Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Bd. 3: Ost-Havelland. Berlin, 1873.

Bild:
<< vorherige Seite

unter Abt Herrmann erinnern, wie wir dieselben (ohne weitre
Gewähr) nach den Aussagen "Dietrich's von Ruppin" geschil-
dert haben. Hier wie dort begegnen wir Parteiungen und
einem siegreichen Auftreten der Majorität, nur mit dem Unter-
schied, daß sich Abt Herrmann, in seinem Terrorismus, auf
die Majorität des Conventes stützte, während Abt Arnold
gegen diese Majorität ankämpfte und in diesem Kampfe unterlag.

Die Urkunden aus der etwa zehnjährigen Zeit seiner Ver-
waltung sind ziemlich zahlreich (20) und sprechen nicht gegen
den Abt. Streitigkeiten werden geschlichtet, Vergleiche getroffen,
Ländereien empfangen oder ausgegeben -- nirgends erhellt aus
ihnen ein Zerwürfniß zwischen Abt und Convent. So verlau-
fen die Dinge oder scheinen sie doch zu verlaufen, bis wir,
gleich aus den ersten Urkunden, die in die Regierungszeit seines
Nachfolgers fallen, in Erfahrung bringen, daß Abt Arnold
"wegen unstatthafter Veräußerung von Klostergütern" abgesetzt
und Prior Gallus an seiner Statt zum Abte gewählt wor-
den sei. Wir erfahren ferner, daß inzwischen ein andres deut-
sches Kloster (Altenberg) den Arnoldus zu seinem Abte ernannt,
dieser aber, von seinem jetzigen, dem Altenberger Kloster aus,
eine heftige Schmähschrift (libellum infamiae) gegen den Prior
und die Mönche von Kloster Lehnin gerichtet, diese Schmäh-
schrift auch zugleich als Anklageschrift beim Generalcapitel in
Citeaux eingereicht habe.

Diese Anklageschrift nun, von dem ehemaligen Abte des
angeklagten Klosters ausgehend, scheint, wie begreiflich, ihre
Wirkung auf das Generalcapitel nicht verfehlt zu haben, und
so sehen wir denn im März 1469 die Aebte von Heils-
bronn
und Erbach als ernannte Untersuchungs-Commissa-
rien in Lehnin eintreffen. Aber gleichzeitig mit ihnen treffen
auch, als Zeugen in der Sache zur Begutachtung vorgeladen,
die Aebte dreier märkischer Klöster, von Zinna, Chorin und
Himmelpfort ein und bezeugen durch ihre Aussage, daß Abt
Arnold in der That willkürlich das Klostergut veräußert und
somit die Absetzung Seitens des Klosterconvents (der sich dabei

unter Abt Herrmann erinnern, wie wir dieſelben (ohne weitre
Gewähr) nach den Ausſagen „Dietrich’s von Ruppin“ geſchil-
dert haben. Hier wie dort begegnen wir Parteiungen und
einem ſiegreichen Auftreten der Majorität, nur mit dem Unter-
ſchied, daß ſich Abt Herrmann, in ſeinem Terrorismus, auf
die Majorität des Conventes ſtützte, während Abt Arnold
gegen dieſe Majorität ankämpfte und in dieſem Kampfe unterlag.

Die Urkunden aus der etwa zehnjährigen Zeit ſeiner Ver-
waltung ſind ziemlich zahlreich (20) und ſprechen nicht gegen
den Abt. Streitigkeiten werden geſchlichtet, Vergleiche getroffen,
Ländereien empfangen oder ausgegeben — nirgends erhellt aus
ihnen ein Zerwürfniß zwiſchen Abt und Convent. So verlau-
fen die Dinge oder ſcheinen ſie doch zu verlaufen, bis wir,
gleich aus den erſten Urkunden, die in die Regierungszeit ſeines
Nachfolgers fallen, in Erfahrung bringen, daß Abt Arnold
„wegen unſtatthafter Veräußerung von Kloſtergütern“ abgeſetzt
und Prior Gallus an ſeiner Statt zum Abte gewählt wor-
den ſei. Wir erfahren ferner, daß inzwiſchen ein andres deut-
ſches Kloſter (Altenberg) den Arnoldus zu ſeinem Abte ernannt,
dieſer aber, von ſeinem jetzigen, dem Altenberger Kloſter aus,
eine heftige Schmähſchrift (libellum infamiae) gegen den Prior
und die Mönche von Kloſter Lehnin gerichtet, dieſe Schmäh-
ſchrift auch zugleich als Anklageſchrift beim Generalcapitel in
Citeaux eingereicht habe.

