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Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724.

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Des Fisch-Buchs 20. Capitel/
[Spaltenumbruch] der sich zu der Zeit aufzubäumen pflege.
Und meldet Scheuchzer in seinen Natur-
Geschichten des Schweitzer-Landes in
dem andern Theil p. 30. wie ihm einsten
ein gewisser Gelehrter erzehlet, daß er die-
sen Fisch bey heller Lufft gesehen, wor-
auf bald hernach ein schweres Ungewit-
ter erfolget.

§. 3.

Es wollen einige Autores be-
haupten, daß es gewisse Arten Fische und
Krebse gebe, die so wohl im Wasser le-
ben, als auch unter der Erde dauren kön-
ten, und in den Hölen der Berge sich auf-
hielten, welches ich aber an seinen Ort
gestellet seyn lasse. S. Sachsens Gam-
marologie C. 7. §. 15. p.
141.

§. 4.

Gewisser ist, daß man an ei-
nigen Orten gewisse Steine findet, die
man Rogen-Steine, Fisch-Rogen-Stei-
ne, verschwemmte und versteinerte Eyer-
stöcke zu nennen pflegt. Diese sind nichts
anders, als versteinerte Eyerstöcke, die
mit einer steinernen und Mineralischen
Rinde nach und nach umzogen worden,
und keinen geringen Zeugen der Sünd-
fluth mit abgeben. Man hat solche von
unterschiedener Art, grösser oder kleiner.
Bey einigen sind die Theilgen gantz voll-
kommen runde Kügelchen, aus denen sie
bestehen, bey andern aber erblickt man
einige irregulaire Cörper, wenn man die-
selben zerbricht, als wie Triangul. Man
findet sie in einem Dorffe des Fürsten-
thums Halberstadt, Hamersleben ge-
nannt, ingleichen bey Hildesheim. Der
Farbe nach sind sie unterschiedlich, braun,
das auf röthlich fällt, oder weißlich, u. s. w.
Man findet sie von unterschiedener Ge-
stalt, Grösse, und Farben. Bey dem
Städtlein Weferlingen im Fürstenthum
Halberstadt kan man viel solcher Steine
wahrnehmen.

§. 5.

Es ist auch bekandt, daß man
an unterschiedenen Orten der Grafschafft
Mansfeld, ingleichen in dem Jlmenaui-
schen solche Schiefer-Steine findet, dar-
auf Fische gebildet sind. Viele halten sol-
che vor ein blosses Spiel der Natur; es
ist aber glaublicher, daß solches ebenfalls
Reliquien der Sündfluth sind, da durch
die grosse Fluth die Fische in den weichen
Leim gedrücket worden, welcher endlich
harte und zu Stein geworden. Jch kön-
te hier viel von mancherley wunderba-
ren Steinen anführen, darauf Schne-
cken, Muscheln, Austern und dergleichen
gebildet zu sehen. Nachdem aber diesel-
ben mehr zu den Regno Minerali, als A-
[Spaltenumbruch] nimali
gehören, so will ich den Leser, der
davon ein Liebhaber ist, auf diejenigen
Schrifften verweisen, die ex professo da-
von handeln, als des Volckmans Silesiam
Subterraneam,
des Herrn Mylii Saxo-
niam Subterraneam,
und viel andere
mehr.

§. 6.

Jn dem 1718. Jahre zu An-
fang des Monats Augusti begab sichs, daß
ein gewisser Müller-Junge vor den
Stadt-Mühlen auf der Oder vor Breß-
lau eine ziemliche Menge Fische mit blos-
sen Händen fieng, sich aber verrieth, daß
er solches vermittelst einer besondern
Kunst verrichtete, Krafft deren er die Fi-
sche taumlich machte, daß sie oben schwöm-
men, und mit den Händen gar leicht er-
griffen werden könten. Deswegen ward
der Junge eingezogen, und die Fische, de-
ren er einen ziemlichen Fisch-Sack voll ge-
sammlet, auf Obrigkeitlichen Befehl auf
der Oder auf eine Sand-Banck geschar-
ret. Die Angehörigen des Jungens a-
ber statt Ersetzung dieses den Stadt-Fi-
schern zugefügten Schadens um einige
Thaler Geld gestrafft. Der Junge ent-
deckte hierbey diese seine Kunst, daß er
nemlich aus Kuckels- oder Kockels-Kör-
nern, Backofen-Leim, oder Brod, mit
Vorlauff oder starcken Brandwein Ku-
geln formirt, die er ins Wasser geschmis-
sen, und die Fische betaumelt.

§. 7.

