben. Der Schnaͤrtz wird der Wachtel-Koͤnig ge- nennt, weil er ihr in allen aͤhnlich ſiehet, auſſer daß er groͤſſer iſt, auch laͤnger von Schnabel und Fuͤſſen, und ſind die Fuͤſſe gelb-gruͤnlicht. Sein Schrey iſt ordent- lich, als wenn man mit einem Meſſer an einem weiten Kamm ſcharrete. Und wenn man dergleichen Schrey durch den Kamm nachmacht, ſo iſt er vermittelſt des Wach- tel-Garns gar wohl zu fangen. Jm uͤbrigen ſind ſeine Eigenſchafften in allen der Wachtel gleich. §. 7. Von den Wald-Schnepffen habe ich in dem erſten Haupt-Theil p. 143. gehandelt. Die andere Art der Schnepf- fen iſt die Riet-Schnepffe, welche ſowohl an Groͤſſe, als auch an Farbe und Ge- ſtalt der Wald-Schnepffe ziemlich gleich kommt; doch an Delicateſſe jener nicht beykommt, weil ſie ſchon einiger maſſen thranigt werden will. Jm Fluge iſt ſie viel geſchwinder, als jene. Jhre Jungen bringet ſie in den groſſen Moraͤſten aus. Jhre Nahrung iſt Gewuͤrme und Muͤ- cken, und was im Sumpff zu finden. Sie pflegt ebenfalls wie die andern Voͤgel zu ziehen. Die Haar-Schnepffe iſt etwas kleiner, als die Riet-Schnepffe, aber an Farbe und Natur jener in allen gleich. Die Pfuhl-Schnepffe, welche auch die Himmels-Ziege genennt wird, differirt der Farbe nach nicht ſonderlich von der vorhergehenden, iedoch iſt ſie etwas grau- licher, und jene etwas groͤſſer. Wenn dieſe geſprengt wird, ſteigt ſie in die Lufft hinaus, und flieget nachmahls einen kꝛum- men Bogen wieder herabwerts. Sie laͤſ- ſet dabey einen ſolchen vernehmlichen und zitternden Laut von ſich hoͤren, wie et- wan eine Ziege, daß man ſich daruͤber verwundern muß. Sie pfleget auch oͤff- ters auf der Erden an Waſſer oder Suͤmpffen, ſonderlich bey Veraͤnderung des

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Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724, S. 336. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger02_1724/492>, abgerufen am 22.07.2019.