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Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724.

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Des Fisch-Buchs 4. Capitel/
[Spaltenumbruch] Müller solche Gebrechen besichtigen las-
sen muß.

§. 23.

So offt ein Stein behauen,
muß ein Müller denselben Anfangs mit
Kleyen, oder Stein-Mehl, wie gebräuch-
lich, beschütten, und ehe solches geschiehet,
kein Geträide zum Schaden und Nach-
theil der Mahl-Gäste darauf bringen
lassen. Es muß kein Müller bey kleinen
und mittelmäßigen Wassern vor dem Ge-
rinne, so auf die Räder und durch das
wüste Gerinne gehet, mehr denn zwey
Schutz-Breter, bey willkührlicher Stra-
fe der Obrigkeit, vorzusetzen haben. Wenn
aber die Wasser sehr groß seyn, daß sie
ohne Aufsetzung des dritten Schutz-Bre-
tes nicht mahlen könten, muß ihnen in
derselben Noth, damit das Mahlwerck
nicht gehindert werde, solches aufzusetzen
frey stehen.

§. 24.

Wenn sich grosse Wasser-Flu-
then begeben, es sey im Winter, oder
Sommer, muß ein ieder Müller die wü-
sten Gerinne oder Schleusen, sowohl die
Fischereyen gäntzlich aufheben, und bey
nahmhaffter Strafe kein Schutz-Bret
darinnen lassen. Welcher Müller nicht
zu mahlen hat, muß zu ieder Zeit vier
Schutz-Breter offen stehen haben, und
wo nicht wüste Gerinne seyn, müssen die
Schleusen aufgezogen, und vier Schutz-
Breter gesetzet werden, und so einer da-
wider handelt, es geschehe zu Tag oder
Nacht, und dessen von seinem nächsten
Nachbar über oder unter ihn überzeu-
get wird, muß der Obrigkeit in Strafe
verfallen seyn, damit keiner dem andern
zum Verdruß das Wasser muthwillig
aufhalte.

§. 25.

Es ist fleißig Acht zu haben,
daß die Mühlen nach Gelegenheit der
Wasser-Läuffte also angerichtet werden,
daß sie recht und schnell gehen, die Kasten
gut und wohl verwahret, auch gute Tü-
cher darüber, und die Mühl-Wehren,
Mühl-Gerinne und Läuffte im guten
Stande seyn.

§. 26.

Es sind auf denjenigen Ströh-
men, wo Fähren bißanhero angeleget
sind, so viel als möglich, Brücken zu bau-
en, und an statt des Fähr-Geldes ein ge-
wisser Brücken-Zoll anzulegen. Es ge-
reichet solches gar sehr zur Beqvemlichkeit
der Reisenden, als die nicht allein geschwin-
der fortkommen können, wenn sie wollen,
sondern auch weniger Gefahr, denn auf
den Fähren, unterworffen sind. Es
thäte auch nöthig, daß den Fährleuten ei-
[Spaltenumbruch] ne gewisse Ordnung vorgeschrieben wür-
de, wie sie sich in Ansehung der Personen,
Pferde und Wägen, die sie auf die Fäh-
ren nehmen, zu verhalten hätten, indem
einige, sonderlich wenn die Fähren ver-
pachtet, so geitzig sind, und so viel Wägen
zu sich nehmen, daß einige Leute recht in
Leibes- und Lebens-Gefahr drüber gera-
then; auch solten die Fährleute, wenn sie
sich nicht, sonderlich zur Nacht-Zeit, zur
Beqvemlichkeit der Reisenden würden pa-
rat
finden lassen, dieselben, sobald sie an
das Wasser kommen, überzuführen, in
unnachläßliche Strafe genommen werden.

§. 27.

Gleichwie die Landes-Fürsten
das Befugniß haben, auf den Brücken
von den Reisenden ein gewisses Brücken-
Geld einfordern zu lassen, also haben sie
auch Sorge zu tragen, daß die Brücken
in Reparatur und baulichem Wesen er-
halten werden. Sonderlich muß man
darauf bedacht seyn, daß auf allen Brü-
cken, sie mögen über grosse Flüsse, oder nur
über kleine Bäche gehen, Barrieren und
Lehnen vorgemacht werden, damit den
Reisenden bey Nacht-Zeiten, oder wenn
die Pferde etwan scheu werden, nicht ei-
nig Unglück begegnen möge. Da sich
auch hin und wieder solche boßhafftige
Leute finden, welche dasjenige, was an
Brücken und Dämmen dem Publico zu
gut, und zu des Landes Besten gebauet
wird, muthwillig ruiniren, ja wohl gar
stehlen, und das Holtz davon schleppen;
Als ist männiglich von dem Landes-Für-
sten zu warnen, sich vor dergleichen zu hü-
ten, und diejenigen, die darüber ertappet
werden, sind mit exemplarischer Strafe
zu belegen.