Von Hamburg wurde Anno
1720. advisir
et, daß bey der letzten Was-
ser-Fluth den 31. December bey dem so
genannten Dorn-Busch ein grosser frem-
der Fisch 74. Fuß lang angetrieben kom-
men, und von dortigen Einwohnern ge-
fangen worden, welcher einen Schwantz
gehabt, wie ein Wallfisch, 12. biß 13. Fuß
breit, und Zähne wie klares Helffenbein
10. biß 11. Zoll lang. Diesen Fisch habe
man für gantz unbekandt gehalten, als
dergleichen niemahls daselbst gesehen
worden. Doch haben etliche gemeynt,
es sey ein Peters-Fisch oder Zahn-Fisch
gewesen.

§. 8.

Anno 1717. wurden von Jhro
Czaarischen Majestät an Jhro Königliche
Majestät in Preussen bereits im Früh-
Jahr fremde und rare Fische übersendet,
deren die größten 12. Fuß lang, und 9.
Fuß dicke, fast einem Stöhr gleichende ge-
wesen, und Berlachi Neatrich genennet
worden. Selbige sind ausser Zweiffel
die Bollugen, von denen der Herr Johann
Berry
im Staat von Rußland p. 157.
sagt, daß sie 8. biß 10. Schuh lang, und

den

Des Fiſch-Buchs 20. Capitel/
[Spaltenumbruch] der ſich zu der Zeit aufzubaͤumen pflege.
Und meldet Scheuchzer in ſeinen Natur-
Geſchichten des Schweitzer-Landes in
dem andern Theil p. 30. wie ihm einſten
ein gewiſſer Gelehrter erzehlet, daß er die-
ſen Fiſch bey heller Lufft geſehen, wor-
auf bald hernach ein ſchweres Ungewit-
ter erfolget.

§. 3.

Es wollen einige Autores be-
haupten, daß es gewiſſe Arten Fiſche und
Krebſe gebe, die ſo wohl im Waſſer le-
ben, als auch unter der Erde dauren koͤn-
ten, und in den Hoͤlen der Berge ſich auf-
hielten, welches ich aber an ſeinen Ort
geſtellet ſeyn laſſe. S. Sachſens Gam-
marologie C. 7. §. 15. p.
141.

§. 4.

Gewiſſer iſt, daß man an ei-
nigen Orten gewiſſe Steine findet, die
man Rogen-Steine, Fiſch-Rogen-Stei-
ne, verſchwemmte und verſteinerte Eyer-
ſtoͤcke zu nennen pflegt. Dieſe ſind nichts
anders, als verſteinerte Eyerſtoͤcke, die
mit einer ſteinernen und Mineraliſchen
Rinde nach und nach umzogen worden,
und keinen geringen Zeugen der Suͤnd-
fluth mit abgeben. Man hat ſolche von
unterſchiedener Art, groͤſſer oder kleiner.
Bey einigen ſind die Theilgen gantz voll-
kommen runde Kuͤgelchen, aus denen ſie
beſtehen, bey andern aber erblickt man
einige irregulaire Coͤrper, wenn man die-
ſelben zerbricht, als wie Triangul. Man
findet ſie in einem Dorffe des Fuͤrſten-
thums Halberſtadt, Hamersleben ge-
nannt, ingleichen bey Hildesheim. Der
Farbe nach ſind ſie unterſchiedlich, braun,
das auf roͤthlich faͤllt, oder weißlich, u. ſ. w.
Man findet ſie von unterſchiedener Ge-
ſtalt, Groͤſſe, und Farben. Bey dem
Staͤdtlein Weferlingen im Fuͤrſtenthum
Halberſtadt kan man viel ſolcher Steine
wahrnehmen.

§. 5.

Es iſt auch bekandt, daß man
an unterſchiedenen Orten der Grafſchafft
Mansfeld, ingleichen in dem Jlmenaui-
ſchen ſolche Schiefer-Steine findet, dar-
auf Fiſche gebildet ſind. Viele halten ſol-
che vor ein bloſſes Spiel der Natur; es
iſt aber glaublicher, daß ſolches ebenfalls
Reliquien der Suͤndfluth ſind, da durch
die groſſe Fluth die Fiſche in den weichen
Leim gedruͤcket worden, welcher endlich
harte und zu Stein geworden. Jch koͤn-
te hier viel von mancherley wunderba-
ren Steinen anfuͤhren, darauf Schne-
cken, Muſcheln, Auſtern und dergleichen
gebildet zu ſehen. Nachdem aber dieſel-
ben mehr zu den Regno Minerali, als A-
[Spaltenumbruch] nimali
gehoͤren, ſo will ich den Leſer, der
davon ein Liebhaber iſt, auf diejenigen
Schrifften verweiſen, die ex profeſſo da-
von handeln, als des Volckmans Sileſiam
Subterraneam,
des Herrn Mylii Saxo-
niam Subterraneam,
und viel andere
mehr.

