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Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724.

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Von den Wolcken.
[Spaltenumbruch] zum Gewittern tüchtig sind, in die Höhe,
als in der Ebene, sie sind der Erde schon
ein gut Theil näher, der Knall, wenn er
an die Berge anschlägt, und in den Thä-
lern sich durch ein Echo vervielfältiget,
klinget weit entsetzlicher, als an andern
Orten. Der Nutzen der Gewitter ist
mancherley: (1) Gottlose und freche Sün-
der zu straffen, oder sie doch der Göttli-
chen Straf-Gerichte, wenn sie sich nicht
bekehren, dabey zu erinnern. (2) Die Er-
de durch das Knallen zu erschüttern, und
locker zu machen, daß die Gewächse desto
besser wachsen können, welches denn zur
Fruchtbarkeit gar ein grosses contribuirt.
(3) Die Lufft und die Erde von mancher-
ley gifftigen Ausdünstungen, die den Men-
schen und Vieh schädlich seyn könten, zu
reinigen.

§. 3.

Mit den Gewittern ist insge-
mein ein fruchtbarer Regen vereiniget,
und also wollen wir auch von demselben
in etwas handeln. Daß der Regen aus
gesaltzenen und salpetrigen, dabey wässe-
rigten Theilgen bestehe, die in der war-
men Lufft zuschmeltzen, ist gewiß. Wenn
ungestüme Winde in die Wolcken ein-
dringen, so verursachen sie Platz-Regen,
weil alsdenn die festen Theilgen der Wol-
cken desto eher zureissen, und also die Lö-
cher der Wolcken, die wie die Siebe be-
schaffen, desto mehr erweitert werden.
Die Sturmwinde verursachen bey einer
mit Feuchtigkeit schwangern Wolcke vol-
lends eine solche Trennung, daß diejeni-
ge Feuchtigkeit, die sonsten Tropffen-wei-
se herabfliessen solte, auf einmahl herun-
ter fällt. Es ist das Regen-Wasser, in-
dem es mit dem Salpeter und Saltz im-
praegni
rt ist, viel fruchtbarer, als das an-
dere Wasser, und also zum Begiessen,
wenn man es in grossen Fässern aufbe-
halten kan, weit beqvemer. Vitruvius,
der in Physicis und Mathematicis sehr er-
fahren war, ziehet in seinem Tractat de
Architect. Lib. VIII. C.
2. das Regen-Was-
ser allen andern Wassern vor, (1) weil es
aus den Wolcken kommt, die mit denen
besaamten Kräfften, welche die Dünste
und Ausrauchungen aus der Erde und
dem Meer empor gezogen, geschwängert
sind; (2) weil es, ehe es auf die Erde fällt,
durch die Lufft geläutert wird, da es den
Salpeter an sich ziehet, der es fruchtbar
macht. Es ist auch das Regen-Wasser,
ob es gleich einige nicht glauben wollen,
bey den Speisen gar wohl zu gebrauchen,
und der Gesundheit des Menschen nicht
[Spaltenumbruch] schädlich. Bißweilen hat man aller-
hand miraculeuse und ungewöhnliche Re-
gen wahrgenommen, als Blut-Regen,
Milch-Regen, u. s. w. die dem gemeinen
Mann sehr befrembdlich angeschienen;
wenn man aber die Ursache solcher Re-
gen ein wenig in genaue Betrachtung
ziehet, so findet man, daß die so genann-
ten Blut-Regen von nichts anders ent-
stehen, als wenn die Sonnenstrahlen aus
den Seen und Pfützen, die von rother
Erde impraegniret sind, die Ausdünstun-
gen in die Höhe ziehet; und die Milch-
Regen, wenn die Sonne aus den Gips-
oder Kreyde-Gruben die Vapores extra-
hi
ret, und sie wieder auf die Erde fallen
läßt. Das übrige, was von dergleichen
Materien noch weiter gesaget werden kön-
te, wollen wir denen Herren Physicis zur
Untersuchung überlassen.

Das 7. Capitel/
Vom Hahnen-Beschrey
und Himmels-Thau.
§. 1.

