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Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724.

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Des Ersten Theils 14. Capitel/
[Spaltenumbruch] genmächtigen Schöpffers endlich beru-
hen, so bleiben wir so wohl uns, als andern,
zur Befriedigung des Gemüthes allezeit
etwas schuldig/ welches wir mit der aller-
mühsamsten Darlegung derer Causarum
secundarum,
oder materialischen Ursa-
chen nimmermehr abtragen werden.

§. 3.

Einige schreiben dem Magne-
te noch andere wunderbahre Eigen-
schafften zu: Er soll den Verstand vermeh-
ren, die Furcht und das Schrecken ver-
treiben, Friede und Einigkeit erhalten,
die Geburth befördern, das Hauptwehe
und den Krampff stillen, so man ihn bey
sich trüge. Er soll auch vor die Wasser-
sucht zuträglich seyn, so man dieses Stei-
nes ein halb Qventlein mit Honig-Wasser
vermischt einnähme. Wenn man davon
mit Honig-Wasser trincket, soll er den
Bauch laxiren, und die groben Feuchtig-
keiten ausleeren. S. Loniceri Kräuter-
Buch bey mir pag. 725. Man vermischt
ihn bißweilen mit den Bruch-Pflastern,
und giebt innerlich gefeilt Eisen zu trin-
cken, damit der Magnet das Eisen an sich
ziehen soll. Einige machen aus den ge-
brandten Magneten und Wachs ein
Pflaster zu Linderung der Podagrischen
Schmertzen. Er hat mit dem Blut-Stei-
ne gleiche Tugend, nach Galeni Zeugniß,
er adstringiret, stillet das Geblüthe, füh-
ret die groben melancholischen Feuchtig-
keiten aus, wird aber gar selten gebrau-
chet. S. Schröders Artzney-Schatz, pag.
522. Die alten Naturkündiger gaben vor,
daß die Tugend des Magneten durch den
Knobloch-Safft verderbt würde; allein
Borellus hat in Histor. & Observ. durch
die Erfahrung erkannt, daß solches falsch
sey. Daß man aber den Magneten durch
einen besondern aus dem Marte bereiteten
Liquorem verstärcken könne, bezeuget die
Erfahrung. Es halten auch einige vor
gut, daß der Magnet-Stein eine bestän-
dige Nahrung bekäme, wenn man ihn
stets in Feilstaub von Eisen liegen hätte,
oder ihn in Leder einwickelte, denn sonst,
da er in der freyen Lufft sich aufhielte,
verlöhr er nach und nach seine Krafft.

Das 14. Capitel/
Von den Metallen und Mi-
neralien.
§. 1.

Die Weißheit des Schöpffers hat die
Metalle und Mineralien nicht ohne
[Spaltenumbruch] heilige Ursache in die tieffsten Klüffte der
Erden geleget. Denn wenn das Silber,
Gold, und die andern Ertze, wie das Gras
aus der Erden herauswüchsen, und oben
auf der Grundfläche lägen, so würde die
unersättliche Begierde der Menschen sie
so bald vertilgen und erschöpffen, daß in
kurtzer Zeit nicht viel mehr davon würde
vorhanden seyn, ja es würde alsdenn,
wenn man nicht so viel Mühe und Unko-
sten anwenden müste, die Metalle zu ge-
winnen, ihr Preiß nicht mehr so hoch ge-
achtet seyn, und man würde alsdenn
Noth haben, etwas anders zu finden, das
dauerhafft wäre, sich durch den öfftern
Gebrauch nicht sonderlich verringerte,
und doch bey allen andern Sachen als
ein AEquivalent, das allen Menschen an-
genehm wäre, und sie zu nutzen wüsten,
gelten könte. Jndem die Metalle in den
Klüfften der Erden verborgen stecken, und
mit harten Felsen und Steinen umgeben
sind, so ist auch die Generation der Metalle
und Mineralien den Herren Gelehrten
und grösten Naturkündigern bißher mei-
stentheils versteckt geblieben. Nach den
Principiis der meisten Chymicorum und
Physicorum bestehen die Metalle aus
Saltz, Schwefel, und dem Mercurio, da-
her man auch diese Cörper bey derselben
Auflösung antrifft, da man denn die
Quantität, wie viel von einem ieden damit
vermischt sey, wahrnehmen kan. Ob
nun wohl meistentheils diese drey damit
vereiniget sind, so kommen doch nicht al-
lein irrdische, sondern auch mancherley
fremde Theilgen dazu, deren wahre Na-
tur und Beschaffenheit man nicht recht ei-
gentlich kennet. Viele beschreiben den
Schwefel als ein männliches Wesen, und
hingegen den Mercurium als ein weibli-
ches; wenn nun zu diesen das Saltz und
andere wässerigte, erdichte, und auch frem-
de Theilgen, die wir nicht einmahl recht zu
nennen wissen, dazukämen, so würden
durch Hülffe des unterirrdischen Feuers
solche zu einem so festen Wesen gekocht und
zubereitet. Der Mercurius wird vor ei-
nen metallischen Rauch gehalten, der sich
in die Ritzen der Steinfelsen anlegt, und
bey dem Wachsthum der Metalle eine
Wurtzel abgiebt. Die Art und die Na-
tur der Metalle ist nach den unterschiede-
nen Districten und Gegenden, auch Län-
dern, unterschieden, nachdem das unter-
irrdische Feuer, die unterschiedene Be-
schaffenheit der Sonnenstrahlen, welche
ebenfalls in dem Erdboden mitwürcken,