Dieſe Anklageſchrift nun, von dem ehemaligen Abte des
angeklagten Kloſters ausgehend, ſcheint, wie begreiflich, ihre
Wirkung auf das Generalcapitel nicht verfehlt zu haben, und
ſo ſehen wir denn im März 1469 die Aebte von Heils-
bronn
und Erbach als ernannte Unterſuchungs-Commiſſa-
rien in Lehnin eintreffen. Aber gleichzeitig mit ihnen treffen
auch, als Zeugen in der Sache zur Begutachtung vorgeladen,
die Aebte dreier märkiſcher Klöſter, von Zinna, Chorin und
Himmelpfort ein und bezeugen durch ihre Ausſage, daß Abt
Arnold in der That willkürlich das Kloſtergut veräußert und
ſomit die Abſetzung Seitens des Kloſterconvents (der ſich dabei

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0114" n="96"/>
unter Abt <hi rendition="#g">Herrmann</hi> erinnern, wie wir die&#x017F;elben (ohne weitre<lb/>
Gewähr) nach den Aus&#x017F;agen &#x201E;<hi rendition="#g">Dietrich&#x2019;s</hi> von Ruppin&#x201C; ge&#x017F;chil-<lb/>
dert haben. Hier wie dort begegnen wir Parteiungen und<lb/>
einem &#x017F;iegreichen Auftreten der Majorität, nur mit dem Unter-<lb/>
&#x017F;chied, daß &#x017F;ich Abt <hi rendition="#g">Herrmann,</hi> in &#x017F;einem Terrorismus, <hi rendition="#g">auf</hi><lb/>
die Majorität des Conventes <hi rendition="#g">&#x017F;tützte,</hi> während Abt <hi rendition="#g">Arnold</hi><lb/>
gegen die&#x017F;e Majorität ankämpfte und in die&#x017F;em Kampfe unterlag.</p><lb/>
            <p>Die Urkunden aus der etwa zehnjährigen Zeit &#x017F;einer Ver-<lb/>
waltung &#x017F;ind ziemlich zahlreich (20) und &#x017F;prechen nicht gegen<lb/>
den Abt. Streitigkeiten werden ge&#x017F;chlichtet, Vergleiche getroffen,<lb/>
Ländereien empfangen oder ausgegeben &#x2014; nirgends erhellt aus<lb/>
ihnen ein Zerwürfniß zwi&#x017F;chen Abt und Convent. So verlau-<lb/>
fen die Dinge oder &#x017F;cheinen &#x017F;ie doch zu verlaufen, bis wir,<lb/>
gleich aus den er&#x017F;ten Urkunden, die in die Regierungszeit &#x017F;eines<lb/>
Nachfolgers fallen, in Erfahrung bringen, daß Abt <hi rendition="#g">Arnold</hi><lb/>
&#x201E;wegen un&#x017F;tatthafter Veräußerung von Klo&#x017F;tergütern&#x201C; abge&#x017F;etzt<lb/>
und Prior <hi rendition="#g">Gallus</hi> an &#x017F;einer Statt zum Abte gewählt wor-<lb/>
den &#x017F;ei. Wir erfahren ferner, daß inzwi&#x017F;chen ein andres deut-<lb/>
&#x017F;ches Klo&#x017F;ter (Altenberg) den Arnoldus zu &#x017F;einem Abte ernannt,<lb/>
die&#x017F;er aber, von &#x017F;einem <hi rendition="#g">jetzigen,</hi> dem Altenberger Klo&#x017F;ter aus,<lb/>
eine heftige Schmäh&#x017F;chrift <hi rendition="#aq">(libellum infamiae)</hi> gegen den Prior<lb/>
und die Mönche von Klo&#x017F;ter Lehnin gerichtet, die&#x017F;e Schmäh-<lb/>
&#x017F;chrift auch zugleich als Anklage&#x017F;chrift beim Generalcapitel in<lb/>
Citeaux eingereicht habe.</p><lb/>
            <p>Die&#x017F;e Anklage&#x017F;chrift nun, von dem ehemaligen Abte des<lb/>
angeklagten Klo&#x017F;ters ausgehend, &#x017F;cheint, wie begreiflich, ihre<lb/>
Wirkung auf das Generalcapitel nicht verfehlt zu haben, und<lb/>
&#x017F;o &#x017F;ehen wir denn im März 1469 die Aebte von <hi rendition="#g">Heils-<lb/>