Nachdem wir die grossen Himmels-
Cörper ein wenig betrachtet, und
unsere Gedancken in die Höhe gerichtet,
so wollen wir unser Gemüth wieder auf
die Erde, als unser aller Mutter und Er-
nehrerin, lencken, und bey einer kleinen
irrdischen Creatur, nemlich bey dem
Haus-Hahn, ein wenig stille stehen, und
den Thon dieses Nachtwachters, und was
doch wohl der Grund davon seyn müsse,
untersuchen. Die Philosophi haben von
dem Krehen des Hahnes mancherley
Meynungen; Es leidet meine Conve-
nienz
nicht, sie alle zu erzehlen, sondern
will nur die glaubwürdigsten anführen,
daß nemlich dieses Krehen durch die em-
pfindliche Veränderung der Lufft verur-
sacht werde. Es leidet die Lufft kurtz
nach Mitternacht, wenn die Sonne un-
ter den Erdboden völlig zu stehen kommt,
eine gewaltige Veränderung, die von der
Beschaffenheit, wie sie des Abends bey der
Sonnen Untergang ist, gar sehr unter-
schieden. Diese Veränderung der Lufft
spühren die Hähne und das andere Ge-
vögel viel eher, als die Menschen. Wenn
sie nun solche fühlen, so werden sie hie-
durch zu dem Krehen angetrieben. Je
näher der Tag herbey nahet, desto mehr
wiederholen sie ihr Geschrey, und dieses
offt hintereinander. So bald es aber

nur
B 2

Von den Wolcken.
[Spaltenumbruch] zum Gewittern tuͤchtig ſind, in die Hoͤhe,
als in der Ebene, ſie ſind der Erde ſchon
ein gut Theil naͤher, der Knall, wenn er
an die Berge anſchlaͤgt, und in den Thaͤ-
lern ſich durch ein Echo vervielfaͤltiget,
klinget weit entſetzlicher, als an andern
Orten. Der Nutzen der Gewitter iſt
mancherley: (1) Gottloſe und freche Suͤn-
der zu ſtraffen, oder ſie doch der Goͤttli-
chen Straf-Gerichte, wenn ſie ſich nicht
bekehren, dabey zu erinnern. (2) Die Er-
de durch das Knallen zu erſchuͤttern, und
locker zu machen, daß die Gewaͤchſe deſto
beſſer wachſen koͤnnen, welches denn zur
Fruchtbarkeit gar ein groſſes contribuirt.
(3) Die Lufft und die Erde von mancher-
ley gifftigen Ausduͤnſtungen, die den Men-
ſchen und Vieh ſchaͤdlich ſeyn koͤnten, zu
reinigen.

§. 3.

Mit den Gewittern iſt insge-
mein ein fruchtbarer Regen vereiniget,
und alſo wollen wir auch von demſelben
in etwas handeln. Daß der Regen aus
geſaltzenen und ſalpetrigen, dabey waͤſſe-
rigten Theilgen beſtehe, die in der war-
men Lufft zuſchmeltzen, iſt gewiß. Wenn
ungeſtuͤme Winde in die Wolcken ein-
dringen, ſo verurſachen ſie Platz-Regen,
weil alsdenn die feſten Theilgen der Wol-
cken deſto eher zureiſſen, und alſo die Loͤ-
cher der Wolcken, die wie die Siebe be-
ſchaffen, deſto mehr erweitert werden.
Die Sturmwinde verurſachen bey einer
mit Feuchtigkeit ſchwangern Wolcke vol-
lends eine ſolche Trennung, daß diejeni-
ge Feuchtigkeit, die ſonſten Tropffen-wei-
ſe herabflieſſen ſolte, auf einmahl herun-
ter faͤllt. Es iſt das Regen-Waſſer, in-
dem es mit dem Salpeter und Saltz im-
prægni
rt iſt, viel fruchtbarer, als das an-
dere Waſſer, und alſo zum Begieſſen,
wenn man es in groſſen Faͤſſern aufbe-
halten kan, weit beqvemer. Vitruvius,
der in Phyſicis und Mathematicis ſehr er-
fahren war, ziehet in ſeinem Tractat de
Architect. Lib. VIII. C.
2. das Regen-Waſ-
ſer allen andern Waſſern vor, (1) weil es
aus den Wolcken kommt, die mit denen
beſaamten Kraͤfften, welche die Duͤnſte
und Ausrauchungen aus der Erde und
dem Meer empor gezogen, geſchwaͤngert
ſind; (2) weil es, ehe es auf die Erde faͤllt,
durch die Lufft gelaͤutert wird, da es den
Salpeter an ſich ziehet, der es fruchtbar
macht. Es iſt auch das Regen-Waſſer,
ob es gleich einige nicht glauben wollen,
bey den Speiſen gar wohl zu gebrauchen,
und der Geſundheit des Menſchen nicht
[Spaltenumbruch] ſchaͤdlich. Bißweilen hat man aller-
hand miraculeuſe und ungewoͤhnliche Re-
gen wahrgenommen, als Blut-Regen,
Milch-Regen, u. ſ. w. die dem gemeinen
Mann ſehr befrembdlich angeſchienen;
wenn man aber die Urſache ſolcher Re-
gen ein wenig in genaue Betrachtung
ziehet, ſo findet man, daß die ſo genann-
ten Blut-Regen von nichts anders ent-
ſtehen, als wenn die Sonnenſtrahlen aus
den Seen und Pfuͤtzen, die von rother
Erde imprægniret ſind, die Ausduͤnſtun-
gen in die Hoͤhe ziehet; und die Milch-
Regen, wenn die Sonne aus den Gips-
oder Kreyde-Gruben die Vapores extra-
hi
ret, und ſie wieder auf die Erde fallen
laͤßt. Das uͤbrige, was von dergleichen
Materien noch weiter geſaget werden koͤn-
te, wollen wir denen Herren Phyſicis zur
Unterſuchung uͤberlaſſen.