der

Des Erſten Theils 14. Capitel/
[Spaltenumbruch] genmaͤchtigen Schoͤpffers endlich beru-
hen, ſo bleiben wiꝛ ſo wohl uns, als andern,
zur Befriedigung des Gemuͤthes allezeit
etwas ſchuldig/ welches wir mit der aller-
muͤhſamſten Darlegung derer Cauſarum
ſecundarum,
oder materialiſchen Urſa-
chen nimmermehr abtragen werden.

§. 3.

Einige ſchreiben dem Magne-
te noch andere wunderbahre Eigen-
ſchafften zu: Er ſoll den Verſtand vermeh-
ren, die Furcht und das Schrecken ver-
treiben, Friede und Einigkeit erhalten,
die Geburth befoͤrdern, das Hauptwehe
und den Krampff ſtillen, ſo man ihn bey
ſich truͤge. Er ſoll auch vor die Waſſer-
ſucht zutraͤglich ſeyn, ſo man dieſes Stei-
nes ein halb Qventlein mit Honig-Waſſer
vermiſcht einnaͤhme. Wenn man davon
mit Honig-Waſſer trincket, ſoll er den
Bauch laxiren, und die groben Feuchtig-
keiten ausleeren. S. Loniceri Kraͤuter-
Buch bey mir pag. 725. Man vermiſcht
ihn bißweilen mit den Bruch-Pflaſtern,
und giebt innerlich gefeilt Eiſen zu trin-
cken, damit der Magnet das Eiſen an ſich
ziehen ſoll. Einige machen aus den ge-
brandten Magneten und Wachs ein
Pflaſter zu Linderung der Podagriſchen
Schmertzen. Er hat mit dem Blut-Stei-
ne gleiche Tugend, nach Galeni Zeugniß,
er adſtringiret, ſtillet das Gebluͤthe, fuͤh-
ret die groben melancholiſchen Feuchtig-
keiten aus, wird aber gar ſelten gebrau-
chet. S. Schroͤders Artzney-Schatz, pag.
522. Die alten Naturkuͤndiger gaben vor,
daß die Tugend des Magneten durch den
Knobloch-Safft verderbt wuͤrde; allein
Borellus hat in Hiſtor. & Obſerv. durch
die Erfahrung erkannt, daß ſolches falſch
ſey. Daß man aber den Magneten durch
einen beſondern aus dem Marte bereiteten
Liquorem verſtaͤrcken koͤnne, bezeuget die
Erfahrung. Es halten auch einige vor
gut, daß der Magnet-Stein eine beſtaͤn-
dige Nahrung bekaͤme, wenn man ihn
ſtets in Feilſtaub von Eiſen liegen haͤtte,
oder ihn in Leder einwickelte, denn ſonſt,
da er in der freyen Lufft ſich aufhielte,
verloͤhr er nach und nach ſeine Krafft.

Das 14. Capitel/
Von den Metallen und Mi-
neralien.
§. 1.