§. 28.

Jn Ansehung der Schiffahrt
haben die Landes-Fürsten zu verordnen,
daß die Steuer-Leute die ihnen anver-
trauten Waaren wohl in Acht nehmen,
und Sorge tragen, daß weder von den
Schiffleuten, noch andern Personen, et-
was davon entwendet werde, oder sonst
zu Schaden komme, ingleichen, daß die
Schiffe, wenn sie etwas lecken, mit Was-
ser angefeuchtet, die Tonnen und Fässer
nicht starck aus- und in die Schiffe geworf-
fen, sondern sanfft und behutsam heraus-
und hereingelegt werden mögen, damit
sie durch plumpes Aus- und Einwerffen
nicht Schaden nehmen, noch gar von ein-
ander fallen; daß sich niemand unterstehe,
die Tonnen zu öffnen, daß sie alle Un-
ordnungen und Fehler nicht allein auf
den Schiffen unter ihren Schiff-Knechten

verhü-

Des Fiſch-Buchs 4. Capitel/
[Spaltenumbruch] Muͤller ſolche Gebrechen beſichtigen laſ-
ſen muß.

§. 23.

So offt ein Stein behauen,
muß ein Muͤller denſelben Anfangs mit
Kleyen, oder Stein-Mehl, wie gebraͤuch-
lich, beſchuͤtten, und ehe ſolches geſchiehet,
kein Getraͤide zum Schaden und Nach-
theil der Mahl-Gaͤſte darauf bringen
laſſen. Es muß kein Muͤller bey kleinen
und mittelmaͤßigen Waſſern vor dem Ge-
rinne, ſo auf die Raͤder und durch das
wuͤſte Gerinne gehet, mehr denn zwey
Schutz-Breter, bey willkuͤhrlicher Stra-
fe der Obrigkeit, vorzuſetzen haben. Wenn
aber die Waſſer ſehr groß ſeyn, daß ſie
ohne Aufſetzung des dritten Schutz-Bre-
tes nicht mahlen koͤnten, muß ihnen in
derſelben Noth, damit das Mahlwerck
nicht gehindert werde, ſolches aufzuſetzen
frey ſtehen.

§. 24.

Wenn ſich groſſe Waſſer-Flu-
then begeben, es ſey im Winter, oder
Sommer, muß ein ieder Muͤller die wuͤ-
ſten Gerinne oder Schleuſen, ſowohl die
Fiſchereyen gaͤntzlich aufheben, und bey
nahmhaffter Strafe kein Schutz-Bret
darinnen laſſen. Welcher Muͤller nicht
zu mahlen hat, muß zu ieder Zeit vier
Schutz-Breter offen ſtehen haben, und
wo nicht wuͤſte Gerinne ſeyn, muͤſſen die
Schleuſen aufgezogen, und vier Schutz-
Breter geſetzet werden, und ſo einer da-
wider handelt, es geſchehe zu Tag oder
Nacht, und deſſen von ſeinem naͤchſten
Nachbar uͤber oder unter ihn uͤberzeu-
get wird, muß der Obrigkeit in Strafe
verfallen ſeyn, damit keiner dem andern
zum Verdruß das Waſſer muthwillig
aufhalte.

§. 25.

Es iſt fleißig Acht zu haben,
daß die Muͤhlen nach Gelegenheit der
Waſſer-Laͤuffte alſo angerichtet werden,
daß ſie recht und ſchnell gehen, die Kaſten
gut und wohl verwahret, auch gute Tuͤ-
cher daruͤber, und die Muͤhl-Wehren,
Muͤhl-Gerinne und Laͤuffte im guten
Stande ſeyn.

§. 26.

Es ſind auf denjenigen Stroͤh-
men, wo Faͤhren bißanhero angeleget
ſind, ſo viel als moͤglich, Bruͤcken zu bau-
en, und an ſtatt des Faͤhr-Geldes ein ge-
wiſſer Bruͤcken-Zoll anzulegen. Es ge-
reichet ſolches gar ſehr zur Beqvemlichkeit
der Reiſenden, als die nicht allein geſchwin-
der fortkommen koͤnnen, wenn ſie wollen,
ſondern auch weniger Gefahr, denn auf
den Faͤhren, unterworffen ſind. Es
thaͤte auch noͤthig, daß den Faͤhrleuten ei-
[Spaltenumbruch] ne gewiſſe Ordnung vorgeſchrieben wuͤr-
de, wie ſie ſich in Anſehung der Perſonen,
Pferde und Waͤgen, die ſie auf die Faͤh-
ren nehmen, zu verhalten haͤtten, indem
einige, ſonderlich wenn die Faͤhren ver-
pachtet, ſo geitzig ſind, und ſo viel Waͤgen
zu ſich nehmen, daß einige Leute recht in
Leibes- und Lebens-Gefahr druͤber gera-
then; auch ſolten die Faͤhrleute, wenn ſie
ſich nicht, ſonderlich zur Nacht-Zeit, zur
Beqvemlichkeit der Reiſenden wuͤrden pa-
rat
finden laſſen, dieſelben, ſobald ſie an
das Waſſer kommen, uͤberzufuͤhren, in
unnachlaͤßliche Strafe genom̃en werden.