bronn</hi> und <hi rendition="#g">Erbach</hi> als ernannte Unter&#x017F;uchungs-Commi&#x017F;&#x017F;a-<lb/>
rien in Lehnin eintreffen. Aber gleichzeitig mit ihnen treffen<lb/>
auch, als Zeugen in der Sache zur Begutachtung vorgeladen,<lb/>
die Aebte dreier <hi rendition="#g">märki&#x017F;cher</hi> Klö&#x017F;ter, von Zinna, Chorin und<lb/>
Himmelpfort ein und bezeugen durch ihre Aus&#x017F;age, daß Abt<lb/><hi rendition="#g">Arnold</hi> in der That willkürlich das Klo&#x017F;tergut veräußert und<lb/>
&#x017F;omit die Ab&#x017F;etzung Seitens des Klo&#x017F;terconvents (der &#x017F;ich dabei<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[96/0114] unter Abt Herrmann erinnern, wie wir dieſelben (ohne weitre Gewähr) nach den Ausſagen „Dietrich’s von Ruppin“ geſchil- dert haben. Hier wie dort begegnen wir Parteiungen und einem ſiegreichen Auftreten der Majorität, nur mit dem Unter- ſchied, daß ſich Abt Herrmann, in ſeinem Terrorismus, auf die Majorität des Conventes ſtützte, während Abt Arnold gegen dieſe Majorität ankämpfte und in dieſem Kampfe unterlag. Die Urkunden aus der etwa zehnjährigen Zeit ſeiner Ver- waltung ſind ziemlich zahlreich (20) und ſprechen nicht gegen den Abt. Streitigkeiten werden geſchlichtet, Vergleiche getroffen, Ländereien empfangen oder ausgegeben — nirgends erhellt aus ihnen ein Zerwürfniß zwiſchen Abt und Convent. So verlau- fen die Dinge oder ſcheinen ſie doch zu verlaufen, bis wir, gleich aus den erſten Urkunden, die in die Regierungszeit ſeines Nachfolgers fallen, in Erfahrung bringen, daß Abt Arnold „wegen unſtatthafter Veräußerung von Kloſtergütern“ abgeſetzt und Prior Gallus an ſeiner Statt zum Abte gewählt wor- den ſei. Wir erfahren ferner, daß inzwiſchen ein andres deut- ſches Kloſter (Altenberg) den Arnoldus zu ſeinem Abte ernannt, dieſer aber, von ſeinem jetzigen, dem Altenberger Kloſter aus, eine heftige Schmähſchrift (libellum infamiae) gegen den Prior und die Mönche von Kloſter Lehnin gerichtet, dieſe Schmäh- ſchrift auch zugleich als Anklageſchrift beim Generalcapitel in Citeaux eingereicht habe. Dieſe Anklageſchrift nun, von dem ehemaligen Abte des angeklagten Kloſters ausgehend, ſcheint, wie begreiflich, ihre Wirkung auf das Generalcapitel nicht verfehlt zu haben, und ſo ſehen wir denn im März 1469 die Aebte von Heils- bronn und Erbach als ernannte Unterſuchungs-Commiſſa- rien in Lehnin eintreffen. Aber gleichzeitig mit ihnen treffen auch, als Zeugen in der Sache zur Begutachtung vorgeladen, die Aebte dreier märkiſcher Klöſter, von Zinna, Chorin und Himmelpfort ein und bezeugen durch ihre Ausſage, daß Abt Arnold in der That willkürlich das Kloſtergut veräußert und ſomit die Abſetzung Seitens des Kloſterconvents (der ſich dabei

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Fontanes "Wanderungen" erschienen zuerst in Forts… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/fontane_brandenburg03_1873
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/fontane_brandenburg03_1873/114
Zitationshilfe: Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Bd. 3: Ost-Havelland. Berlin, 1873, S. 96. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fontane_brandenburg03_1873/114>, abgerufen am 28.09.2020.