Die Weißheit des Schoͤpffers hat die
Metalle und Mineralien nicht ohne
[Spaltenumbruch] heilige Urſache in die tieffſten Kluͤffte der
Erden geleget. Denn wenn das Silber,
Gold, und die andern Ertze, wie das Gras
aus der Erden herauswuͤchſen, und oben
auf der Grundflaͤche laͤgen, ſo wuͤrde die
unerſaͤttliche Begierde der Menſchen ſie
ſo bald vertilgen und erſchoͤpffen, daß in
kurtzer Zeit nicht viel mehr davon wuͤrde
vorhanden ſeyn, ja es wuͤrde alsdenn,
wenn man nicht ſo viel Muͤhe und Unko-
ſten anwenden muͤſte, die Metalle zu ge-
winnen, ihr Preiß nicht mehr ſo hoch ge-
achtet ſeyn, und man wuͤrde alsdenn
Noth haben, etwas anders zu finden, das
dauerhafft waͤre, ſich durch den oͤfftern
Gebrauch nicht ſonderlich verringerte,
und doch bey allen andern Sachen als
ein Æquivalent, das allen Menſchen an-
genehm waͤre, und ſie zu nutzen wuͤſten,
gelten koͤnte. Jndem die Metalle in den
Kluͤfften der Erden verborgen ſtecken, und
mit harten Felſen und Steinen umgeben
ſind, ſo iſt auch die Generation der Metalle
und Mineralien den Herren Gelehrten
und groͤſten Naturkuͤndigern bißher mei-
ſtentheils verſteckt geblieben. Nach den
Principiis der meiſten Chymicorum und
Phyſicorum beſtehen die Metalle aus
Saltz, Schwefel, und dem Mercurio, da-
her man auch dieſe Coͤrper bey derſelben
Aufloͤſung antrifft, da man denn die
Quantitaͤt, wie viel von einem ieden damit
vermiſcht ſey, wahrnehmen kan. Ob
nun wohl meiſtentheils dieſe drey damit
vereiniget ſind, ſo kommen doch nicht al-
lein irrdiſche, ſondern auch mancherley
fremde Theilgen dazu, deren wahre Na-
tur und Beſchaffenheit man nicht recht ei-
gentlich kennet. Viele beſchreiben den
Schwefel als ein maͤnnliches Weſen, und
hingegen den Mercurium als ein weibli-
ches; wenn nun zu dieſen das Saltz und
andere waͤſſerigte, erdichte, und auch frem-
de Theilgen, die wir nicht einmahl recht zu
nennen wiſſen, dazukaͤmen, ſo wuͤrden
durch Huͤlffe des unterirrdiſchen Feuers
ſolche zu einem ſo feſten Weſen gekocht und
zubereitet. Der Mercurius wird vor ei-
nen metalliſchen Rauch gehalten, der ſich
in die Ritzen der Steinfelſen anlegt, und
bey dem Wachsthum der Metalle eine
Wurtzel abgiebt. Die Art und die Na-
tur der Metalle iſt nach den unterſchiede-
nen Diſtricten und Gegenden, auch Laͤn-
dern, unterſchieden, nachdem das unter-
irrdiſche Feuer, die unterſchiedene Be-
ſchaffenheit der Sonnenſtrahlen, welche
ebenfalls in dem Erdboden mitwuͤrcken,