§. 27.

Gleichwie die Landes-Fuͤrſten
das Befugniß haben, auf den Bruͤcken
von den Reiſenden ein gewiſſes Bruͤcken-
Geld einfordern zu laſſen, alſo haben ſie
auch Sorge zu tragen, daß die Bruͤcken
in Reparatur und baulichem Weſen er-
halten werden. Sonderlich muß man
darauf bedacht ſeyn, daß auf allen Bruͤ-
cken, ſie moͤgen uͤber groſſe Fluͤſſe, oder nur
uͤber kleine Baͤche gehen, Barriéren und
Lehnen vorgemacht werden, damit den
Reiſenden bey Nacht-Zeiten, oder wenn
die Pferde etwan ſcheu werden, nicht ei-
nig Ungluͤck begegnen moͤge. Da ſich
auch hin und wieder ſolche boßhafftige
Leute finden, welche dasjenige, was an
Bruͤcken und Daͤmmen dem Publico zu
gut, und zu des Landes Beſten gebauet
wird, muthwillig ruiniren, ja wohl gar
ſtehlen, und das Holtz davon ſchleppen;
Als iſt maͤnniglich von dem Landes-Fuͤr-
ſten zu warnen, ſich vor dergleichen zu huͤ-
ten, und diejenigen, die daruͤber ertappet
werden, ſind mit exemplariſcher Strafe
zu belegen.

§. 28.

Jn Anſehung der Schiffahrt
haben die Landes-Fuͤrſten zu verordnen,
daß die Steuer-Leute die ihnen anver-
trauten Waaren wohl in Acht nehmen,
und Sorge tragen, daß weder von den
Schiffleuten, noch andern Perſonen, et-
was davon entwendet werde, oder ſonſt
zu Schaden komme, ingleichen, daß die
Schiffe, wenn ſie etwas lecken, mit Waſ-
ſer angefeuchtet, die Tonnen und Faͤſſer
nicht ſtarck aus- und in die Schiffe geworf-
fen, ſondern ſanfft und behutſam heraus-
und hereingelegt werden moͤgen, damit
ſie durch plumpes Aus- und Einwerffen
nicht Schaden nehmen, noch gar von ein-
ander fallen; daß ſich niemand unterſtehe,
die Tonnen zu oͤffnen, daß ſie alle Un-
ordnungen und Fehler nicht allein auf
den Schiffen unter ihren Schiff-Knechten

