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Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Bd. 3: Ost-Havelland. Berlin, 1873.

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Gütergotz.
Benutzt: Hans Kohlhase, Aufsatz von Baron v. Ahlefeldt. Das
Plateau von Kohlhasenbrück, Aufsatz vom Garnisonschul-
lehrer Wagener. Die Alterthumsfunde bei Kohlhasenbrück,
Aufsatz von Freiherr v. Ledebuer. Die Geschichte von
Gütergotz, Aufsatz (Mspt.) von Pastor Brodersen. Brief-
liche Mittheilungen von Landrath v. Albrecht.

Saarmund und die Nutheburgen.
Benutzt: Berghaus Mark Brandenburg. Fidicin die Zauche.
v. Reinhardt Sagen aus der Umgegend von Potsdam.
Die Nutheburgen.

Es gab ihrer vier, wie schon im Text hervorgehoben. Diese vier
waren, von der Mündung der Nuthe, am Flußufer aufwärts gerechnet:
Potsdam, Saarmund, Beuthen, Trebbin. Alle vier sind
verschwunden, denn was von Burg Beuthen noch steht, gehört einer
viel spätern Epoche an.

Burg Potsdam stand auf einem Inselvorsprung, der der Ein-
mündung der Nuthe in die Havel gerade gegenüberliegt. Nach allgemei-
ner freilich sagenhafter Annahme ist die jetzige Heilige Geistkirche
auf eben dieser Stelle errichtet worden. Das Bestehen der alten Burg
scheint von kürzester Dauer gewesen zu sein. Schon 1228 trat die
sogenannte Neue-Burg (Novum Castrum oder "de Nüve Huns") zwischen
Potsdam und Saarmund an ihre Stelle, bis auch diese Neue-Burg
verschwand. Schon mit Beginn des 14. Jahrhunderts, wo muthmaß-
lich das "Nüve Huns" wie das alte hinüber und Schloß Potsdam,
das, als gothisch mittelalterlicher Bau, in der zweiten Hälfte des
14. Jahrhunderts an die Stelle trat, hatte bereits jede Verwandtschaft, in
Zweck wie Erscheinung, mit der Nutheburg gleiches Namens abgestreift;
-- es stand nicht mehr, als Wächter gegen die Wenden Landschaft,
der Nuthemündung gegenüber, sondern bereits an selber Stelle, wo
das gegenwärtige Schloß Potsdam sich erhebt.

Saarmund und Trebbin traten gleichzeitig ab vom Schauplatz
Ohne Sang und Klang, ja ohne daß auch nur die Stelle mit Bestimmt-
heit anzugeben wäre, wo sie gestanden. Burg Saarmund erhob
sich vielleicht da, wo viel viel später das Amtsgebäude errichtet wurde;
über Burg Trebbin gingen mir folgende Angaben zu: "Nach Mei-
nung des Oberamtmanns Reyne, der, während der Kriegsjahre und
später, die Domaine Trebbin in Pacht hatte, stand die alte Burg auf
dem sogenannten Amtsberge. Man findet dort noch Mauerwerk und

Gütergotz.
Benutzt: Hans Kohlhaſe, Aufſatz von Baron v. Ahlefeldt. Das
Plateau von Kohlhaſenbrück, Aufſatz vom Garniſonſchul-
lehrer Wagener. Die Alterthumsfunde bei Kohlhaſenbrück,
Aufſatz von Freiherr v. Ledebuer. Die Geſchichte von
Gütergotz, Aufſatz (Mſpt.) von Paſtor Broderſen. Brief-
liche Mittheilungen von Landrath v. Albrecht.

Saarmund und die Nutheburgen.
Benutzt: Berghaus Mark Brandenburg. Fidicin die Zauche.
v. Reinhardt Sagen aus der Umgegend von Potsdam.
Die Nutheburgen.

Es gab ihrer vier, wie ſchon im Text hervorgehoben. Dieſe vier
waren, von der Mündung der Nuthe, am Flußufer aufwärts gerechnet:
Potsdam, Saarmund, Beuthen, Trebbin. Alle vier ſind
verſchwunden, denn was von Burg Beuthen noch ſteht, gehört einer
viel ſpätern Epoche an.