der
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[18/0064] Des Erſten Theils 14. Capitel/ genmaͤchtigen Schoͤpffers endlich beru- hen, ſo bleiben wiꝛ ſo wohl uns, als andern, zur Befriedigung des Gemuͤthes allezeit etwas ſchuldig/ welches wir mit der aller- muͤhſamſten Darlegung derer Cauſarum ſecundarum, oder materialiſchen Urſa- chen nimmermehr abtragen werden. §. 3. Einige ſchreiben dem Magne- te noch andere wunderbahre Eigen- ſchafften zu: Er ſoll den Verſtand vermeh- ren, die Furcht und das Schrecken ver- treiben, Friede und Einigkeit erhalten, die Geburth befoͤrdern, das Hauptwehe und den Krampff ſtillen, ſo man ihn bey ſich truͤge. Er ſoll auch vor die Waſſer- ſucht zutraͤglich ſeyn, ſo man dieſes Stei- nes ein halb Qventlein mit Honig-Waſſer vermiſcht einnaͤhme. Wenn man davon mit Honig-Waſſer trincket, ſoll er den Bauch laxiren, und die groben Feuchtig- keiten ausleeren. S. Loniceri Kraͤuter- Buch bey mir pag. 725. Man vermiſcht ihn bißweilen mit den Bruch-Pflaſtern, und giebt innerlich gefeilt Eiſen zu trin- cken, damit der Magnet das Eiſen an ſich ziehen ſoll. Einige machen aus den ge- brandten Magneten und Wachs ein Pflaſter zu Linderung der Podagriſchen Schmertzen. Er hat mit dem Blut-Stei- ne gleiche Tugend, nach Galeni Zeugniß, er adſtringiret, ſtillet das Gebluͤthe, fuͤh- ret die groben melancholiſchen Feuchtig- keiten aus, wird aber gar ſelten gebrau- chet. S. Schroͤders Artzney-Schatz, pag. 522. Die alten Naturkuͤndiger gaben vor, daß die Tugend des Magneten durch den Knobloch-Safft verderbt wuͤrde; allein Borellus hat in Hiſtor. & Obſerv. durch die Erfahrung erkannt, daß ſolches falſch ſey. Daß man aber den Magneten durch einen beſondern aus dem Marte bereiteten Liquorem verſtaͤrcken koͤnne, bezeuget die Erfahrung. Es halten auch einige vor gut, daß der Magnet-Stein eine beſtaͤn- dige Nahrung bekaͤme, wenn man ihn ſtets in Feilſtaub von Eiſen liegen haͤtte, oder ihn in Leder einwickelte, denn ſonſt, da er in der freyen Lufft ſich aufhielte, verloͤhr er nach und nach ſeine Krafft. Das 14. Capitel/ Von den Metallen und Mi- neralien. §. 1. Die Weißheit des Schoͤpffers hat die Metalle und Mineralien nicht ohne heilige Urſache in die tieffſten Kluͤffte der Erden geleget. Denn wenn das Silber, Gold, und die andern Ertze, wie das Gras aus der Erden herauswuͤchſen, und oben auf der Grundflaͤche laͤgen, ſo wuͤrde die unerſaͤttliche Begierde der Menſchen ſie ſo bald vertilgen und erſchoͤpffen, daß in kurtzer Zeit nicht viel mehr davon wuͤrde vorhanden ſeyn, ja es wuͤrde alsdenn, wenn man nicht ſo viel Muͤhe und Unko- ſten anwenden muͤſte, die Metalle zu ge- winnen, ihr Preiß nicht mehr ſo hoch ge- achtet ſeyn, und man wuͤrde alsdenn Noth haben, etwas anders zu finden, das dauerhafft waͤre, ſich durch den oͤfftern Gebrauch nicht ſonderlich verringerte, und doch bey allen andern Sachen als ein Æquivalent, das allen Menſchen an- genehm waͤre, und ſie zu nutzen wuͤſten, gelten koͤnte. Jndem die Metalle in den Kluͤfften der Erden verborgen ſtecken, und mit harten Felſen und Steinen umgeben ſind, ſo iſt auch die Generation der Metalle und Mineralien den Herren Gelehrten und groͤſten Naturkuͤndigern bißher mei- ſtentheils verſteckt geblieben. Nach den Principiis der meiſten Chymicorum und Phyſicorum beſtehen die Metalle aus Saltz, Schwefel, und dem Mercurio, da- her man auch dieſe Coͤrper bey derſelben Aufloͤſung antrifft, da man denn die Quantitaͤt, wie viel von einem ieden damit vermiſcht ſey, wahrnehmen kan. Ob nun wohl meiſtentheils dieſe drey damit vereiniget ſind, ſo kommen doch nicht al- lein irrdiſche, ſondern auch mancherley fremde Theilgen dazu, deren wahre Na- tur und Beſchaffenheit man nicht recht ei- gentlich kennet. Viele beſchreiben den Schwefel als ein maͤnnliches Weſen, und hingegen den Mercurium als ein weibli- ches; wenn nun zu dieſen das Saltz und andere waͤſſerigte, erdichte, und auch frem- de Theilgen, die wir nicht einmahl recht zu nennen wiſſen, dazukaͤmen, ſo wuͤrden durch Huͤlffe des unterirrdiſchen Feuers ſolche zu einem ſo feſten Weſen gekocht und zubereitet. Der Mercurius wird vor ei- nen metalliſchen Rauch gehalten, der ſich in die Ritzen der Steinfelſen anlegt, und bey dem Wachsthum der Metalle eine Wurtzel abgiebt. Die Art und die Na- tur der Metalle iſt nach den unterſchiede- nen Diſtricten und Gegenden, auch Laͤn- dern, unterſchieden, nachdem das unter- irrdiſche Feuer, die unterſchiedene Be- ſchaffenheit der Sonnenſtrahlen, welche ebenfalls in dem Erdboden mitwuͤrcken, der

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Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724, S. 18. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger02_1724/64>, abgerufen am 26.06.2019.