Das 7. Capitel/
Vom Hahnen-Beſchrey
und Him̃els-Thau.
§. 1.

Nachdem wir die groſſen Himmels-
Coͤrper ein wenig betrachtet, und
unſere Gedancken in die Hoͤhe gerichtet,
ſo wollen wir unſer Gemuͤth wieder auf
die Erde, als unſer aller Mutter und Er-
nehrerin, lencken, und bey einer kleinen
irrdiſchen Creatur, nemlich bey dem
Haus-Hahn, ein wenig ſtille ſtehen, und
den Thon dieſes Nachtwachters, und was
doch wohl der Grund davon ſeyn muͤſſe,
unterſuchen. Die Philoſophi haben von
dem Krehen des Hahnes mancherley
Meynungen; Es leidet meine Conve-
nienz
nicht, ſie alle zu erzehlen, ſondern
will nur die glaubwuͤrdigſten anfuͤhren,
daß nemlich dieſes Krehen durch die em-
pfindliche Veraͤnderung der Lufft verur-
ſacht werde. Es leidet die Lufft kurtz
nach Mitternacht, wenn die Sonne un-
ter den Erdboden voͤllig zu ſtehen kommt,
eine gewaltige Veraͤnderung, die von der
Beſchaffenheit, wie ſie des Abends bey der
Sonnen Untergang iſt, gar ſehr unter-
ſchieden. Dieſe Veraͤnderung der Lufft
ſpuͤhren die Haͤhne und das andere Ge-
voͤgel viel eher, als die Menſchen. Wenn
ſie nun ſolche fuͤhlen, ſo werden ſie hie-
durch zu dem Krehen angetrieben. Je
naͤher der Tag herbey nahet, deſto mehr
wiederholen ſie ihr Geſchrey, und dieſes
offt hintereinander. So bald es aber

