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Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Bd. 3: Ost-Havelland. Berlin, 1873.

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Händen; die Fama bläst mit einer Doppeltuba den Ruhm
beider in die Welt hinaus; eine andere geflügelte Gestalt zeigt
auf die Chronik ihrer Thaten. In einem dritten Gemach, das
den Namen des Schlafzimmers der Kurfürstin führt, begegnen
wir einem Deckenschmuck aus wahrscheinlich eben dieser Zeit.
Außer einem Mittelbilde zeigt er zwei weibliche Figuren: die
Nacht ein Fackellicht tragend und den Morgen Rosen streuend
in leicht angehauchtem Gewölk.

Sophie Charlotte und König Friedrich I. bis 1713.

Kurfürstin Dorothea starb 1689; beinahe unmittelbar nach
ihrem Hinscheiden wurde Schloß Caput von Kurfürst Fried-
rich III. erworben, der es nunmehr seiner Gemahlin, der
gefeierten Sophie Charlotte, zum Geschenke machte. Es geschah
nun Aehnliches wie nach dem Tode von de la Chieze. Die
Ansprüche an Glanz und Luxus waren innerhalb der letzten
zwanzig Jahre abermals gewachsen, nirgends mehr als am Hofe
des prachtliebenden Friedrichs III. Wie das Schloß de Chiezes
nicht reich genug gewesen war für Kurfürstin Dorothea, so
waren die Einrichtungen dieser wiederum nicht reich genug für
die jetzt einziehende Sophie Charlotte. Auch jetzt, wie während
der 70er Jahre, berührten die Ummodelungen, die vorgenommen
wurden, weniger die Struktur als das Ornamentale und wieder
waren es in erster Reihe die Deckenbilder (diesmal in allen
Räumen), die den ohnehin reichgeschmückten Bau auf eine höchste
Stufe zu heben trachteten. Dies Betonen des Coloristischen lag
ja im Wesen der Renaissance, die, selbst malerisch in ihren
Formen wie kein anderer Baustil, es liebt, die Farbe sich dienst-
bar zu machen.

Ob Kurfürstin Sophie Charlotte noch Zeuge dieser letzten
Neugestaltung wurde, die das Schloß in seiner inneren Ein-
richtung erfuhr, ist mindestens fraglich. Bis 1694 -- wo der
Stern Charlottenburgs aufging, der zugleich den Niedergang
Caputs bedeutet -- konnte die Fülle dieser Deckenbilder nicht
vollendet sein; die kurze Zeitdauer verbot es. Aber auch der

Händen; die Fama bläſt mit einer Doppeltuba den Ruhm
beider in die Welt hinaus; eine andere geflügelte Geſtalt zeigt
auf die Chronik ihrer Thaten. In einem dritten Gemach, das
den Namen des Schlafzimmers der Kurfürſtin führt, begegnen
wir einem Deckenſchmuck aus wahrſcheinlich eben dieſer Zeit.
Außer einem Mittelbilde zeigt er zwei weibliche Figuren: die
Nacht ein Fackellicht tragend und den Morgen Roſen ſtreuend
in leicht angehauchtem Gewölk.

Sophie Charlotte und König Friedrich I. bis 1713.

Kurfürſtin Dorothea ſtarb 1689; beinahe unmittelbar nach
ihrem Hinſcheiden wurde Schloß Caput von Kurfürſt Fried-
rich III. erworben, der es nunmehr ſeiner Gemahlin, der
gefeierten Sophie Charlotte, zum Geſchenke machte. Es geſchah
nun Aehnliches wie nach dem Tode von de la Chieze. Die
Anſprüche an Glanz und Luxus waren innerhalb der letzten
zwanzig Jahre abermals gewachſen, nirgends mehr als am Hofe
des prachtliebenden Friedrichs III. Wie das Schloß de Chiezes
nicht reich genug geweſen war für Kurfürſtin Dorothea, ſo
waren die Einrichtungen dieſer wiederum nicht reich genug für
die jetzt einziehende Sophie Charlotte. Auch jetzt, wie während
der 70er Jahre, berührten die Ummodelungen, die vorgenommen
wurden, weniger die Struktur als das Ornamentale und wieder
waren es in erſter Reihe die Deckenbilder (diesmal in allen
Räumen), die den ohnehin reichgeſchmückten Bau auf eine höchſte
Stufe zu heben trachteten. Dies Betonen des Coloriſtiſchen lag
ja im Weſen der Renaiſſance, die, ſelbſt maleriſch in ihren
Formen wie kein anderer Bauſtil, es liebt, die Farbe ſich dienſt-
bar zu machen.

Ob Kurfürſtin Sophie Charlotte noch Zeuge dieſer letzten
Neugeſtaltung wurde, die das Schloß in ſeiner inneren Ein-
richtung erfuhr, iſt mindeſtens fraglich. Bis 1694 — wo der
Stern Charlottenburgs aufging, der zugleich den Niedergang
Caputs bedeutet — konnte die Fülle dieſer Deckenbilder nicht
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[178/0196] Händen; die Fama bläſt mit einer Doppeltuba den Ruhm beider in die Welt hinaus; eine andere geflügelte Geſtalt zeigt auf die Chronik ihrer Thaten. In einem dritten Gemach, das den Namen des Schlafzimmers der Kurfürſtin führt, begegnen wir einem Deckenſchmuck aus wahrſcheinlich eben dieſer Zeit. Außer einem Mittelbilde zeigt er zwei weibliche Figuren: die Nacht ein Fackellicht tragend und den Morgen Roſen ſtreuend in leicht angehauchtem Gewölk. Sophie Charlotte und König Friedrich I. bis 1713. Kurfürſtin Dorothea ſtarb 1689; beinahe unmittelbar nach ihrem Hinſcheiden wurde Schloß Caput von Kurfürſt Fried- rich III. erworben, der es nunmehr ſeiner Gemahlin, der gefeierten Sophie Charlotte, zum Geſchenke machte. Es geſchah nun Aehnliches wie nach dem Tode von de la Chieze. Die Anſprüche an Glanz und Luxus waren innerhalb der letzten zwanzig Jahre abermals gewachſen, nirgends mehr als am Hofe des prachtliebenden Friedrichs III. Wie das Schloß de Chiezes nicht reich genug geweſen war für Kurfürſtin Dorothea, ſo waren die Einrichtungen dieſer wiederum nicht reich genug für die jetzt einziehende Sophie Charlotte. Auch jetzt, wie während der 70er Jahre, berührten die Ummodelungen, die vorgenommen wurden, weniger die Struktur als das Ornamentale und wieder waren es in erſter Reihe die Deckenbilder (diesmal in allen Räumen), die den ohnehin reichgeſchmückten Bau auf eine höchſte Stufe zu heben trachteten. Dies Betonen des Coloriſtiſchen lag ja im Weſen der Renaiſſance, die, ſelbſt maleriſch in ihren Formen wie kein anderer Bauſtil, es liebt, die Farbe ſich dienſt- bar zu machen. Ob Kurfürſtin Sophie Charlotte noch Zeuge dieſer letzten Neugeſtaltung wurde, die das Schloß in ſeiner inneren Ein- richtung erfuhr, iſt mindeſtens fraglich. Bis 1694 — wo der Stern Charlottenburgs aufging, der zugleich den Niedergang Caputs bedeutet — konnte die Fülle dieſer Deckenbilder nicht vollendet ſein; die kurze Zeitdauer verbot es. Aber auch der

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Zitationshilfe: Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Bd. 3: Ost-Havelland. Berlin, 1873, S. 178. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fontane_brandenburg03_1873/196>, abgerufen am 23.09.2020.