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Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. [Bd. 1: Die Grafschaft Ruppin. Der Barnim. Der Teltow]. Berlin, 1862.

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Die Müggelsberge.

Es rührt kein Blatt sich, alles schläft und
träumt,
Nur je zuweilen knistert's in den Föhren,
Die Nadel fällt, -- es ruht der Wald.

Scherenberg.

Inmitten des quadratmeilengroßen Wald- und Inseldreiecks, das
Spree und Dahme kurz vor ihrer Vereinigung bei Schloß Coepe-
nick
bilden, steigen die höchsten Berge unserer Mark, die "Müg-
gelsberge," unvermuthet und unvermittelt aus dem Flachland auf.
Sie liegen da wie der todte Rumpf eines fabelhaften Wasserthieres,
das hier in sumpfiger Tiefe zurückblieb, als sich die großen Flu-
then der Vorzeit verliefen.

Die Müggelsberge sind alter historischer Grund und Boden.
Sie standen da, als das "hohe Schloß" des Landes, lange be-
vor die ersten Wendenfürsten in diese Gegenden kamen, lange be-
vor Burg Brennibor sich an der Havel erhob. In vorslawischer
Zeit, in Zeiten, die nicht Burg, nicht Veste kannten, waren sie die
naturgebaute, wasserumgürtete Residenz, deren höchste Punkte die
Häuptlinge altgermanischen Stammes bewohnten; -- der Sumpf
ihr Schutz, der Wald ihr Haus.

Carl Blechen, unser Märkischer Landsmann und "der Vater
Deutscher Landschaftsmalerei", wie er gelegentlich genannt worden
ist, hat in einem seiner bedeutendsten Bilder die Müggelsberge zu
malen versucht. Sein Versuch ist glänzend geglückt. In feinem

Die Müggelsberge.

Es rührt kein Blatt ſich, alles ſchläft und
träumt,
Nur je zuweilen kniſtert’s in den Föhren,
Die Nadel fällt, — es ruht der Wald.

Scherenberg.

Inmitten des quadratmeilengroßen Wald- und Inſeldreiecks, das
Spree und Dahme kurz vor ihrer Vereinigung bei Schloß Coepe-
nick
bilden, ſteigen die höchſten Berge unſerer Mark, die „Müg-
gelsberge,“ unvermuthet und unvermittelt aus dem Flachland auf.
Sie liegen da wie der todte Rumpf eines fabelhaften Waſſerthieres,
das hier in ſumpfiger Tiefe zurückblieb, als ſich die großen Flu-
then der Vorzeit verliefen.

Die Müggelsberge ſind alter hiſtoriſcher Grund und Boden.
Sie ſtanden da, als das „hohe Schloß“ des Landes, lange be-
vor die erſten Wendenfürſten in dieſe Gegenden kamen, lange be-
vor Burg Brennibor ſich an der Havel erhob. In vorſlawiſcher
Zeit, in Zeiten, die nicht Burg, nicht Veſte kannten, waren ſie die
naturgebaute, waſſerumgürtete Reſidenz, deren höchſte Punkte die
Häuptlinge altgermaniſchen Stammes bewohnten; — der Sumpf
ihr Schutz, der Wald ihr Haus.

Carl Blechen, unſer Märkiſcher Landsmann und „der Vater
Deutſcher Landſchaftsmalerei“, wie er gelegentlich genannt worden
iſt, hat in einem ſeiner bedeutendſten Bilder die Müggelsberge zu
malen verſucht. Sein Verſuch iſt glänzend geglückt. In feinem

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[[364]/0382] Die Müggelsberge. Es rührt kein Blatt ſich, alles ſchläft und träumt, Nur je zuweilen kniſtert’s in den Föhren, Die Nadel fällt, — es ruht der Wald. Scherenberg. Inmitten des quadratmeilengroßen Wald- und Inſeldreiecks, das Spree und Dahme kurz vor ihrer Vereinigung bei Schloß Coepe- nick bilden, ſteigen die höchſten Berge unſerer Mark, die „Müg- gelsberge,“ unvermuthet und unvermittelt aus dem Flachland auf. Sie liegen da wie der todte Rumpf eines fabelhaften Waſſerthieres, das hier in ſumpfiger Tiefe zurückblieb, als ſich die großen Flu- then der Vorzeit verliefen. Die Müggelsberge ſind alter hiſtoriſcher Grund und Boden. Sie ſtanden da, als das „hohe Schloß“ des Landes, lange be- vor die erſten Wendenfürſten in dieſe Gegenden kamen, lange be- vor Burg Brennibor ſich an der Havel erhob. In vorſlawiſcher Zeit, in Zeiten, die nicht Burg, nicht Veſte kannten, waren ſie die naturgebaute, waſſerumgürtete Reſidenz, deren höchſte Punkte die Häuptlinge altgermaniſchen Stammes bewohnten; — der Sumpf ihr Schutz, der Wald ihr Haus. Carl Blechen, unſer Märkiſcher Landsmann und „der Vater Deutſcher Landſchaftsmalerei“, wie er gelegentlich genannt worden iſt, hat in einem ſeiner bedeutendſten Bilder die Müggelsberge zu malen verſucht. Sein Verſuch iſt glänzend geglückt. In feinem

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Zitationshilfe: Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. [Bd. 1: Die Grafschaft Ruppin. Der Barnim. Der Teltow]. Berlin, 1862, S. [364]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fontane_brandenburg01_1862/382>, abgerufen am 21.03.2019.