§. 6.

Jn dem 1718. Jahre zu An-
fang des Monats Auguſti begab ſichs, daß
ein gewiſſer Muͤller-Junge vor den
Stadt-Muͤhlen auf der Oder vor Breß-
lau eine ziemliche Menge Fiſche mit bloſ-
ſen Haͤnden fieng, ſich aber verrieth, daß
er ſolches vermittelſt einer beſondern
Kunſt verrichtete, Krafft deren er die Fi-
ſche taumlich machte, daß ſie oben ſchwoͤm-
men, und mit den Haͤnden gar leicht er-
griffen werden koͤnten. Deswegen ward
der Junge eingezogen, und die Fiſche, de-
ren er einen ziemlichen Fiſch-Sack voll ge-
ſammlet, auf Obrigkeitlichen Befehl auf
der Oder auf eine Sand-Banck geſchar-
ret. Die Angehoͤrigen des Jungens a-
ber ſtatt Erſetzung dieſes den Stadt-Fi-
ſchern zugefuͤgten Schadens um einige
Thaler Geld geſtrafft. Der Junge ent-
deckte hierbey dieſe ſeine Kunſt, daß er
nemlich aus Kuckels- oder Kockels-Koͤr-
nern, Backofen-Leim, oder Brod, mit
Vorlauff oder ſtarcken Brandwein Ku-
geln formirt, die er ins Waſſer geſchmiſ-
ſen, und die Fiſche betaumelt.

§. 7.

Von Hamburg wurde Anno
1720. adviſir
et, daß bey der letzten Waſ-
ſer-Fluth den 31. December bey dem ſo
genannten Dorn-Buſch ein groſſer frem-
der Fiſch 74. Fuß lang angetrieben kom-
men, und von dortigen Einwohnern ge-
fangen worden, welcher einen Schwantz
gehabt, wie ein Wallfiſch, 12. biß 13. Fuß
breit, und Zaͤhne wie klares Helffenbein
10. biß 11. Zoll lang. Dieſen Fiſch habe
man fuͤr gantz unbekandt gehalten, als
dergleichen niemahls daſelbſt geſehen
worden. Doch haben etliche gemeynt,
es ſey ein Peters-Fiſch oder Zahn-Fiſch
geweſen.

§. 8.

Anno 1717. wurden von Jhro
Czaariſchen Majeſtaͤt an Jhro Koͤnigliche
Majeſtaͤt in Preuſſen bereits im Fruͤh-
Jahr fremde und rare Fiſche uͤberſendet,
deren die groͤßten 12. Fuß lang, und 9.
Fuß dicke, faſt einem Stoͤhr gleichende ge-
weſen, und Berlachi Neatrich genennet
worden. Selbige ſind auſſer Zweiffel
die Bollugen, von denen der Herr Johann
Berry
im Staat von Rußland p. 157.
ſagt, daß ſie 8. biß 10. Schuh lang, und