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[382/0544] Des Fiſch-Buchs 4. Capitel/ Muͤller ſolche Gebrechen beſichtigen laſ- ſen muß. §. 23. So offt ein Stein behauen, muß ein Muͤller denſelben Anfangs mit Kleyen, oder Stein-Mehl, wie gebraͤuch- lich, beſchuͤtten, und ehe ſolches geſchiehet, kein Getraͤide zum Schaden und Nach- theil der Mahl-Gaͤſte darauf bringen laſſen. Es muß kein Muͤller bey kleinen und mittelmaͤßigen Waſſern vor dem Ge- rinne, ſo auf die Raͤder und durch das wuͤſte Gerinne gehet, mehr denn zwey Schutz-Breter, bey willkuͤhrlicher Stra- fe der Obrigkeit, vorzuſetzen haben. Wenn aber die Waſſer ſehr groß ſeyn, daß ſie ohne Aufſetzung des dritten Schutz-Bre- tes nicht mahlen koͤnten, muß ihnen in derſelben Noth, damit das Mahlwerck nicht gehindert werde, ſolches aufzuſetzen frey ſtehen. §. 24. Wenn ſich groſſe Waſſer-Flu- then begeben, es ſey im Winter, oder Sommer, muß ein ieder Muͤller die wuͤ- ſten Gerinne oder Schleuſen, ſowohl die Fiſchereyen gaͤntzlich aufheben, und bey nahmhaffter Strafe kein Schutz-Bret darinnen laſſen. Welcher Muͤller nicht zu mahlen hat, muß zu ieder Zeit vier Schutz-Breter offen ſtehen haben, und wo nicht wuͤſte Gerinne ſeyn, muͤſſen die Schleuſen aufgezogen, und vier Schutz- Breter geſetzet werden, und ſo einer da- wider handelt, es geſchehe zu Tag oder Nacht, und deſſen von ſeinem naͤchſten Nachbar uͤber oder unter ihn uͤberzeu- get wird, muß der Obrigkeit in Strafe verfallen ſeyn, damit keiner dem andern zum Verdruß das Waſſer muthwillig aufhalte. §. 25. Es iſt fleißig Acht zu haben, daß die Muͤhlen nach Gelegenheit der Waſſer-Laͤuffte alſo angerichtet werden, daß ſie recht und ſchnell gehen, die Kaſten gut und wohl verwahret, auch gute Tuͤ- cher daruͤber, und die Muͤhl-Wehren, Muͤhl-Gerinne und Laͤuffte im guten Stande ſeyn. §. 26. Es ſind auf denjenigen Stroͤh- men, wo Faͤhren bißanhero angeleget ſind, ſo viel als moͤglich, Bruͤcken zu bau- en, und an ſtatt des Faͤhr-Geldes ein ge- wiſſer Bruͤcken-Zoll anzulegen. Es ge- reichet ſolches gar ſehr zur Beqvemlichkeit der Reiſenden, als die nicht allein geſchwin- der fortkommen koͤnnen, wenn ſie wollen, ſondern auch weniger Gefahr, denn auf den Faͤhren, unterworffen ſind. Es thaͤte auch noͤthig, daß den Faͤhrleuten ei- ne gewiſſe Ordnung vorgeſchrieben wuͤr- de, wie ſie ſich in Anſehung der Perſonen, Pferde und Waͤgen, die ſie auf die Faͤh- ren nehmen, zu verhalten haͤtten, indem einige, ſonderlich wenn die Faͤhren ver- pachtet, ſo geitzig ſind, und ſo viel Waͤgen zu ſich nehmen, daß einige Leute recht in Leibes- und Lebens-Gefahr druͤber gera- then; auch ſolten die Faͤhrleute, wenn ſie ſich nicht, ſonderlich zur Nacht-Zeit, zur Beqvemlichkeit der Reiſenden wuͤrden pa- rat finden laſſen, dieſelben, ſobald ſie an das Waſſer kommen, uͤberzufuͤhren, in unnachlaͤßliche Strafe genom̃en werden. §. 27. Gleichwie die Landes-Fuͤrſten das Befugniß haben, auf den Bruͤcken von den Reiſenden ein gewiſſes Bruͤcken- Geld einfordern zu laſſen, alſo haben ſie auch Sorge zu tragen, daß die Bruͤcken in Reparatur und baulichem Weſen er- halten werden. Sonderlich muß man darauf bedacht ſeyn, daß auf allen Bruͤ- cken, ſie moͤgen uͤber groſſe Fluͤſſe, oder nur uͤber kleine Baͤche gehen, Barriéren und Lehnen vorgemacht werden, damit den Reiſenden bey Nacht-Zeiten, oder wenn die Pferde etwan ſcheu werden, nicht ei- nig Ungluͤck begegnen moͤge. Da ſich auch hin und wieder ſolche boßhafftige Leute finden, welche dasjenige, was an Bruͤcken und Daͤmmen dem Publico zu gut, und zu des Landes Beſten gebauet wird, muthwillig ruiniren, ja wohl gar ſtehlen, und das Holtz davon ſchleppen; Als iſt maͤnniglich von dem Landes-Fuͤr- ſten zu warnen, ſich vor dergleichen zu huͤ- ten, und diejenigen, die daruͤber ertappet werden, ſind mit exemplariſcher Strafe zu belegen. §. 28. Jn Anſehung der Schiffahrt haben die Landes-Fuͤrſten zu verordnen, daß die Steuer-Leute die ihnen anver- trauten Waaren wohl in Acht nehmen, und Sorge tragen, daß weder von den Schiffleuten, noch andern Perſonen, et- was davon entwendet werde, oder ſonſt zu Schaden komme, ingleichen, daß die Schiffe, wenn ſie etwas lecken, mit Waſ- ſer angefeuchtet, die Tonnen und Faͤſſer nicht ſtarck aus- und in die Schiffe geworf- fen, ſondern ſanfft und behutſam heraus- und hereingelegt werden moͤgen, damit ſie durch plumpes Aus- und Einwerffen nicht Schaden nehmen, noch gar von ein- ander fallen; daß ſich niemand unterſtehe, die Tonnen zu oͤffnen, daß ſie alle Un- ordnungen und Fehler nicht allein auf den Schiffen unter ihren Schiff-Knechten verhuͤ-

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Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724, S. 382. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger02_1724/544>, abgerufen am 26.06.2019.