nur
B 2
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[11/0051] Von den Wolcken. zum Gewittern tuͤchtig ſind, in die Hoͤhe, als in der Ebene, ſie ſind der Erde ſchon ein gut Theil naͤher, der Knall, wenn er an die Berge anſchlaͤgt, und in den Thaͤ- lern ſich durch ein Echo vervielfaͤltiget, klinget weit entſetzlicher, als an andern Orten. Der Nutzen der Gewitter iſt mancherley: (1) Gottloſe und freche Suͤn- der zu ſtraffen, oder ſie doch der Goͤttli- chen Straf-Gerichte, wenn ſie ſich nicht bekehren, dabey zu erinnern. (2) Die Er- de durch das Knallen zu erſchuͤttern, und locker zu machen, daß die Gewaͤchſe deſto beſſer wachſen koͤnnen, welches denn zur Fruchtbarkeit gar ein groſſes contribuirt. (3) Die Lufft und die Erde von mancher- ley gifftigen Ausduͤnſtungen, die den Men- ſchen und Vieh ſchaͤdlich ſeyn koͤnten, zu reinigen. §. 3. Mit den Gewittern iſt insge- mein ein fruchtbarer Regen vereiniget, und alſo wollen wir auch von demſelben in etwas handeln. Daß der Regen aus geſaltzenen und ſalpetrigen, dabey waͤſſe- rigten Theilgen beſtehe, die in der war- men Lufft zuſchmeltzen, iſt gewiß. Wenn ungeſtuͤme Winde in die Wolcken ein- dringen, ſo verurſachen ſie Platz-Regen, weil alsdenn die feſten Theilgen der Wol- cken deſto eher zureiſſen, und alſo die Loͤ- cher der Wolcken, die wie die Siebe be- ſchaffen, deſto mehr erweitert werden. Die Sturmwinde verurſachen bey einer mit Feuchtigkeit ſchwangern Wolcke vol- lends eine ſolche Trennung, daß diejeni- ge Feuchtigkeit, die ſonſten Tropffen-wei- ſe herabflieſſen ſolte, auf einmahl herun- ter faͤllt. Es iſt das Regen-Waſſer, in- dem es mit dem Salpeter und Saltz im- prægnirt iſt, viel fruchtbarer, als das an- dere Waſſer, und alſo zum Begieſſen, wenn man es in groſſen Faͤſſern aufbe- halten kan, weit beqvemer. Vitruvius, der in Phyſicis und Mathematicis ſehr er- fahren war, ziehet in ſeinem Tractat de Architect. Lib. VIII. C. 2. das Regen-Waſ- ſer allen andern Waſſern vor, (1) weil es aus den Wolcken kommt, die mit denen beſaamten Kraͤfften, welche die Duͤnſte und Ausrauchungen aus der Erde und dem Meer empor gezogen, geſchwaͤngert ſind; (2) weil es, ehe es auf die Erde faͤllt, durch die Lufft gelaͤutert wird, da es den Salpeter an ſich ziehet, der es fruchtbar macht. Es iſt auch das Regen-Waſſer, ob es gleich einige nicht glauben wollen, bey den Speiſen gar wohl zu gebrauchen, und der Geſundheit des Menſchen nicht ſchaͤdlich. Bißweilen hat man aller- hand miraculeuſe und ungewoͤhnliche Re- gen wahrgenommen, als Blut-Regen, Milch-Regen, u. ſ. w. die dem gemeinen Mann ſehr befrembdlich angeſchienen; wenn man aber die Urſache ſolcher Re- gen ein wenig in genaue Betrachtung ziehet, ſo findet man, daß die ſo genann- ten Blut-Regen von nichts anders ent- ſtehen, als wenn die Sonnenſtrahlen aus den Seen und Pfuͤtzen, die von rother Erde imprægniret ſind, die Ausduͤnſtun- gen in die Hoͤhe ziehet; und die Milch- Regen, wenn die Sonne aus den Gips- oder Kreyde-Gruben die Vapores extra- hiret, und ſie wieder auf die Erde fallen laͤßt. Das uͤbrige, was von dergleichen Materien noch weiter geſaget werden koͤn- te, wollen wir denen Herren Phyſicis zur Unterſuchung uͤberlaſſen. Das 7. Capitel/ Vom Hahnen-Beſchrey und Him̃els-Thau. §. 1. Nachdem wir die groſſen Himmels- Coͤrper ein wenig betrachtet, und unſere Gedancken in die Hoͤhe gerichtet, ſo wollen wir unſer Gemuͤth wieder auf die Erde, als unſer aller Mutter und Er- nehrerin, lencken, und bey einer kleinen irrdiſchen Creatur, nemlich bey dem Haus-Hahn, ein wenig ſtille ſtehen, und den Thon dieſes Nachtwachters, und was doch wohl der Grund davon ſeyn muͤſſe, unterſuchen. Die Philoſophi haben von dem Krehen des Hahnes mancherley Meynungen; Es leidet meine Conve- nienz nicht, ſie alle zu erzehlen, ſondern will nur die glaubwuͤrdigſten anfuͤhren, daß nemlich dieſes Krehen durch die em- pfindliche Veraͤnderung der Lufft verur- ſacht werde. Es leidet die Lufft kurtz nach Mitternacht, wenn die Sonne un- ter den Erdboden voͤllig zu ſtehen kommt, eine gewaltige Veraͤnderung, die von der Beſchaffenheit, wie ſie des Abends bey der Sonnen Untergang iſt, gar ſehr unter- ſchieden. Dieſe Veraͤnderung der Lufft ſpuͤhren die Haͤhne und das andere Ge- voͤgel viel eher, als die Menſchen. Wenn ſie nun ſolche fuͤhlen, ſo werden ſie hie- durch zu dem Krehen angetrieben. Je naͤher der Tag herbey nahet, deſto mehr wiederholen ſie ihr Geſchrey, und dieſes offt hintereinander. So bald es aber nur B 2

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Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724, S. 11. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger02_1724/51>, abgerufen am 17.06.2019.