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Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724.

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Des Fisch-Buchs 51. Cap. von Nixen / oder Wasser-Gespenstern.
[Spaltenumbruch] len sich in der menschlichen Gestalt zeiget,
und den Menschen eine Furcht einjagen
will.

§. 14.

Es würden viel curieuse und
seltene Fragen herauskommen, wenn
man behaupten wolte, daß in dem Mee-
re recht ordentliche Menschen wären, die
mit Leib und Seel und Vernunfft be-
gabt wären, als wie wir. Wären die-
se Menschen von Adam hergekommen,
oder nicht? Sind sie wohl gefallen, als
wir? Was vor eine Religion und Glau-
ben bekennen sie? Wenn sie sterben, wo-
hin solten sie wohl fahren? Woher ha-
ben sie die Sprachen gelernet? Discouri-
ren sie auch wohl in diesem kalten und
nassen Element mit einander? Was vor
eine Verfassung und Republic haben sie
unten? u. s. w.

§. 15.

Paracelsus und unterschiedene
andere Autores behaupten, daß in dem
Feuer, Lufft, Erde, und Wasser unter-
schiedene Arten der Geister wären. Ob
ein iedes Element von besondern Geistern
bewohnet werde, die von unterschiedenen
und ungleichen Eigenschafften sind, oder,
ob die Geister überhaupt sich bald in die-
ses, bald in jenes Element begeben, ist
schwer zu sagen. So ist auch noch unge-
wiß, ob es nur gute, oder lauter böse Gei-
ster gebe, oder auch andere Sorten, die
zwischen diesen sind. Denn ob uns gleich
in Göttlicher Heil. Schrifft nur von zwey-
erley Art Geistern Meldung geschiehet,
so folget doch deswegen nicht, als ob es
auch nicht andere Arten der Geister gebe,
indem uns die Heilige Schrifft nicht die
Geheimnisse der Natur lehren, sondern
den Weg zur ewigen Seeligkeit anwei-
sen wollen.

§. 16.

Die Nixe sollen, nach man-
cher leichtgläubiger Historicorum Be-
richt, die Gewohnheit vor diesem gehabt
haben, daß sie den Sechswöchnerinnen
die Kinder weggeholet, und solche gegen
die so genannten Wechselbälge ausgetau-
schet, wie ich oben gesagt, sonderlich zur
Mittags-Zeit zwischen 11. und 12. oder zur
Mitternacht zwischen 11. und 12. Uhr, da-
her auch die Mode aufgekommen seyn soll,
[Spaltenumbruch] daß die Wöchnerinnen des Nachts iemand
bey sich wachen lassen. So gedencket
Praetorius in seiner Neuen Welt-Be-
schreibung von allerley wunderbaren
Menschen, p. 135. daß einsten ein Nix zu
einer Wöchnerin in der Gestalt ihres
Mannes gekommen, der auch die Spra-
che ihres Mannes angenommen, und von
ihr verlangt, sie solte doch hinaus kom-
men, er wolte ihr was sonderliches wei-
sen. Allein es war ihr wunderlich vor-
gekommen, und hatte dannenhero drauf
geantwortet: Er solte nur hinein kom-
men, es schickte sich ja mit ihr nicht, daß
sie zu Mitternacht aufstünde, und her-
ausgienge, er hätte ja den Schlüssel draus-
sen in einem Loch über der Haus-Thü-
re liegen, wie er wohl wüste. Darauf
versetzte das Gespenst, er wüste es gar
wohl, sie solte aber nur hinaus kommen,
er wolte ihr was sonderliches weisen. Die-
se Reden hätte sie, nach ihres Mannes
Art, lange Zeit continuiret, biß die Wöch-
nerin endlich von ihrem Wochen-Bette
aufgestanden, und hinausgangen, dar-
auf wäre das Gespenst immer vor sie hin-
gegangen, und hätte sie nachgefolget, da
wäre es, das er ihr zeigen wolte, biß sie
endlich fast an das Wasser gewesen, das
nicht weit vor dem Hause vorbey geflos-
sen. Mittlerweile hätte das Gespenst an-
gefangen wider sie zu sagen: Heb auf dein
Gewand, daß du nicht fallest in Dosten
und Dorant. Wie sie nun das Wasser
erblicket, so wäre sie in Dosten und Do-
rant, der häuffig in dem Garten gestan-
den, mit Fleiß gefallen, und habe sich al-
so salvirt.

§. 17.

Ob die bösen Geister sich mit
diesen Kräutern vertreiben lassen, lasse
dahin gestellt seyn; inzwischen ist es noch
biß auf diese Zeit gebräuchlich, daß man
mit diesen beyden Kräutern, ingleichen
mit Teufels-Abbiß, und andern derglei-
chen, den Zauberern, Hexen, und andern
dergleichen, Resistence thun will, wie
man so wohl bey den Scriptoribus Bota-
nicis,
als auch aus der gemeinen und
täglichen Erfahrung sattsam verificiren
kan.



Als

Des Fiſch-Buchs 51. Cap. von Nixen / oder Waſſer-Geſpenſtern.
[Spaltenumbruch] len ſich in der menſchlichen Geſtalt zeiget,
und den Menſchen eine Furcht einjagen
will.

