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Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Bd. 3: Ost-Havelland. Berlin, 1873.

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waren, als alle anderen im Lande. Das ist nun anders
geworden; in allen Theilen des alten Gebiets, zumal auch auf
jener Strecke, die noch den alten Namen führt, haben sich die
Elemente geschieden, aus weiten Sumpfstrecken, denen man die
Elsen und Eichen nahm, sind weite Wiesenstrecken geworden,
und aus anderen, denen man Elsen und Eichen hinzuthat,
sind regelrechte Waldreviere geworden. Nur da, wo Wald
und Wiese mit einander grenzen und der Wald aus seinem
Heerlager einzelne Posten in die weite Wiese hinausstellt, nur
an diesen Stellen zeigt der Brieselang noch seinen alten
Charakter, zumal im Frühjahr, wenn das Sumpfwasser steigt
und sich wieder in Lachen und Lanken um die Elsenbüsche
sammelt.

Der Brieselang ist eine schwindende Macht, an Terrain
verlierend wie an Charakter, aber auch noch im Schwinden
ehrwürdig, voll Zeichen alter Berühmtheit und alten Glanzes.
Er besteht zur Zeit noch aus zwei Hälften, aus dem eigent-
lichen Brieselang und aus der Buten-Haide, von denen jener,
mit dem Hauptpunkt "Finkenkrug", die südliche, diese, die
Buten-Haide, mit dem Hauptpunkt "Königs-Eiche", die nörd-
liche Hälfte bildet, da aber wo beide Hälften zusammentreffen,
inmitten einer Lichtung, erhebt sich die "Försterei Brieselang",
die als Centralpunkt mit Recht den Namen des ganzen Waldes
trägt.

In den Brieselang also!


waren, als alle anderen im Lande. Das iſt nun anders
geworden; in allen Theilen des alten Gebiets, zumal auch auf
jener Strecke, die noch den alten Namen führt, haben ſich die
Elemente geſchieden, aus weiten Sumpfſtrecken, denen man die
Elſen und Eichen nahm, ſind weite Wieſenſtrecken geworden,
und aus anderen, denen man Elſen und Eichen hinzuthat,
ſind regelrechte Waldreviere geworden. Nur da, wo Wald
und Wieſe mit einander grenzen und der Wald aus ſeinem
Heerlager einzelne Poſten in die weite Wieſe hinausſtellt, nur
an dieſen Stellen zeigt der Brieſelang noch ſeinen alten
Charakter, zumal im Frühjahr, wenn das Sumpfwaſſer ſteigt
und ſich wieder in Lachen und Lanken um die Elſenbüſche
ſammelt.

Der Brieſelang iſt eine ſchwindende Macht, an Terrain
verlierend wie an Charakter, aber auch noch im Schwinden
ehrwürdig, voll Zeichen alter Berühmtheit und alten Glanzes.
Er beſteht zur Zeit noch aus zwei Hälften, aus dem eigent-
lichen Brieſelang und aus der Buten-Haide, von denen jener,
mit dem Hauptpunkt „Finkenkrug“, die ſüdliche, dieſe, die
Buten-Haide, mit dem Hauptpunkt „Königs-Eiche“, die nörd-
liche Hälfte bildet, da aber wo beide Hälften zuſammentreffen,
inmitten einer Lichtung, erhebt ſich die „Förſterei Brieſelang“,
die als Centralpunkt mit Recht den Namen des ganzen Waldes
trägt.

In den Brieſelang alſo!


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[36/0054] waren, als alle anderen im Lande. Das iſt nun anders geworden; in allen Theilen des alten Gebiets, zumal auch auf jener Strecke, die noch den alten Namen führt, haben ſich die Elemente geſchieden, aus weiten Sumpfſtrecken, denen man die Elſen und Eichen nahm, ſind weite Wieſenſtrecken geworden, und aus anderen, denen man Elſen und Eichen hinzuthat, ſind regelrechte Waldreviere geworden. Nur da, wo Wald und Wieſe mit einander grenzen und der Wald aus ſeinem Heerlager einzelne Poſten in die weite Wieſe hinausſtellt, nur an dieſen Stellen zeigt der Brieſelang noch ſeinen alten Charakter, zumal im Frühjahr, wenn das Sumpfwaſſer ſteigt und ſich wieder in Lachen und Lanken um die Elſenbüſche ſammelt. Der Brieſelang iſt eine ſchwindende Macht, an Terrain verlierend wie an Charakter, aber auch noch im Schwinden ehrwürdig, voll Zeichen alter Berühmtheit und alten Glanzes. Er beſteht zur Zeit noch aus zwei Hälften, aus dem eigent- lichen Brieſelang und aus der Buten-Haide, von denen jener, mit dem Hauptpunkt „Finkenkrug“, die ſüdliche, dieſe, die Buten-Haide, mit dem Hauptpunkt „Königs-Eiche“, die nörd- liche Hälfte bildet, da aber wo beide Hälften zuſammentreffen, inmitten einer Lichtung, erhebt ſich die „Förſterei Brieſelang“, die als Centralpunkt mit Recht den Namen des ganzen Waldes trägt. In den Brieſelang alſo!

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Zitationshilfe: Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Bd. 3: Ost-Havelland. Berlin, 1873, S. 36. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fontane_brandenburg03_1873/54>, abgerufen am 30.10.2020.