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[420/0588] Des Fiſch-Buchs 20. Capitel/ der ſich zu der Zeit aufzubaͤumen pflege. Und meldet Scheuchzer in ſeinen Natur- Geſchichten des Schweitzer-Landes in dem andern Theil p. 30. wie ihm einſten ein gewiſſer Gelehrter erzehlet, daß er die- ſen Fiſch bey heller Lufft geſehen, wor- auf bald hernach ein ſchweres Ungewit- ter erfolget. §. 3. Es wollen einige Autores be- haupten, daß es gewiſſe Arten Fiſche und Krebſe gebe, die ſo wohl im Waſſer le- ben, als auch unter der Erde dauren koͤn- ten, und in den Hoͤlen der Berge ſich auf- hielten, welches ich aber an ſeinen Ort geſtellet ſeyn laſſe. S. Sachſens Gam- marologie C. 7. §. 15. p. 141. §. 4. Gewiſſer iſt, daß man an ei- nigen Orten gewiſſe Steine findet, die man Rogen-Steine, Fiſch-Rogen-Stei- ne, verſchwemmte und verſteinerte Eyer- ſtoͤcke zu nennen pflegt. Dieſe ſind nichts anders, als verſteinerte Eyerſtoͤcke, die mit einer ſteinernen und Mineraliſchen Rinde nach und nach umzogen worden, und keinen geringen Zeugen der Suͤnd- fluth mit abgeben. Man hat ſolche von unterſchiedener Art, groͤſſer oder kleiner. Bey einigen ſind die Theilgen gantz voll- kommen runde Kuͤgelchen, aus denen ſie beſtehen, bey andern aber erblickt man einige irregulaire Coͤrper, wenn man die- ſelben zerbricht, als wie Triangul. Man findet ſie in einem Dorffe des Fuͤrſten- thums Halberſtadt, Hamersleben ge- nannt, ingleichen bey Hildesheim. Der Farbe nach ſind ſie unterſchiedlich, braun, das auf roͤthlich faͤllt, oder weißlich, u. ſ. w. Man findet ſie von unterſchiedener Ge- ſtalt, Groͤſſe, und Farben. Bey dem Staͤdtlein Weferlingen im Fuͤrſtenthum Halberſtadt kan man viel ſolcher Steine wahrnehmen. §. 5. Es iſt auch bekandt, daß man an unterſchiedenen Orten der Grafſchafft Mansfeld, ingleichen in dem Jlmenaui- ſchen ſolche Schiefer-Steine findet, dar- auf Fiſche gebildet ſind. Viele halten ſol- che vor ein bloſſes Spiel der Natur; es iſt aber glaublicher, daß ſolches ebenfalls Reliquien der Suͤndfluth ſind, da durch die groſſe Fluth die Fiſche in den weichen Leim gedruͤcket worden, welcher endlich harte und zu Stein geworden. Jch koͤn- te hier viel von mancherley wunderba- ren Steinen anfuͤhren, darauf Schne- cken, Muſcheln, Auſtern und dergleichen gebildet zu ſehen. Nachdem aber dieſel- ben mehr zu den Regno Minerali, als A- nimali gehoͤren, ſo will ich den Leſer, der davon ein Liebhaber iſt, auf diejenigen Schrifften verweiſen, die ex profeſſo da- von handeln, als des Volckmans Sileſiam Subterraneam, des Herrn Mylii Saxo- niam Subterraneam, und viel andere mehr. §. 6. Jn dem 1718. Jahre zu An- fang des Monats Auguſti begab ſichs, daß ein gewiſſer Muͤller-Junge vor den Stadt-Muͤhlen auf der Oder vor Breß- lau eine ziemliche Menge Fiſche mit bloſ- ſen Haͤnden fieng, ſich aber verrieth, daß er ſolches vermittelſt einer beſondern Kunſt verrichtete, Krafft deren er die Fi- ſche taumlich machte, daß ſie oben ſchwoͤm- men, und mit den Haͤnden gar leicht er- griffen werden koͤnten. Deswegen ward der Junge eingezogen, und die Fiſche, de- ren er einen ziemlichen Fiſch-Sack voll ge- ſammlet, auf Obrigkeitlichen Befehl auf der Oder auf eine Sand-Banck geſchar- ret. Die Angehoͤrigen des Jungens a- ber ſtatt Erſetzung dieſes den Stadt-Fi- ſchern zugefuͤgten Schadens um einige Thaler Geld geſtrafft. Der Junge ent- deckte hierbey dieſe ſeine Kunſt, daß er nemlich aus Kuckels- oder Kockels-Koͤr- nern, Backofen-Leim, oder Brod, mit Vorlauff oder ſtarcken Brandwein Ku- geln formirt, die er ins Waſſer geſchmiſ- ſen, und die Fiſche betaumelt. §. 7. Von Hamburg wurde Anno 1720. adviſiret, daß bey der letzten Waſ- ſer-Fluth den 31. December bey dem ſo genannten Dorn-Buſch ein groſſer frem- der Fiſch 74. Fuß lang angetrieben kom- men, und von dortigen Einwohnern ge- fangen worden, welcher einen Schwantz gehabt, wie ein Wallfiſch, 12. biß 13. Fuß breit, und Zaͤhne wie klares Helffenbein 10. biß 11. Zoll lang. Dieſen Fiſch habe man fuͤr gantz unbekandt gehalten, als dergleichen niemahls daſelbſt geſehen worden. Doch haben etliche gemeynt, es ſey ein Peters-Fiſch oder Zahn-Fiſch geweſen. §. 8. Anno 1717. wurden von Jhro Czaariſchen Majeſtaͤt an Jhro Koͤnigliche Majeſtaͤt in Preuſſen bereits im Fruͤh- Jahr fremde und rare Fiſche uͤberſendet, deren die groͤßten 12. Fuß lang, und 9. Fuß dicke, faſt einem Stoͤhr gleichende ge- weſen, und Berlachi Neatrich genennet worden. Selbige ſind auſſer Zweiffel die Bollugen, von denen der Herr Johann Berry im Staat von Rußland p. 157. ſagt, daß ſie 8. biß 10. Schuh lang, und den

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Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724, S. 420. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger02_1724/588>, abgerufen am 25.05.2019.