§. 14.

Es wuͤrden viel curieuſe und
ſeltene Fragen herauskommen, wenn
man behaupten wolte, daß in dem Mee-
re recht ordentliche Menſchen waͤren, die
mit Leib und Seel und Vernunfft be-
gabt waͤren, als wie wir. Waͤren die-
ſe Menſchen von Adam hergekommen,
oder nicht? Sind ſie wohl gefallen, als
wir? Was vor eine Religion und Glau-
ben bekennen ſie? Wenn ſie ſterben, wo-
hin ſolten ſie wohl fahren? Woher ha-
ben ſie die Sprachen gelernet? Diſcouri-
ren ſie auch wohl in dieſem kalten und
naſſen Element mit einander? Was vor
eine Verfaſſung und Republic haben ſie
unten? u. ſ. w.

§. 15.

Paracelſus und unterſchiedene
andere Autores behaupten, daß in dem
Feuer, Lufft, Erde, und Waſſer unter-
ſchiedene Arten der Geiſter waͤren. Ob
ein iedes Element von beſondern Geiſtern
bewohnet werde, die von unterſchiedenen
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ob die Geiſter uͤberhaupt ſich bald in die-
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ſchwer zu ſagen. So iſt auch noch unge-
wiß, ob es nur gute, oder lauter boͤſe Gei-
ſter gebe, oder auch andere Sorten, die
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in Goͤttlicher Heil. Schrifft nur von zwey-
erley Art Geiſtern Meldung geſchiehet,
ſo folget doch deswegen nicht, als ob es
auch nicht andere Arten der Geiſter gebe,
indem uns die Heilige Schrifft nicht die
Geheimniſſe der Natur lehren, ſondern
den Weg zur ewigen Seeligkeit anwei-
ſen wollen.

§. 16.

Die Nixe ſollen, nach man-
cher leichtglaͤubiger Hiſtoricorum Be-
richt, die Gewohnheit vor dieſem gehabt
haben, daß ſie den Sechswoͤchnerinnen
die Kinder weggeholet, und ſolche gegen
die ſo genannten Wechſelbaͤlge ausgetau-
ſchet, wie ich oben geſagt, ſonderlich zur
Mittags-Zeit zwiſchen 11. und 12. oder zur
Mitternacht zwiſchen 11. und 12. Uhr, da-
her auch die Mode aufgekommen ſeyn ſoll,
[Spaltenumbruch] daß die Woͤchnerinnen des Nachts iemand
bey ſich wachen laſſen. So gedencket
Prætorius in ſeiner Neuen Welt-Be-
ſchreibung von allerley wunderbaren
Menſchen, p. 135. daß einſten ein Nix zu
einer Woͤchnerin in der Geſtalt ihres
Mannes gekommen, der auch die Spra-
che ihres Mannes angenommen, und von
ihr verlangt, ſie ſolte doch hinaus kom-
men, er wolte ihr was ſonderliches wei-
ſen. Allein es war ihr wunderlich vor-
gekommen, und hatte dannenhero drauf
geantwortet: Er ſolte nur hinein kom-
men, es ſchickte ſich ja mit ihr nicht, daß
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ſen in einem Loch uͤber der Haus-Thuͤ-
re liegen, wie er wohl wuͤſte. Darauf
verſetzte das Geſpenſt, er wuͤſte es gar
wohl, ſie ſolte aber nur hinaus kommen,
er wolte ihr was ſonderliches weiſen. Die-
ſe Reden haͤtte ſie, nach ihres Mannes
Art, lange Zeit continuiret, biß die Woͤch-
nerin endlich von ihrem Wochen-Bette
aufgeſtanden, und hinausgangen, dar-
auf waͤre das Geſpenſt immer vor ſie hin-
gegangen, und haͤtte ſie nachgefolget, da
waͤre es, das er ihr zeigen wolte, biß ſie
endlich faſt an das Waſſer geweſen, das
nicht weit vor dem Hauſe vorbey gefloſ-
ſen. Mittlerweile haͤtte das Geſpenſt an-
gefangen wider ſie zu ſagen: Heb auf dein
Gewand, daß du nicht falleſt in Doſten
und Dorant. Wie ſie nun das Waſſer
erblicket, ſo waͤre ſie in Doſten und Do-
rant, der haͤuffig in dem Garten geſtan-
den, mit Fleiß gefallen, und habe ſich al-
ſo ſalvirt.

§. 17.

Ob die boͤſen Geiſter ſich mit
dieſen Kraͤutern vertreiben laſſen, laſſe
dahin geſtellt ſeyn; inzwiſchen iſt es noch
biß auf dieſe Zeit gebraͤuchlich, daß man
mit dieſen beyden Kraͤutern, ingleichen
mit Teufels-Abbiß, und andern derglei-
chen, den Zauberern, Hexen, und andern
dergleichen, Reſiſtence thun will, wie
man ſo wohl bey den Scriptoribus Bota-
nicis,
als auch aus der gemeinen und
taͤglichen Erfahrung ſattſam verificiren
kan.



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Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 2. Leipzig, 1724, S. 500. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger02_1724/668>, abgerufen am 16.06.2019.