Burg Potsdam ſtand auf einem Inſelvorſprung, der der Ein-
mündung der Nuthe in die Havel gerade gegenüberliegt. Nach allgemei-
ner freilich ſagenhafter Annahme iſt die jetzige Heilige Geiſtkirche
auf eben dieſer Stelle errichtet worden. Das Beſtehen der alten Burg
ſcheint von kürzeſter Dauer geweſen zu ſein. Schon 1228 trat die
ſogenannte Neue-Burg (Novum Castrum oder „de Nüve Huns“) zwiſchen
Potsdam und Saarmund an ihre Stelle, bis auch dieſe Neue-Burg
verſchwand. Schon mit Beginn des 14. Jahrhunderts, wo muthmaß-
lich das „Nüve Huns“ wie das alte hinüber und Schloß Potsdam,
das, als gothiſch mittelalterlicher Bau, in der zweiten Hälfte des
14. Jahrhunderts an die Stelle trat, hatte bereits jede Verwandtſchaft, in
Zweck wie Erſcheinung, mit der Nutheburg gleiches Namens abgeſtreift;
— es ſtand nicht mehr, als Wächter gegen die Wenden Landſchaft,
der Nuthemündung gegenüber, ſondern bereits an ſelber Stelle, wo
das gegenwärtige Schloß Potsdam ſich erhebt.

Saarmund und Trebbin traten gleichzeitig ab vom Schauplatz
Ohne Sang und Klang, ja ohne daß auch nur die Stelle mit Beſtimmt-
heit anzugeben wäre, wo ſie geſtanden. Burg Saarmund erhob
ſich vielleicht da, wo viel viel ſpäter das Amtsgebäude errichtet wurde;
über Burg Trebbin gingen mir folgende Angaben zu: „Nach Mei-
nung des Oberamtmanns Reyne, der, während der Kriegsjahre und
ſpäter, die Domaine Trebbin in Pacht hatte, ſtand die alte Burg auf
dem ſogenannten Amtsberge. Man findet dort noch Mauerwerk und

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[452/0470] Gütergotz. Benutzt: Hans Kohlhaſe, Aufſatz von Baron v. Ahlefeldt. Das Plateau von Kohlhaſenbrück, Aufſatz vom Garniſonſchul- lehrer Wagener. Die Alterthumsfunde bei Kohlhaſenbrück, Aufſatz von Freiherr v. Ledebuer. Die Geſchichte von Gütergotz, Aufſatz (Mſpt.) von Paſtor Broderſen. Brief- liche Mittheilungen von Landrath v. Albrecht. Saarmund und die Nutheburgen. Benutzt: Berghaus Mark Brandenburg. Fidicin die Zauche. v. Reinhardt Sagen aus der Umgegend von Potsdam. Die Nutheburgen. Es gab ihrer vier, wie ſchon im Text hervorgehoben. Dieſe vier waren, von der Mündung der Nuthe, am Flußufer aufwärts gerechnet: Potsdam, Saarmund, Beuthen, Trebbin. Alle vier ſind verſchwunden, denn was von Burg Beuthen noch ſteht, gehört einer viel ſpätern Epoche an. Burg Potsdam ſtand auf einem Inſelvorſprung, der der Ein- mündung der Nuthe in die Havel gerade gegenüberliegt. Nach allgemei- ner freilich ſagenhafter Annahme iſt die jetzige Heilige Geiſtkirche auf eben dieſer Stelle errichtet worden. Das Beſtehen der alten Burg ſcheint von kürzeſter Dauer geweſen zu ſein. Schon 1228 trat die ſogenannte Neue-Burg (Novum Castrum oder „de Nüve Huns“) zwiſchen Potsdam und Saarmund an ihre Stelle, bis auch dieſe Neue-Burg verſchwand. Schon mit Beginn des 14. Jahrhunderts, wo muthmaß- lich das „Nüve Huns“ wie das alte hinüber und Schloß Potsdam, das, als gothiſch mittelalterlicher Bau, in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts an die Stelle trat, hatte bereits jede Verwandtſchaft, in Zweck wie Erſcheinung, mit der Nutheburg gleiches Namens abgeſtreift; — es ſtand nicht mehr, als Wächter gegen die Wenden Landſchaft, der Nuthemündung gegenüber, ſondern bereits an ſelber Stelle, wo das gegenwärtige Schloß Potsdam ſich erhebt. Saarmund und Trebbin traten gleichzeitig ab vom Schauplatz Ohne Sang und Klang, ja ohne daß auch nur die Stelle mit Beſtimmt- heit anzugeben wäre, wo ſie geſtanden. Burg Saarmund erhob ſich vielleicht da, wo viel viel ſpäter das Amtsgebäude errichtet wurde; über Burg Trebbin gingen mir folgende Angaben zu: „Nach Mei- nung des Oberamtmanns Reyne, der, während der Kriegsjahre und ſpäter, die Domaine Trebbin in Pacht hatte, ſtand die alte Burg auf dem ſogenannten Amtsberge. Man findet dort noch Mauerwerk und

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Zitationshilfe: Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Bd. 3: Ost-Havelland. Berlin, 1873, S. 452. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fontane_brandenburg03_1873/470>, abgerufen am 22.03.2019.